Wenigstens

… ist der Regen warm!

Fr., 15.4.16

Wir haben heute einiges zu regeln und wir fahren aus dem Parkhaus bei strömendem Regen raus. Es hat keinen Sinn, abzuwarten, denn es strömt schon den ganzen Morgen. Wir haben gestern neue Reifen und den Service bekommen, so fahren wir heute äußerst vorsichtig durch die Stadt. Premiere! Bei solchem Regen habe ich noch nie Reifen eingefahren. Welcher Unterschied zu gestern. Wir haben per Zufall am Straßenrand einen 1200-er Fahrer getroffen und im Gespräch erfahren, dass er uns für das weltreisende Päärchen  mit 800-ern von gestern bei Touratech gehalten hat. WAS? Es gibt noch ein Paar auf 800-ern? Vielleicht sind die noch da? Wir also zu Touratech und dort nachgefragt. Sie – 2 bikes one world –  sind tatsächlich noch da gewesen, direkt um die Ecke von unserem Hotel, so dass wir einen wundervollen kurzweiligen Abend zusammen mit Petra und Anders verbracht haben.

Und heute das genaue Gegenteil. Es schüttet nahezu ununterbrochen. Wir sind klatsch nass und es hört und hört nicht auf. Wir haben aber Termine, müssen unsere Rückfahrt planen und ein langes Wochenende (Montag Feiertag) steht vor der Tür. So quälen wir uns durch den Verkehr, der unsere Lücken, die wir absichtlich großzügig bemessen, immer wieder zufährt. Endlich ist alles geklärt und wir haben sogar mit Hilfe von Touratech sogar ein bezahlbares Hotel hier in der teuersten Gegend von Montevideo bekommen. Gepäck ist umsortiert und minimiert. Morgen werden wir wohl die Bremsklötze selber wechseln. M. fährt 2 Sätze davon seit 9 Monaten spazieren und hier wollten die bei BMW mehr als 800 Dollar nur für die Bremsen. Allein 700 für die Bremsklötze. Da haben wir dankend abgelehnt. Die haben sie ja wohl nicht mehr alle. Da nehmen wir die eigenen, es werden wohl die letzten auf der Reise zu wechselnden sein.

By the way für alle Reisenden, die hier neue Reifen suchen: Uruguay ist sehr klein und wie überall in Südamerika muss man die richtigen Leute fragen, um das zu bekommen, was man sucht. Selbst mit Hilfe von Eduardo, dem Tigerfahrer von der Fähre, war es äußerst schwierig, an gescheite Reifen zu kommen. Angeblich gibt es nur Straßenreifen oder Crossreifen, die nur 4000 km halten. Heidenau oder Mitas gibt es nicht. In ganz Uruguay nicht. Der einzige Großhändler weiß das. Ich wusste aber, dass ein 700-er Fahrer Mitas drauf hatte und die In Maldonado/Uruguay hat aufziehen lassen. Noch mal telefoniert. Jetzt konnten wir den Mitas bekommen, auch wenn er nicht in der Liste steht – zu reichlich überhöhten Preisen. Aber aufziehen wollte er sie uns nur Freitag – wenn wir andere Termine haben. Wir haben sie letztendlich bei BMW (preiswerter!!!!) gefunden und dort in einem aufziehen lassen. Auch noch teuer genug. Kaum fertig, finden wir mehrere Heidenau- und Mitas-Reifen bei Toruatech.

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Ignacio erklärt uns, dass da Eifersucht mit im Spiel ist und der Importeur diese Reifen nicht verkaufen will und sie deshalb angeblich nicht zu kriegen sind. Wir haben also wegen exorbitant hoher Steuern nicht den Heidenau, sondern den Mitas E 07 drauf. Heidenau ist einfach wahnsinnig teuer hier. Mal sehen, so kommen wir in den Genuss, den Mitas probezufahren. Wollte ich ja gleich zu Anfang der Reise wegen etwas besserer Offroadfähigkeiten (wenn auch etwas kürzerer Laufzeit), aber da gab es den Vorderreifen noch nicht in schlauchlos.

In der Nacht hat es stets und ständig weiter gewittert. Es soll weiterhin die nächsten 2 Tage permanent regnen und gewittern. Aprilwetter! Na bravo! Ich dachte, das sei ein europäisches Phänomen! Sachen noch nicht trocken, aber schon wieder nass.Fragen wir mal nach, ob wir uns nicht 2 Tage hier verkrümeln können….

