Wasserfälle

Di, 26.4.16

Wir haben vor 10 Monaten mit Wasserfällen (Niagara) angefangen und hören mit Wasserfällen (Iguazu) in Amerika auf. Heute gibt’s mehr Wasserfälle als uns lieb ist, denn es schüttet wieder stundenlang und die „Wasserfälle“ rauschen von den Dächern, über die Straßen, von unseren Klamotten. Brrrrr!

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Die Wasserspiele sind eröffnet. Schon vorher und direkt am Parkeingang kriegen wir die  ersten Wasserfälle zu Gesicht.

Wir fahren trotzdem in den Nationalpark. Eintritt 57 Reales plus 21 fürs Parken = 20 Euro pro Nase. Die Wasserfälle sind wohl die „größten“ der Welt – wobei das vielleicht Ansichtssache ist, wonach man die Größe beurteilt. Nach der Wassermenge? Nach dem Gelände? Mehr als 200 einzelne Wasserfälle gibt es hier in diesem argentinisch/brasilianischen Grenzgebiet. Nach der Breite oder Höhe des Wasserfalls? Bezogen auf die Abbruchkante? Keine Ahnung. Jedenfalls sind sie natürlich beeindruckend und wunderschön. Überall ragen die Büsche und Sträucher aus dem Wasser, denn jetzt ist Wenigwasserzeit. Im Juli/August sähe man keine Büsche mehr, soviel Wasser würde dort runter stürzen. Unvorstellbar.

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Es ist so schon vor lauter Gicht kaum was zu sehen und irre feucht, egal ob es regnet oder nicht. Wir können gar nicht das gesamte Gelände bestaunen.

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Nein, da hinten Ist kein Rauch.

Die brasilianischen Wasserfälle sind zwar bedeutend kleiner, als die argentinischen. Aber man kann die Vielfalt der Fälle von hier deutlich besser und schöner sehen – wenn denn das Wetter mitspielt.

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Der erste Blick auf die Wasserfälle.

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Der Steg führt direkt an die Abbruchkante. Bei dem Wetter wirst Du unter der Dusche auch nicht nasser.

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Hier kommt man den Fällen ganz Nahe.

Hat es heute leider nicht und so fallen die Bilder auch recht spärlich aus. Die Kamera liegt ohnehin in den letzten Zügen und der Regen und die Feuchtigkeit geben ihr den Rest. Andauernd beschlägt das Objektiv oder der Polfilter, der Autofokus arbeitet gar nicht mehr und diverse andere Schwierigkeiten lassen M.’s Kamm schwellen. Er ist kurz davor, die Kamera den Fluten zu übergeben. Vermutlich ist bei den trüben Lichtverhältnissen eh nur matschiges Grau zu erkennen. Schade.

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Hier gibt es den besten Kaffee in ganz Brasilien.

Wir geben auf und machen uns auf zur Grenze. Dort ist kein Mensch zu sehen und von hinten hupt der Autofahrer schon. Wir fahren durch, keiner hält uns auf. Über die Brücke des Rio Iguazu und an eine der Schlangen nach Argentinien anstellen. Vorsichtshalber steige ich gleich mal ab und gehe bis vorne an ein Häuschen und frage nach. Wir haben keinen Ausreisestempel aus Brasilien bekommen. Nein, wir müssen zurück und uns den holen. Das hatte M. schon vermutet. Macht nix. Fahren wir halt nochmal über die schöne lange Brücke. Drüben fragen wir nach und finden den Schalter auch. Den Stempel bekommen wir, aber für die Fahrzeugpapiere interessiert sie sich nicht. Die dürfen wir behalten. Na gut! Wieder rüber über die Brücke. Diesmal hab ich schnell überblickt, das an der rechten Seite weniger los ist. Ein Häuschen hat gar keine Warteschlange davor und das bearbeitete Auto fährt gerade weiter. Der vor mir fahrende Wagen entscheidet sich und reagiert zu spät – ich bin schon neben ihm. Auch M. quetscht sich noch an ihm vorbei. Ätschibätsch! Immerhin sind wir auch klatsch nass und es ist kalt, – nur 11 ° – während er in seinem warmen, trockenen Auto ruhig ein paar Minuten länger warten kann.

