Armes Bolivien, die 2.

Fr. 19.2.16

Wir sind eine herrliche Straße zwischen Potosi und Sucre, der Hauptstadt Boliviens, gefahren. Es kurvt so schön (in Anlehnung an einen Ausdruck eines meiner Söhne, als er noch kleiner war).  Wunderbare Ausblicke in Täler, runter auf 2300 Höhenmeter, dann wieder rauf auf 2800 m. Nahezu keinerlei Verkehr – die 5 LKW sind schnell überholt – eine gute Straße und Sonne! Herz was willst du mehr! Schnell sind wir in Sucre, es sind ja nur 150 km, also 2 Std. Fahrt.

Immer wieder laufen wir plötzlich und unerwartet hinter einer Kurve auf eine „Peaje“ auf, einer Bezahlstation, ohne vorherige Ankündigung. Aber man muss ja ohnehin immer mit allem rechnen, mit fehlenden Kanaldeckeln genauso, wie mit plötzlich auftauchenden Tieren oder Schäden oder Dreck auf der Straße oder eben mit plötzlicher Bezahlstation. Für Motorräder muss man zwar nicht zahlen, aber es gibt nicht so schöne Extraspuren wie in Peru, die oft sogar durch ein vorheriges Schild darauf hingewiesen haben. Hier wird man von den Wärtern durchgewunken – meistens! Nur einmal wollte der dazugehörige Polizist, dass wir zahlen. Aber unser Widerspruch hat schnell zu einer Meinungsänderung geführt und er ließ uns ohne Zahlung weiterfahren. So ganz genau wissen wir das eigentlich auch nicht. Vielleicht müssen eigentlich alle zahlen. Weil sich aber die einheimischen Moppedfahrer kein Auto leisten können und deshalb alles mit dem Mopped transportieren und machen, ist es vielleicht nur Usus, dass die „Armen“ durchgewunken werden. Und wir fallen evtl nur unter dieselbe Kategorie? Keine Ahnung, aber bisher hat man uns immer – bis auf diese eine Ausnahme – ohne Bezahlung fahren lassen.

In Sucre haben wir auch schnell ein Hostal gefunden, welches ohne Passkopie uns aufnimmt. Eigentlich wollen alle eine Kopie machen, aber von Datenschutz haben die noch nie was gehört. Dass man mit solch einer Kopie im Internet einkaufen kann und ich dann Mühe habe, zu beweisen, dass ich das nicht war, davon haben die Herrschaften (angeblich) noch nie was gehört. Ich zeige gerne den Pass, damit auch alles seine Richtigkeit hat und ich habe auch nichts zu verbergen. Aber der bolivianische Staat besitzt bereits meine Passkopie. Mehr bekommt er nicht. Bisher haben sich auch immer die Hotels darauf eingelassen. Nur diesmal nicht. Ich solle auf der Gemeinde nachfragen. Phhh! Kann er selber. Für 45 Euro kann ich das wohl erwarten. Aber er will nicht. Na, dann eben nicht, suchen wir uns was anderes.

Finden wir auch. Für etwa die Hälfte – ohne Passkopie! Bähhhh!

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Diese Nacht wird vor der Rezeption und in der Disco geparkt.

Wir machen die Stadt unsicher – denken wir aber auch nur! Die Stadt macht eher UNS unsicher! Wir kriegen nämlich kein alkoholisches Getränk. Nirgendwo. In keiner Bar, in keinem Restaurant, in keinem Supermarkt. Nicht dass wir uns betrinken wollten, aber ein Radler hätte ich schon ganz gerne. Oder einen Cocktail. Pisco sour z. B., das Nationalgetränk Perus und Chiles. In einem Café haben wir deutsches Weißbier entdeckt. Yeah! Das wär jetzt was! Aber Pustekuchen. Lange Nase, sonst nix! Seit heute Null Uhr gibt es keinen Alkohol zu kaufen bis Sonntag Null Uhr, weil am Sonntag Wahl des Präsidenten ist. Er ist schon 2 Amtsperioden an der Macht und will eine weitere durchsetzen, obwohl die Verfassung das eigentlich verbietet. Dieser Zwist spaltet das Land und es hat genau deswegen vorgestern in El Alto 6 Tote wegen Rauchvergiftung gegeben, weil Radikale das Bürgermeisteramt dort angezündet haben. Und der ältere Herr wollte uns genau über El Alto aus La Paz rausschicken… Gott sei Dank hatten wir dazu keine Lust.

