Uruguay: Montevideo

Mi. 13.4.16

Früh los, wir wollen um 7 auf den Moppeds sitzen und schaffen es doch erst um halb 8. Dafür regnet es und der Berufsverkehr fängt an. Aber es ist ja nicht weit und zum Glück ist der Reifen noch nicht wieder platt. Anscheinend hält der Stopfen ganz gut. Aber wegen Regens, beschlagenem Visier, Stau, nasser Fahrbahn ohne Profil, und Straßensperren wegen des Besuchs der korrupten Ex-Präsidentin wird es wieder einmal knapp und ich habe Stress. Wir sollen eine Std. vorher an der Fähre sein, aber wir finden den Eingang nicht und rund herum steht der Verkehr, weil die Hauptstraße direkt neben dem Eingang gesperrt ist. Nix geht mehr und es schüttet grade wieder aus Eimern! Die Ex-Präsidentin muss auch ausgerechnet dort Hof halten… 😦 Wir fahren über Bürgersteige, rote Ampeln, gegen die Einbahnstraße und über die Spur des Gegenverkehrs, um überhaupt irgendwie durchzukommen. Endlich sind wir da und stehen in der Schlange für die Fähre. Die geht aber rüber nach Uruguay. Müssen wir da keine Einreise oder so machen? Freiwillig rückt hier keiner Infos raus. Aber auf Nachfrage schon. Keine Ahnung welcher Schalter nun der richtige ist. Keine Ahnung, was für Papiere gebraucht werden. Müssen die Fährtickets jetzt schon gezeigt werden? Nein, nur die Pässe. Anhand derer reisen wir gerade aus und in die Fähre eingecheckt. Oben im 1. stock gehts weiter. Dort ist die Einreise. Gründlichst werden wir durchsucht, abgetastet und der Kaffeezucker in meiner Jackentasche misstrauisch beäugt. Endlich entlässt mich die Kontrolleurin. Sie misstraut mir immer noch, obwohl die Polizeibeamtin ihr ok gegeben hat. Na, ihr Problem! Der Einreisestempel klappt mit meinem Pass nicht, ich muss an einen anderen Schalter mit anderem System. Es wird spät und später und mir ist zu warm in den Regensachen. Ich will eigentlich nur wieder an die Luft. Endlich – nur für Fahrer – gehts den Aufzug wieder runter. Man will nur M. dort runter lassen. Hier sei nur für Fahrer. Ja, bin ich. En moto? Si, en moto. Si, es mia. Unten dasselbe in grün – nocheinmal erkläre ich, dass ICH Fahrer bin! Er will die Papiere sehen. Bitte sehr! Na, dann soll ich zur Kontrolle mit Mopped und Papieren hier erscheinen. Sie kontrollieren keinerlei Gepäck. Da hätte ich meinen Lebensmittelvorrat ja ruhig mitnehmen können. Dafür bin ich extra gestern Abend noch mal zurück zur Garage.

Schnell ist auch das erledigt und wir können auf die Fähre. Nur wenig Fahrzeuge stehen hier, aber wohl viele Fußgänger, denn der Aufenthaltssaal ist gut gefüllt. Dicht gedrängt sitzen die Passagiere in den Sesselreihen.

