Baños – und weiter gehts

Mi.20.1.16

Wir sind gestern von Quito bis nach Baños gefahren. Das ist gar nicht so leicht aus Quito raus. Das Navi will mitten durch die Stadt. Auf den Stadtverkehr und Dieselstinkerei haben wir aber keine Lust. Wir wollen lieber auf dem schnellsten Weg runter Richtung Süden, über die Autobahn. Also fahren wir erstmal nach Norden. Aber dort ist eine riesige Baustelle und wir finden im Umleitungsgewühl die Einfahrt nicht. Auch eine spätere Einfahrt bleibt uns im Wohnviertel verborgen. So entscheiden wir uns, über den Flughafen zu fahren und den großen Umweg in Kauf zu nehmen, als lange im Stau zu stehen oder zu suchen. Die breit ausgebaute zweispurige Straße ist natürlich Mautstraße und geht steil rauf und runter. Die Schilder weisen auf die Geschwindigkeit hin mit „livianos“ als Zusatz. Keine Ahnung was das heißt. Wir fahren mal 90 – 100.

Da ist eine Polizeisperre. Sie winken nahezu alle raus, können sich aber nicht entscheiden, wohin wir uns stellen sollen. Der eine sagt hier, der andere dort. Na gut, dann entscheiden wir eben selbst. Sie wollen unsere Papiere sehen. Bitte sehr. Aber sie geben sie nicht zurück. Sie reden immer auf den armen M. ein. Mich lassen sie unbehelligt. Der Arme versteht kein Wort und bringt noch weniger raus. Irgendwann ist es mir zu bunt und ich frage die Herren, ob ich denn vielleicht helfen könne, ich würde ein bisschen mehr spanisch sprechen. Aber der jüngere Herr hat wohl den Amtsschimmel ausgepackt, kuckt streng und ernst. Aber auch ich verstehe nichts. Die verwendeten Wörter kenne ich nicht, und er spricht unsagbar schnell und undeutlich! Aber der ältere Herr hat wohl mehr Erfahrung. Er fragt, woher wir kommen und wohin wir wollen. Misstrauisch hinterfragen sie meine Angaben. Nach Süden? Hierher? Ich erkläre die Gründe. Ok, widerwillig akzeptiert er dies. Er spricht von Geschwindigkeit. Aber diesmal waren wir wirklich nicht zu schnell. Er fragt nach unserer Anzeige: Meilen oder Km? Dann erklärt er mir, wie schnell wir fahren dürfen. Ich nicke und bestätige, dass wir bei dem Wind so anfällig sind, dass wir aus Vorsicht schon gar nicht schneller fahren würden oder könnten. Auch wenn der jüngere Herr zweifelnd schaut, der ältere akzeptiert es und lässt uns fahren.

Bis Baños ist es nicht weit, aber die Strecke zieht sich. So kommen wir am frühen Nachmittag dort an. Es ist ein Touristenmagnet mit all seinen Wasserfällen, Vulkanen und Abenteuermöglichkeiten wie Mountainbiken, Rafting, Canopy, Klettern und Cayoning, wenn auch gerade keine Saison ist und nur „wenige“ da sind. Macht nix! Wir bummeln umher und besichtigen die Basilika mit den schönen Holztoren und den interessanten Bildern mit der jeweiligen Story von örtlichen Wundern. Wir suchen ein nettes Café und essen ein Eis. Eine Massage und ein bisschen Wellness wäre auch nicht schlecht, lesen wir dort in einem Prospekt. Ja, das wäre was! Aber der Massagesalon im Ort sagt uns nicht zu und der andere liegt oben im Berg. Ob man reservieren  muss? Sicher, bei solchem Luxus mit Spa und Hotel. Aber wir laufen im Kreis, ohne das Touri-Büro zu finden. Mittlerweile schon 7 ist es sicher zu spät für die Massage. Schade. Aber lass uns doch einfach hoch fahren, dort für morgen fragen und uns das Ambiente anschauen und einen Trinken. Taxi kostet ja nur ein paar Dollar. Gesagt, getan. Von dort oben – 500 m höher – kann man direkt auf den Ort herunterblicken. Ein Wahnsinnsblick auf das schachbrettartige, beleuchtete Straßenmuster mit der Basilika.

imageEs gibt doch 2 halbstündige Massagen für uns, aber nicht zeitgleich, sondern nur nacheinander. M. fängt an und ich überrasche ihn mit einem anschließenden Abendessen im Restaurant nebenan, obwohl es eigentlich bald schließt. Aber da ich vorher schon alles bestellt habe, klappt das wie am Schnürchen, ohne dass Überstunden fällig werden. Das können wir morgen doch gleich nochmal machen und dann ein bisschen in den Wirbelpools und Schwimmbecken relaxen. Vorher wollen wir natürlich noch die Wasserfälle besichtigen. Einen kann man vom Zimmerfenster aus sehen.

Aber am nächsten Tag hängen die Wolken tief. Es regnet! Da lohnt es nicht rauf zu fahren, wenn man doch nichts sieht. Wie schade. Die Wasserfälle sind an unterschiedlichen Stellen in der Schlucht zu „suchen“, denn im üppigen Grün sind sie nicht leicht auszumachen. Bei DEM Wetter mag selbst M. nicht überall hingehen. Aber den einen Dollar Eintritt für die Machay-Wasserfälle haben wir. Es wäre auch nicht weit, nur einige Minuten. Aber dass nur bis zum ersten Aussichtsbalkon 283 Stufen runter – und auch wieder rauf – zu laufen sind, hat uns keiner gesagt. 100 Stufen sind in etwas 6 Stockwerke, macht ein 16-stöckiges Hochhaus ohne Aufzug! Ich drehe sicherheitshalber nach dem Aussichtsbalkon um. Die nächsten Treppen sind noch steiler und man ist noch lange nicht unten. M. macht sich dahin auf. Was er doch alles für ein schönes Bild tut. Er gibt aber zu, dass sicher nochmal 200 Stufen nach unten dazukommen und er ist bei der Feuchtigkeit nassgeschwitzt, als er wieder oben ankommt.

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Wasserfälle um Baños herum

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noch mehr Wasserfälle

So kommen wir erst gegen 2 aus Baños raus und es sind bis Cuenta 300 km. Es müsste so gerade klappen. Aber da die Wolken so tief hängen, ist im dichten regnerischen Nebel bei teilweise nur 11 Grad Vorsicht angesagt. Unsere Reifen sind kurz vorm Ende. Ohne Grip und ohne Sicht fahren wir lieber langsam. Aber zum Glück ist nicht so viel Verkehr. Trotzdem immer noch 70 km bis Cuenca und in 20 min geht die Sonne unter.

Mist!

Seit Stunden nur Bergdörfer, kein einziges Hotel!

Doch wie immer passt der Schutzengel gut auf uns auf und beschert uns ein sauberes Hostel für 20 $ mit überdachtem Innenhof und Garagentor und 3 Kindern + 2 Frauen mit großen staunenden Augen. Durchgefroren freuen wir uns jetzt über trockene Klamotten und was zu essen (ich finde immer noch was in meinen Koffern ;-)…)

Hoffentlich friert ihr zu Hause nicht zu sehr. Ich hab gehört, jetzt ist (endlich) Winter bei euch….

VGB

Ein Gedanke zu „Baños – und weiter gehts

  1. Hallo Ihr Beiden,
    schön Eure Berichte immer zu lesen. Schön das es Euch so gut geht. Ihr habt ja auch viel Glück. Schön das Ihr eigentlich immer eine Unterkunft findet. Ja bei uns ist es jetzt kalt.

    LG Günter und Gertrude

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