Hab gehört bei euch ist auch Aprilwetter. Petrus ist sauer! (Ich weiß gar nicht weshalb. Ich hab nix gemacht, bin wie immer ganz brav ;-)….)

Na, egal. warten wir es eben ab.

VGB

Uruguay: Montevideo

Mi. 13.4.16

Früh los, wir wollen um 7 auf den Moppeds sitzen und schaffen es doch erst um halb 8. Dafür regnet es und der Berufsverkehr fängt an. Aber es ist ja nicht weit und zum Glück ist der Reifen noch nicht wieder platt. Anscheinend hält der Stopfen ganz gut. Aber wegen Regens, beschlagenem Visier, Stau, nasser Fahrbahn ohne Profil, und Straßensperren wegen des Besuchs der korrupten Ex-Präsidentin wird es wieder einmal knapp und ich habe Stress. Wir sollen eine Std. vorher an der Fähre sein, aber wir finden den Eingang nicht und rund herum steht der Verkehr, weil die Hauptstraße direkt neben dem Eingang gesperrt ist. Nix geht mehr und es schüttet grade wieder aus Eimern! Die Ex-Präsidentin muss auch ausgerechnet dort Hof halten… 😦 Wir fahren über Bürgersteige, rote Ampeln, gegen die Einbahnstraße und über die Spur des Gegenverkehrs, um überhaupt irgendwie durchzukommen. Endlich sind wir da und stehen in der Schlange für die Fähre. Die geht aber rüber nach Uruguay. Müssen wir da keine Einreise oder so machen? Freiwillig rückt hier keiner Infos raus. Aber auf Nachfrage schon. Keine Ahnung welcher Schalter nun der richtige ist. Keine Ahnung, was für Papiere gebraucht werden. Müssen die Fährtickets jetzt schon gezeigt werden? Nein, nur die Pässe. Anhand derer reisen wir gerade aus und in die Fähre eingecheckt. Oben im 1. stock gehts weiter. Dort ist die Einreise. Gründlichst werden wir durchsucht, abgetastet und der Kaffeezucker in meiner Jackentasche misstrauisch beäugt. Endlich entlässt mich die Kontrolleurin. Sie misstraut mir immer noch, obwohl die Polizeibeamtin ihr ok gegeben hat. Na, ihr Problem! Der Einreisestempel klappt mit meinem Pass nicht, ich muss an einen anderen Schalter mit anderem System. Es wird spät und später und mir ist zu warm in den Regensachen. Ich will eigentlich nur wieder an die Luft. Endlich – nur für Fahrer – gehts den Aufzug wieder runter. Man will nur M. dort runter lassen. Hier sei nur für Fahrer. Ja, bin ich. En moto? Si, en moto. Si, es mia. Unten dasselbe in grün – nocheinmal erkläre ich, dass ICH Fahrer bin! Er will die Papiere sehen. Bitte sehr! Na, dann soll ich zur Kontrolle mit Mopped und Papieren hier erscheinen. Sie kontrollieren keinerlei Gepäck. Da hätte ich meinen Lebensmittelvorrat ja ruhig mitnehmen können. Dafür bin ich extra gestern Abend noch mal zurück zur Garage.

Schnell ist auch das erledigt und wir können auf die Fähre. Nur wenig Fahrzeuge stehen hier, aber wohl viele Fußgänger, denn der Aufenthaltssaal ist gut gefüllt. Dicht gedrängt sitzen die Passagiere in den Sesselreihen.