Wir treffen Eduardo, ehemaliger Langzeitreiseprofi – dem die kleine Tiger vor unseren Mädels gehört. Im Austausch erfahren wir, dass dieser Argentinier gerade für ein Jahr nach Uruguay wechselt, um dort zu arbeiten. Weitere wichtige Details erfahren wir, u. a. auch, wo es Reifen für unsere Mädels geben soll. Wir fahren zusammen nach Montevideo, wollen wir zumindest! Aber so einfach ist das natürlich nicht. Auf dem Schiff hatte ich bereits nach den fehlenden Papieren für die Moppeds gefragt. Aber die offizielle Auskunft lautete: Brauchen wir nicht! Wir haben ja die von Argentinien. Aber weit gefehlt. Eduardo lassen sie durch, aber uns nicht. Es gibt eben Ausländer 1. und 2. Klasse. Und wir gehören eindeutig nicht zur 1. Zurück marsch marsch! Im Gepäckterminal wie am Flughafen irgendwo im abgesperrten Bereich soll es unsere Papiere geben. Aber es fehlt die Seguro. Eduardo besitzt eine für ganz Südamerika. Aber unsereins hat da kein Anrecht drauf. Für uns gibts nur die für Uruguay – für ein ganzes Jahr. Das aber erst, nachdem wir 2 Std. auf die Öffnungszeit des staatlichen Büros gewartet und dann 3 Beamte mit dem Computer gekämpft haben, dass er irgendwelche Eingaben akzeptiert. Angeblich gäbe es auch wochen- oder monatsweise die „seguro“, aber die Beamten vor Ort konnten den PC nicht davon überzeugen. Endlich, nach fast 1 Std. halte ich die blöde Seguro in den Händen, für fast 40 Dollar pro Nase. Schnell zum Zoll und nach 15 min. ist auch das erledigt. Endlich, nach 3 Std. kommen wir los. JETZT ist kein Kontrolleur mehr da und alles offen. JETZT kämen wir auch so ohne Seguro/Einreisepapiere los. 😦

Wir fahren mit Eduardo durch Aprilwetter nach Montevideo. April, April! Das gibt es auch hier! Mal regnet es für ein paar Minuten, mal ist es trocken und nur die Straße nass, mal schüttet es 1 Minütchen und dann scheint auch die Sonne. Andauern wechselt das Wetter.  Eduardo hilft uns bei der Straßensuche, denn im GPS finden wir keinen Eintrag. Wie so oft bestehen die Straßennamen aus mehreren Worten (Z. B. Avenida Daniel Fernandez Crespo y Madrid! Wohlgemerkt, das ist EIN Straßenname!) Aber in den Adressen steht nur ein Teil, z. B. Fernandez Crespo y Madrid. DArunter findet das Navi natürlich nichts. Das Geschäft, welches unsere Reifen haben soll, hat die natürlich nicht. Die Auswahl ist wenig erfreulich: Entweder Crossbereifung, was uns zu einem weiteren Reifenwechsel in Europa zwänge, oder Straßenbereifung – bei unsicheren Straßenverhältnissen in Brasilien oder Uruguay. Mit viel Mühe ist der Mitas E 07 beim Importeur zu finden, aber auch erst, nachdem ich dem Verkäufer glaubhaft schildern konnte, dass ich exakt diesen Reifen bei einem Uruguayer vor knapp 2 Wochen gesehen habe. Sie verlangen viel Geld und können die Reifen nicht montieren. Weitere 1 !/2 Std suchen wir nach einer praktikablen Lösung, wie alles unter einen Hut zu kriegen ist. Letztendlich fahren wir zu BMW Autohaus und fragen dort nach. Auch dort bekommen wir die gewünschten Auskünfte nur nach langer Wartezeit und mit viel Erklärungsausdauer.

Endlich ist alles geklärt und wir machen uns um 6 zum Hotel auf. Dort wollen sie unbedingt den Pass kopieren, damit der Staat sieht, dass wir Ausländer sind und keine Steuer zu bezahlen haben. Das mit der Steuer ist ja ganz nett, aber mit der Passkopie nicht. Wir werden auf morgen vertröstet, wenn der Chef da ist. Stress lass nach! Nun noch eben ins Parkhaus des Hotels. Fehlanzeige, es gibt ein Gemeinschaftsparkhaus, 24 Std. bewacht. Aber die oberen Etagen ohne Kameras, während die Dame unten wartet und „aufpasst“. Na, hoffentlich klappt das alles.

Nach der Dusche lässt endlich auch der Stress nach. Ich kann nicht mehr! Hunger, Durst und keinen Kaffee … Das hinterlässt Spuren. Im Supermarkt an der Ecke gibts was und so besorgen wir uns was Essbares.

Guten Hunger auch euch daheim!

VGB

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Braune Meereswellen. Es gibt sie wirklich.

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