Chiclayo – Pacasmayo (Peru)

Sa. 23.1.16

Und wieder kommt es anders als geplant. Wofür überlegen wir eigentlich Routen? Morgens früh schon 27 Grad und bewölkt wollen wir aus dem Ort raus. Ist gar nicht so leicht, weil die Straßen in Offroadsackgassen landen. Die Autos und LKW hupen ständig und sehr vorwurfsvoll, ich möge wohl Platz machen und von der Straße verschwinden. Ich hab schon gelesen, dass hier die LKW das Sagen haben und Moppeds nichts zählen. Die Moppedtaxen springen geradezu förmlich von der Straße auf den Seitenstreifen, wenn LKW hinter ihnen hupen. Meist machen sie schon von sich aus Platz. Ich soll mir wohl ein Beispiel daran nehmen.

Aber vielleicht ist das ja auch alles ganz anders. Denn der LKW hinter mir hat Leute auf der Ladefläche und alle winken in die andere Richtung, als ich fahre. Vielleicht ist dieses Hupen ein Angebot der Hilfe? Ich muss das unbedingt unseren Freund fragen, den wir nächste Woche in Arequipa/Peru treffen.

Irgendwann haben wir dann die „Haupt“straße erwischt. Aber leider hört bei dieser Straße der Teer nach kurzer Zeit auf. 30 km üble Piste. Ständig gehen Ziegen oder Schafe wie am Schnürchen über die Straße – ohne sich von Hupen oder solchen Scherzen stören zu lassen. Mein nicht vorhandenes Profil am Vorderrad sorgt dafür, dass ich heftig schwimme und nur recht langsam fahren kann. 1 Std. brauchen wir dafür. Wir müssen irgendwie wieder auf die Panamerikana, auf die Nr. 1, sonst kommen wir nicht voran. Endlich dort angekommen, geht es nach links in die Berge und geradeaus weiter ans Meer.

Hatten wir uns gestern noch für die Berge entschieden, so ändern wir mal wieder unsere Meinung: Dort regnet es, Nebel ist wahrscheinlich und die Straßen sollen mega schlecht sein und die Offroadpartien sind vermutlich bei diesem Wetter sehr matschig. Bei DEN abgefahrenen Reifen? Nein danke. Wir haben hier unten auf fast Meereshöhe konstante 27 Grad. Das halte ich aus. Lass uns doch den direkten Weg am Meer fahren. Zack! Plan geändert!

So fahren wir durch hässliche, braune platte Sandwüste bei konstant starkem Seitenwind, der – ungelogen – glatt dafür sorgt, dass ich alle meine Reißverschlüsse der Jacke gut schließe, weil es sonst bei 28 Grad zu kalt wird. An den kilometer langen Zäunen hängen die Plastiktüten, die Flaschen liegen zu deren Füßen. Wie hässlich! Wir kommen nach Chiclayo/Peru, in der Hoffnung auf ein Café in der Großstadt. Aber wir finden keins. Anscheinend hat unser Freund recht, es gäbe in ganz Peru keinen guten Kaffee und er sei deshalb zum Teetrinker umgeswitcht. Der Arme! Da müssen WIR ihm wohl mal einen richtig guten Kaffee machen, einen aus Ecuador, den wir in Baños gekauft haben. Was wir aber finden, sind Berge von Müll, der in den Straßen aufgehäuft wird und vom Winde verweht wird. Ich frage mich, wie man hier nur so leben kann? Und im selben Moment gibt M. seinem Entsetzen Ausdruck, er habe, soweit er sich erinnern könne, noch nie so eine deprimierende Stadt gesehen. Nur schnell wieder raus hier, was bei dem Verkehr ohne jegliche Regeln (außer der roten Ampel) nicht so einfach ist. Einerseits aufpassen, nicht angefahren zu werden, kein Tucktuck zu übersehen, aber trotzdem M. nicht zu verlieren….

Na jedenfalls sind wir beide entsetzt über das Land. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Wir haben wenig Lust, irgendwo anzuhalten, nicht einmal, um etwas zu trinken zu kaufen. Nur raus hier. Wir fahren immer weiter und weiter und kommen 100 km vor Trujillo ans Meer.

Hier werden wir etwas milde gestimmt, als wir in Pacasmayo – einem Binnentouristenort und Surfparadies – ankommen. Man legt wieder Wert auf ein schönes Äußeres, auf einen sauberen Strand, auf die Promenade, auf saubere Toiletten und ein gepflegtes Ambiente. Natürlich kann ich wiedermal nicht am Schmuckstand vorbeigehen. Die Ketten sind aber auch wieder zu schön und schon nenne ich 2 weitere mein Eigen.

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Die Muppets lassen grüßen – Walldorf und Stadler auf ihrem Aussichtsbalkon oben auf unserem Hotel

Wir nehmen uns ein preiswertes Hotel mit recht gutem Internet in Strandnähe. Es ist gerade Hochsaison, denn viele Kinder haben noch (oder wieder?) Ferien. In Anbetracht dass wir uns im Kinderheim für Montag angemeldet haben und wir nur noch 2-3 Std. entfernt davon sind, genehmigen wir uns morgen einen freien Tag und werden etwas im Pazifik plantschen und faulenzen!

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Vergesst nicht, es euch ebenso gut gehen zu lassen. VGB

PS: Wir sind gestern und heute von der Polizei kontrolliert worden, beide Male sehr freundlich!!! Gestern nur die Fahrzeugpapiere (sogar mit Begrüßung UND „pof favor“!) und heute das Obst. Der Polizist entschuldigte sich für die Störung mit den Worten, das sei leider Pflicht. Aber M. hat gar keine Lebensmittel am Mopped und ich kann meine 4 Tomaten geflissentlich vergessen und behaupten, ich habe keine „frutas“. Ich erkläre, was wo in meinen Koffern ist, öffne meine linke Seitentasche und auf Nachfrage auch den Tankrucksack, da er dort Lebensmittel vermutet. Ich habe die aber in meinem Topase, und so lasse ich ihn bereitwillig reinschauen. Damit gibt er sich zufrieden und wir können weiterfahren.

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