Wir treffen Eduardo, ehemaliger Langzeitreiseprofi – dem die kleine Tiger vor unseren Mädels gehört. Im Austausch erfahren wir, dass dieser Argentinier gerade für ein Jahr nach Uruguay wechselt, um dort zu arbeiten. Weitere wichtige Details erfahren wir, u. a. auch, wo es Reifen für unsere Mädels geben soll. Wir fahren zusammen nach Montevideo, wollen wir zumindest! Aber so einfach ist das natürlich nicht. Auf dem Schiff hatte ich bereits nach den fehlenden Papieren für die Moppeds gefragt. Aber die offizielle Auskunft lautete: Brauchen wir nicht! Wir haben ja die von Argentinien. Aber weit gefehlt. Eduardo lassen sie durch, aber uns nicht. Es gibt eben Ausländer 1. und 2. Klasse. Und wir gehören eindeutig nicht zur 1. Zurück marsch marsch! Im Gepäckterminal wie am Flughafen irgendwo im abgesperrten Bereich soll es unsere Papiere geben. Aber es fehlt die Seguro. Eduardo besitzt eine für ganz Südamerika. Aber unsereins hat da kein Anrecht drauf. Für uns gibts nur die für Uruguay – für ein ganzes Jahr. Das aber erst, nachdem wir 2 Std. auf die Öffnungszeit des staatlichen Büros gewartet und dann 3 Beamte mit dem Computer gekämpft haben, dass er irgendwelche Eingaben akzeptiert. Angeblich gäbe es auch wochen- oder monatsweise die „seguro“, aber die Beamten vor Ort konnten den PC nicht davon überzeugen. Endlich, nach fast 1 Std. halte ich die blöde Seguro in den Händen, für fast 40 Dollar pro Nase. Schnell zum Zoll und nach 15 min. ist auch das erledigt. Endlich, nach 3 Std. kommen wir los. JETZT ist kein Kontrolleur mehr da und alles offen. JETZT kämen wir auch so ohne Seguro/Einreisepapiere los. 😦

Wir fahren mit Eduardo durch Aprilwetter nach Montevideo. April, April! Das gibt es auch hier! Mal regnet es für ein paar Minuten, mal ist es trocken und nur die Straße nass, mal schüttet es 1 Minütchen und dann scheint auch die Sonne. Andauern wechselt das Wetter.  Eduardo hilft uns bei der Straßensuche, denn im GPS finden wir keinen Eintrag. Wie so oft bestehen die Straßennamen aus mehreren Worten (Z. B. Avenida Daniel Fernandez Crespo y Madrid! Wohlgemerkt, das ist EIN Straßenname!) Aber in den Adressen steht nur ein Teil, z. B. Fernandez Crespo y Madrid. DArunter findet das Navi natürlich nichts. Das Geschäft, welches unsere Reifen haben soll, hat die natürlich nicht. Die Auswahl ist wenig erfreulich: Entweder Crossbereifung, was uns zu einem weiteren Reifenwechsel in Europa zwänge, oder Straßenbereifung – bei unsicheren Straßenverhältnissen in Brasilien oder Uruguay. Mit viel Mühe ist der Mitas E 07 beim Importeur zu finden, aber auch erst, nachdem ich dem Verkäufer glaubhaft schildern konnte, dass ich exakt diesen Reifen bei einem Uruguayer vor knapp 2 Wochen gesehen habe. Sie verlangen viel Geld und können die Reifen nicht montieren. Weitere 1 !/2 Std suchen wir nach einer praktikablen Lösung, wie alles unter einen Hut zu kriegen ist. Letztendlich fahren wir zu BMW Autohaus und fragen dort nach. Auch dort bekommen wir die gewünschten Auskünfte nur nach langer Wartezeit und mit viel Erklärungsausdauer.

Endlich ist alles geklärt und wir machen uns um 6 zum Hotel auf. Dort wollen sie unbedingt den Pass kopieren, damit der Staat sieht, dass wir Ausländer sind und keine Steuer zu bezahlen haben. Das mit der Steuer ist ja ganz nett, aber mit der Passkopie nicht. Wir werden auf morgen vertröstet, wenn der Chef da ist. Stress lass nach! Nun noch eben ins Parkhaus des Hotels. Fehlanzeige, es gibt ein Gemeinschaftsparkhaus, 24 Std. bewacht. Aber die oberen Etagen ohne Kameras, während die Dame unten wartet und „aufpasst“. Na, hoffentlich klappt das alles.

Nach der Dusche lässt endlich auch der Stress nach. Ich kann nicht mehr! Hunger, Durst und keinen Kaffee … Das hinterlässt Spuren. Im Supermarkt an der Ecke gibts was und so besorgen wir uns was Essbares.

Guten Hunger auch euch daheim!

VGB

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Braune Meereswellen. Es gibt sie wirklich.

Stippvisite in Buenos Aires

Di, 12.4.16

Schon wieder verabschieden wir uns von neugewonnenen Freunden. Nora und Pablo haben uns sehr mit ihrem Haus inspiriert. Viele ihrer Wohnideen werden wir uns merken. Schnell sind alle Sachen auf dem Mopped und wir machen uns Richtung Buenos Aires auf.

