In die Wüste geschickt

Fr. 4. 3.16

Keine Sorge, hier hat keiner den anderen in die Wüste geschickt. Aber wir haben unsere Mädels in die Wüste geschickt. 2 Tage lang durch die Atacamawüste – ein Highlight für M. Und auch für mich war es keineswegs langweilig, auch wenn ich nicht die grenzenlose Begeisterung von M. teile. Aber ich gebe zu, dass ich mir das ganz anders vorgestellt hatte: Wüste war für mich langweiliger Sand, oder besser: schwierig zu fahrender Sand. Aber die Wüste hier ändert sich immer wieder, mal eine weite, flache Ebene, mal hügelig steinig, mal bergig eng und kein einziger Grashalm. Keine einzige Pflanze. Dafür aber Tiere. Ich hab 2 verschiedene Insekten gesehen. Wovon leben die? Woher nehmen die das Wasser? Hier wächst doch nichts! Wirklich nichts! (Oder vielleicht sehe ich das auch nur nicht?)

Die Straße geht schnurgeradeaus. Ich hätte gedacht, dass 2 Tage geradeaus Fahren langweilig ist. Ist es aber nicht! Wie in den Badlands der USA ist es einfach beeindruckend, diese Weite zu erleben und stundenlang durch dieselbe Landschaft zu fahren.

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Durch die Wüste, mal auf Teer, mal auf Schotter  (dass die Frauen aber immer so viel Staub aufwirbeln müssen ;-)…)

Gestern sind wir durch Stein- und Sandwüste gefahren, wobei die Straße bis auf ganz wenige Ausnahmen frei war. Manchmal sind wir durch eine Sandwolke gefahren, wenn der Wind den aufgewirbelt hat. Das hat am Hals gepiekt, aber schlimm war das nicht. Mich hat die Temperatur verwundert. Als wir losfuhren auf 2500 m war es etwas frisch morgens, knapp 20 Grad. Wir fuhren über einen Pass (3300 m und nur 16 °C) auf 1500 m runter = 35 °C. Es geht weiter runter auf 500 m = schnuckelige 24 °C. Ich traue meinen Augen oder besser, dem Thermometer nicht. Aber es hat recht, denn es geht auch umgekehrt: Auf 1300 – 1500 m sind es wieder 35 ° C und auf 2000 m wieder angenehme 27 °C.

M. versucht zu erklären, vielleicht hat das mit dem Wind zu tun, der vom nahen Meer herüber weht. Mag sein. Wir suchen uns einen „wilden“ Zeltplatz. M.’s 1. Vorschlag rechts rüber gefällt mir nicht. Ich mag nicht so weit ab von der Straße was suchen, denn die Hügel sind ein ganzes Stück entfernt. Ich „verstecke“ mich und die Moppeds gerne hinter einem Hügel, damit uns nicht jeder gleich von der Straße aus sieht. Fahren wir doch lieber noch eben dort über den Hügel und schauen wie es dort aussieht. Gesagt getan, dort finden wir was und bauen alles auf. Kaum steht alles, hält hier auch ein LKW. Mist, kann man denn nicht mal seinen Ruhe haben ;-)…. Aber er fährt nach 10 min. weiter, als ob er es gehört hätte. Ein 2. LKW hält wenig später, selbes in Grün. Ob die hier ihren Müll hinlegen und weiterfahren? Mag sein. Einiges liegt dort an der Straße, Reifen, Regal, etwas Verbranntes… Aber das waren auch die einzigen Besucher.

Still wird es hier. Die Sonne geht unter, M. repariert sein Windschild (er hat 2 Schrauben im Gerappel verloren) und ich koche etwas, solange es noch hell ist. Wir merken deutlich, dass die Sonne jetzt wieder erst nach 8 untergeht und es auch nicht mehr so schnell dunkel ist. Man kann wieder mehr km schrubben.

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Kettenpflege, in der Wüste besonders wichtig.

M. erklärt mir die besondren Lichtverhältnisse in der Wüste. Das besondere rot/orange, das ins lila übergeht, wenn die untergegangene Sonne den Horizont anleuchtet. Das gäbe es nur in der Wüste, weil in Bodenjähe immer etwas Dreck/Sand ist, der angestrahlt wird, ansonsten aber in höheren Schichten klare Luft herrscht.

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Ich seh den Steeeernenhimmel, den Sternenhimmel, oh oh….

Und noch etwas gibt es nur in der Wüste: Den sagenhaften Sternenhimmel. (Der Mond war noch nicht aufgegangen, zum Glück!) Die Milchstraße habe ich noch nie so deutlich gesehen, wie gestern Abend. Unglaublich. Fast habe ich den Orion übersehen, weil so viele Sterne dazwischen leuchteten. Dafür haben wir aber das „Kreuz des Südens“ gesehen, den Jupiter und den Sirius, die kleine und die große Magellan’sche Wolke, wie die Pleiaden am Horizont verschwinden und 2 Sternschnuppen (z. T. dank und mit Hilfe der  I-pad-App. 😉 …)

