Mi. 27.1.16
M. springt heute morgen aus dem Bett, schnappt sich die Kamera und ist erstmal verschwunden. ??? Was hab ich denn jetzt nicht mitbekommen? So früh morgens ist mein Arbeitsspeicher noch nicht auf Betriebstemperatur, schon gar nicht, wenn die Augen noch keine Klarsicht haben (so ohne Brille)!

Morgendliches Panorama auf die Cordillera Blanca
Kurze Zeit später ist er wieder da und zeigt mir, warum das alles: Die gestrige Aussicht von der Terrasse zeigt heute bei morgendlichem Kameralicht besonders schöne Farben der Stadt und vor allem der grandiosen, weißen Berge vor azurblauem Himmel. Stimmt. Er hat Recht. Die Berge strahlen uns herrlich an und wir haben Lust, dorthin den Umweg zu fahren. Aber eine Std später beim Frühstück bewölkt es sich und man sieht immer weniger.

Hier genießen wir den Mogenkaffee besonders
Eh wir gepackt haben und losfahren, sehen wir noch weniger. Das hat keinen Sinn zu den nördlichen Bergen zu fahren. So fahren wir den südlichen Teil der Cordillera Blanca an. Die Sonne scheint und es gibt herrliche Fahrstunden.


Auf dem Weg in die Berge

Straßensperre auf peruanisch!

Die Berge der Cordillera Blaca von links oben nach rechts unten – Nevada Huascarán – höchster Berg Perus (6768m) – Quappe (6188m) – Vallunaraju (5686m) – Ranrapalca (6162m)
Am See stehen Jugendliche mit Lama und Jungem sowie einem Lämmchen Spalier. Der Junge erfragt sich ein kleines Trinkgeld für das schöne Photo mit Lämmchen. Ok, sei ihm gegönnt.

Laguna Querococha

Hier oben ist tierisch was los

Wir fahren die Strecke hoch zum Pass bzw (seit einigen Jahren) zum Tunnel unterhalb des Passes auf 4.515 m Höhe. So hoch waren wir mit Mädels noch nie! Allerdings verursacht jede noch so kleine Anstrengung gleich ein Japsen.

Am Tunel de Kahuish, dem bisher höchsten Punkt unserer Reise (4516m)
Auf der anderen Seite ist die Straße schlechter und der Umweg zu groß. So fahren wir dieselbe Strecke zurück. Die Sonne ist mittlerweile verschwunden und die Wolken drohen schwarz. Kühl ist es auch – gerade eben nur zweistellig. Also Regenjacke raus und ab nach Süden.
Es geht in einem Rutsch bergab. Stets und ständig, bis auf Meereshöhe an den Pazifik immer runter in wunderbar sich windenden Kurven auf gutem Teer mit wenig Verkehr. Auf halbem Weg nach unten kommen wir an einer belebten Kreuzung vorbei. 10 mal lesen wir, dass es hier Käse zu kaufen gibt. Guten Käse haben wir schon lange nicht mehr. Sollen wir den versuchen?
Nach dem trockenen Krümelkäse, den wir seit Wochen vorgesetzt bekommen, kann es ja eigentlich nur besser werden. Wir kaufen einen für 20 Sol und 4 kleine Brötchen für 1 Sol (umgerechnet 7 Euro). Ich probiere gleich mal. Hmmmm, lecker, echt gut, wie schon lange nicht mehr. Die gute Frau meint, den könne man nur MIT Brot essen. Solche Dekadenz ist sie nicht gewohnt. Es gibt auch noch je 2 Hühnerspieße vom Grill mit einigen Kartoffelschnitzen. So ist der größte Hunger gestillt. Wir hätten so gerne ein Photo von den typisch gekleideten Einwohnern mit den großen Hüten. Aber auch diese Versuche hier bleiben erfolglos.
Natürlich wird es auch immer wärmer, bis wir wieder bei über 30 Grad landen. Hier ist wieder Sandwüste mit Dünen rechts und links. Aber durch El Niño regnet es doch nicht in den Bergen, denn eigentlich wäre jetzt Sommer und Regenzeit dort. Statt dessen beschwert sich das Kinderheim über den Regen am Meer, wo eigentlich kein Regen fallen sollte. Vertauschte Welt. Wir haben diesmal wieder Glück und kommen trocken runter.
Nun wird es langweilig, weil die breite, ausgebaute Straße Richtung Lima ziemlich gerade verläuft. Aber wir kommen sehr gut voran, werden wenig durch Orte oder Verkehr aufgehalten, so dass wir es in den Vorort von Lima schaffen. Allerdings scheint das hier ein heißes Pflaster zu sein. Im Hostel nebenan werden anscheinend Zimmer stundenweise vermietet und unsere Wirtin lässt uns nicht „allein“ (wir sind immerhin zu zweit) um 19.00 Uhr um die Ecke ins Internetcafe gehen. Sie besteht auch darauf, uns wieder abzuholen. Zurück werden wir sogar zusätzlich von einem weiteren Bekannten die 3 min. begleitet. Es gäbe schlechte Menschen hier. Na, die müssen wir wirklich nicht kennen lernen. Danke!
Wir werden morgen versuchen, die Reifen hier zu organisieren.
Bis bald
VGB