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Almabtrieb auf argentinisch…

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Mit echten Gauchos in Aktion.

400 km sitzen wir auf einer A-backe ab und fahren ohne Pause bis kurz vors Zentrum, wo wir noch „eben“ Tankern und ein Päuschen machen wollen. Beim Helmaufziehen werde ich wie immer angesprochen. Kenn ich schon. Diesmal aber aus dem Kleinlaster heraus. Das ist dagegen ungewöhnlich. Ich verstehe nix, aber sie versuchen mit Zeichensprache, englisch und spanisch mir etwas mitzuteilen. Hinten am Mopped, ich lauf rundherum, ob da vielleicht eine Ölpfütze ist. Nein, nein, hinten, klein! Hä? Ganz hinten – Daumen und Zeigefinger zeigen 2 cm Abstand. Noch mehr Fragezeichen. ?????? Da sehe ich es: Mein Hinterradreifen ist PLATT!!!!! NEIIIIIIIIIN, nicht schon wieder! Na, vielleicht ist nur die Luft raus und ich brauche ihn einfach nur mit etwas Luft zu füllen. Bei der Kontrolle sehe ich nichts, fühle ich nichts. Kein Nagel drin. Aber warum sollte ein Reifen Luft verlieren? DAS hat immer einen Grund und meistens leider keinen guten. So finden wir auch tatsächlich das Loch! MIST!!!

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Nach Adam Riese: Aller guten Dinge sind 3, dann müsste jetzt das letzte Mal der Reifen zu flicken sein. 2 Mal meiner hinten, einmal Markus vorne. Grrrrr! Aber wir wissen ja mittlerweile wie es geht und so ist der Reifen schnell fertig – sehr zur Verwunderung der Tankwarte und unter fachmännischer Kontrolle der Motorradsecurity, die dasselbe System praktizieren sowie einiger anderer Zuschauer.

Aber da wir früh losgekommen sind und keine Pausen gemacht haben, sind wir noch vor dem Berufsverkehr im Zentrum. Natürlich ist in einer Großstadt immer Verkehr, aber wir kommen heil und gut durch und finden auch schnell Noras Schwester, bei der wir für kleines Geld übernachten werden. Gott sei Dank akzeptieren auch die Leute hier trotz Wuselei um uns rum die Verkehrsregeln und lassen uns genügend Platz! Danke liebe Verkehrsteilnehmer! Die Motorräder stehen in einem kleineren Parkhaus um die Ecke, welches rund um die Uhr geöffnet und bewacht ist. Angeblich sicher! Hoffentlich!

Werden wir ja morgen früh sehen, wenn wir zur Rushhour zur Fähre fahren. Die geht um 9.00 nach Uruguay/Colonia, heißt: 1 Std vorher da sein. Jetzt dagegen genießen wir erstmal Buenos Aires ohne Moppeds und machen ein Probeessen für die spätere Geburtstagsfeier meiner Schwester.

Guten Appetit! VGB

Asado – typisch argentinisch

So, 10.4.16

Hm, lecker! Ein Grillfest auf argentinisch! Die Wurstspezialitäten sind handgemacht und schmecken außergewöhnlich gut, obwohl wir sonst nicht unbedingt Wurstfreunde sind. Das große Stück Fleisch mit Knochen wird am Stück gegrillt und erst nach dem Garen portioniert. So wird hier gegrillt. Das Fleisch hier schmeckt hervorragend. Argentinien ist nicht umsonst berühmt für sein Rindfleisch! Die Kühe grasen auf anderen Wiesen, so dass der besondere Geschmack zustande kommt. Mit den 3 verschiedenen Salaten haben wir schnell unser Limit erreicht.

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Warten auf Gegrilltes.

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Angehende Gespräche werden geführt.

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Asado, hmm lecker!!!

Aber es gibt noch Nachtisch. Es ist einfach zuuuu lecker! Wer kann dazu schon nein sagen! Die Freunde der Gastgeber geben sich Mühe, sprechen langsam und deutlich mit uns, so dass wir gut der Unterhaltung folgen können. Ein sehr kurzweiliger Nachmittag geht viel zu schnell vorüber.

