Wind Patagoniens, die zweite

Fr. 18.3.16

Der gestrige Wind ist nachts eingeschlafen und so konnten wir auch friedlich schlafen. 7 Grad abends und morgens – geht noch. Wir haben nicht gefroren. Aber der Wind kommt mit Sonnenaufgang wieder. Heftiger als gestern. Ich muss mich mit aller Macht gegen den Wind stemmen, um meine Spur zu halten. Der Wind kommt von rechts, also muss ich am rechten Griff heftig ziehen und am linken drücken, damit mein Mädel nicht abdriftet. Stundenlang kämpfen wir uns durch den Wind. Meine Arme werden lahm und die Finger schlafen ein vor Kälte und Verkrampfung. Der Spritverbrauch steigt hoch. Gestern 2 Liter mehr pro 100 km. Heute noch mehr. Wir fahren nur 80, wenn der Wind so stark ist. So der Plan. Aber ich komme nicht hinterher. Der Wind ist einfach zu stark und ich kann bei der Geschwindigkeit nicht genug dagegenhalten. Einzige Möglichkeit: Tempo drosseln. So eiern wir wieder um die wenigen Kurven und üben uns sonst in Schräglage, damit wir das auch ja nicht verlernen. 

Aber der Wind zeigt sich gnädig. Plötzlich hört alles Geräusch einfach auf. Man hört nur das friedliche Brummen des Motors. Sonst nix. Hä? Nicht mal Fahrtwind? Nein, nichts. Wir haben Rückenwind und der momentane Spritverbrauch liegt bei unglaublichen 3,2 Litern, wohlgemerkt bei 120 km/h. Einige -zig km fahren wir so entspannt mit dem Wind, legen die Füße hoch, fahren wieder aufrecht, setzen uns gerade hin, ohne sich hinter dem Windschild zu verstecken und machen die Finger wieder gerade. Locker entspannt cruisen wir so dahin. 

Wir fahren 5 Std. am Stück = 400 km bis zur nächsten Tanke. Dort gibts auch was warmes zu trinken und ein paar „Empanadas“ zu essen. Nach 1 Std. Pause entscheiden wir, noch ca 100 km weiter zu fahren. Da fängt ungefähr die Piste an, die wir uns dann für morgen früh „verwahren“ wollen, um statt dessen an der Hazienda zu übernachten. 

Aber der Teer hört schon nach 30 km auf und die einzige, die uns auf der Hazienda empfängt, ist die aufdringliche Katze, die mir aus dem Stand auf die Brust springt und sich mit den Krallen an meiner Regenjacke festhält. GRRRRR!!!!! Anscheinend hat sie schon ewig keiner mehr gekrault, so ausgehungert erscheint sie uns und das Gelände verlassen. Also fahren wir doch weiter. Natürlich könnten wir auch einfach hier windgeschützt unser Zelt aufschlagen. Aber wenn es Regen gibt heute Nacht, ist es besser, wenn wir den Rest der Piste auch noch abreißen. Sie könnte sonst etwas „Crema“ bekommen. 

Auch so ist die Piste schwer genug. Weicher Schotter, mal tief, mal ausgefahren mit eingebautem Waschbrett oder Steinengerumpel. behindert unser Vorankommen erheblich. Schon von weitem sehe ich den Übeltäter. Seine Scheinwerfer leuchten, doch er bewegt sich nicht. Jedenfalls nur langsam und zeugt von reichlich Ungemach: Ein Grader – fast fertig mit seinem Werk. 100-e Meter paddeln wir mit schleifender Kupplung im 1. Gang durch die dicken Steine, während er die letzte Reihe aufgeschütteter Steine gleichmäßig verteilt. Die ganze Breite der Straße ist unbrauchbar gemacht. Keine Spur von voranfahrenden Fahrzeugen, denn wir sind wohl die ersten. So ein Mist. Eigentlich wollten wir für die 92 km bis zum nächsten Ort ca 1 Std. fahren, aber wir brauchen fast 2. Alleine für die restliche Piste eine Std. (inkl. Aufhebens eines Moppeds mit Hilfe eines netten Autofahrers, ohne den wir sicher alles hätten abbauen müssen). M. gefiel anscheinend sein Werkzeugtool aus Costa Rica nicht mehr und hat es lieber in Teilen am Straßenrand zurückgelassen. Somit habe ich nun das Werkzeug auf meinem Mopped, bevor es auch noch dort landet. Gott sei Dank – so denke ich mehrfach in dieser Stunde – Gott sei Dank ist gerade noch fast windstill. Nicht auszudenken, wenn jetzt der fiese Wind einbräche. Aber pünktlich mit dem Teer fängt auch der Wind wieder an. So üben wir noch ein wenig Schräglage geradeaus und kommen kurz vor Sonnenuntergang in Tres Lagos an. (= 550 Tageskm) Das Hostal will 450 Pesos haben. Hier in der Einöde? Ist uns zuviel. Dort gibt es noch weitere – aber wir haben keine Lust mehr zu fragen. Auf den Campingplatz muss ich auch nicht unbedingt, nur um versiffte Klos und Duschen nicht zu benutzen, aber zu bezahlen… ? DAS können wir auch umsonst haben und so fahren wir einfach 200 m weiter hinter die Fabrik oder Gasstation und verkrümeln uns an die Erdwallseite. 

Gute N8

B.

PS: Was wir ausgelassen haben: 40 km Richtung Grenze liegt Los Antiguos. Dort gibt es alte Indio-Wandmalereien. Direkt hinter der Grenze auf chilenischer Seite des Sees gibt es wunderschöne Marmorhöhlen. Aber es würde uns einen Tag kosten, und wir können nicht alles sehen…

 

 

Erwischt vom berühmt/berüchtigten patagonischen Wind

Do.17.3.16

Heute zeigt das Barometer schon beim Aufstehen Regen an und als ich aus dem Zelt blicke, drohen dunkle, graue Wolken gleich dort drüben. Da es noch trocken ist, packen wir lieber erst das Zelt ein. Aber es bleibt trocken und so gibts doch noch Kaffee. Heute soll es ein paar mehr Kilometer geben und wir sind schon um halb 10 auf tour.

Aber zu früh gefreut: Er hat uns gefunden – der berühmt/berüchtigte Wind von Patagonien. Viel haben wir davon gehört in den Vorträgen, die wir vor unserer Reise gehört haben. Geschmunzelt und gestaunt haben wir über die Berichte. Aber jetzt erst weiß ich, was jeder einzelne erzählt hat. Jetzt hab ich es selbst „erfahren“. Wir fahren 100-e km in Schräglage geradeaus. Ständig zerrt und rüttelt der Wind am Helm, als ob er ihn ausziehen wolle, so dass die Ohren lang werden. Die Schläfen werden abwechselnd eingedrückt, je nachdem von wo der Wind kommt und man ist froh, wenn mal nur einen Moment lang der Helm einfach seiner Schwerkraft folgend auf dem Kopf aufliegt. Trotz winddichter Jacke und zusätzlichem Langarmshirt und Alpacajacke ist einem bei 17 °C schweinekalt, denn der Wind findet die bestmögliche Angriffs- bzw. EINGRIFFSmöglichkeit. Er nimmt einfach das größte Loch, nämlich das von unten. Er hebt die gesamte Jacke an und füllt sie mit kalter Luft. Brrrr.