Der 1. Teil ist schnell erledigt, Stempel in den Pass, Fahrzeugpapiere kontrollieren. Aber er stellt keine neuen aus. Also weiter bis zum nächsten Beamten. Der kontrolliert kleinlichst genau das Auto vor uns. Sch…. ich habe Käse, Salami und Tomate im Topcase. Wir sind dran. Ich tue so, als ob ich kein spanisch und nur wenig englisch kann. Besser ich verstehe nichts. Wohin? Nach Iguazu. Nur Iguazu? Er schaut skeptisch auf die Moppeds, auf das Kennzeichen. Von soooo weit her fährt man nicht nur nach Iguazu. Ich sage Montevideo. Dazu braucht man temporäre Transitgenehmigung. (Ja, weiß ich doch!) Wo? Hier bei ihm. Er will die Fahrzeugpapiere. Pass UND DIE SEGURO! Noch mehr SCH…. hab ich nicht, aber das sage ich ihm natürlich nicht. Ich tue cool und gebe ihm die letzte von Uruguay, die für ein Jahr. Er erklärt mir, dass dies auch für M. gelte und will auch seine Papiere. Ich möge ihm das erklären. Mach ich doch gerne – auf deutsch und nebenbei sprechen wir schnell noch ab, was die Strategie ist. Man kann es ja mal versuchen, denn die in Uruguay gilt in Argentinien nicht und in Brasilien brauchen wir keine Versicherung. Welch Ironie, dass wir ausgerechnet bei der allerletzten Einreise nach Argentinien nach der Versicherung gefragt werden. So ein Mist! Wir warten und sehen, wie er einen nach dem anderen eintippt. Hä? Wir sind doch längst im System drin? Schon ein paar mal rein und raus gefahren. Wie schön einfach ist es in den kleinen Grenzübergängen. Man sollte echt die großen meiden. Die nehmen es zu genau! Aaaaaber da tut sich was, der Drucker druckt. Sollten wir doch Glück haben? Ich hatte mir schon eine Erklärung zurecht gelegt, warum wir denn nicht die Versicherung der früheren Grenzübertritte nehmen würden und statt dessen die von Uruguay. Aber der Beamte fragt nicht danach. Er reicht uns die Papiere zur Unterschrift und wir dürfen ohne Gepäckkontrolle (und ohne Versicherung!) fahren. Glück gehabt! Wieder einmal!

Schnell sind wir am Hostal Inn – einfach, aber billig. Noch ein Plätzchen für die Mädels suchen, denn es gibt keine Garage. Darüber wird es dunkel und ich will eigentlich auch nirgends mehr hin. Nur noch in trockene Klamotten rein.

Bei euch ist auch Aprilwetter? Und es hat trotz Frühlingstemperaturen einen erneuten Wintereinbruch gegeben? Macht es euch gemütlich, so wie wir – bei zu lauter Musik und Durchzug in der Lobby 😉

Bis demnächst… VGB

Angekommen in Foz do Iguacu

So. 24.4.16

Wir fahren durch viel Landschaft und wenige, kleine Orte bis Sao Jose do Cedro. Dort kommen wir früh an, weil es entgegen der Vorhersage doch trocken geblieben ist und wir keine Pause gemacht haben, sondern durchgefahren sind. 95 Reales, umgerechnet 25 Euro fürs Zimmer ohne Klimaanlage, sind günstig. 40 Reales mehr für die Klimaanlage sind uns nicht wert, aber es ist drückend schwül. Schnell abgekühlt, erfrischt und ab in den Ort. Auch hier gibt es keine Bank und somit auch kein Bargeld. Ich bin geizig damit und rücke nur Kleinstbeträge im Minimercado raus. Alles andere wird – wenn möglich – mit Kreditkarte bezahlt – trotz jeweiliger Gebühren. Wir hätten ja gerne im Hotel gespeist. Die Karte versprach Leckereien zu günstigem Preise. Doch die Küche ist zu. Nebensaison! Mist! Auch im Ort gibts keine Restaurants. Nur Schaulaufen der Next Topstars!

