Matsch un Pitsch(u)

Do.11.2.16

So könnte man Machu Picchu umtaufen, denn es hat gestern leider viel geregnet. Der Tag fängt um 3 für uns an, denn der Bus soll um halb 4 kommen und uns abholen. Wir stehen im Regen und warten. Er kommt aber erst eine halbe Std. später. Dafür müssen wir ein Hotel 2 mal anfahren, weil ein Teil der Leute noch nicht parat ist. Selbst beim 2. Mal warten wir noch einmal 10 min. – Unverschämt, die japanische Familie, nicht einmal Entschuldigung können die sagen. Dann muss noch getankt werden. So verlieren wir 45 min. – peruanische Lebensart eben – die ich gerne im Bett verbracht hätte. Aber wir kommen pünktlich um 6.10 zum Einchecken in den Zug an, weil der Fahrer des 20 Personen-Busses durch seine Raserei alles wieder aufholt. Er überholt sogar Autos!

Ich hätte gerne einen Cappuccino. Aber ich sehe, wie der Typ vor meinen Augen kalten Kaffee mit Dampf aufwärmt und in die Tasse schüttet. Ich hätte aber gerne frischen. Auf mein Aufbegehren zeigt er mir die Tasse, das wäre frisch gemacht. Nee, mein Lieber, die gepanschte Plörre kannste selber trinken. Wir drehen um und gehen – ohne zu zahlen. Im Bahnhof hinter der Kontrolle gibt es auch Cafés. Dort bekommen wir den heißgeliebten Kaffe für 1 Sol weniger! Hm lecker. Dann kanns ja losgehen.

Der Zug tuckert langsam mit heftigen Schaukeleien durch ein wunderschönes, grünes Regenwaldtal. Kleine Siedlungen erscheinen und verschwinden wieder. Neben uns stürzt sich der braune, reißende Fluss Urubamba in fast der gleichen Geschwindigkeit herunter, wie wir fahren.

Der Zug ist nur ein Drittel besetzt und so genießen wir 2 Std. lang die Ruhe, die Aussicht, den frischen, leckeren Tee und den Snack, den wir im Zug umsonst serviert bekommen. Unzählige Fotos schießt M. Wir können uns nicht sattsehen an der sattgrünen Landschaft und den steil aufragenden Bergen rechts und links.

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In Agua Calientes hält der Zug und wir werden vom Führer erwartet. In einer langen Schlange warten wir auf den Bus, der uns nach oben zum Eingang fährt. Es dauert nicht lange. Die Massen werden schnell bewältigt. Heute ist Nebensaison und nur 2000 Leute werden erwartet, anstelle von 5000 in der Hochsaison. Die Organisation klappt gut, es läuft alles Hand in Hand. 600 Höhenmeter geht es auf einer schmalen Schotterstrecke nach oben. Ich sitze wohlwissend genau in der Mitte des Busses. Der Straßenrand ist zum Glück meist zugewachsen, so sehe ich nur selten, wie steil es gleich daneben ohne Randsicherung runter geht. Aber die Busfahrer kennen die Strecke in und auswendig und so kommen wir sicher oben an.

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abenteuerliche Fahrt nach oben

Wir haben die englische Führung gebucht. Aber der erste Führer ist schon mit seiner Gruppe verschwunden, ehe wir durch die Kontrolle sind. Die zweite Führerin spricht so schlechtes englisch mit falscher Aussprache, Grammatik und falschen Wörtern, dass wir nur mit großer Mühe und Konzentration die Hälfte verstehen. Auch sie versteht kaum unsere Fragen. Da hätten wir besser doch spanisch gebucht, und ich M. übersetzt, was er nicht verstanden hat.

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Anschließend dürfen wir das Gelände frei erkunden. Aber es regnet wieder heftig. Ich möchte etwas essen und irgendwo unterstellen. Aber diese Plätze sind rar gesäht und natürlich voll. Ich hab den Kaffee auf. Diese Massen auf engem Raum bin ich nicht (mehr) gewohnt und die Feuchtigkeit schlägt mir auf die Laune. Den anderen Leuten anscheinend auch. Die Schlange am Bus wieder runter nach Agua Calientes ist einmal rund um den Einsteigeplatz. Prima, dann sind die schon mal weg.

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Wir machen uns trotz Regen wieder auf. Wir wollen das Flair dieser ehemaligen Stadt ergründen. Es gelingt uns auch, denn je später der Nachmittag, desto weniger Leute, desto trockener das Wetter.

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Ohne Mörtel passgenaues Steineaufeinandersetzen

M. geht noch mal rauf zur Inka-Brücke, aber ich sehe dort nur Nebel und bleibe lieber hier „unten“. Wie guuuut. Dorthin gibt es nur einen schmalen Trampelpfad und es geht daneben hunderte Meter steil bergab. Ich hätte für die 20 min. sicher 2 Std. gebraucht.

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Die Inka-Brücke

Ich freue mich dagegen über die schönen Bilder der Brücke und überrasche M. mit meinen vom Vizcacha, einer Mischung aus Maus und Hase, (aber verwandt mit dem Stachel- und Meerschwein und gehört zu den Chinchillas),

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Vizcacha

und vor allem mit unseren französischen Freunden von Costa Rica, die plötzlich vor mir standen.

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Natürlich kann ich zurück in Agua Calientes wiedermal nicht am Schmuck vorbei gehen und erstehe 2 wunderschöne Anhänger, einen mit Lapislazuli in blau und einen in Jade grün. Die Sachen sind aber auch zu schön und die Auswahl fällt superschwer. Schnell noch 2 Snacks gekauft und ab zum Zug. Das kontrollierende Personal bemerkt sofort, dass unsere Plätze nicht nebeneinander liegen und sorgt postwendend dafür. DAS ist mal Service. Im Dunkeln gehts im vollen Zug zurück, wo wir auch gleich vom Busfahrer eingesammelt werden. Auf dem Parkplatz sehen wir die 3 Moppeds, die uns gestern überholt haben, mit ihren Besitzern. Wir wechseln schnell ein paar Worte, höchstens 3 min. lang. Aber der Busfahrer achtet nicht auf die Anzahl seiner Schäfchen und fährt einfach los. M. schmeißt sich vor den Bus – hej, wir wollen auch noch mit – sonst hätte er trotz Fensterklopfens nicht angehalten. Nun noch mit dem Taxi vom zentralen Platz zum Hotel und „schon“ sind wir um 11 wieder im Hotel. Ein langer, trotz allem wunderschöner Tag geht zu Ende.