Immer schön auf der Straße bleiben, ist das oberste Ziel. Wir eiern um die Wette, so als ob man zu tief ins Glas geschaut hätte. Einmal macht M. einen Schlenker auf die Gegenfahrbahn (es kam zum Glück keiner) und obwohl ich mich drauf einstelle und dagegen halte, ist es mir nicht möglich, auf meiner Spur zu bleiben, so stark ist die Böe. Der Wind kommt von rechts und die Straße geht nach links. Heißt: Weiter nach links lehnen, damit man nach rechts um die Kurve fahren kann. Hört sich verrückt und kompliziert an. Aber zum Glück macht das Gleichgewicht vieles automatisch, sonst wäre ich wohl schon längst vom Mopped gefallen…

Eine Baustelle kommt – Umleitung. Mist! Bei DEM Wind kommt da erst recht „Freude“ auf. Weiche Schotterspuren. Da muss man gut zielen, aber bei dem Wind eiert man ständig an den Rand der Kanten und das Vorderrad droht umzuschlagen. Dann noch Gegenverkehr, wo man die spur nicht frei wählen kann. Ich krieg die Krise. Kann der Wind nicht mal diese 10 km aufhören??? Kann er natürlich nicht – ein kleiner Vorgeschmack auf morgen, wenn dann 70 km Piste auf uns warten. Ich freu mich schon! Aber wie immer, wenn ich Angst vor etwas habe: Ich schiebe sie auf Seite und kümmere mich drum, wenns soweit ist.

Statt dessen sehe ich viele Guanacos, die z. T. auf der Straße stehen und uns ob des Gegenwindes nicht wittern und so erst sehr spät wahrnehmen. Natürlich reagieren die dann in Panik und wir müssen extrem gut aufpassen, ob sie auch wirklich auf beiden Straßenseiten bleiben, oder doch noch zurück auf die andere Seite wollen. Außerdem haben wir einige Laufvögel gesehen, die aussehen, wie kleine Emus und einige Gürteltiere. Die habe ich mir allerdings viel größer vorgestellt, sind sie doch nur unwesentlich größer als Igel. Hier isst man sie sogar. Allerdings weiß ich nicht, ob man sie einfängt oder züchtet. Sie würden so wie Schweinefleisch schmecken, nur viel leckerer. Na,  ich habs noch nicht probiert.

Auch wenn das Tankstellennetz gut bestückt sein soll, so nehmen wir jede Tanke, die wir sehen. Auch nach 170 km schon wieder. Sicher ist sicher. Erfahrungen aus Alaska sei Dank. Aber viel mehr macht uns das Bargeld Sorgen. Die Banken haben hier 2 Systeme: Das Link-System und das andere. Bei ersterem gibts kein Geld, die Automaten können mit allen Karten (auch Kreditkarten) nichts anfangen. Das kommt dann leider auch flächendeckend vor, so dass es rein gar nichts nützt, einfach zum nächsten Automaten zu gehen. Da gibts dann tagelang kein Geld. Haushalten heißt es da. Wie gut, dass ich noch so viele Chilenische Pesos und Dollars habe, die ich eintauschen kann. Als ob ich es geahnt hätte. In Bolivien hab ich ja damit gerechnet, aber nicht mehr in Argentinien.

Deshalb lassen wir Perito Moreno (die Stadt, nicht der Gletscher, der erst ca 800 km weiter südlich zu finden ist) sausen und nehmen kein Hotel, sondern suchen wieder eine Stelle zum Wildcampen. Aber es windet furchtbar und es gibt keine windgeschütze Stelle, da alles Weideland eingezäunt ist. Aber direkt am See „Buenos Aires“ gibt es eine Touri-.Hacienda, die noch auf hat, auch wenn gerade gar keine Saison ist. Ein wunderschönes Plätzchen, oder besser riesiges Areal und hinter den Bäumen auch windgeschützt.

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Der Lago „Buenos Aires“ an der Ruta 40, da gibt es bestimmt einen Weg zum Strand.

Der Besitzer lässt uns für annehmbaren Preis zelten, schließt uns ein Häuschen zum Duschen auf und „befiehlt“ uns, in die Kabine zu gehen, wenn es heute Nacht regnen sollte. Er würde nachschauen kommen, also Ausflüchte gäbe es keine. Echt nett.

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Ab an den See, wie wir wieder durch den Sandweg zurückkommen, sehen wir später – Endlich da.

Zuerst gehts mal mit den Moppeds an den See. Der 1 km wäre (angeblich) nicht sandig, hat es aber ordentlich in sich: 200 m lang eine 30 cm tiefe und breite zackige Wasserauswaschungsrinne. Rechts und links daneben Sand. Rutscht man in die Rinne, muss man bis unten hin drin bleiben, raus geht dann nicht mehr. An einer Stelle kommt man noch mit rollen lassen runter. Unten „empfängt“ dich Sand. Ich weiß schon jetzt, hier gibt es nur eine 20 cm breite und 2 m lange, sandige Schneise, um wieder rauf zu kommen. Wenn ich die nicht treffe oder wegrutsche, sind meine Füße zu kurz und ich kippe kopfüber in die Tiefe. Aber darüber mache ich mir erst wieder Gedanken, wenn ich zurück will. Erstmal die vielen Tiefsandpassagen meistern. Endlich am See überschlagen sich die 1-2m hohen Wellen. Man fühlt sich, wie am Meer. Gischt spritzt hoch. Es ist s_ _ -kalt und die Sonne geht grade unter und leuchtet die Wolken gegenüberliegend rot an.

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Noch ein paar Schritte und wir sind da.

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Nein, wir sind nicht am Pazifik, dass macht alles er Wind!

Wow! Wir trinken schnell einen O-saft und machen uns lieber wieder auf den Weg zurück. Nicht dass wir hinterher vor lauter „nix mehr sehen“ doch noch im Graben landen. Alle Schwierigkeiten kann ich mit kurzen Konzentrationspausen meistern und endlich sind wir wieder zurück. Eigentlich wollte ich einen Tee oder Kaffee machen, aber es gibt einen Stromausfall und weder Licht noch Wasser (die Pumpe funzt ohne Strom nicht). Also besorgt uns der Besitzer erstmal eine Notlampe und versucht irgendwie wieder an Strom zu kommen. Macht nix. Wir sitzen geschützt, wenn auch im Dunkeln. Aber wir haben ja alles, was wir brauchen. Bald gehts ins Bett, da brauchen wir dann auch keinen Strom mehr.

Gute N8

VGB

Wie in den Alpen

Mi. 16.3.16

Happy Birthday, lieber Papa! Nächstes Jahr wird dann genullt! 🙂

Wir machen uns wieder auf den Weg, aber gaaaaaaanz langsam. Wir genehmigten uns mal ein „Sonntags“ausflugsründchen am Dienstag. Kurvig rund um die Seenlandschaft im Schneckentempo. Es ist schon halb 2 und noch keine 30 km geschafft. Andauernd hielten wir an und bestaunten die wunderschönen Ausblicke auf den jeweiligen See und stellten uns dabei vor, wie es wäre, hier zu wohnen.

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Ist das schön hier. Ein toller Altersruhesitz.

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Wassersport an den vielen Seen.

Ob es im Winter lange kalt ist? Ob hier Schnee liegt? Wir fragten am Panoramacafe nach. Ja, hier liegt etwa 2 Monate lang Schnee, ca ½ m und ja, hier ist das größte Skigebiet Argentiniens in der Nähe, obwohl wir uns mal gerade auf 600-800 m Höhe befinden. Hier dürfen wir draußen auf der Terrasse über dem See sitzen (im letzten Hotel Llao Llao war die nur für Hotelgäste reserviert, auch wenn kaum einer draußen die Tische belegte. Aber wir sollten drinnen sitzen. Phhh – bei deeeem herrlichen Wetter doch nicht! Wir wollen raus. Wir sind seit Monaten draußen. Drinnen können wir gar nicht mehr ;-)….)

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Das traumhaft gelegene und exklusive Llao Llao Hotel

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Blumen und Berge am Llao Llao Hotel.