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Ich bin so froh, dass wir schon vor der Reise viel Mühe in das Lernen der Sprache gesteckt haben. So ist es nun viel einfacher. Auch wenn jedes Land eigene Wörter und einen eigenen Dialekt hat, so kommen wir doch überall mit unserem Spanisch durch. Die Leute verstehen uns und auch wir können nach einigem Einhören meist gut verstehen. Viele Dinge erfahren wir von den Menschen. Wie sie leben, was sie denken, was sie stört. Hier in Argentinien herrscht eine hohe Inflationsrate momentan. Jeder weiß, dass alle Politiker korrupt sind, nur die Hand aufhalten und so blitzschnell zu Millionären werden. Auch die Polizisten sind nicht wohlgelitten hier. Es gibt eine Provinz, die berüchtigt ist wegen der unverschämten Art, nur die Touris herauszufischen und abzukassieren – wegen hahnebüschener, an den Haaren herbeigezogenen Gründen. Davon allerdings wussten die Argentinier noch nichts. Diese unter Weltreisenden weitverbreitete Tatsache betrifft die Argentinier nicht, denn sie werden ja verschont. Auch wir haben schon überzogene Erfahrungen mit argentinischen Polizisten gemacht, wenn auch kein Geld gefordert wurde, so doch viel Angeberei im Spiel war. Die Ruta 14 werden wir auslassen und weiträumig umfahren. Zwar habe ich schon einmal korrupte Polizisten ganz cool ausgeknockt, aber das muss ich kein 2. Mal probieren. Wer weiß, ob ich nochmal solch ein Glück habe und stundenlang standhalte… Lieber nicht herausfordern.

Nora hat noch Familie in Buenos Aires. Von ihr erfahren wir Wissenswertes über die Stadt, wo wir übernachten und essen gehen können, welche Fähre wo und wann geht etc. Das ist sehr hilfreich für uns und unsere Planungen der nächsten Tage, denn Do. Morgen müssen wir in Montevideo sein – pünktlich zum Motorradservice: Schon wieder 10.000 km voll (Insgesamt nun 67.000 km).

Bis bald VGB

Cariló

Sa, 9.4.16

Angekommen bei Nora und Pablo in Cariló in ihrem wunderschönen Haus am Meer. Hier haben wir wieder einmal Gelegenheit, typische argentinische Speisen und mehr von der Lebensweise hier kennen zu lernen. Wir haben uns beide sehr auf dieses Wiedersehen gefreut. Nur kurz war das Zusammentreffen an der Tanke in Esquel, aber so gut wie wir uns direkt verstanden haben, fühlen wir uns gleich heimisch.

Wir kommen schon am frühen Nachmittag an und wollen eigentlich nur kurz das Meer sehen, aber auch hier fallen wir auf und die alte Dame – ausgewandert vor Ewigkeiten – freut sich, Leute aus der Heimat zu treffen. Es fällt uns schwer, sie abzuwürgen, wissen wir, dass wir eigentlich erwartet werden. Aber auch für uns ist en interessant zu erfahren, über welche Umwege sie es nach Argentinien verschlagen hat. Für sie sind wir das Highlight des heutigen Tages, so dass sie sich gleich zu ihrer Tochter aufmacht, um ihr davon zu erzählen.

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Strandgespräche

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Am Strand von Carilo

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Mar del Plata I

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Mar del Plata II

Endlich gelangen wir über den kurzen, aber schwierig matschig rutschigen Sandweg zu Nora und Pablo. Ein schönes Häuschen neben dem anderen steht hier. Dazwischen reichlich Platz. Und dennoch oder gerade deswegen muss man hier gut auf seine Sachen aufpassen.

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Unsere Gastgeber.

Morgen gibts ein großes Einweihungsgrillfest – zu unseren „Ehren“ und weil das neue Haus gerade erst bezogen wurde. Wie schön! Pablo fährt auch Motorrad und sein Motorradfreund möchte uns gerne kennen lernen. Eigentlich fühlen wir uns gar nicht so wichtig, nur normal.