VGB

Cuscos Altstadt

Di. 9.2.16

Nachtrag gestern Abend: Wir liegen im Bett. Ich bin schon eingeschlafen. Da klopft es an der Tür. Der Besitzer ist da und bittet um Entschuldigung, weil er uns noch einmal in die Garage bitten muss, da für ein weiteres Auto die Moppeds doch bitte anders stehen müssen. Ok – alles wieder anziehen und runter. In der Garage traue ich meinen Augen nicht. Mein Mopped steht um 90 ° gedreht an der Wand. Wie kommt es denn dahin? Nur M’s Mopped steht noch so wie vorher. Der Besitzer erklärt, er habe meins am Vorderrad „gehoben“ und dorthin gezogen. Mir schwillt der Kamm. Wie kann er es wagen? Selbst M. fragt vorher, und ich umgekehrt genauso – und wir kennen unsere Maschinen sehr genau, was man wohl von dem Herrn hier nicht behaupten kann. Anscheinend beherrsche ich das Spanische schon sehr gut, denn ich mache sehr fließend meinem Ärger Luft. (Meine Lehrerin sagte einmal, man würde dann eine Sprache beherrschen, wenn man in der Sprache schimpfen könne.) Nun, rund herum stand alles still mit gesenktem Kopf. Der Besitzer sagt andauernd „disculpe me“ und die Chefin nickt und bestätigt, er hätte fragen können/müssen. Ja, entschuldigen können sich die Peruaner wunderbar – mit Rehaugen, Gesten und Worten und am besten 1000 mal. Nur wenn irgend etwas kaputt geht, dann kann man das selbst bezahlen, denn außer Entschuldigung kommt gar nichts. Kein Cent! (Das haben wir letzte Woche 2 mal „testen“ dürfen/müssen.)

Heute Morgen geht mein Mädel im 1. Gang bei gezogener Kupplung immer wieder aus. Was ist denn jetzt los? Hat der Typ gestern bei der Aktion etwa unmerklich den Kupplungshebel getroffen? Dieses Problem hatte ich ja schonmal in Anchorage. Ich schalte in den Leerlauf und starte erneut. Sie bleibt an, auch als ich den Gang einlege. Glück gehabt, aber es bleibt zu beobachten.

Durch dicken Matsch geht es los. Na, es muss schon eine ganze Menge in der Nacht geregnet haben. Prima, dann regnet es ja heute weniger. Tatsache, die Sonne kommt kurze Zeit später heraus und wir fahren 2 Std. durch herrlich grüne Landschaft bis oben in die Gipfel über guten Teer. Vom gestrigen Regen ist nichts mehr zu sehen (Die Ankündigung Regen, Regen, Regen trifft zum Glück nicht zu). Wie plötzlich sich der Charakter der Landschaft ändert. Hier auf über 4000 m ist natürlich kein Baum mehr zu finden, nur hellgrünes Gras. Nach anfänglichem Schlaglochteer (20-40 km/h nur möglich) wird die Straße besser und es lässt sich gut vorankommen.

Wir treffen unsere Freunde in Cusco am vereinbarten Treffpunkt pünktlich wieder. Sie haben uns ein Hotel mit Stellplatz besorgt und so fahren wir gleich zum zentralen Platz mit dem Taxi, unsere morgige Tour nach Machu Picchu zu buchen. 200 $ pro Nase (Dollar, wohl gemerkt!). Inklusive Bustransfer zum Zug und zu Machu Picchu, Zugticket, Eintritt, Führer und wieder zurück. Es kostet ein Schweinegeld, aber dieses Highlight der Reise wollen wir uns nicht entgehen lassen. So „billig“ kommen wir nie wieder da rein.

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Also beißen wir in den sauren Apfel und buchen – FAST! Denn M. hat seinen Reisepass im Hotel und ohne kann man den Zug nicht buchen. Er eilt mit dem Taxi zurück, und ich sitze derweil auf heißen Kohlen, weil es nur noch 2 Plätze für die Rückfahrt gibt. Ich brauche einen Kaffee. Das vertreibt die Unruhe. Es klappt alles doch noch und der Herr hätte jetzt gerne 400 Dollar Cash. Wir machen große Augen. Sooooooviel Dollar haben wir nicht mehr. Automat? Na, wenn der so viele überhaupt ausspuckt. Der erste tut es nicht. Alles ist eingegeben, und dann verlangt er die Pin ein zweites Mal, ohne Geld auszuspucken. Natürlich kommt auch keine Quittung über die fehlgeschlagene Transaktion. Mist! Anderer Automat – leider von der gleichen Bank. Ich verusche es trotzdem und diesmal klappt es sogar. Aber nur 200! Vielleicht darf ich ja noch ein 2. Mal abheben. Tatsächlich. Das hab ich bisher in Peru nur ganz selten gedurft. So ist alles gut und wir können die Sonne auf dem herrlich verkehrsberuhigten Platz genießen. Rundherum die Bogengänge mit den typischen Balkonen an den Häusern, 2 große Kirchen/Kathedralen, ein wunderbarer Brunnen in der Mitte, Bänke, Blumen und Gras, gewundene Fußwege kreuz und quer durch den Park und ein zahmes freilebendes Häschen, welches die Nähe der Leute sucht und sich gerne streicheln lässt.

Unser Freund erzählt, dass vor 6 Jahren noch hier die Taxen rundum fuhren und einen totgehupt haben. Lästig! Aber nun ist alles wunderbar ruhig, sauber, gepflegt und wunderschön. Leider hat das beste Pizzalokal in einer Seitenstraße zu. Schade. Gegenüber gibt es auch Pizza, wenn auch nicht sonderlich gute. Aber wir sind satt und wir genießen die gemeinsame Zeit, quatschen, erzählen und empfinden das Flair der Stadt. Unsere Freunde haben sich hier vor 6 Jahren kennen und lieben gelernt (und leben mit ihrem 3-j- Sohn in D-land, machen aber hier einige Wochen Urlaub mit Verwandten und Freunden.) DIE Story ist für mich immer noch unglaublich. Wie kann eine Peruanerin ohne Angst nach einem einzigen gemeinsamen Abend mit einem wildfremden Ausländer monatelang auf Reise gehen? Die Umstände erzeugen nur Kopfschütteln bei mir. Es hat anscheinend „Zoom gemacht“.

Da die beiden wie wir Motorradreisende waren/sind, fühlen wir uns hier sehr nahe. Es ist unglaublich schön zusammen und wir mögen gar nicht Abschied nehmen. So überreden mich die Männer, doch noch weiter nach Norden zu fahren und den beginnenden Regenwald noch mitzunehmen. Wir würden noch sehr schnell im Süden landen. Ich kann das zwar nicht glauben, weil ich weiß, wie weit das ist. Aber wir werden sehen.