Am Morgen weckt uns die Sonne. Nicht das plärrende Radio im Auto unten an der Ampel, nicht die schlagende Tür eines anderen Hotelgastes, nicht das Bellen des Hundes, der schon die ganze Nacht geblökt hat. Nichts – kein Geräusch! Nur die wärmende Sonne. Herrlich! DAS ist Freiheit. Genau DAS schätze ich am Wildcampen, auch wenn das für andere Menschen im ersten Moment unbequem erscheinen mag. Aber ich nehme gerne die fehlende morgendliche Dusche in Kauf, den Wassermangel und es macht mir auch nichts aus, die Botanik als erstes zu „besuchen“, weil ich diese Ruhe so unheimlich genieße und schätze. Keine Uhr im Sinn, bis wann man zum Frühstück erscheinen muss, keine Eile. Einfach nur Relaxen! Beim Rundumblick fällt sofort der Nebel gleich nebenan im Tal auf. Dort wollte M. zuerst zelten. Als ob ich es geahnt hätte. Wir wären mitten drin und hätten nun ein nasses Zelt einzupacken. So aber „parken“ wir oben drüber und alles ist trocken. (cheese!)

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Frühmorgens in der Wüste, weiter unten, hängt noch der Morgennebel.

Dieses Relaxen kann ich übrigens besonders gut in der Wüste. Die Straße ist nicht anspruchsvoll, kaum Verkehr. Man muss nicht hochkonzentriert fahren, sondern kann den Gedanken (oder der Musik in meinem Kopf) freien Lauf lassen. Wunderbar entspannend.

Recht widersprüchlich empfinde ich die Wüste am Meer. Wie kann das sein? Rechts Wasser, links Wüste? Hier scheint es wohl manchmal zu regnen, denn einige Büsche oder Gestrüpp können sich hier im Sand entfalten. Plötzlich ist der Sand nicht mehr rot, sondern hell beige. Dann erscheinen wieder Berge. Es geht wieder auf 500 m Höhe. Dicke Steine liegen überall herum. Solch eine abwechslungsreiche Landschaft hätte ich der Wüste nicht zugetraut.

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Die Muelle de Los Vilos.

Außerdem gibt es viele Orte und sogar Städte in der Wüste. Woher kommt das Wasser für die vielen Menschen? Keine Ahnung. So furchterregend wie noch zu Anfang empfinde ich die Wüste nicht mehr. Klar, sie verzeiht keine Fehler und die vielen kleinen „Kirchlein“ am Straßenrand, die von Unfällen herrühren und dem Toten ein „Heim“ geben sollen, bezeugen die Gnadenlosigkeit  der Natur und viele LKW-Fahrer hupen, wenn sie an diesen Stellen vorbeifahren, um den Toten zu grüßen. Aber ich habe gelernt, verantwortungsvoll in die Wüste zu fahren: Genügend Wasser mitnehmen, Sprit tanken, wo und wann immer eine Tanke da ist, etwas zu essen mitnehmen und nicht einfach in irgendwelche Wege reinfahren, sondern die Natur beobachten und einschätzen. Wir wollen ja schließlich nichts unnötig riskieren.

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Endlich wieder am Meer.

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Amerikas Blick auf die Welt…. Eine gewisse Ähnlichkeit mit Donald Trump ist unverkennbar 😉

Heute zelten wir in der Nähe von einem Observatorium, von denen es hier einige gibt. Morgen ist Samstag, Besuchtstag eigentlich. Aber wir hätten uns per Internet anmelden müssen und die Führung geht erst um halb 3. Der Torwärter kann (oder will?) erst dann den Guide fragen, ob wir mit schauen dürfen. Wir haben aber keine Lust, einen Tag zu verschenken, wenn der dann „nein“ sagt. Mal sehen, wenn wir morgen früh den nächsten Wärter fragen, ob der eine andere Lösung parat hat. Zur Not fahren wir halt so weiter. Aber wäre doch schöner, das mal von Nahem zu sehen.

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Frühmorgens mit Blick auf das Observatorium. Da hat sich ein Gast zu unseren Moppeds gesellt.

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Lichtspiele.

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Das La Silla Observatorium der ESA. Näher durften wir leider nicht ran.

Aber am nächsten Morgen steht derselbe Wärter wieder da. Mist! Dann eben nicht. Wir fahren weiter nach Süden. Mehr und mehr wachsen Büsche, es wird zunehmend grüner, Bäume tauchen auf und In Valparaiso haben wir die Wüste hinter uns gelassen.

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Blick auf das abendliche Valparaiso von unserem Turmzimmer aus.

Eigentlich wollten wir in der berühmten Villa Kunterbunt übernachten, aber dort gibt es keinen Hostalbetrieb mehr und sie konzentrieren sich nur noch auf die Verschiffung von Motorrädern und der Beherbergung der jeweiligen Besitzer. Aber nebenan kommen wir genauso gut unter. Hier bleiben wir das Wochenende und hoffen, am Montag bei BMW den Service zu bekommen….

Bis demnächst wieder

VGB

PS: Sorry, Nun wisst ihr auch, warum es tagelang keinen Bericht gab: Kein Internet!

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Es klappt doch noch mit dem Größenvergleich. Auch, wenn der Muldenkipper mit 100 t Fassungsvermögen nur der kleine Bruder der ganz Großen von Chuquicamata ist.

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