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Brasil’s next Supermodel in der Provinz

Aber eine Bar mit Kleinigkeiten. Wir bestellen das teuerste Essen des ganzen Ortes, eine brasilianische Spezialität: gebratene Ochsenschwanzstückchen mit Maniok und frittierter Polenta für 10 Euronen. DAS muss man doch mal ausprobieren.

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Auf dem Rückweg sehen wir schon das Wetterleuchten. Schnell ab ins Hotel. Wenig später gehts dann richtig los. Aber ich hör es schon nicht mehr…schrrrrr, nrrrrrr, schhhhh, nrrrrrrch.

Mo.25.4.16

Es sind nur noch ca 330 km bis Foz do Iguacu auf brasilianischer Seite. Das sollte zu schaffen sein. Draußen regnet es zur Begrüßung. Na, gehen wir erstmal frühstücken, aber der Portier hat die Wasserthermoskanne für seinen Matetee entführt und außer Kaffee verlockt uns nichts auf dem Buffet. Hier stehen ungelogen 6 verschieden Kuchen, weitere 4 Tabletts mit Keksen und Karaffen mit irre süßem Kunstsaft. Jetzt verstehe ich auch, warum ich seit der Grenze in keinem einzigen Ort auch nur ein winzig kleines Café gesehen habe: Die Brasilianer haben keine Kaffeekultur, verkaufen zwar viel Kaffee in die ganze Welt, aber trinken selber nur Instantkaffee oder Filterkaffee – traditionell, also caro einfach. Da sie sich morgens schon mit Kuchen vollstopfen, warum bitteschön sollten sie dann nachmittags in ein Café gehen? Wenn sie schon keinen gescheiten Kaffee trinken und erst recht kein Stück Kuchen dazu? So bin ich heil froh, dass ich meine Kaffeemaschine mitgenommen habe. Das wären 4 darbende Wochen geworden, bis ich wieder meinen Hausstand vollständig habe. Es ist übrigens recht komisch, so mit halben Gepäck zu fahren. Andauernd fehlen uns Dinge, z. B. die Stühlchen, wenn wir ein Päuschen machen wollen und an den schönsten Wiesen und Ausblicken kein Bänkchen vorhanden ist. Oder das Zelt, wenn wiedermal die Sonne untergeht und wir noch kein Hotel haben, der nächste Ort aber noch 100 km entfernt liegt. Oder die Küche, so dass man selber was brutzeln kann, ohne ein Restaurant suchen zu müssen.

Na, genug philosophiert: Auf, auf, die Kilometer warten. Äh… es hat wieder angefangen zu schütten, eh wir alles verstaut haben. So setzen wir uns noch mal in die Lobby und warten. Aber als es auch nach 30 min. nicht aufhört, machen wir uns doch auf. Pünktlich mit Anlassen des Motors hört es doch auf. Prima, alles richtig gemacht. Es tröpfelt ein wenig, mal mehr mal weniger. Stets so, dass die Jacke vom Fahrtwind gleichzeitig getrocknet und vom Regen benässt wird. Irgendwo mitten im nichts gibts einen Ort, wo die verlorene Wasserflasche ersetzt wird, eine Klopause im einzigen Restaurant möglich ist, und die LKW mitten durch die Häuser donnern – so kommt es einem zumindest vor. Wie kann man hier nur leben? Die Straße zu überqueren ist nur mit langer Wartezeit möglich. Ein Auto nach dem anderen, ein LKW hinter dem nächsten. Ätzend!