Bis demnächst VGB

Winter im Colca Cañon?

Mo. 8.2.16

Nein, keine Sorge, im Colca Cañon hatten wir satte 24 Grad. Aber um dahin zu kommen, müssen wir über einen Pass auf 4910 m hoch. Es wird arg frisch und wir ziehen die Jacke über. Oben auf dem Pass kann man rund herum die Vulkane sehen, 2 über 5, zwei sogar über 6 000 m. hoch. Und allesamt mit frischem Schnee auf der Spitze bedeckt. Sieht hübsch aus. Dort kauft M. 2 Alpaka-Schals und noch ein kleines Plüschtier aus Babyalpaka. DAS ist vielleicht weich! Unser Freund hätte vielleicht doch nicht sagen sollen, dass er unsere Andenken mit nach D-land nimmt. Nachher muss er seine eigenen Andenken hier lassen, weil sein Koffer schon mit unseren Sachen voll ist. 😉

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Wir sind um halb 11 am Cañon und wir fahren eine wunderbare Schotterstraße entlang der unbeschreiblichen Landschaft. Terassenartig angelegte Berge, die teilweise auch bewirtschaftet werden. tiefe Einblicke in den schmalen Fluss weit unten und ein Adler mit gebrochenem Fuß, der von seinem Pfleger liebevoll gepäppelt wird und uns herrliche Bilder beschert. Welch ein Prachtexemplar von Vogel. So herrlich weich, so geduldig und wunderschön.

Ab durch einen unbeleuchteten Tunnel – 400 m lang und man sieht nix, weil er um die Kurve geht – über Waschbrettgehoppel. Wir wollen zu den Kondoren.

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Colca Cañon

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Der Kondoraussichtspunkt

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Im Dorf kur zuvor

Dann werden wir mitten auf der Strecke angehalten. Ob wir ein Touristenticket hätten. Nee. Ham wer nich. Das könnten wir hier kaufen, woher wir denn kämen? Aus D-land. Ja, dann müssten wir 70 Soles pro Nase zahlen = insgesamt knapp 40 Euronen. Wir schauen uns an. So teuer? Für nur mal eben eine halbe Std. hinfahren? Jetzt parke ich erstmal und schaue im Visitorcenter nach, was ich denn verpasse. Dort ist nicht viel zu sehen, ein paar alte Plakate, ein Modell, was nicht viel zeigt und nirgends ein Hinweis darauf, wie viel es denn wirklich kostet. Ich sage der Wächterin, dass ich das für zu viel halte, aber sie sagt, das sei das Gesetzt. Einheimische zahlen 20, Latinos 40 und andere aus z. B. USA oder Europa eben 70. Das ist total ungerecht und ich rege mich fürchterlich darüber auf. So geht man nicht mit Touris um. Die kommen nicht wieder und werden auch keine weiteren Freunde hierher bitten, wenn sie so abgezockt werden. Wenn sie bei uns zu Besuch sind, bezahle ich genauso viel wie sie. Und hier verlangen sie von mir 4 mal so viel. Sie zuckt die Schultern und wir ziehen laut schnaubend ab.

Die beiden jungen Burschen vom Eingang haben dies natürlich mitbekommen und fragen mich, wie viel ich denn bereit wäre zu zahlen? Ich schaue sie erstaunt und ungläubig an. Sie präzisieren: Sie könnten uns für Latinos einlassen. Sind immer noch 80 und wir wollen noch zu Machu Pichu. Sie bieten uns den Preis für Einheimische an = 20 pro Nase. Anscheinend sehen wir tatsächlich schon ziemlich runtergekommen aus, wenn sie glauben, dass wir wenig Geld haben, wenn wir ja schon so viel für Sprit und so ausgeben müssen. Da können wir nicht widerstehen. Ok – und wenn man uns fragt, sind wir Einheimische und wohnen in Arequipa (sollen wir sagen!) – wers glaubt. Die Moppeds wohl von Freunden geliehen., die gerade auf Weltreise sind und mal ne Pause bei uns in unserer Wohnung in Arequipa machen, oder wie?! Na egal. Wir sind nicht kontrolliert worden und so suchen wir den berühmten Aussichtspunkt der Kondore auf. Aber es ist schon bald Mittag und die Kondore haben wohl schon gefrühstückt. Keiner zu sehen. Schade! Aber es gibt einen tollen Ausblick auf den 1200 m tiefer liegenden Fluss. Die Sonne brennt und wir fahren zurück. Hier sehen wir doch noch einige Kondore fliegen, einer sogar direkt über unserem Kopf in 5 m Höhe. Aber ehe M. sein Mopped abgestellt hat, ist er auch schon wieder weg. Wow!  Welch schöner Vormittag!

Weiter gehts Richtung Cusco, aber erst etwas essen in Chivay. Dort gibt es Alpakafleisch. Hm- lecker mit Salbei. Sehr gut gekocht. Mittlerweile halb 3 steht ein ca 10-j. Junge mit einem kleinen braunen Lama neben unseren Moppeds. Wie herrlich weich dieses erst 3 Tage alte Tier ist. Ich frage den Jungen, was denn die Mutter dazu sagen würde. Aber die lehne das Kleine ab und so zieht er nun alle paar Stunden das Alpaka mit der Flasche auf. Beeindruckend, dass er diese Verantwortung schon alleine übernimmt. Wir machen Photos und ich halte mein Portemonnaie noch vom Restaurantbesuch in der Hand. Er sieht es, doch er fragt nicht nach Geld. Aber er nimmt gerne den 1 Sol.

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Auf, auf, Kilometer machen. Doch der Teer hört plötzlich auf. Und es geht weitere 2 Male auf fast 5000 m Höhe und nicht tiefer als 4600 m. Wir nehmen zur Sicherheit mal ein Coca-Bonbon. Ich mag den Cocatee nicht und auch nicht die Blätter kauen. Möglicherweise werden wir nicht höhenkrank, weil wir schon kürzlich in Ecuador tagelang in der Höhe uns akklimatisiert haben und auch in Arequipa auf 2300 m Höhe eine Woche lang verbracht haben. Dies zumindest vermutet unser Reiseleiter Christian. Immerhin haben wir keinen Jetlag mehr und sind aktiv unterwegs. Ich traue dem Braten aber nicht – wer seekrank wird, wird auch höhenkrank. Also lieber ein Bonbon lutschen und viel Wasser trinken.