Ach ja, Edit: Gestern hatten wir nur einen langweiligen Fahrtag mit 550 km bis in die Nähe von Miramar. Dort haben wir in einer matschigen Seitenstraße nach einem Zeltplatz geschaut und auf einer Hazienda auch gefunden. (Natürlich nicht einfach so. Wir haben schon vorher gefragt und durften unter dem Dach zelten, so dass der morgendliche Nieselregen uns nicht erwischt hat.) So hatten wir heute nur 180 km zu fahren. Allerdings ärgert uns unser Kocher seit einigen Tagen. Mal streikt er, mal arbeitet er nur mit Mühe. So habe ich gestern morgen schon keinen Kaffee bekommen, obwohl ich endlich wieder alles parat hatte. Heute dagegen ist die Milch inzwischen schlecht geworden. Schon wieder keinen Kaffee! Mist! Ich hab schlechte Laune. Wochenlang hatte ich keinen Kaffee, oder keine Milch (weil zu warm) oder nun kein heiß Wasser! Grrrrr!!!! So schauen wir im nächsten Ort erstmal nach einem Café und dort gibt es auch noch andere Leckereien. M. schlägt dort zu, denn ihm gelüstet nach Erdbeerkuchen. Den hat es seit 1 Jahr nicht mehr gegeben. Der Kuchen ist sehr mächtig, und ich picke nur 2 Gabeln und er den Rest. Na, er kann es vertragen. Guten Appetit!

Euch daheim auch. VGB

Adios Patagonia…

Do, 7.4.16

… willkommen in der Pampa. Schon wieder!

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Nach dem Rio Colorado geht’s ab in die Pampa.

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Der Rio Colorado, ab hier ist Patagonien Geschichte.

Heute sind wir die längste Strecke geradeaus gefahren. So lange am Stück wie quer rüber nach Rio Colorado sind wir noch nie im Leben geradeaus gefahren: 130 km. Und ich dachte, in den USA wären die Straßen gerade. Aber nichts gegen die hier. Noch nicht mal rauf und runter gehts. Alles platt! Wir sehen in der Pampa ein Wildschwein, ja, auch wir mussten 2 mal schauen. Es verkrümelte sich vom Straßenrand schnell ins Gebüsch. Unterholz gibt es hier ja nicht.

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Einsame Estancia in der Weite Patagoniens.

Nun denkt ihr, welch langweiliger Tag. Nein, war es nicht. In Bariloche haben wir endlich ein Geschäft gefunden, welches den Kaffee im entsprechenden Mahlgrad mahlen kann. So genehmigen wir uns erstmal einen gemütlichen Kaffee. Unser Übernachtungsplätzchen war hässlich, aber gut gewählt, denn rundherum haben die Bäume und Büsche den nächtlichen Sturm abgehalten. Wir haben ihn in den Baumkronen wüten gehört, und unten bei uns kam nichts an. Trotzdem hab ich schlecht geschlafen. Ich finde das immer unheimlich und starker Wind macht mir immer Angst! Aber alles ist gut gegangen und so schauen wir nach einer Bäckerei für frisches Brot. Aber wir finden nix. Es gibt nur eine Tanke mit wifi und gutem Kaffee. Dort erledigen wir wieder wichtige heimische Dinge. Auf den dortigen Süßkram haben wir keine Lust, aber Hunger. So schlage ich eine Koch-Mittagspause vor (ich hab alles dafür dabei) und M. findet auch gleich den passenden Ort am Rio Negro. Der halbe Ort schaut bei uns vorbei – so haben wir zumindest den Eindruck. Anscheinend hat es sich rumgesprochen, denn immer wieder kommen Leute (extra?) angefahren. Auf dem Fluss paddeln diverse Kanus stromaufwärts – sehr zu meiner Ver- und Bewunderung, denn der Fluss hat erstaunlich schnelle Strömung und so müssen wir aufpassen, dass beim Spülen unsere Teller nicht auf Wanderschaft gehen.

Recht spät machen wir uns wieder auf, aber ich habe schrecklichen Durst. Eine weitere Pause an der „nächsten“ Tanke (100 km entfernt) mit wifi lädt zum Verweilen ein. So schaffen wir heute „nur“ knapp 400 km, aber wir haben trotzdem einen schönen Tag erlebt – eben g e l e b t !

Da wir erst so spät gegessen haben, sparen wir das Abendessen, genießen die letzten Stücke der guten, leckeren Schokolade von der Schokolateria aus der Nähe von Bariloche (schade!) und die Farben des Sonnenuntergangs und bauen das Zelt im Dunkeln auf. DAS haben wir schon so oft jetzt auf- und abgebaut, dass wir das sogar blind können. 😉

Ein herrlicher Sternenhimmel empfängt uns innerhalb von nur knapp 1 Std. seit Sonnenuntergang. DEN werden wir vermissen!