Es fängt an zu blitzen, Gewitter im Anmarsch. Lass uns verschwinden und in der nächsten Kreuzung davor abbiegen. Aber anscheinend hat es das gehört. Es kommt hinter uns her. Es regnet und regnet – 3 stundenlang – und die Autos und LKW-Fahrer fahren rücksichtslos egoistisch riskant. Das bin ich seit Peru/Bolivien nicht mehr gewohnt und mag ich auch nicht. „Axxxxxxxxxx“ (Hier stand eine Beleidigung, die aber der Zensur zum Opfer gefallen ist!)

Es blitzt und blitzt. Vor uns sieht es sehr dunkel aus und dort ist wohl schon das Gewitter. Schon wieder klitschnass fahren wir noch in den nächsten Ort hinein und suchen einen Unterschlupf. Das ist gar nicht so leicht, denn wie gesagt – Cafés gibt es nicht. In einer Bäckerei gibt es 2 Plastiktische und Plastikstühle, kalten Fertigkakao oder Kaltgetränke, Kuchen und Süßigkeiten oder Empanadas. Wir warten eine halbe Std. ab, die ich zum Ausschütten der Koffer nutze. Das Wasser stand schon wieder 2 cm hoch. Aber es hört nicht auf zu blitzen Wir machen uns trotzdem auf. Es sind nur noch wenige Kilometer und vor uns ist es nicht mehr so dunkel. Klitsch nass suchen wir das reservierte Hotel. Dank M’s Suche im Internet heute Morgen finden wir zumindest die richtige Straße mit Navi und mit Nachfragen auch das Hotel. Gott sei Dank heil angekommen! So langsam höre ich mich in das Portugiesisch hier ein. Auch den Menschen hier fällt es leichter, mich zu verstehen. Vermutlich, weil hier im Touriort viele Menschen gewohnt sind, mit spanisch (z. T. auch englisch) umzugehen. Wie schön.

Leider erreicht mich soeben die schlimme Nachricht vom plötzlichen Tod einer Kollegin, die mich ziemlich mitnimmt. Wieder einmal merke ich, dass das Leben und Schicksal zu Hause nicht einfach aufhört, nur weil ich im Ausland auf Reisen bin. So hoffe ich, dass es euch allen gut geht.

Bis bald

B.

Weites Brasilien

Sa 23.4.16

Ich wusste schon vorher: Brasilien ist groß. Aber so richtig begreift man das wieder erst, wenn man es im wahrsten Sinne er“fährt“. Die Landschaft ist schön grün und es sieht aus wie im oberbergischen: Grüne Wiesen, Felder, Bäume, hübsch hügelig und kurvig – nur nicht so eng kurvig wie dort. Man braucht kein Gas wegnehmen, sondern kann dran bleiben. Schlagartig ist es fast 30 Grad. Dabei hab ich gestern noch gefroren und die Heizung angemacht und auch heute morgen noch sah es trotz blauem Himmel nach heftigem Regen aus. Die dunklen Wolken haben die ganze Nacht lang ihr Können gezeigt und auch heute Morgen sieht es nicht danach aus, als ob sie aufgeben wollen. So ziehen wir mal gleich die Regensachen an. Trotz 24 Grad schon. Aber es bleibt trocken und wir suchen von Tanke zu Tanke nach gutem Sprit. Aber es gibt nur „comun“ (87 Oktan) und denselben mit Additiven = ca 90 Oktan, also schlechten Sprit. Es soll irgendwo an der übernächsten was geben. Fehlanzeige. In 12 km. Fehlanzeige. In der nächsten Stadt = 56 km entfernt. Die Reserve ist noch nicht an,obwohl wir das jeden Moment erwarten. Es müsste also hinkommen. Wir fahren weiter. In der nächsten Stadt Santa Maria gibt es Shell-Tankstellen, die wir bisher nicht befragt haben. Dort fragen wir nach und tatsächlich haben sie den guten Sprit. V-Power heißt der hier. Wir tanken tatsächlich 48,7 Liter! Wohlgemerkt Fassungsvermögen von 24 Litern – laut Hersteller. Auf Reserve seit 35 km. Na, das war wohl knapp, aber 480 km mit einer Tankfüllung gefahren. Hier ziehe ich endlich die Regenjacke aus. Ich schmore im eigenen Saft.