Nun müssten wir aber endlich mal los, wir wollten doch noch 140 km nach Claudia und Klaus, die beiden deutschen Moppedreisende und Auswanderer, die sich nach 16 Jahren auf der Reise nicht mehr in D-land zurechtfanden und in Patagonien ein neues Zuhause gefunden haben. Wir wollten schließlich nicht erst um 8 bei denen aufschlagen. Wir hatten uns sehr kurzfristig bei Ihnen über die Webseite angemeldet und noch eben die Antwortmail erhalten, bevor wir mit Packen fertig sind. Sie freuen sich über „Besuch“, wenn er sich denn vorher per Mail anmeldet, immerhin ist dies Privatgelände und sie wollen natürlich auch als Familie leben und nicht von wildfremden „überfallen“ werden. Da ist eine Anmeldung verständlicherweise das mindeste. Direkt am kleinen Fluss konnten wir campen und uns bei sternenklarem Himmel vom Rauschen einlullen lassen. Es blieb nicht viel Zeit zum Kennenlernen, aber die Chemie stimmte sofort. Biker unter sich… Wir „müssen“ erst noch „eben“ mal schnell runter nach Ushuaia, Jetzt noch? Wir wünschen uns dies. Aber wir riskieren nix. Wir nahmen die mahnenden Worte zum Wind ernst und die Ratschläge gerne auf. Aber wenn wir zurückkommen, wieder nach oben nach Norden fahren, dann bringen wir mehr Zeit mit und dann packen wir auch gerne mit an. Helfende Hände sind hier immer willkommen und wir haben schon soooo viele km gefahren, als dass wir einige Tage auch mal was anderes machen können. Das tut unserem Kreislauf und der Fitness sicher gut! Und auf diesem herrlichen Fleckchen Erde die beiden näher kennen zu lernen, ist ein großer Anreiz. Wir haben ja sonst nix zu tun ;-)…

Heute sind wir schon früh auf: ganze 3 Grad plus. 10 weniger als noch vor 3 Tagen beim letzten Campen. Brrrr! Die Sonne klettert langsam die Berge herunter und als sie unten ist, haben wir alles eingepackt – mit klammen Fingern! DAS hatten wir lange nicht mehr. Aber die Sonne wärmt schon gut. Wir verabschieden uns und sind schon um 10 unterwegs.

Aber heute läuft es nicht gut. M. reiht sich hinter mir ein – und meist knirscht es dann im Gebälk. So auch heute: Bei der 1. Tanke treffen wir auf 3 argentinische Biker mit kleinen 250-er auf dem Weg nach Ushuaia. Jetzt noch? Jep. Na, die werden ihr Land ja wohl kennen. Wenn DIE erst jetzt runter fahren, kann es ja nicht ganz so spät sein. Wir wollen tanken, aber es gibt nix. Auch die 2. Tanke verweigert den Sprit, weil wir unsere Mädels nicht dem Tankwart anvertrauen wollen. Erst die 3. genehmigt uns das Selbertanken und auch noch etwas Luft für die Reifen. Puh, das hat lange gedauert. Ich achte nicht auf den Weg und fahre immer geradeaus. Aber die Ruta 40 macht einen Knick nach Westen. So fahre ich eine kleinere Ruta, die irgendwann im Schotter landet. Hm. Mist! Natürlich kommt man so nur 30 – 40 km pro Std voran, statt 80 – 100. Atemraubend, denn es staubt fürchterlich, trotz atemBEraubende Landschaft am See entlang. Nach 25 km dann die Ernüchterung: Es geht durch den Nationalpark und dafür muss man nur für das Durchfahren 120 Pesos pro Nase/Mopped zahlen. Hm, noch mehr Mist. Zu viel, das ist es uns nicht wert. Also zurück. Über eine andere 30km-Schotterstrecke wieder zur Ruta 40, die wir endlich um 3 erreichen und haben sage und schreibe „schon“ 100 km Richtung Süden geschafft. 80 km Umweg! Nu aber los. An der Tanke gibts Sprit, Kaffee und ein paar Lebensmittel und ein Eis für uns beide. Nebenan am Tisch spricht uns ein Paar auf deutsch an. Es gibt viele Argentinier hier mit deutschen Wurzeln. Jetzt weiß ich auch, warum ich mich so heimisch gefühlt habe und mich die Bauweise so an daheim erinnert hat. Die Ordnung hier, die Sauberkeit, die Pflege der Umwelt und der Natur. Sehr „deutsch“. Sie laden uns zu sich ans Meer 400 km südlich von Buenos Aires ein. Wir wollen es versuchen, können aber nichts versprechen.  Sie freuen sich schon drauf. Mal sehen.

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Rio Mayo ist die argentinische Hauptstadt der Schafscherer.

Lange genug Zeit vertrödelt, nu aber weiter, km schrubben. Aber wir kommen nur bis zum Mopped. Dort wartet ein Japaner auf uns. Auch er möchte mit uns ein paar Worte wechseln, ist er doch auch auf dem Weg nach Ushuaia. Ups, so viele jetzt noch dahin unterwegs? Hätten wir nicht gedacht.

Wir schaffen noch 150 km südlich, dann suchen wir uns ein windgeschütztes Plätzchen etwas erhöht auf dem Hügel neben der Straße. Dorthin zu gelangen ist gar nicht so einfach, denn ein Weg führt da nicht hin. Wir suchen die Hänge entlang der Straße ab. Hier ist es zu steil, dort zu viele Pflanzen (die sind nämlich furchtbar dornig und hart und haben um sich immer Erdhaufen angehäuft, was das Vorderrad immer gerne zum Umschlagen neigen lässt ;-)…) da viel dickes Geröll, gepaart mit 4 riesigen Löchern (1 m tief und 2 m Durchmesser), die man wohl besser um- statt reinfährt. Aber wofür hab ich denn die ganzen Trainings gemacht? Genau hierfür. Also los. Der 1. Versuch misslingt. Ich schaffe es zwar durch den Graben und auch noch den kleinen Hang hoch, aber dann zögere zu lange, der Schwung ist weg und ich stehe vor dem tiefen Geröll. Es hat keinen Zweck, weiter zu versuchen. Das gibt nur Umschlagen des Vorderrades oder Umkippen, weil die Beine zu kurz sind. So drehe ich wieder Richtung Straße und probiere es lieber nochmal. Beim 2. Versuch stelle ich mich bilderbuchmäßig auf die Fußrasten (so wie gelernt), und so klappt es auch.

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Abendstimmung an der Ruta 40.

Hier ist wieder sehr trockene Landschaft. Bäume gibt es nur am langen Band, dort entlang des Flussufers. Wie wenig Wasser es hier gibt. Hoffentlich ändert sich das nicht schneller als uns lieb ist. Ich weiß von Bikern, die hier wegen Regenstürmen „Landunter“ meldeten und 1000 km Umweg in Kauf nehmen mussten. Noch sagt das Wetter für Ushuaia Regen. Hoffentlich ändert sich das bis dahin, wenn wir dorthin kommen. Möge der Winter noch etwas warten…

Hoffentlich verkrümelt sich bald der Winter bei euch und der Frühling kommt farbenprächtig…

Herzlichst eure B.

(San Carlos de) Bariloche

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Alle genießen den Tag, nicht nur wir!

Mo 14.3.16

Die letzten 140 km bis Bariloche (wie es allgemein genannt wird) sind schnell runtergespult. Wow, welch ein wunderschöner Ort. Alpenländisches Flair empfängt uns und wir staunen erstmal die Hauptstraße am See entlang. Diese Ausblicke! Diese unterschiedlichen Häuser, keine Touristenblocks, obwohl eine Touristenhochburg. Wirklich großartig. Die Stadt hat Flair, das merken wir sofort. Hier wohnen – ahhh!!! DAS wäre was.

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Der zentrale Platz in Bariloche

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Impressionen

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Totempfähle der indigenen Bevölkerung.

Totempfähle II

Totempfähle II

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Christo war auch hier? Eingepackte, behäkelte Bäume.

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Es gibt einen Schokoladenladen neben dem nächsten und aus jedem duftet es nach Kakao und Ungesund. Das wäre meiner Figur äußerst abträglich. Aber ich kann mich nicht entscheiden und so lande ich ohne Schokolade wieder im Hostal. Glück gehabt.

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Unsere Bleibe in Bariloche.

Wir bleiben 2 Nächte und versuchen unsere Rückreise zu recherchieren. Wir haben immer noch kein adäquates Angebot. Das einzige bisherige Angebot beinhaltet einige heftige Probleme, die wir lieber anders lösen würden. Aber unsere Anfragen laufen alle ins Leere. Die Fluggesellschaften haben neue Verordnungen und verlangen Zwischenagenten, die sich wochenlang nicht melden. Auch Speditionen antworten nicht. Außerdem dürfen seit neuestem nur noch motorradspezifische Dinge mittransportiert werden, was uns zwänge, das gesamte Equipment huckepack zu nehmen. Ja, wofür hab ich denn Motorräder, wenn ich alles selbst schleppen muss???