Links neben der Straße sieht es dunkel aus und ich sehe Blitze. Wir können zwei mal um die Wolke herum fahren, aber es hilft nicht. Sie lässt sich nicht ein drittes mal veräppeln und so werden wir nass – bei 3 ganzen Graden Celsius. Leider auch der Boden, der weich und matschig wird. Bei 20 km im 2. Gang kommt man nicht richtig vorwärts und so jubeln wir über den frischen Teer, der bei der nächsten Kreuzung plötzlich vor uns liegt. Aber zu früh gefreut, der hört nach einigen 100 m schon wieder auf. Selbe Sch…. reckliche Straße wie vorher. Und das, obwohl unsere Gastgeber die Strecke als gut ausgebaut bezeichnet haben. Na, da hatten wir ja ganze 10 Tage lang saubere Moppeds – 8 davon in der Garage!

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Richtung Yauri

Wir schaffen es aber noch vor dem Sonnenuntergang in den nächsten Ort Yauri, wo wir ein recht sauberes Hotel mit Garage bekommen. Die Besitzerin bemerkt zu spät, dass unter dem nassen Helm eine Frau steckt und entschuldigt sich erstmal, weil sie mich hereinbittend mit „Señor“ angeredet hat, Ich empfinde das als Kompliment. Sehr interessiert schauen alle zu, wie wir Ketten einsprühen und Lampen säubern. Sie warten auf unser Erscheinen, um ein Bild mit uns zu machen. Es ist schon erstaunlich, mit wie wenig man manchen Leuten eine Freude machen kann: Mit einem Handybild von zufälligen Hotelgästen. Hammer, oder?!

Bis bald

VGB

Servicewüste Peru

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Agios amigos!                                                                                                                                                       (Ingo mit Frau Mitte oben, davor die Hausherrin und Schwiegermutter und rundherum die Geschwister mit dem Hausherren Charly)

So.7.2.16

Und ich dachte, Deutschland wäre eine Servicewüste, aber Peru schlägt D-land um Längen:

1. Beispiel: Du kaufst eine Sache, die aber – was du zu Hause feststellst – nicht funktioniert. Du willst das reklamieren. In D-land kein Thema – hingehen, funzt nicht, Ersatz oder Geld zurück. Hier ellenlange Diskussion, dann vielleicht Geld zurück.

2. Beispiel: Du kaufst ein Spielzeug in einer Ladenkette, welches es im Sonderangebot 2 für 1 gibt. Das sagt dir aber keiner und du bekommst nur 1. Du bemerkst das später, und gehst in einen anderen Markt derselben Ladenkette und reklamierst dies. Nach ewiglangen Diskussionen bekommst du das 2. Spielzeug dazu, aber nicht im Laden, wo du stehst, sondern nur im ersten, wo du das gekauft hast. Du musst also extra dorthin fahren.

3. Beispiel: Wir sitzen im Restaurant und haben bestellt. Das Essen kommt und kommt nicht. Wir fragen nach. Es gab nicht genug Fisch, weshalb der Besitzer zum Markt gefahren ist, um neuen Fisch zu kaufen. Das sagt einem aber keiner. Statt dessen lassen sie dich einfach sitzen und warten. Man möge eine weitere halbe Std. warten, bis der Chef wiederkommt. Dass danach noch mindestens eine weitere halbe Std. für die Zubereitung der Speisen nötig ist, bedenkt keiner. Kein Getränk auf Kosten des Hauses oder eine andere Kleinigkeit während der Wartezeit. Statt dessen kostet das Getränk plötzlich ein Drittel mehr, weil nicht die angegebene Größe in der Karte, sondern mehr serviert wurde. Man sagt nur „Entschuldigung“ und zuckt die Schultern. Wir können noch froh sein, dass wir nur die Getränke bezahlen müssen, denn es ist durchaus üblich, dass du das, was du bestellt hast, bezahlen musst – egal ob du es essen kannst oder nicht! Unglaublich!

4. Beispiel: Ein Freund kauft eine Brille, die bei der Auswahl und Bestellung wunderbar passt. Er zahlt ⅔ an. Aber bei Abholung sind die Gläser verschoben. Sie passen nicht. Er kann nicht durchsehen, alles unscharf. Er soll sie trotzdem bezahlen, Ersatz nicht vorgesehen. Er weigert sich, holt die Polizei, die bestätigt, dass dies schlechte Arbeit ist und schlägt eine Gläserkorrektur oder Geld zurück vor, worauf man sich jedoch nicht einlässt. Statt dessen könne der Freund ohne Restzahlung mit Brille gehen, weshalb ihn am Flughafen die Polizei erwartet. Bevor er abfliegen kann, muss er die schlechten Gläser zurück geben und nimmt nur das Gestell mit.

5. Beispiel: Im Hotelzimmer sind Ameisen. Die Chefin entschuldigt sich, aber Preisminderung ist nicht drin. Es gibt kein Geld zurück. Dass das Hotelzimmer erst am nächsten Morgen bezahlt wird, ist hier nicht üblich. Es wird vorher bezahlt, oder man bekommt keins. Somit hat man keinerlei Handhabe gegen den Besitzer, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

6. Beispiel: Du fragst am Straßenrand nach dem Weg. Man erklärt es dir und du fährst, findest es aber nicht. Auch die angegebenen Geschäfte, Kurven, Wege oder Auffälligkeiten gibt es nicht. Der Gefragte hatte schlichtweg keine Ahnung, sagt das aber nicht, sondern schickt dich statt dessen utopisch imaginär irgendwohin. So fragst du ggf. mehrfach und fährst irre kreuz und quer, ohne dein Ziel zu erreichen. Aber anstatt zuzugeben „das weiß ich nicht“, erzählen sie dir lieber irgendeinen Blödsinn.

7. Beispiel: Du fragst im Laden nach Informationen zu irgendeinem Thema oder Ding. Es gibt aber keine Fachverkäufer. Die Verkäufer erzählen dir irgendwas, nur um zu verkaufen. Sie waren vielleicht gestern Käseverkäufer. Davor haben sie Möbel verkauft und heute eben Computer. Das bedeutet: Null Ahnung von nichts. Wenn du nicht genau weißt, was du haben willst, wie es heißt, wofür du es brauchst, wie es aussehen muss und was dazu gehört, erhältst du irgendeinen Schrott. Beratung findet nicht statt. Geht auch nicht, weil keiner Ahnung davon hat.

Leider sind solche Beschreibungen kein Einzelfall und vermutlich wird uns so etwas auf dem Weg nach Süden noch oft passieren.

Hoffentlich macht ihr bessere Erfahrungen …

eure B.

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Im Kindergarten

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Paul und seine Fans…

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Alte Autos – manchmal Schrott, hier aber eine Augenweide!