Gleich 2 km später gibt es mitten in der Baustelle einen Supermarkt und wir müssen uns den Weg dorthin über holprige, faustdicke Steinwege suchen. Aber schnell stehe ich auf den Fußrasten und so ist das alles kein Problem. Wie gut, dass ich das immer noch kann. 😉 Ich kaufe ein paar Sachen ein. Es kostet nicht viel. Brötchen (das einzig „frische“, was ich bekommen kann, wird gerade eingepackt) kosten nur knapp 2 Regales, umgerechnet 15 Cent pro Stück. Dafür ist es dann aber auch schon nach einer halben Std. später zäh. (Bäh!). Die 5 l Wasserflasche kostet am meisten. fast 14 Regales = 3,50. Hups! Das ist aber teuer!

Wir suchen eine Bank im zentralen Park. Bisher hatte jede Stadt in  Zentral- oder Südamerika einen solchen – egal wie arm die Stadt oder Leute auch waren. Aber hier in Santa Maria finden wir weder einen Park noch eine Bank. So fahren wir einfach raus aus der Stadt und setzen uns in einer Seitenstraße auf die Bank in einem Bushäuschen und schmausen. 

Bis nach Cruz Alta RS sind es noch 120 km. Das schaffen wir noch bis Sonnenuntergang. Auch das Hotel dort kostet nur 25 Euro – für uns beide. Einfach, aber sauber mit Wifi. Was will (oder braucht?) man mehr? Unten grillt man – wohl ein Fest. Ich will noch eben die Trinkflasche von Markus auffüllen und wundere mich über den merkwürdigen Geruch der 5l Flasche beim Öffnen. Ich schnuppere dran und verziehe das Gesicht. Da sehe ich es: Auf dem Etikett steht „Vinaigre“. Ich doof! Ich hab noch nie 5 Liter so klaren Essigs auf einmal gesehen. So nehme ich die Flasche und frage nebenan auf dem Grillfest nach, ob den jemand gebrauchen kann. Ich verstehe kein Wort, sie kucken mich ebenso an wie Auto. Ich mache eine eindeutige Geste und verabschiede mich. Guten Appetit, gutes Waschen, Gelingen, viel Freude oder was auch immer damit! 

Ehe ich erfrischend geduscht hab, ist es auch schon wieder dunkel und immer noch drückend warm. Wir gehen den Kilometer in den Ort zum Supermarkt neues „Wasser“ und „Radler“ kaufen. Wir fühlen uns nicht bedrängt oder unwohl. Die Leute hier auf dem Land sind nicht reich. Das sieht man. Die Häuser sind etwas heruntergekommen und ihre Bildung beschränkt sich auf portugiesisch. Aber sie lächeln alle und lachen herzhaft, als ich (genauso wie Sie auf meine Frage) mit „Como?“ auf ihre Frage antworte. Auch sie wollen eigentlich nur in Frieden leben und arbeiten. 

VGB

Willkommen in Brasilien

Fr. 22.4.16

Gestern hat es sich dann so fürchterlich eingeregnet, dass wir uns nicht aufraffen konnten. Bei so Sch… äh… bescheidenem Wetter macht das wirklich keinen Spaß. So sitzen wir wiedermal einen Tag aus. Mitten drin, am frühen Nachmittag dann die Wende: Strahlend blauer Himmel. Da hätten wir auch fahren können. Aber das weiß man vorher nicht und die Trödelei ist auch nicht schlimm. Wir haben ein schönes Zimmer mit schönem Blick in die grüne Landschaft, wo diverse Vögel sich vergnügen.