Na, noch ist nicht aller Tage Abend, aber meine Hoffnungen schwinden, denn selbst M., der in solchen Dingen und Recherchen immer viel besser ist als ich, findet auch keine anderen Ansprechpartner, als ich alle schon angeschrieben habe. Mal sehen….

Heute jedenfalls kann ich mich wieder mal nicht von meiner Lieblingsaussicht losreißen: Die Moppeds stehen gut und sicher am Hostal und ich sitze in der Sonne am See mit einem Radler – stundenlang! DAS ist Urlaub: Nichtstun und die Seele und Gedanken baumeln lassen.

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Welch wunderbarer Blick, hier lässt es sich leben.

Herzliche Grüße an Daheim

Eure B.

Ruta 40, die zweite

Sa, 12.3.16

Es gibt kein Frühstück, nur einen schnellen Espresso bei herrlichem Sonnenschein. Die Straße dort unten stört nicht. So könnte der Tag beginnen – wenn nicht die blöden Mistviecher wären, die einen überfallen und auffressen. Wo ist denn der Wind hin? Den könnten wir gerade gut gebrauchen.

Auf, auf. Weiter gehts. Wir kommen schnell an einem kleinen Ort mit Supermarkt vorbei. Dort wird schnell eingekauft und die Hälfte der Güter auch gleich auf dem Parkplatz verspeist. Das ist zwar nicht schön und auch nicht gemütlich, aber praktisch! Das brauche ich dann nicht einpacken und wir bekommen gleichzeitig unser Frühstück.

Heute läuft es gut und wir kommen gut voran. Die Landschaft ändert sich kaum. Wie gestern. Ich mag die Berge gerne. So bunt in quer oder längsgestreift in rot und weiß (ok: rotbraun und beige, teilweise in lila sogar) kann man die Erdgeschichte ablesen. Über 100-e Meter ziehen sich diese Bänder, diese Erdschichten entlang. Wunderschön. Oft werde ich hier an die USA erinnert. Im Kleinen finde ich viele Phänomene hier wieder.

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Gesteinsformationen kurz vor Bariloche.

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Halbwüste im nördlichen Patagonien

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Endlich sehen wir Guanacos, die Wildform der Lamas und Alpacas.

Nach 250 km wird getankt. weiter gehts. M. fragt nach einer Pause unten am Rio, aber ich hab eigentlich keinen Hunger und es läuft gerade so schön. Entspannend. Ihm gehts ähnlich und so fahren wir weiter ohne Pause. An der Abzweigung möchte M. eigentlich gerne nach San Martin de los Andes. Aber über gelbe und weiße Straßen? Das heißt wieder Arbeit und die hatte ich gestern schon genug. Nö. Lieber nicht. Das schmeckt ihm nicht so ganz, aber er hat mich nach meiner Meinung gefragt. Wir sind 4 Tage vor seiner „Zeitrechnung“ und hätten den Abstecher uns erlauben können – zeittechnisch gesehen . Aber das ist mir so ganz recht. Lieber später irgendwo am Meer eine Woche lang „Urlaub machen“, wenn wir auf meine Schwester warten müssen, als dass dann irgend ein Defekt dazwischen kommt und wir hetzen müssen.

Also fahren wir direkt Richtung San Carlos de Bariloche. Wir kommen bis auf 140 km ran. Auf über 500 km sind wir heute schon gekommen. Wir könnten durchknallen und uns dort eine Unterkunft suchen. Aber ich übernachte gerne noch einmal in der Pampa. Das Wetter ist schön und ich freue mich schon auf die Sterne. Am Ende eines Sees (unglaublich, mitten im Nichts in trockenster Gegend, Halbwüste!) finden wir ein etwas erhöhtes Plätzchen mit Blick runter auf kleine, grün bewachsene Inselchen im See, mit Bäumen und Flamingos und über uns schweben die Geier – hoffentlich kein schlechtes Zeichen ;-)…. Löcher in der Erde zeugen von Kaninchen und wir hören sie auch merkwürdig trommeln. Klar, hier in Argentinien sprechen die auch ausländisch …. 😉

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Wildcampen mit Panorama.

Aber vorher kommt noch ein gutes Stück Arbeit: Der Wind frischt mächtig auf und ich muss jedes Kürbisstück, jede Salamischeibe und jedes  Abfallstück festhalten, damit es nicht fliegen geht. Ich habe nicht Hände genug dafür. Alles muss abgedeckt werden, denn sonst gibt es die „geheime Zutat“ (frei nach Kungfu Panda). Den Kocher in Gang zu bringen geht nur mit Spezialfeuerzeug, dass M. extra für solche Fälle gekauft hat. Das Nudelwasser fängt nur sehr zögerlich an zu kochen. Wir bräuchten mehr Windschutz. Gibts grad nicht. Aber irgendwann ist alles fertig und zum Luxus gibt es noch einen Cappuccino oben drauf, hm. Ich breche den letzten der 3 Beutel aus Ecuador an! Wenn der alle ist, müssen wir suchen. Ich hab bisher in keinem der Supermärkte Espressokaffee gesehen…

Die Sterne kommen raus, der schmale Mond überstrahlt trotzdem einiges, geht aber bald unter. Der Wind ist heftig und im Dunkeln bereiten wir alles für die Nacht vor. Und plötzlich legt sich der Doof schlafen und die Mistviecher kommen wieder hervor. Grrrr. Nix is mit offenem Zelt schlafen. Nix mit draußen Sterne kucken. Im Zelt noch schnell den Bericht schreiben und dann ab in die Heia!

VGB

Ruta 40 bis Patagonien

Fr. 11.3.16

Vollkommen zerstochen von den vielen Mücken im Zimmer habe  ich wieder mal schlecht geschlafen. M. weiß, wie dem beizukommen ist: Er schlägt den gestrigen Kaffee – 6 km entfernt – vor! Schon zaubert er wieder ein Lächeln in mein Gesicht. Geld gibts aber immer noch keins. Die Stadt hat ALLEN Automaten bescheid gesagt. So können wir mit Mühe und Not und Trixerei der gewieften Bedienung den Kaffee mit Kreditkarte bezahlen. Dollar hätte ich sonst nach anzubieten gehabt.

Auf gen Süden. Nach ein paar wenigen Kurven über die Hügel geht es 100-e km Schnur geradeaus durch eine riesige Ebene auf 1100 – 1300 m Höhe, eingerahmt von kahlen Bergen. In der Ebene wachsen nur Büsche oder Gräser. Bäume gibt es nicht. Stundenlang geradeaus mit Tempomat – ohne einzuschlafen? Wie geht das denn? Zuhause brauche ich schon nach 1 Std. Autobahn Streichhölzer in den Augen. Und hier? Nichts! Es ist beeindruckend. Gestern haben wir bei 13 Grad den ganzen Tag gefroren, denn der Himmel war bewölkt. Und heute strahlt die Sonne wieder bei schnuckeligen 20 Grad. Klar, langsam merken wir den Wind des Südens, der die gefühlte Temperatur deutlich sinken lässt. Aber dennoch können wir uns beide nicht satt sehen an dieser Landschaft.

Der nächste Ort kommt: Mallagüe. Mittagspäuschen. Wunderschön gemacht. Wir treffen ein französisches Pärchen auf einem Gespann.

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Ein altes Dnjepr-Gespann – Im Gespräch mit den französischen Besitzern.