Unzählige Tunnel führen mal auf der einen, mal auf der anderen Seite des Flusses die Straße an.






Die jüngeren Kinder haben alle verlernt zu lachen. Keines lächelt mich zurück an. Nur die älteren haben Vertrauen zu mir und haben nach 5 Jahren im Heim wieder gelernt, was Glück bedeutet.














Aber da jetzt jeder weiß, DASS wir da sind, sogar die Polizei, glaube ich nicht, dass sich da einer ranwagt. Aber man weiß ja nie. So fahren wir eine Extrarunde, in der Hoffnung, dass sich die Leute verkrümeln, ehe wir wieder da sind, denn es soll nicht jeder wissen, wo unsere Mopeds stehen.



Es gibt doch 2 halbstündige Massagen für uns, aber nicht zeitgleich, sondern nur nacheinander. M. fängt an und ich überrasche ihn mit einem anschließenden Abendessen im Restaurant nebenan, obwohl es eigentlich bald schließt. Aber da ich vorher schon alles bestellt habe, klappt das wie am Schnürchen, ohne dass Überstunden fällig werden. Das können wir morgen doch gleich nochmal machen und dann ein bisschen in den Wirbelpools und Schwimmbecken relaxen. Vorher wollen wir natürlich noch die Wasserfälle besichtigen. Einen kann man vom Zimmerfenster aus sehen.



Aber wir besichtigen nicht alle Kirchen, sondern genießen lieber nebenan im zentralen Park das Flair. Die Einheimischen sitzen hier um den Brunnen herum und lauschen 3 Musikern (2 spielen Gitarre, einer singt). Auch wir wollen lauschen, aber wir werden als Gringos auffällig misstrauisch beäugt. Ich bekomme dies mit und widerspreche kurz und knapp auf spanisch. Ich lege nach dem ersten Lied zum Dank einen Dollar in den Hut, was die Künstler mit Wohlwollen aufnehmen und die anderen auffordern, unserem Beispiel zu folgen. Weitere einheimische Lieder folgen. Einige singen die Refrains leise mit, eine Frau häkelt und wir sind akzeptiert. Nach einer Weile möchte ich doch noch die Basilika oben auf dem Berg besichtigen und ich verabschiede mich mit einem Dank. Aber so leicht lassen uns die Musiker nicht gehen. Sie wollen doch wissen, woher wir denn kommen. Drum herum verstummt jegliches Gespräch, jeder hört aufmerksam zu. Ja, in Deutschland waren sie auch noch nicht. Sie könnten uns ja besuchen. Aber da ist gerade keiner. Macht nichts, sie würden die Tür aufbrechen. Aber der Kühlschrank wäre leer. Wäre auch egal, irgendwie würden sie den schon füllen…. Mit einem Lachen verabschieden wir uns und alle applaudieren rundherum. Echt nett!