Heute aber solls weiter gehen. Strahlend blauer Himmel ohne Wolken – wow! Schnell sind wir von Melo aus an der Grenze zu Brasilien, und wir geben hier die temporären Fahrzeugpapiere ab. Aber die Stempel und Einreise nach Brasilien gäbe es 1 km später. Aber dort ist gerade Mittagszeit und der 1. Schalter nicht besetzt. Man schickt uns gleich zum 2. Dort ist Ausreise aus Uruguay. Die Dame schickt uns einen Schalter weiter. Der Herr dort hat viel Zeit und anscheinend kämpft er noch mit dem neuen PC-Programm. Sie sind erst seit Januar hier eingezogen. Er kontrolliert die Nummernschilder, ob sie mit den Papieren übereinstimmen, nicht aber das Gepäck. Darauf habe ich spekuliert. Meine Lebensmittel kann ich also mitnehmen. Es sind nicht viele, aber Birne, Käse, Schinken, Avocado hätte ich in Chile z.B. nicht mitnehmen dürfen und wegschmeißen müssen. Aber es fehlt noch er Einreisestempel im Pass. Der erste Schalter ist immer noch nicht besetzt. Wir warten.

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Einreise nach Brasilien – warten auf das Ende der Mittagspause.

Endlich kommt er gemächlich angewackelt und wir müssen erstmal das doppelseitige Formular ausfüllen. Ach – jetzt wieder? Wie in Zentralamerika.

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Willkommen in Brasilien.

Insgesamt hat alles in allem recht lange gedauert und auch im nächsten Ort Bage verlieren wir viel Zeit damit, Geld und Internet zu organisieren. Die Geldautomaten können meine Karte nicht lesen – anderes System, das kennen wir schon aus Argentinien. Mist, hier also ähnliches Problem. Außerdem haben die Banken gerade eben zu gemacht. Geld wechseln? Ich hab noch Dollar. Auch das muss ich mühsam erfragen und suchen, denn die Leute verstehen mich mit meinem europäischen spanisch nicht. Wenn ich wenigstens das „sch“ von Uruguay oder Argentinien benutzen würde. Aber dazu war ich zu kurz in dieser Region, als dass ich diesen Dialekt sprechen könnte. Ich kanns gerade noch verstehen, aber nicht sprechen. So verstehe ich die Leute hier nicht. Es klingt so wie eine Mischung aus viel „sch“ und Arabisch.

So gehen wir erstmal hier auf Hotelsuche. Booking.com sagt 60,- für ein Luxuszimmer mit Whirlpool etc. Endlich finden wir das „Hotel“ am Popo der Welt über ausgewaschene „Trampelpfade“, dass ich schon dachte, das Schild mit dem gleichnamigen Projekt bedeute, dass das Hotel erst noch gebaut werden solle. Aber der Herr am Rand des Weges bestätigt, dort am Ende des Weges sei das Hotel. Doch die Dame spricht nur Portugiesisch und will 70 Dollar für das einfache Zimmer ohne Whirlpool haben. Ich biete ihr zweimal an, 40,- zu zahlen, denn wir brauchen keinen Luxus. Aber sie besteht darauf. Dann sollen wir nebenan irgendwo hin, da gäbe es angeblich das Zimmer vom Internet. Ich hab keine Lust mehr auf ihre Diskussionen und unverständlichen Erklärungen. So fahren wir weiter. Ich hab auf dem Weg hierhin noch 2 Hotels gesehen und dort fragen wir nach. Dort gibt’s ein schönes Zimmer mit abgeschlossen Hof für gut 40,- . Geht doch!

Bye, B

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Bei dem Gespann werden Erinnerungen aus Mittelamerika wach.

Teures Uruguay

Mi. 20.4.16

Wir haben den Regen ausgesessen und uns den heutigen, wunderschönen Fahrtag verdient. Zunächst fahren wir direkt am Meer entlang. Die Strände sind alle öffentlich, meist wunderschöne Sandstrände, nur manchmal felsige Küste. Die teuer aussehenden Villen sind alle auf der anderen Seite der Straße. Nix Privatstrand, nix gesperrt, nix zugebaut. Das finde ich gut und wünschte ich mir von so manch anderer Küste auch. Auf jeden Fall brechen sich hier tosend die mehrere Meter steigenden und gischtschmeißenden Wellen am steil ansteigenden Strand. Wow! Das kracht! Wir halten extra dafür an, um diesem Schauspiel 10 Minuten lang zuzusehen.