Sie erzählen uns, dass sie zum 2. Mal hier im Süden 3 Monate lang Urlaub machen. In diesem Städtchen haben sie damals auch übernachtet, würden es aber nicht wiedererkennen, so sehr hätte es sich verändert. Ich will noch schnell aufs stille Örtchen und gehe dazu ins nächstgelegene Café. Dort ist außer dem Personal niemand. Ich darf kostenlos mal müssen und bei dieser Gelegenheit „revanchiere“ ich mich gerne mit der Bestellung eines schnellen Espressos. (Kaffee geht immer!) Wir kommen gleich nett ins Gespräch. Ich möchte anschließend zahlen, aber sie nehmen mein Geld nicht an. Nein, gern geschehen. Na, DAS ist mir auch noch nie passiert. Normalerweise muss man für den Klo als Nichtgast zahlen. Hier bekomme ich sogar noch den Kaffee dazu. Wahnsinn!

Der Franzose spricht von 60 km Piste auf der Ruta 40, dies hätte ihm die Wirtin gesagt. An der Tanke ist eine lange Schlange. Ich hab keine Lust umzudrehen und so fahren wir weiter. Immerhin – wofür habe ich denn den großen Tank. Ja, M. hat recht. Die nächste Tanke ist erst in 240 km und wir haben schon 190 drauf. Wenn die dann keinen Sprit hat, wird’s eng. Aber bis dahin genießen wir noch einmal die Wüste – im Regenschatten der Anden. Wahnsinn! Haben wir nicht erwartet. Und dennoch gibt es immer wieder Leute, die hier leben. Einzelne Häuser, einzelne kleine Ortschaften. Wovon lebt man hier?

Da, die Baustelle. 30 km lang wechseln sich kurze rudimentäre Teerstückchen mit Piste ab. Dann kommt wieder herrlicher Teer immer entlang des Rios, der in breitem Flussbett friedlich vor sich hindümpelt. Prima! Wir fliegen nur so durch die Landschaft. Dann gehts über eine kurze Brücke. Dafür, dass der Fluss gerade soviel Wasser hat, ist die Brücke aber sehr kurz. Dann muss der Canyon aber sehr tief sein, den der Rio hier gegraben hat. Wir schauen uns das genauer an. Klasse. Mitten im Nichts!

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Unterwegs auf der Ruta 40.

Wir sind nicht die einzigen, die staunen und schnell ist man im Gespräch. Hier erfahren wir, dass ca 40 km Piste vor uns liegen. Schon wieder? Grrr. Diesmal ist die Piste aber sehr weich und mit reichlich Waschbrett bestückt. Im 2. oder 3. Gang langsam bei 30 – 40 km/h, mehr ist nicht drin. So dödeln wir 55 km lang. Na, dann meinte die Wirtin wohl eher diese Stelle. Dafür werden wir aber anschließend mit herrlichen Kurven entlang des Rios entschädigt.

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Die berühmte Ruta 40, abwechselnd Teer- und Schotterabschnitte.

Plötzlich gehts um die Kurve und unter uns liegt eine Lagune mit Bäumen, Gras und allerlei Grün. Wie eine Oase. Genau abgegrenzt. Kurze Zeit darauf fahren wir über eine Brücke und kommen an ein paar Häusern vorbei. Der Fluss Rio Barancas markiert glaube ich die Grenze zu Patagonien. Willkommen!

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Der Rio Barrancas, auf der anderen Flusseite liegt Patagonien.

Hier sind wir also „schon“ angekommen. Ist das die Tanke? Hoffentlich hat die auf. Ja, hat sie. Der Tankwart hat sogar guten 95-er und 98-er Sprit und ein Eis. Am Fenster kleben viele Aufkleber und ich frage, ob ich unseren dazukleben dürfe. Er freut sich und macht den Daumen hoch. Ehe ich meinen aufgeklebt habe, reicht er mir seinen rüber. Wow! Welche Freude. Ein Ruta 40 mit argentinischer Flagge und Kilometerangabe. Sofort will ich den M. zeigen, aber der ist gerade mit der Kamera verschwunden. Er holt gleich noch einen zweiten für ihn. Sofort kleben wir den drauf.

Ich frage den Tankwart derweil, was ihn denn hier hielte. Wie ich vermutet habe: Die Ruhe, die Landschaft, die viele Sonne und der Frieden hier. Außerdem gäbe es 4 km entfernt ein Dorf mit Geschäften des täglichen Lebens, alles was er brauche. Nö, einsam empfände er es hier nicht. Es gäbe sogar einen Campingplatz…

Aber den brauchen wir nicht. Wir suchen auch gerne die Ruhe, den Frieden und die endlose Weite der Wüstenlandschaft und des Himmels darüber.

Schnell gekocht, und schon öffnet sich das Sternenzelt. Wir sehen, wie die schmale Mondsichel innerhalb von nur 1 min. nach Berührung des Horizonts verschwindet und somit auch das letzte bisschen Licht mit ihm. Jetzt leuchten die Sterne in aller Pracht – sonst ist alles dunkel. Herrlich! Mittlerweile erkennen wir das Kreuz des Südens und die Magelan’schen Wolken auch ohne I-pad-Hilfe. Auch Jupiter, den Orion und die Pleiaden finden wir problemlos. Der Wind legt sich schlafen und ich mit offenem Zelteingang auch. Welch herrliches Erlebnis..

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Wildcampen an der Ruta 40.

Gute N8

B.

Argentinien (Grenze, Mendoza und San Raphael)

Do 10.3.16 (siehe Edit unten!)

Schnell packen und auf nach Mendoza/Argentinien. so die Theorie. Das sind gut 400 km und eine Grenze. Aber wieder einmal dauert es ewig, bis die Moppeds gepackt, betankt und die Navis mit Route versehen sind. M.’s Navi streikt. So kommen wir entgegen unserer Planung erst sehr spät aus Valparaiso raus. Um etwas Zeit wieder einzuholen, fahren wir erstmal über die Autobahn, auch wenn die Geld kostet. Es geht über San Felipe ins Landesinnere. Dann über 29 windigen Kehren 1000 Höhenmeter hoch,

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Ein Lindwurm mit 29 Kehren.

durch einen Tunnel und – schwups – schon sind wir in Argentinien: 3200 m hoch. Aber die Grenzformalitäten werden erst 15 km weiter erledigt. Sowohl die chilenischen, als auch die argentinischen. Traut sitzen die beiden Beamten nebeneinander im kleinen Glashäuschen. Jeder mit seinem eigenen PC, mit seinem eigenen Stempel und mit seiner eigenen Fensteröffnung. Dort kommen wir erst nach stundenlangem Warten in der Schlange hin. Vor uns der Moppedfahrer aus Argentinien wird gefilzt, beide Koffer durchsucht und wir wissen, wir haben noch 1 Birne, 1 Zwiebel und 1 Paprika, die wie in Chile nicht über die Grenze gebracht werden dürfen. Aber ich hab die Zwiebel in meiner Regenjacke und die Paprika in der Kekspackung versteckt, damit ich zur Not heute was kochen kann. Die Möhre habe ich offensichtlich im Topase deponiert, damit sie sich hoffentlich damit zufrieden geben. Aber es kommt anders.

Zwar läuft zunächst alles flüssig auf chilenischer Seite, auch wenn sie sehr erstaunt auf unsere weißen Fahrzeugeinreisepapiere schaut. Das des Argentiniers war blau. Aber unsere sind weiß. Kennen die ihre eigenen Papiere nicht? Sie stutzt und fragt auf dem Papier nach unserer Nummernschildnummer. Was weiß ich, wo die steht. 16 Länder, jeder mit anderem Formular. DAS kann ich sicher nicht auf die Entfernung entziffern. M’s Augen sind besser und hilfreich langt er durch die Fensteröffnung. Aha, alles in den PC rein, Stempel drauf und Papiere zurück geben, damit wir sie durch das nächste Fenster wieder rein reichen können. (Einfacher wäre es, die Papiere einfach an den Beamten nebenan weiter zu reichen, aber soooooweit geht die Zusammenarbeit dann doch nicht!)