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Der „Misti“ – er steht wohl momentan kurz vorm Ausbruch!

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Wir fahren auf dem Weg zur Polizei an 2 BMW’s vorbei, einer F 700 und einer F 800-er Triple black. Davon gibt es je nur eine hier! Richtig, von unserem Reiseleiter Christian und seinem Chef! Großes Hallo am Straßenrand!

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Und plötzlich mitten in der wüste grüne Felder: Reis! Woher das Wasser kommt? Quer durch die Anden gebohrt aus dem Amazonasgebiet.

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Neue Aufregung in Arequipa

Do, 4.2.16

Happy Birthday, liebe Schwiegermutter. Ich hoffe, du kannst den Tag (nur mit der üblichen Aufregung) genießen.

Hier in Peru gibt es neue Aufregung: Die Schwägerin unseres deutschen Freundes Ingo arbeitet bei der hiesigen Tageszeitung in der Anzeigenabteilung und natürlich hat sie von dem deutschen Besuch erzählt. So wurde mit dem entsprechenden Journalisten ein Termin vereinbart und ich/wir wurde/n heute morgen interviewt – mit Photos natürlich. Wie aufregend. Ich bin ganz schön nervös. Es ist ganz schön schwer, die Reise zusammen zu fassen, Was hat mich am meisten beeindruckt? Warum fahre ich durch so viele Länder? Was würde ich verändern, wenn ich die Macht dazu hätte? Und alles aus dem Stehgreif beantworten. In Spanisch! Das habe ich noch nie gemacht. Sind wir denn so besonders, dass wir in der Tageszeitung einen eigenen Artikel bekommen? Anscheinend schon, auch wenn wir uns als total normal empfinden. Eben durchschnittlich!

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Vielleicht ist es ein Anreiz für die Leser, die eigenen Träume zu verwirklichen und nicht nur ein Leben lang zu träumen. Man muss sich dazu aufmachen und nicht im Fernsehsessel auf ein irgendwann warten. Vielleicht zeigt unser Beispiel, wie die deutsch-peruanische Freundschaft wächst, denn auch in der Zeitung gibt es einen regen Austausch von jungen Journalisten hier wie Zuhause.

Nebenbei kümmert sich M. heute weiter um die Ausrüstung und den Papierkram. Es dauert hier ein wenig. Aber im Gegensatz zu Deutschland werden die Dinge hier repariert. Findet mal in D-land eine Näherei, die so dickes Material bearbeiten und eine Motorradjacke oder -hose reparieren kann. Oder einen Metallbetrieb, der von heute auf morgen einen Koffer zurecht dengelt und das Schloss repariert! Außerdem kann die Polizei nicht herausfinden, ob der Unfallgegner eine Versicherung hat oder nicht. Er ist telefonisch nicht erreichbar. Wir müssen also zurück nach Chala, den Menschen dort fragen, ob er eine Versicherung hat und falls nicht, ob er unseren Schaden bezahlt. Falls nicht, müssen wir ihn verklagen. Ein Unding in D-land, hier aber an der Tagesordnung. Ob wir das tun? Vermutlich nicht. Wir haben anderes im Kopf. Haken wir das unter „Pech für die Kuh Elsa“ ab.

VGB

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M.’s Unfallgegner – hier ist wohl nicht mit einer Entschädigung zu rechnen…

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oje!

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Alles gerade dengeln, Schloss reparieren und weiter gehts!

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Es gibt sogar Nähereien, die diese Löcher „stopfen“ können.

Arequipa

Di, 2.2.16

Ohne weiteren Zwischenfall schaffen wir gestern die restlichen 200 km bis Arequipa. Dort erleben wir ein herzliches Hallo bei unseren Freunden. Was haben wir uns auf dieses Zusammentreffen gefreut und umgekehrt genauso. Die ganze Familie mit Schwester und Brüdern und Enkel ist neugierig und versammelt sich nach und nach. So ist die Runde groß und ein munteres Durcheinander zwischen Deutsch und Spanisch bei dem Peruanischen Nationalgetränk Pisco Sour geht um. Einzelne Episoden unserer Reise werden erzählt und mit den Erlebnissen unserer Freunde verglichen. Sie waren ja auch vor einigen Jahren hier unterwegs und kennen sich bestens aus. Nun habe ich auch wieder eine Sonnenbrille und einen Schlafsack, den sie mir aus D-land mitgebracht haben – und sehr zur Freude von M. auch Lakritzpastillen.

Heute allerdings müssen wir uns um die Arbeit und Ausrüstung kümmern. Das Motorrad muss bei der Polizei vorgestellt werden, wo wir vorher erstmal 100 Soles in die staatliche Kasse irgendwo am anderen Ende der Stadt einzahlen müssen, sonst wird der Fall gar nicht bearbeitet. Dann müssen wir schauen, wie wir die Jacke, Hose und Tasche wieder genäht und repariert bekommen. Der Koffer muss in Form gedengelt werden und das Schloss repariert werden. Mal sehen, wann wir weiterreisen können. Wir wollen gemeinsam mit unseren Freunden nach Cusco und Machu Pichu. Mal sehen…

Bis bald

VGB

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Am zentralen Platz von Arequipa

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Die historische Altstadt von Arequipa

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Fotomodelle – manche „verdienen“ Geld damit! (erstere 1 Sol = 30 Cent)

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Diese Modelle bekommen KEIN Geld! Mist!

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Chaotischer Verkehr – aber irgendwie löst sich immer wieder der Knoten auf!

Auf dem Weg nach Arequipa

So.31.1.16

Gestern war nicht mein Tag, aber heute war sicher nicht M.’s Tag. Zunächst einmal: Es geht uns beiden gut, wir sind gesund! Aber M.’s Mopped nicht. Er ist 5 min. nach dem morgendlichen Aufbruch von einem Kleinlaster bei geringen Geschwindigkeiten „abgeschossen“ worden. Koffer total verbogen, 2 Taschen geschrottet, diverse Löcher in den Rollen und leider hat’s vermutlich das Lenkkopflager erwischt. M. muss sich erstmal mit einem lauten „Schwall“ in Deutsch Luft verschaffen.