Kurz danach hört der Teer auf. Grrr, als ob ich es geahnt hätte, dass ich keine reinen Straßenreifen hab aufziehen lassen wollen. Na, ok. Die Piste ist meist ganz gut zu fahren, die wenigen Matschlöcher haben irgendwo festgefahrene Spuren. Dafür, dass es bis gestern noch so geschüttet hat, ist die Fahrbahn erstaunlich trocken. Die Landschaft ringsumher entschädigt uns für die notwendige Konzentration. Es sieht aus wie in Dartmoor/England. Alles sehr grün, niedriger Baumbewuchs und zwischendrin rumliegende, felsige Steine. Irgendwo am Straßenrand machen wir Mittagspause – um halb 4 ;-). Ein einziges Auto kommt vorbei, sonst haben wir Ruhe. Halt, ach nein. Nach und nach kommen 7 Pferde neugierig angetrabt. Aber als wir zum Zaun kommen, drehen sie sich um und tun so großspurig, als ob auf der anderen Seite der Wiese grüneres Gras wäre. Dabei sieht man ihnen ihr Interesse an uns deutlich an.

Kurz vor Treinta y Tres sehen wir neben der Straße die Auswirkungen des Regens der letzten Tage: Straßenlaternen stehen im Wasser bis an den „Schirm“, die Strommasten bis an die Leitungen, der Campingplatz total unter Wasser, die Straße gekappt, 100-e Meter überflutet, und die Brücke weggerissen. Nur die Hauptstraße ist unversehrt. Echt heftig.

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Überall rechts und links der Straße findet man überflutete Felder.

Da in Dolores der Tornado gewütet hat und Rio Uruguay stromaufwärts über die Ufer getreten ist, fahren wir lieber weiträumig daran vorbei. Aber anscheinend gelingt uns das nur teilweise, weil wohl auch andere Flüsse über die Ufer getreten sind. So schlimm hat es wohl seit Ewigkeiten nicht mehr geschüttet und nun muss das ganze Wasser erstmal wieder irgendwohin laufen. Warten wir es also ab.

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Die Bauern haben jetzt alle Hände voll zu tun…

Eigentlich wollen wir nur bis Treinta y Tres. Aber dort sind die Hotels so teuer (teurer als in Montevideo oder Punta del Este für halb soviel Komfort) und die billigeren Kaschemmen sagen uns nicht zu. Also booking.com zu Hilfe gerufen, aber das sagt nur 113 km entfernt in Melo sage und schreibe 2 Hotels an. Keine Aussage über Garagen. So fahren wir erstmal hin – im Dunkeln mittlerweile. Aber es ist kaum Verkehr und die wenigen Schlaglöcher können wir meist umfahren. Dort angekommen gibts auf dem platten Land (muten im Nichts) natürlich keine Garage, sondern nur einen offenen Parkplatz. Aber wir dürfen unsere Mädels direkt unter das beleuchtete Eingangsdach stellen, direkt neben die Rezeption, wo Tag und Nacht jemand ist. Es wäre sicher hier. Hoffentlich. Ohne Mädels lässt es sich schlecht fahren 😉

Zur guten Nacht gibts dann noch ein fürstliches Zimmer mit integrierter Badewanne und Dusche im offenen Schlafzimmer, ein ebenso fürstliches Mal für noch nicht mal 10 Euro (echt billig, dafür dass das Zimmer so teuer war!) und ein fürstliches Bad in der Whirbelbadewanne. Heute morgen haben wir uns noch genau über die Vor- und Nachteile „gezankt“ und jetzt können wir das glatt ausprobieren …. Ja denkste. Funzt nicht. Schade!