Der Stempel auf argentinischer Seite ist kurz zuvor kaputt gegangen. Er tut es nicht mehr. Nun rennt er jedesmal rüber auf die andere Seite zum nächsten Glashäuschchen. Als wir sie endlich wieder haben, gehts ein Häuschen weiter zur Kontrolle der Fahrzeugpapiere. Ging das bei unserem Vorgänger noch schnell, so geht auch hier wiederum nichts. Ein junger Spund mit Lutscher in der Schnüss wird mit unseren Pässen beauftragt und verschwindet damit. Wir dagegen mögen dort drüben unsere Moppeds auf der Seite parken und warten, damit die anderen Autos bearbeitet werden können. Wir warten und warten. Endlich kommt Jungspund wieder – mit Lutscher, aber ohne Pässe. Jetzt hätte er gerne die Fahrzeugpapiere. Auch damit entschwindet er und wir warten wieder und warten und warten.

Endlich kommt er mit einem weiteren weißen Papier wieder, das wir unterschreiben müssen. Er entschuldigt sich für die Verspätung, reicht uns unsere Originalpapiere und Pässe wieder und wünscht uns eine gute Weiterreise. Hä? Keine Kontrolle des Gepäcks? Bloß nicht zu laut sagen, schnell abhauen, bevor ihnen das noch auffällt. 🙂

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Der Aconcagua, mit 6952m der höchste Berg Amerikas und außerhalb des Himalaya. In der Schule kennengelernt und nu sehen wir ihn mit eigenen Augen!!!

100 km lang gehts durch schroffe Berglandschaften runter auf 1500 m höhe bis nach Uspallata.

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Bunte Berge in Argentinien.

Dort soll es laut eines Freundes ein leckeres Steak geben. Aber es gibt an besagter Stelle 3 „Parilladas“, die erste hat (noch?) geschlossen, die zweite nehmen wir. Aber das Steak ist nicht gewürzt und schmeckt laff. Auch der Salat ist nicht angemacht. Na, viel Mühe geben die sich hier nicht. Wir wollen auf dem Campingplatz nebenan übernachten. Aber die verlangen sage und schreibe 40 Dollar (600 argentinische Pesos) für uns beide im Zelt. Ich wollte eigentlich mein eigenes Zelt benutzen und keines von denen kaufen! So entscheiden wir uns, lieber wieder wild zu campen. Aber die dunkle Wolke droht heftig, auch der Wind frischt auf. Außerdem ist die Sonne schon untergegangen. Aber M. findet trotzdem noch eine Stelle: In einem recht verlassenen Ort IN einer Lagerhalle, wo nur noch die Wände stehen. Direkt an der Wand ist es windgeschützt – aber unheimlich. Die ganze Nacht über heult und pfeift der Wind um die Ecken, aber kein Blitz und auch kein Regen lässt sich blicken. Ich schlafe unruhig und bin froh, als es endlich Morgen ist und wir aufbrechen.

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Wildcampen in einer Ruine mit exzellentem Windschutz. – Im Nachbargebäude ist die Zeit stehen geblieben.

Wir fahren extra die 30 km nach Mendoza rein, um einen Kaffee und Geld zu bekommen. Aber es gibt als Höchstgrenze nur 120 Euro und wieder mal nur viel zu viel Wasser im Kaffee, obwohl das doch sooooo einfach wäre. Aber in ganz Amerika ist genau DAS nicht zu kriegen. Sie verstehen einfach nicht, was ich mit „weniger“ Wasser, „halbe Tasse voll“ meine. Egal wie sie es nennen: Gutado (ein verlängerter Espresso mit Milchhaube), Cortado (ein Amerikano – langer Kaffee – mit halber Tasse voll aufgeschäumter Milch) oder Cappuccino (Latte macchiato mit doppelt so viel Milch – sozusagen hellbraune Milch!) immer ist zuviel Wasser drin! Da auch die Croissants schwarz sind bzw gegen total zermatschte getauscht werden, die Toiletten total versifft sind, habe ich den Kaffee schnell auf. Bloß raus hier!

SCHADE!!!! Ich hab nun auch keine Idee mehr, wie ich den Bedienungen noch erklären soll, wie sie mir meinen Kaffee machen sollen. Ich hoffe, es klappt mit dem Rückflug nach Italien. DORT gibt es dann wieder richtigen Kaffee! Ich freu mich schon drauf!

Edit: Weiter gehts nach San Raphael. Dort gibt es einen herrlichen Kaffee – endlich – genauso, wie ich ihn gerne hätte, im Café Martinez. Dieses ist auch etwas gehobener, mit eigenem Gebäck, Kuchen, Marmelade, Schokolade und Süßigkeiten. also richtig was gegen die Figur. Natürlich erliege ich wieder mal dem Kuchen, was selbstverständlich dazu führt, dass ich wenig später keine Lust zu kochen habe, weil ich schon satt bin. Zum Glück hab ich mich beim Einkauf gegen das Frischfleisch, sondern für die haltbare Wurst entschieden. Die Zeit rast und wir finden einfach keinen Automaten, der freiwillig Geld rausrückt. 3 probieren wir aus, dann geben wir auf. Auch an der Shelltanke will man uns keinen Sprit verkaufen, weil ich selber tanken will und keine Lust auf die Sauerei des Tankwarts habe. Unsere Mädels haben einen sehr engen, verwinkelten Einfüllstutzen. Mit normaler Feststellautomatik – wie das jeder Tankwart nutzt – spritz das Benzin oben raus und der ganze Sitz ist eingesaut. Man muss das mit Gefühl machen, langsam und mit Geduld. Aber der Tankwart ist unerbittlich. Nur ER dürfe mein Mopped betanken. Irrtum, mein Lieber! Nur ICH darf mein Mopped betanken. Denn es gehört MIR! Und ICH bestimme darüber! (M. denkt genauso übrigens!) Anscheinend braucht er unser Geschäft nicht!

Die Sonne ist untergegangen und wir haben keine Zeit mehr, lange was zu suchen. Gleich an der Ruta 144 gibts einen Campingplatz für 200 Pesos (12 €) und für 100 mehr ein einfaches Zimmer mit Bad (Sonderpreis). In Anbetracht, dass es regnen soll und der Boden eh schon feucht ist, nehmen wir dieses Angebot gerne an. Dann brauchen wir morgen nicht alles nass einzupacken. Das hat was.

Bis bald

VGB

Sightseeing Valparaiso

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Unsere Villa, mit dem tollen Turmzimmer und der Wahnsinnsaussicht über die Bucht

Di, 8.3.16

Stundenlang kann ich am Wasser sitzen, stundenlang ohne Langeweile, immer nur Wellen beobachten, oder wie hier am Hafen das stete Treiben, das Ineinandergreifen der leeren oder beladenen LKW und der Kräne, die Container auf- oder abladen, deren stetes auf und ab, hin und her, vor und zurück, von links nach rechts…. Stundenlang und morgen wieder. Sehr zum Leidwesen meiner besseren Hälfte. Der würde ja gerne mal weiter die Stadt erkunden, als nur bis zum Hafen.

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Hafenpanorama

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Einblicke.

Immerhin sind wir einmal mit dem schrägen Aufzug gefahren, der knapp 50 Cent kostet, schräg den Berg entlang fährt und ca 150 Treppenstufen erspart. Die gibt es hier an mehreren Stellen, weil die Hügel plötzlich steil ansteigen.

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Einer der vielen Aufzüge. Zeugen der guten alten Zeit, bevor der Panamakanal eröffnet wurde.

Außerdem haben wir soeben die ROTEN Mädels wieder abgeholt (sie sind tatsächlich immer noch rot unter der braunen Kruste gewesen!) und M. noch einen Frisörtermin verordnet, der nun kaum wiederzukennen ist. Alles ist wieder am – sauberen – Mopped, alle unseren – dreckigen – Koffer und Rollen. Die hat BMW natürlich nicht sauber spritzen können, denn die hatten wir ja vorher abgebaut und in der Garage gelassen. Mal sehen, wie lange die Mädels nu sauber sind. Beim letzten Mal hat es genau 2 Tage gehalten. Dann waren sie wieder eingesaut. Aber hier gibt es ja angeblich nur Wolken und keinen Regen… „A ver“ – mal sehen!

Morgen gehts über die Grenze nach Argentinien: Mendoza.