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Der Unfallgegner

Wie wir jetzt merken, ist der Unfall 30 m neben der Polizeistation passiert. Sie kommen zu Hauf und helfen. So sitzen wir den ganzen Vormittag bis 2 bei der Polizei, bis alles in den PC eingegeben ist, alle Fragen geklärt sind und M. im Krankenhaus zur Blutabnahme und Untersuchung war. Das wäre hier Vorschrift, da führe kein Weg dran vorbei. Diese Untersuchungen müssen mir auch noch selber bezahlen (5,50 für Blutabnahme und 15 für die Untersuchung vom Arzt = 20.50 Soles wohlgemerkt = knapp 7,00€. Wie gut, dass die hier noch keine Gesundheitsreform kennen…)

Kaum unterwegs fahren wir eine herrliche Küstenstraße entlang. Kurvig gewunden mit mehr oder weniger tiefen Ausblicken aufs Meer, welches friedlich am Strand säuselt. Doch es sollte nicht sein. So schön die Straße bei Tag zu fahren ist, so ätzend ist sie bei Nacht. Wir haben nämlich einen Platten vorne – respektive M. Das heißt: Alles abbauen, Werkzeug raus und Reifen mit einem Schlauch versehen, denn der Reifen ist so von der Felge runter, dass wir ihn sicher nicht mehr dicht aufgepumpt bekommen. Doch wir kriegen M’s neues Werkzeugtool unter dem Motorschutz nicht auf. Müssen wir wohl oder übel mit dem Letherman aufsägen. Aber ich kann einen Laster zum Anhalten bewegen und nach einer Zange fragen. Die hat er zwar nicht, aber einen Hammer und Meißel. Damit kriegen wir das auf. Nun kanns also losgehen. Leider sind wir bei dieser Art von Reparatur nicht ganz so versiert und natürlich ist der Schlauch drin und der Reifen drauf, ehe wir merken, dass er doch falsch herum ist, obwohl wir einen Pfeil auf die Felge geklebt und drauf geachtet haben. Wie konnte das denn jetzt passieren? Wo war denn da der Denkfehler? Murphy arbeitet heute wohl auf Hochtouren. Na, alles wieder runter und neu! Nebenbei bemerkt: Wir haben kein Talkum, auch kein Babypuder, dafür aber einen winzigen Rest von Spray gegen Käsefüße (Odorkiller!), welches wir auf den Schlauch spüren. Außerdem haben wir kein Felgenband. Dieses wird mittels Isolierband und selbstvulkanisierendes Band provisorisch ersetzt. Spüli hilft beim Aufziehen des Reifens ungemein und wir haben mit unseren rudimentären Werkzeugen kein Loch in den neuen Schlauch gestochen. Also eigentlich gar nicht schlecht!

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listo – fertig!

So dauert es exakt so lange, bis die Sonne untergeht und wir haben noch keine Bleibe. Der nächste Ort auf dem Navi ist ein Geisterort. Der danach hat kein Hotel. Und so weiter. Wir fahren 40 km diese vormals herrliche Straße und verfluchen jetzt die vielen Kurven, weil LKW an LKW klebt und es im Dunkeln schwierig ist, zu überholen. M. steht irgendwie noch unter Strom und ich komme kaum mit dem Überholen hinterher. Als ein entgegenkommender LKW derart ausholt, dass sogar der LKW HINTER mir hupt, ziehe ich die Reißleine. Durchs Mikro weise ich den Reiseleiter an, dass er sich ab sofort wohl besser hinten einreihen möge. (Ich kucke immer noch in die blendenden Lichter des RiesenLKW’s, der auf meiner Seite fährt, so heftig hat der mich erschreckt. Der Idiot.) Zum Glück fuhr ich nicht so schnell, dass ich auf den äußersten rechten Rand ausweichen konnte, obwohl ich nichts sehen konnte.

So tuckern wir also so manchen km mit 20 HINTER LKW’s die Kurven entlang. Aber das ist die sicherste Position bei Nacht. Wenn der vor mir ausholt, bekriegen sich höchstens 2 LKW und ich bin geschützt. Nur voran kommt man so natürlich nicht.

Der darauffolgende Ort ist größer – es gibt ein Hostal. Aber die jungen Leute wollen oder haben kein Zimmer für uns. Wir fragen die daneben im Lokal sitzenden Polizisten, die uns weiterhelfen. So finden wir doch noch was, sogar das 2. öffentliche Telefon, denn das 1. ist kaputt und so können wir unserem Freund, der in Arequipa auf uns wartet, eine Nachricht hinterlassen. Na wenigstens etwas. Kaum umgedreht, werden wir zurückgerufen. Am Ortstelefon ist die Schwägerin des Freundes. Was??? Das Telefon kann man zurückrufen? Na wunderbar. Nun sind wir und die Freunde in Arequipa beruhigt und sie brauchen sich keine Sorgen mehr zu machen.

Wir hoffen, ihr macht euch auch keine Sorgen, nur weil ihr auf den heutigen Bericht warten müsst. Sorry, no internet.

Passt auf euch auf. Herzliche Grüße B.

Highlight in Peru: Flug über Nazca-Linien

Sa. 30.1.16

Pünktlich um viertel nach 7 steht das Taxi zum Flughafen parat. Aber eh wir im Flieger sitzen – einer 8 Personen Maschine (2 Piloten und 6 Fluggäste) – dauert es doch noch bis fast 9.00 Uhr. Ich merke, wie meine Aufregung den Magen angreift. Mist. Ich hätte doch nach der Tablette graben sollen. Na, jetzt ist es zu spät. Hoffen wir, dass es nicht zu schlimm wird.

Der Copilot heißt uns willkommen, macht Bilder von uns (sie scheinen Erfahrung zu haben, besser VORHER die Bilder zu machen!!!) erklärt uns, wie er die Figuren beschreibt und wie der Pilot mit dem Flugzeug hilft, dass wir vor lauter Linien, die es reichlich gibt, auch die Figuren auf dem Boden sehen. Das Flugzeug macht um jede Figur einen Vollkreisel für jede Fensterseite und die Flügelspitze zeigt auf die Figur und das zweimal, einmal rechts herum, einmal linksherum. Wenn man will kann man also zweimal die Figuren sehen. Man möge nur erst die Figuren mit den Augen, und dann mit der Kamera einfangen, sonst würde man Zeit verschwenden und evtl. gar nichts sehen.

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Wer ist denn nun der Pilot?

Auf gehts. Schnell heben wir ab und ich sehe tatsächlich die erste Figur. Und nun anders herum. Ich versuche, sie noch einmal zu sehen, kucke vor und hinter M. her und schwups! Das war der Fehler.

Mein Magen hat gemerkt, was hier abgeht und dreht vollkommen durch. Er versucht jetzt schon vehement, das Frühstück zurück zu schicken, welches ich erst für NACH dem Flug bestellt habe. Pah, hab ichs mir doch gedacht. Ich war schlauer! Da kommt nix! Aber an Filmen ist nu auch nicht zu denken! Und anschließend gleich noch im Auto Beifahrer… – Sehr nachtragend ist mein Magen später ob dieser Veräppelung den ganzen Tag lang sauer.