Gute N8 zusammen! VGB

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Realität oder Zeichnung? Wolken wie japanische Tuschezeichnung

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Mal wieder ein traumhafter Sonnenuntergang.

Quer rüber bis nach Neuquen

Mi, 6,4,16

Eine der schönsten Motorradstrecken der Reise erwartet uns heute morgen. Es ist kalt, nur 5 °C, aber trocken, denn für heute ist eigentlich Regen angesagt. Also lass uns schnell von hier verschwinden. Der „Camino de 7 lagos“ ist ein Traum. Immer an den Seen entlang, kurvig ohne Verkehr. Zwischen all den Bäumen gibts auch immer wieder Blicke aufs Wasser.

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Auf der Sieben-Seen-Route nach San Martin de los Andes

Manchmal überholen uns die Autos, weil die Kurven nicht eng sind und sie so nicht abbremsen müssen. Wir genießen die letzten Kurven bis San Martin de los Andes auf über 1000 m Höhe, denn bald danach wird es wieder eben. Der patagonische Wind zeigt uns noch eben, was er sonst noch für Tricks drauf hat, denn plötzlich sieht man nichts mehr. Die Landschaft versinkt unter einer riesigen Staubwolke, obwohl die Straße geteert ist. Mystisch gespenstisch zieht er von überall her den Sand in die Luft und schleudert ihn uns um die Ohren, obwohl wir gar nicht so sehr dagegen ankämpfen müssen. Ahhhh, der Wind kommt von hinten. Deshalb!

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Sandsturm an der Ruta 40.

Wir fahren dieselbe Straße Richtung Bariloche, wie vor 3 Wochen noch. Aber mir kommt sie so fremd vor. Ohne Sonne, ohne strahlende Farben erkenne ich den Zeltplatz am Stausee erst, als wir dort ankommen. Aber was ist das? Der See hat unheimlich viel Wasser verloren. Die Inselchen mit Bäumen drauf stehen alle am Ufer. Wie schnell sich das Bild hier doch ändert.

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So sah es noch vor 3 Wochen aus! Das Wasser rechts neben denInseln in der Mitte des Bildes ist verschwunden und die „Inselbäume“ stehen nun im Trockenen (s. u.)

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Sandsturm die zweite, hier haben wir vor 3 Wochen bei wunderschönem Wetter übernachtet.

Altbekannte Steppe mit niedrigen Büschen und Sträuchern ohne Bäume und ohne Berge folgt. Die Straße ist wieder schnurgeradeaus! Sehr „einladend“, nämlich zum Kilometerschrubben ohne Anhalten. So schaffen wir heute auch wieder 550 km.

Noch „eben“ durch Neuquen durch (die Provinzhauptstadt ist größer als uns lieb ist und es gibt keine Umgehungsstraße, weshalb wir locker eine halbe Std. hier im Stau und an den Ampeln stehen). Und plötzlich ist es wieder 28 °C. Puh. Ich hab wieder mal zuviel Merino an. Morgens war ich noch froh drum, aber jetzt schwitze ich drin…. So müssen wir uns mit dem erstbesten Übernachtungsplatz neben der Crossstrecke und (wilden?) Müllkippe zufrieden geben. Die Polizei fährt Streife, aber übersieht uns. Nebenan gibt es wohl einen Schießübungsplatz, denn es knallt regelmäßig. Es tröpfelt ein wenig, immer mal wieder und es wetterleuchtet rund herum. Vielleicht kommen wir um das Gewitter drum herum. Es ist schwül und die Stechviecher kommen wieder raus. So fällt das vorbereitete Lagerfeuer dem Wetter und der Polizei zum Opfer und wir teilen uns ein Brötchen, eine Avocado und etwas Käse und Salami. Die Schokolade wird gerecht verteilt und das Kochen/Grillen auf morgen verschoben. Schade….

Der Bericht ist fertig und es fängt pünktlich an zu regnen. Grrrr. Wehe, wenn das Zelt morgen früh nass ist!!!!! Na, wenigstens hören die Hunde in der Ferne auf zu jaulen.

Gute N8 B.