Jedenfalls gibt es jetzt 3 Tage lang keinen Alkohol. Als ob die Einheimischen, die den trinken wollten, sich nicht gestern damit eingedeckt hätten. Wo ein Wille, da ein Weg. Die einzigen Gelackmeierten sind die Touris, die das nicht wussten oder zu spät erfahren haben, wenn der Sack schon zu ist.

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Durch die anstehende Präsidentenwahl darf für 3 1/2 Tage kein Alkohol verkauft oder ausgeschenkt werden, noch nicht einmal Bier 😢. Die spinnen, die Bolivianer.

Aber dies ist nicht das einzige Problem. Es gibt auch keine Disco oder andere Freizeitvergüngungen seit heute bis Sonntag und wo wir gerade dabei sind: Am Sonntag auch eine Ausgangssperre. Zumindest kommt diese Maßnahme dem Ausgangsverbot gleich: Kein motorisierter Verkehr, weil am Sonntag Wahl ist. D.h. wir dürfen am Sonntag nicht von Sucre bis Uyuni fahren. Wir fragen nach einer Ausnahmegenehmigung, aber die hätten wir bis Mittwoch schriftlich beantragen müssen. Wie denn, wenn wir das erst vor einer halben Std. erfahren haben? Aber die Leute zucken nur mit den Schultern. Wieder einmal fühle ich mich als Goldesel behandelt. Nun kann ich verstehen, warum die Leute wütend sind. Die Regierung behandelt ihre eigenen Leute ja wie unmündige Kinder, droht mit Angst und Schrecken und steckt lieber die eigene Tasche voll, anstatt sich an die eigenen Gesetze der Verfassung zu halten. Statt dessen herrscht Willkür und Eigenmächtigkeit! Wir können leider nichts daran ändern. Wir MÜSSEN also morgen schon wieder aus Sucre raus nach Uyuni.

Evtl. gibt es in dem Kaff dort keinen Automaten, der Geld ausspuckt, also versuchen wir es lieber hier. Aber wiedermal Fehlanzeige. Der Automat rückt nix raus. Wir wollen die Frau am Schalter fragen. Aber die will nicht mit uns reden, weil sie angeblich schon geschlossen haben. Der Wachmann lässt uns nicht rein und spricht sogar nur durch einen schmalen Spalt mit uns. Wir sollen morgen wiederkommen. Morgen geht nicht, weil wir abreisen müssen… Die Frau hätte wenigstens eine Minute unser Problem anhören und beraten können. Sie ist doch ohnehin da und quatscht mit den anderen. Ein anderer Automat der Bank? Gäbe es angeblich nicht. Komisch, dass wir den auf unserem Stadtplan sehen und dort auch Geld bekommen… Servicewüste Bolivien – das arme Land hat es nicht nötig, sich um seine Touris zu kümmern.  Die stößt man lieber ein ums andere Mal vor den Kopf. Die sind ja blöd genug, für alles dumm und dämlich zu zahlen.

Nein liebe Leute – sind sie nicht! Sie rufen in die Welt hinaus, wie schlecht ihr die Leute behandelt und dabei könntet ihr mit eurer herrlichen Landschaft so gut Geld verdienen. So wie Costa Rica z. B. Welch vertane Chance! Dabei gibt es genügend, die genau dieses Manko sehen, die gebildeten Leute z. B.  Aber es gibt leider auch genügend, die den Kopf in den Sand stecken, nichts wahr haben wollen oder einfach den Allerwertesten nicht hoch kriegen. Mein Rat: Nicht aufgeben, denn steter Tropfen höhlt den Stein!

Herzliche Grüße an Daheim. Ich weiß, dort gibt es gerade auch genügend Probleme. Möge die Politik weise Entscheidungen treffen. In diesem Sinne

Eure B.

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Impressionen aus Sucre, der bolivianischen Hauptstadt.