Aber zurück zu den Nazcalinien. Man sieht wirklich vor lauter Wald die Bäume nicht. So viele Linien! Aber der Copilot erklärt es so gut und mit der Flügelhilfe finde ich auch fast alle Figuren sehr schnell und konzentriere mich dann wieder auf den Horizont. M. rührt mich zum Glück nicht an und kümmert sich um die schönen Photos. Ich tue ihm leid, kriegt er doch mit, wie schweißgebadet ich kämpfe. Aber wie sagt der Kölner: et jitt kein jrößer Leid, als dat wat ma sich selvs andeiht. So erfreue ich mich so gut es eben geht an den kurzen Momenten der Figuren, bin trotzdem froh, dass ich das erleben kann, und dass M. MEINE Erinnerungen so toll einfangen konnte.

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WOW! Es gibt sie wirklich: Die Hände. Nach den vielen Erzählungen hätte ich nicht gedacht, dass man sie so gut sehen kann.

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v.l.n.r.: Der Astronaut, der Affe, der Kolibri und der Wal

Endlich wieder unten gibt’s noch ein Dokument zum Abschluss und einen Stempel in den Reisepass.

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Auf zum Frühstück. Aber ich genehmige mir eine Auszeit, lade mir lieber eine Kleinigkeit auf den Teller für später und lege mich erstmal was hin. Den tollen Pool haben wir unterm Sternenhimmel zum Glück gestern noch ausprobiert, den lasse ich jetzt auch lieber sein.

Wir dürfen mittags auschecken, weil hier kein sonstiger Gast mehr ist. Das nutzen wir auch diesmal voll aus.

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Das Hotel – eine ehemalige Hazienda – mit tollem Drumherum: Park, Alpakas, Pool

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Schau mir in die Augen, Kleines!

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Diese rotblühenden Bäume begleiten uns schon seit einiger Zeit. Sind die nicht wunderschön? Auch wenn ich den Namen nicht kenne – sorry!

Wir haben ja nur 200 km bis Chala, weil wir nicht die ganzen fast 600 km bis Arequipa in einem Rutsch fahren wollen. Das wäre wieder ein Hammerfahrtag gewesen, und davon hatten wir die letzten Tage genug. Wir sind ja nicht auf der Arbeit 😉 und so fährt unser Reiseleiter Christian alleine bis dorthin und wir kommen einen Tag später nach. Vielleicht können wir uns dort noch auf ein Bier verabreden….

So fahren wir wieder durch eine Wahnsinnslandschaft: Dünen, Steine, Berge, Sand, Wind, Es sieht teilweise aus wie auf dem Mond – ohne selbst da gewesen zu sein. Wie es möglich ist, hier Wasser zu finden und zu leben, ist mir immer wieder ein Rätsel.

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Wahlplakat auf peruanisch!

Mit einem tollen Blick aufs Meer vom Hotelzimmer und vom Pool aus beschließen wir den heutigen wundervollen Tag – trotz allem – mit einem Radler am Pool.

Bis morgen

VGB

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Sonnenuntergang in Chala vom Hotelzimmer aus mit Blick auf den „Hafen“

Lima-Nazca

Fr., 29.1.16

Ein langer, ereignisreicher und wunderschöner Tag geht zu Ende. Wir sind schon früh um halb 7 gestartet. Ja, ihr hab richtig gelesen! Das heißt: 6 Uhr aufstehen, schnell ohne Frühstück einpacken (hab eh so früh keinen Hunger) und um halb 7 aufs Mädel. Denn wir haben ein Date! Aber von vorne:

Gestern wurden wir bei Touratech von einem Deutschen empfangen, der gerade dabei war, eine 800-er GS zu kaufen. Natürlich war man schnell im Gespräch. Er lebt hier als Reiseleiter (gerade im Urlaub!) und so empfahl er uns, um 10 Uhr in Paracas eine Speedboottour mitzumachen zu den Pinguinen und Seelöwenbabies (es ist gerade „Hochsaison“ bei den Tieren) und verschiedensten Vögeln, Kormoranen und Pelikanen. Paracas liegt 240 km südlich von Lima = 3 Std. Fahrt. Gebongt. Er reserviert und organisiert alles telefonisch für uns und so müssen wir uns um gar nichts kümmern, nur eben früh genug losfahren.

Wir kommen nach Sanddünen, die so aussehen wie im Wintersport die frisch beschneiten  Berge, nur eben beige, auch exakt um halb 10 an und werden gleich auf der Straße von der örtlichen Agentur aufgegabelt und eingefangen, ohne lange suchen zu müssen.

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Joel, Hummeln im Hintern und alles im Griff – uns auch!

Parkplatz vor dem Büro, umziehen, einen Happen frühstücken, bezahlen. Wir werden an den nächsten weitergereicht. Der führt uns zum dritten, Listeneintrag und Ortsabgabe/Steuer bezahlen. In eine Schlange stellen, der nächste führt uns zum Boot. Bis ins letzte durchorganisiert, ohne das was schief gehen könnte. Wahnsinn! So was hab ich noch nie erlebt. Ich brauchte mich wirklich um rein gar nichts kümmern, nur genießen!

Das Speedboot fliegt nur so über das Wasser und das Meer ist wieder mal glatt wie ein Kinderpopo. Ich freue mich darüber, dass wegen des El Niños so wenig Wind vorherrscht, denn normalerweise fegt er viel kräftiger übers Wasser und die Wellen schlagen höher. Aber so regt sich keine Übelkeit und ich genieße den Trip.

Wow, Wasser und Wind höhlen die Inseln aus. Das ist wunderschön. Dazu noch die Tiere, ein Traum! Kuckt selbst….

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Mit dem Speedboot raus auf spiegelglatte Meer!

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Wie das Meer die Inseln ausgehöhlt hat, wunderschön!

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Hochkonjunktur bei den Seelöwen: Paarungszeit, respektive Babies… (wir haben aber keins vor die Linse bekommen. Schade!)

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Küss mich Schatz!

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Hm, lecker Fisch!

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Produzenten des Guanos – Naturdünger vom allerfeinsten!

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Nur 3 Leute wurden ausgewählt, die dann frischen Guano einsammeln durften.

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Wegen Überfüllung geschlossen!

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Felsritzungen vom Sand bedeckt, aber trotzdem sichtbar

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Die Anlegestelle für Guanosammler – alle 7 Jahre!