VGB

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Sonntag ist der Tag der Straßenkünstler.

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In Valparaiso ist tierisch was los.

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Hier (oben) soll’sleckeren Kaffee geben? Glaub ich nicht. – So sieht leckerer Kaffee aus.(unten)

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Hinter den Kulissen – Überall finden sich die Zeugen der teils verheerenden Erdbeben.

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In die Wüste geschickt

Fr. 4. 3.16

Keine Sorge, hier hat keiner den anderen in die Wüste geschickt. Aber wir haben unsere Mädels in die Wüste geschickt. 2 Tage lang durch die Atacamawüste – ein Highlight für M. Und auch für mich war es keineswegs langweilig, auch wenn ich nicht die grenzenlose Begeisterung von M. teile. Aber ich gebe zu, dass ich mir das ganz anders vorgestellt hatte: Wüste war für mich langweiliger Sand, oder besser: schwierig zu fahrender Sand. Aber die Wüste hier ändert sich immer wieder, mal eine weite, flache Ebene, mal hügelig steinig, mal bergig eng und kein einziger Grashalm. Keine einzige Pflanze. Dafür aber Tiere. Ich hab 2 verschiedene Insekten gesehen. Wovon leben die? Woher nehmen die das Wasser? Hier wächst doch nichts! Wirklich nichts! (Oder vielleicht sehe ich das auch nur nicht?)

Die Straße geht schnurgeradeaus. Ich hätte gedacht, dass 2 Tage geradeaus Fahren langweilig ist. Ist es aber nicht! Wie in den Badlands der USA ist es einfach beeindruckend, diese Weite zu erleben und stundenlang durch dieselbe Landschaft zu fahren.

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Durch die Wüste, mal auf Teer, mal auf Schotter  (dass die Frauen aber immer so viel Staub aufwirbeln müssen ;-)…)

Gestern sind wir durch Stein- und Sandwüste gefahren, wobei die Straße bis auf ganz wenige Ausnahmen frei war. Manchmal sind wir durch eine Sandwolke gefahren, wenn der Wind den aufgewirbelt hat. Das hat am Hals gepiekt, aber schlimm war das nicht. Mich hat die Temperatur verwundert. Als wir losfuhren auf 2500 m war es etwas frisch morgens, knapp 20 Grad. Wir fuhren über einen Pass (3300 m und nur 16 °C) auf 1500 m runter = 35 °C. Es geht weiter runter auf 500 m = schnuckelige 24 °C. Ich traue meinen Augen oder besser, dem Thermometer nicht. Aber es hat recht, denn es geht auch umgekehrt: Auf 1300 – 1500 m sind es wieder 35 ° C und auf 2000 m wieder angenehme 27 °C.

M. versucht zu erklären, vielleicht hat das mit dem Wind zu tun, der vom nahen Meer herüber weht. Mag sein. Wir suchen uns einen „wilden“ Zeltplatz. M.’s 1. Vorschlag rechts rüber gefällt mir nicht. Ich mag nicht so weit ab von der Straße was suchen, denn die Hügel sind ein ganzes Stück entfernt. Ich „verstecke“ mich und die Moppeds gerne hinter einem Hügel, damit uns nicht jeder gleich von der Straße aus sieht. Fahren wir doch lieber noch eben dort über den Hügel und schauen wie es dort aussieht. Gesagt getan, dort finden wir was und bauen alles auf. Kaum steht alles, hält hier auch ein LKW. Mist, kann man denn nicht mal seinen Ruhe haben ;-)…. Aber er fährt nach 10 min. weiter, als ob er es gehört hätte. Ein 2. LKW hält wenig später, selbes in Grün. Ob die hier ihren Müll hinlegen und weiterfahren? Mag sein. Einiges liegt dort an der Straße, Reifen, Regal, etwas Verbranntes… Aber das waren auch die einzigen Besucher.

Still wird es hier. Die Sonne geht unter, M. repariert sein Windschild (er hat 2 Schrauben im Gerappel verloren) und ich koche etwas, solange es noch hell ist. Wir merken deutlich, dass die Sonne jetzt wieder erst nach 8 untergeht und es auch nicht mehr so schnell dunkel ist. Man kann wieder mehr km schrubben.

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Kettenpflege, in der Wüste besonders wichtig.

M. erklärt mir die besondren Lichtverhältnisse in der Wüste. Das besondere rot/orange, das ins lila übergeht, wenn die untergegangene Sonne den Horizont anleuchtet. Das gäbe es nur in der Wüste, weil in Bodenjähe immer etwas Dreck/Sand ist, der angestrahlt wird, ansonsten aber in höheren Schichten klare Luft herrscht.

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Ich seh den Steeeernenhimmel, den Sternenhimmel, oh oh….

Und noch etwas gibt es nur in der Wüste: Den sagenhaften Sternenhimmel. (Der Mond war noch nicht aufgegangen, zum Glück!) Die Milchstraße habe ich noch nie so deutlich gesehen, wie gestern Abend. Unglaublich. Fast habe ich den Orion übersehen, weil so viele Sterne dazwischen leuchteten. Dafür haben wir aber das „Kreuz des Südens“ gesehen, den Jupiter und den Sirius, die kleine und die große Magellan’sche Wolke, wie die Pleiaden am Horizont verschwinden und 2 Sternschnuppen (z. T. dank und mit Hilfe der  I-pad-App. 😉 …)

Am Morgen weckt uns die Sonne. Nicht das plärrende Radio im Auto unten an der Ampel, nicht die schlagende Tür eines anderen Hotelgastes, nicht das Bellen des Hundes, der schon die ganze Nacht geblökt hat. Nichts – kein Geräusch! Nur die wärmende Sonne. Herrlich! DAS ist Freiheit. Genau DAS schätze ich am Wildcampen, auch wenn das für andere Menschen im ersten Moment unbequem erscheinen mag. Aber ich nehme gerne die fehlende morgendliche Dusche in Kauf, den Wassermangel und es macht mir auch nichts aus, die Botanik als erstes zu „besuchen“, weil ich diese Ruhe so unheimlich genieße und schätze. Keine Uhr im Sinn, bis wann man zum Frühstück erscheinen muss, keine Eile. Einfach nur Relaxen! Beim Rundumblick fällt sofort der Nebel gleich nebenan im Tal auf. Dort wollte M. zuerst zelten. Als ob ich es geahnt hätte. Wir wären mitten drin und hätten nun ein nasses Zelt einzupacken. So aber „parken“ wir oben drüber und alles ist trocken. (cheese!)

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Frühmorgens in der Wüste, weiter unten, hängt noch der Morgennebel.

Dieses Relaxen kann ich übrigens besonders gut in der Wüste. Die Straße ist nicht anspruchsvoll, kaum Verkehr. Man muss nicht hochkonzentriert fahren, sondern kann den Gedanken (oder der Musik in meinem Kopf) freien Lauf lassen. Wunderbar entspannend.

Recht widersprüchlich empfinde ich die Wüste am Meer. Wie kann das sein? Rechts Wasser, links Wüste? Hier scheint es wohl manchmal zu regnen, denn einige Büsche oder Gestrüpp können sich hier im Sand entfalten. Plötzlich ist der Sand nicht mehr rot, sondern hell beige. Dann erscheinen wieder Berge. Es geht wieder auf 500 m Höhe. Dicke Steine liegen überall herum. Solch eine abwechslungsreiche Landschaft hätte ich der Wüste nicht zugetraut.

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Die Muelle de Los Vilos.

Außerdem gibt es viele Orte und sogar Städte in der Wüste. Woher kommt das Wasser für die vielen Menschen? Keine Ahnung. So furchterregend wie noch zu Anfang empfinde ich die Wüste nicht mehr. Klar, sie verzeiht keine Fehler und die vielen kleinen „Kirchlein“ am Straßenrand, die von Unfällen herrühren und dem Toten ein „Heim“ geben sollen, bezeugen die Gnadenlosigkeit  der Natur und viele LKW-Fahrer hupen, wenn sie an diesen Stellen vorbeifahren, um den Toten zu grüßen. Aber ich habe gelernt, verantwortungsvoll in die Wüste zu fahren: Genügend Wasser mitnehmen, Sprit tanken, wo und wann immer eine Tanke da ist, etwas zu essen mitnehmen und nicht einfach in irgendwelche Wege reinfahren, sondern die Natur beobachten und einschätzen. Wir wollen ja schließlich nichts unnötig riskieren.