Bei euch alles ok?

VGB

„Weltuntergang“

Di 19.4.16

Hier ist Weltuntergang – zumindest gefühlt. Seit Tagen schüttet es nahezu ununterbrochen, weshalb die Flüsse über die Ufer treten, Hochwasser und Überschwemmungen verursachen und so die Autobahn zwischen Colonia und Montevideo, die wir letzte Woche noch gefahren sind, nun gesperrt ist. Ein Tornado hat 250 km von Montevideo eine Gemeinde zerstört. 25.000 Menschen obdachlos. El Niño wird dafür verantwortlich gemacht.

Gestern haben wir den Tag genutzt, um in dem kleinen Zeitfenster, in dem es vorwiegend trocken war, 150 km von Montevideo nach Punta Del Este zu fahren.

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Dieser Ort zeichnet sich durch die schmale, enge Landzunge aus, auf dem die vielen Hochhäuser und Tourihochburgen gebaut wurden. Das Ambiente ist sehr gepflegt und sieht teuer aus! Vermutlich schneiden sie den Rasen hier mit der Nagelschere! Man kann von nahezu jedem Standort aus auf beide Seiten des Atlantiks sehen. Klasse! Trotzdem wirkt dieser Ort nicht bedrückend oder eng. Mir gefällt er. Die Wellen produzieren Schaumberge, die über die Straße geweht werden.

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Hier in Punta Del Este ist das Wetter auch nicht besser.

Viel Verkehr ist nicht mehr, denn hier ist Herbst und Nebensaison. Wir werden ihn gleich einmal erkunden – trotz Regens – und morgen soll endlich mal wieder die Sonne scheinen. Unvorstellbar momentan. Aber wir werden sehen….

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Strandgut.

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Diese Hand ist vom gleichen Künstler gestaltet, wie die in der Atacama-Wüste/Chile.

Uns geht es gut, trotz Regen, Stürme und Unwetter. Unsere Sachen sind mittlerweile wieder getrocknet und wir sitzen das Wetter einfach aus. Erst morgen gehts weiter.

Wir hoffen, zu Hause bekommt ihr davon nichts mit und es geht euch allen gut.

Herzliche Grüße B.

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Impressionen vom Hafen.

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Bunte Vögel und Hollywoodfiguren aus Schrott.

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Kneipenkunst

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Crêpes und Kaffee, eine echte Alternative zu dem Regenwetter dort draußen – wo geht’s hier bitte nach Hause?

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Bikertreffen.

An die Arbeit

Sa 16.4.16

Es regnet – immer noch, nicht schon wieder. Also machen wir uns an die Arbeit und wechseln die Bremsbeläge. Aber wir finden die Werkzeugrolle nicht mehr. So ein Mist, wohl in den Umräumaktionen seit Schrotten des Tools wohl irgendwo liegen geblieben. Ärgerlich, denn das war gutes und gut durchdachtes Werkzeug, was uns eigentlich die Sicherheit gab, notfalls selbst Hand anlegen zu können und weiter zu kommen. Mit dem übriggebliebenen Rest können wir kein Rad ausbauen, um einen Platten zu reparieren, keine Kette spannen, keinen Spiegel festziehen. Echt ätzend. Aber nicht zu ändern. So fragen wir in der Hotelrezeption nach Werkzeug, so dass wir unterm Garagendach unsere Bremsbeläge gewechselt bekommen. Es dauert etwas länger, weil wir die zuletzt und einzig vor über einem Jahr gemacht haben. Aber erstaunlich, wie wir uns immernoch daran erinnern. Zur Not gibt es ja Youtube, das Montagebuch von BMW – und zur allergrößten Not noch einen Anruf bei unserem Schrauber in D-land. Sie haben „Ridersday“ und da ist richtig was los. Aber schnell den Rat eingesackt und Grüße an alle losgeschickt und schon gehts an die Arbeit.

P1040099P1040090VGB