Anschließend ein bisschen Fisch im Restaurant auf der Strandpromenade am Hafen. Ab zu den Moppeds. Aber was ist das???? Das Mopped kenn ich, und den Fahrer auch: Christian Grau, der Reiseleiter von gestern. Er hat uns eingefangen. zusammen fahren wir 50 km entfernt nach Ica. Dort gibt es die einzige wirkliche Oase südlich des Äquators. Es ist sehr warm, wieder über 30 Grad und so machen wir einen kurzen Trinkstopp dort. So hat M. Zeit, einmal um das Wasser zu laufen und Bilder zu machen.

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Laguna de Huacachina: An der einzig wahren Oase südlich des Äquators bei Ica.

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Diese Flitzer jagen die Dünen hoch. Das muss ein Heidenspaß sein…

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Die letzten 150 km bis Nazca ziehen sich gewaltig, weil der Wind mordsmäßig von der Seite her weht. Aber wir kriegen tatsächlich die ersten Linien zu sehen. Einen 10 m Turm erklimme ich mit aller Überwindung, weil ich die unbedingt sehen will, und das geht nunmal nur von luftiger Höhe aus.

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Christian Grau, „unser“ Reiseleiter

Das Hotel ist schon reserviert. Wir gönnen uns eine Luxusnacht mit Riesenpool um Mitternacht und 3 mal so großem Zimmer wie sonst. Im Bad allein könnte man noch ein Bett aufstellen….

Muss auch mal sein.

Bis bald, lasst es euch auch gut gehen

VGB

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Lomo saltado – eine peruanische Spezialität 

Lima auf gut Glück

Do, 28.1.16

Heute morgen machen wir uns ohne Frühstück gleich auf zu Touratech – Peru. Wir haben zwar einige e-mails hin und her geschickt, aber wir wissen nicht, ob sie uns nun die Reifen reserviert haben oder nicht. Auch wissen wir nicht, ob sie Ketten und Ritzel für uns haben. Touratech ist laut Fazebuk auf Tour nach Ushuaia und erst in 2 Wochen zurück. So schnell??? Wow!  Wir brauchen wohl was länger.

Der Verkehr dorthin ist mörderisch. Wir sind echt heilfroh, als wir ohne große Schäden hier ankommen. Man kann nicht genug Augen und Ohren rundherum haben. Einmal hab ich im Trubel des Stopp and Go in den Rückspiegel geschaut, wo M. ist, als vor mir das Auto plötzlich in den Stillstand bremste. Ehe ich meine Fuhre ebenso stehen hatte, hat mein Slick vorne seine Stoßstange touchiert. Auch noch eins von den unzerbeulten Autos. Mist. Er hält an, steigt aus, wischt mit der Hand drüber – nix weiter passiert. Gott sei dank nimmt er meine Entschuldigung an, ermahnt mich, die Augen auf zu machen und steigt wieder ein. Natürlich nicke ich. Als ob ich nicht aufpassen würde. Aber ich bin dieses „Recht des Stärkeren“ nicht gewohnt. Hier gönnt niemand dem anderen auch nur einen Zentimeter Platz. Man zwingt mich durch Schlaglöcher, an den Rand, zu Vollbremsungen und zu Ausweichmanövern der übelsten Art.

Bei Touratech angekommen sind unsere Reifen noch da. Genau 4 Stück auf Lager, yeah! Und der Mechaniker kann sie auch heute Nachmittag einbauen, noch mehr yeah!!! Und nach einiger Recherche gibt es auch die gewünschten DID-Ketten irgendwo in einem anderen Geschärft auf Lager. Himmel sei Dank! Was haben wir für ein Glück.

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Das einzige, was fehlt, ist ein Kettenblatt vorne. Das gibts hier nur einmal. Ok-nehmen wir das von BMW – wenn es denn da ist. Auch das gibt es und wird per Paket hierher gebracht. Nur die Ketten nicht. Wir schauen uns an und keiner will aufs Mopped quer durch die ganze Stadt. Den einzigen Weg, den ich persönlich noch in Lima fahre, ist auf direktem, schnellstem Weg raus aus der Stadt. Und nu? Nehmen wir doch ein Taxi!!! So chauffiere ich in netter Gesellschaft eines wahren Fahrkünstlers quer durchs erstaunlich saubere Lima. 2 mal denke ich, jetzt krachts und ich D-land hätte es mit Sicherheit auch gekracht. Aber hier passiert nichts. 10 cm Platz ist noch zwischen den Autos und ich hab mich furchtbar erschreckt. Aber der Fahrer sagt nur ein sanftes „ej“, hebt fragend die Hand und weiter gehts. Ich bewundere seine Geduld, seine Ruhe und sein sicheres Auge für Lücken, Ausmaße und Tempo. Ich fühle mich in seinem Auto sehr sicher. Niemand schimpft hier den anderen an. Solche gibt es hier zwar auch, aber die sind selten. Die meisten hupen nur kräftig, mehr aber auch nicht. Sie haben die Ruhe weg.

Lima beeindruckt mich, wenn auch nicht durch besondere Schönheit, aber durch Sauberkeit. Wie geht das denn? Zuletzt waren wir doch in so einer zugemüllten Stadt im Norden von Peru. Aber hier liegt nirgends Müll rum, keine Flaschen, keine Tüten, sogar Straßenkehrer sehe ich. WOW! Ich bin echt beeindruckt. Solch einer Metropole mit solch einem chaotischen Verkehr hätte ich durchaus ebensolche chaotischen Verhältnisse zugetraut. Aber weit gefehlt. Hochhäuser sind hier rar gesägt. Meist 2 – 3 stöckig oder vielerorts auch einstöckig.

Touratech hat eine wunderbar aufgeräumte und saubere Werkstatt. Viel zu sauber für unsere dreckigen Moppeds. Die müssen erstmal unter die Hochdruckdusche. Ups. Die Farbe der Moppeds ist ja ROT! Wann die denn zuletzt sauber gemacht worden sind? Zum Glück können wir vor 3 – 4 TKM angeben, in der letzten Inspektion in Medellin. (Puh!) Der Rüffel wäre uns sicher gewesen. Der Canyon war so staubtrocken und deckte sie mit einer beige-braunen Schicht ein. Für uns ist die aufgeräumte Werkstatt ein gutes Zeichen und seine Arbeit bei offener Tür, zu der wir jederzeit Zugang haben und zuschauen können, lässt unser Vertrauen wachsen.

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Beim Bezahlen schenkt man uns die beiden T-Shirts mit eigenem Aufdruck und 2 Aufkleber. Danke, wir sind sehr stolz darauf. Die hat nicht jeder, selbst viele Reisende machen um Lima einen großen Bogen herum.

Morgen also mit neuen Schuhen und neuer Kette!

VGB