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Endlich wieder am Meer.

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Amerikas Blick auf die Welt…. Eine gewisse Ähnlichkeit mit Donald Trump ist unverkennbar 😉

Heute zelten wir in der Nähe von einem Observatorium, von denen es hier einige gibt. Morgen ist Samstag, Besuchtstag eigentlich. Aber wir hätten uns per Internet anmelden müssen und die Führung geht erst um halb 3. Der Torwärter kann (oder will?) erst dann den Guide fragen, ob wir mit schauen dürfen. Wir haben aber keine Lust, einen Tag zu verschenken, wenn der dann „nein“ sagt. Mal sehen, wenn wir morgen früh den nächsten Wärter fragen, ob der eine andere Lösung parat hat. Zur Not fahren wir halt so weiter. Aber wäre doch schöner, das mal von Nahem zu sehen.

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Frühmorgens mit Blick auf das Observatorium. Da hat sich ein Gast zu unseren Moppeds gesellt.

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Lichtspiele.

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Das La Silla Observatorium der ESA. Näher durften wir leider nicht ran.

Aber am nächsten Morgen steht derselbe Wärter wieder da. Mist! Dann eben nicht. Wir fahren weiter nach Süden. Mehr und mehr wachsen Büsche, es wird zunehmend grüner, Bäume tauchen auf und In Valparaiso haben wir die Wüste hinter uns gelassen.

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Blick auf das abendliche Valparaiso von unserem Turmzimmer aus.

Eigentlich wollten wir in der berühmten Villa Kunterbunt übernachten, aber dort gibt es keinen Hostalbetrieb mehr und sie konzentrieren sich nur noch auf die Verschiffung von Motorrädern und der Beherbergung der jeweiligen Besitzer. Aber nebenan kommen wir genauso gut unter. Hier bleiben wir das Wochenende und hoffen, am Montag bei BMW den Service zu bekommen….

Bis demnächst wieder

VGB

PS: Sorry, Nun wisst ihr auch, warum es tagelang keinen Bericht gab: Kein Internet!

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Es klappt doch noch mit dem Größenvergleich. Auch, wenn der Muldenkipper mit 100 t Fassungsvermögen nur der kleine Bruder der ganz Großen von Chuquicamata ist.

Die größte Mine der Welt

Mi, 2.3.16

Es hat doch geklappt. Wir können an der Tour zur Besichtigung der Mine teilnehmen. Viele der angemeldeten Teilnehmer sind nicht erschienen, auch keine von der Warteliste. So ist der Bus nur halb voll.

Der Guide spricht wahnsinnig schnell spanisch und fast genauso schnell spanisches englisch, will heißen: englische Wörter mit spanischer Aussprache. „Th“ = d, s = t, englisches a = deutsch/spanisches a, …. usw. Endungen muss man sich denken, die werden nicht ausgesprochen, weder im spanischen, noch im englischen. Ich habe ihn 2 mal gebeten, langsamer zu sprechen. Das erste mal hat er mich ausgelacht, das 2. Mal mit genervtem Gesicht  gefragt, ob ich diese Erklärung jetzt verstanden hätte. Danach habe ich aufgegeben und nicht mehr zugehört. Selbstredend geht er davon aus, dass alle spanisch verstehen. Zaghaft kommen 4 Verneinungen, weshalb er das Gesicht verzieht und das, was er gerade 10 min. in spanisch erklärt hat, im Schnelldurchlauf in 2 min. auf englisch erklärt. Das ganze dann vor 3 Bildern. 1 Std. lang Monolog! Die einzige Frage auf englisch hat er nicht verstanden, trotz Nachfrage. Anscheinend sprach der Besucher zu gut englisch und hatte nicht genügend spanischen Akzent.

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Im alten General Store werden die einzelnen Prozessschritte der Kupfergewinnung erklärt.

Wir machen eine kleine Rundfahrt durch die Geisterstadt, die anscheinend deswegen aufgegeben wurde, weil die Umwelt- und Sicherheitsanforderungen nicht mehr ausgereicht haben, weshalb die Arbeiter von dort nach Calama umziehen mussten.

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Der alte Minenort Chuquicamata. 2004 wurde der Ort aufgegeben und die Bewohner nach Calama umgesiedelt. Die Abraumhalden waren dem Ort zu Nahe gekommen.

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Einblicke in das Betriebsgelände.

Dann geht es noch auf einen Aussichtspunkt, von dem man in den 1 km tiefen Tagebau runtersehen kann. Wir sind auf halber Höhe und es kommt mir gar nicht so spektakulär und tief vor. Vor allem weil „unsere“ Mine in Grevenbroich viel weiter und größer ist, nur nicht so tief. Die Bagger zum Abbau der Kohle und Erde sind riesig groß. Hier die erscheinen dagegen klein. Vielleicht, weil wir so weit weg sind? Keine Ahnung.

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Chuquicamata, mit einer Fläche von 13 qkm und über 1000 m Tiefe, der größte Kupfertagebau der Welt.

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Über diese Rohrleitungen wird die Kupferlösung zum mächsten Bearbeitungsschritt gespült.

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Das Fassungsvermögen eines Muldenkippers beträgt 400 t.

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Neues und altes Bohrgerät für die Dynamitladungen.

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Größenvergleiche. Der kleine Punkt im linken Bild – vor den Muldenkippern – ist ein Pickup.

Größenvergleiche waren nicht erwünscht. Wir haben danach gefragt, ob man auf dem Parkplatz (!!!), wo die LKW abgestellt werden, ein Bild mit Mensch oder Motorrädern davor machen könnte. Nein – aus Sicherheitsgründen ginge das nicht…. Ich lach mich tot. Da reden sie von Sicherheit, lassen einen im Bus Helm tragen, mit langärmeligem Shirt, (wobei man nur 10 min. in der Sonne ist), während rundherum kein Mensch wegen der Staubentwicklung Masken trägt und auch nichts gegen den aufwirbelnden Staub getan wird. Von Ferne konnte ich erahnen, wie die Bohrlöcher für die Sprengungen gebohrt wurden. Wie dort die Sicherheit gewährleistet wird, konnte ich nicht erkennen. Mich hätte interessiert, was sie mit den ganzen Steinen machen, die sie zunächst pulverisiert haben, um das Kupfer herauszufiltern. Wo kommt dieses Material hin? Was passiert mit dem riesigen Loch, wenn sie daneben in 4 Jahren Untertage das Kupfer abbauen? Wo sind die Anlagen, zu denen die Unmengen an Lastern gerade hinfahren? Wie weit entfernt müssen die LKW jeweils die schwere Last fahren? … Ich habe diese Fragen nicht mehr gestellt, ich hatte keine Lust mehr. Wegen der riesigen Laster und deren großen toten Winkel haben sie in der Mine Linksverkehr. Aber wir sind so schnell wieder draußen, dass man dies kaum realisiert. Schon ist die Tour vorbei.

M. hat es gut gefallen, vielleicht, weil er 1. in diesem Bereich arbeitet und eh schon mehr Ahnung davon hat als ich und sich somit all das, was er nicht versteht, zusammenreimen kann. Vielleicht auch 2. weil er sich im Gegensatz zu mir, immer vorher im Internet informiert und eh schon alles weiß, was einem da erzählt werden könnte. Sollten noch Fragen offen bleiben, so liest er hinterher immer im Internet nach, was er verpasst hat. Dafür brauche ich aber nicht aus dem Haus. Da kann ich ja gleich daheim bleiben….

Na, Sightseeing muss ja nicht immer zu meinem Vergnügen sein. Es kann ja auch mal nur für ihn sein.

Hoffentlich habt ihr daheim auch viel Vergnügen gehabt,

Eure B.