Island 2012 Tag 15

 Reikjavik am Sonntag

Wir stehen früh auf. Ohne Kaffee wollen wir nochmal zu dem Wasserfall Seljafoss zurück, und gemeinsam den Weg dahinter entlang gehen. Unsere romantischen Vorstellungen: Ein verliebtes Paar verschwindet hinter dem Wasservorhang, sie genießen das Rauschen und die Gemeinsamkeit, einen Kuss, verborgen vor dem Rest der Welt.

Statt dessen: Bei Ankunft um 9:01 biegen 3 Busse vor der Nase zum Wasserfall ab. Es sind drei weitere im Anmarsch. Also los, schnell, mit dem ganzen Schwall dahin, Bilder knipsen, nix Händchen halten hinter dem Wasserfall, weil das die Kolonne aufhält, weiter, weiter.

Schade. Ist eh beschissenes Wetter. Nach dem trockenen Aufstehen hat es genau 3 km gedauert, bis wir wieder die Regensachen anhatten. Und wie sich rausstellen wird, auch für diesen Tag anbehalten werden.

Wir halten an einem netten Cafe mit integriertem Kunstausstellungsraum an der Straße an, wärmen uns auf und beratschlagen. Wir kommen ins Gespräch mit der Wirtin, die eindrucksvoll vom isländischen Leben, von der Bankenkrise aus isländischer Sicht und dem Ausbruch des Eijafjallajäkulls und den Auswirkungen erzählt. Sie rät uns, die Westmännerinseln zu besichtigen. Sie wären grandios, Geschichte pur auf Augenhöhe. Gerne nehmen wir ihren Rat an. In Ihrer Freundlichkeit  ruft sie gleich bei der Fähre an und fragt nach Platz. Ja, Platz ist schon drauf, aber aufgrund des Wetters wissen sie nicht, wann sie fahren. Das ist uns zu heikel. Nachher fährt die Fähre nicht mehr zurück und wir sitzen ohne Zelt auf der Insel fest. Es sollte nicht sein.

Wir entscheiden, statt dessen nach Reikjavik zu fahren. Bei besch…eidenem Wetter ist es egal, ob ich 130 km geradeaus fahre: 1 ½ Std. über die Ringstraße bei strömendem Regen. Vielleicht können wir in Reikjavik auch unseren defekten Campingkocher ersetzen?

In Reiikjavik angekommen hört doch tatsächlich der Regen auf. Kaum zu glauben. Wir genießen die herrliche Stadt, überall bunte Blumen und uralte Bäume, die kaum größer sind als wir selbst. Wieder einmal wird uns bewusst, dass die Bäume hier nur wenige Wochen Zeit haben, zu wachsen und deshalb so klein sind, obwohl sie schon so alt und verknöchert sind.

Wir schlendern am See vorbei, am Dom, Innenstadt und Fußgängerzone und landen bei der futuristisch anmutenden „Betonkirche“, die schon von außen wir aneinandergereite Pfeifen einer Orgel aussieht. Ich mag solche Bauten. Wir fahren gegen kleines Entgeld mit dem Aufzug zum Turm hinauf. Wie die Menschheit immer dicker wird: Beim Bau vor 20 Jahren durften noch 8 Leute mitfahren, heute nur noch 6 bei gleichem zulässigem Gesamtgewicht von 630 kg. Von oben herab hat man einen tollen Rundumblick über die einzigartige, unterschiedliche Architektur der einzelnen, bunten Häuschen. Wir sehen den Stadtflughafen, die großen Kreuzer im Hafen, die dampfenden Geotheramlkraftwerke am Rande der Stadt und die kleinen, spielenden Kinder unter uns am Denkmal des isländischen Entdeckers Amerikas (Kolumbus ist es nicht!).

Trotz Sonntag haben die meisten Geschäfte auf. Am Stadtrand gibt es tatsächlich den Campingkocher (für viel – immer noch feuchtes – Bargeld, weil wir die Kreditkarte vergessen haben!!!).

Pünktlich zur Rückfahrt fängt es wieder heftig an zu regnen. Wie „schön“! Man gönnt sich ja sonst nix. Am Campingplatz eingetroffen baut gerade die riesige Tschechenhorde ihre 20 Zelte auf. Wir haben sie schon in Landmannalaugar gesehen. Sie versperren mit ihrem Riesentruck den Weg, so dass wir fast nicht an unser Zelt kommen. Wir hüpfen schnell in den herrlich warmen Wikingpool, und – als die Horde in den Pool einfällt –revanchieren wir uns, indem wir die einzigen beiden Duschen blockieren! Haben wir doch wieder alles richtig gemacht!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s