Die Silbermine von Potosi

Do 18.2.16

Früh um 9.00 werden wir zur Besichtigung in einem alten Büs-chen abgeholt. Es regnet und gewittert schon die ganze Nacht lang und heute stürzen sich die Wassermassen am Hotel vorbei die Straße runter. Der Bus bringt uns zuerst in ein kleines Hinterzimmer irgendwo um 4 Ecken in der Stadt. Die Wäsche hängt noch draußen auf der Leine – seltsame Trockenmethoden haben die hier! In diesem Zimmer bekommen wir erstmal Überklamotten, Hosen, Jacke und Stiefel mit Helm und Lampe.

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Einkleiden und Einkauf auf dem Minenmarkt.

Dann zum „Einkaufsladen“ für die Minenarbeiter. Die müssen sich nämlich ihren Kram und Arbeitsgerät mitbringen. So halte ich zum ersten Mal in meinem Leben Dynamit in den Händen. Die Wirkung kann noch mit Nitritkörnern verstärkt werden. alles direkt neben Saft, Limo und Cocablättern. Wir werden aufgefordert, die Blätter ebenso in die Backen zu stopfen. M. probiert einige Blätter, aber ich mache nicht mit. Auch kaufe ich nur einen Beutel „Geschenke“ für die Minenarbeiter, nicht pro Nase je einen.

Dann gehts auf zur Mine. Matschig, niedrig, eng.

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An die Arbeit !

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1,5 Tonnen Gestein werden mit so einer Lore nach draußen gebracht. Und das 10 mal am Tag.

Ich schaue nach unten, wohin ich trete und stoße mir naturgemäß andauernd den Kopf, während die Führerin aufrechten Fußes überall drunter her passt.

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Bevor es in die Mine geht, muss erst der Tio (Teufel) mit einer Opfergabe milde gestimmt werden.

M. ist bis zum (bitteren) Ende mit dabei, aber ich steige bei der Hälfte aus. Ich soll durch einen Schacht über eine Leiter senkrecht nach unten ins dunkle Ungewisse.

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Zweifelhafte Strebabstützungen und andere Gefahren warten in der Mine.

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Zuerst wird das Silber aus dem Fels gebrochen. Dann wird es mit Säcken nach oben transportiert und über Rampen in die Loren geschüttet. Seit 500 Jahren hat sich an der Arbeitsweise (fast) nichts geändert.

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Über 3 Holzleitern geht es weiter in die Tiefe.

Nichts für mich. Mir reichts, bis hierher und nicht weiter. So stapfe ich mit der Führerin wieder zurück und warte draußen, während M. über simple Holzblanken, die über Untiefen einfach drübergelegt werden, balanciert und 3 Leitern in die Tiefe steigt, um den Arbeitern bei der schweren Handarbeit zuzuschauen.

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Das Minengelände, Arbeits- und Spielplatz zugleich.

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Der berühmte „Schweizer Käse“ – der löchrige Berg Cerro rico!

Viel haben wir über die Jahrhundertealten Methoden der Silbergewinnung gehört und gelesen. Sie treffen 100 %-ig zu. 2 Mann karren eine Lore mit 1500 kg Gewicht 10 Mal am Tag raus. Das Gestein wird von Hand geschlagen, denn die menschliche Arbeit kostet nichts extra, für Pressluft, Maschinen oder gar Mundschutz und Sicherheit muss der Minenarbeiter extra zahlen. So wird das  „Wissen“ ums das Gestein, ein Gemisch aus Zink und Silber, von einem Minenarbeiter an den Nächsten weiter gegeben, der nach einigen Jahren dann selber zum „Experten“ wird, einen eigenen Bereich erhält und nach denselben Methoden schürft. Moderne Methoden sind zu teuer und so wird der Berg weiter althergebracht durchlöchert, bis er eines Tages zusammenbricht, was dann als Riesenunglück wohl sicher gelten wird, und nicht als hausgemacht. Mit 14 arbeitet man als Helfer (für 100 Bolivianos pro Tag) und die Lebenserwartung ist mit 35 oder 40 Jahren erreicht. Natürlich wurde nur das Schürfen gezeigt, und nicht, wie mit viel Chemie und Ungesund das Zink vom Silber getrennt wird. Dann würde sich vermutlich die kurze Lebenserwartung von selbst erklären.

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Eine Silberader.

Mittags sind wir zurück, das Wetter hat sich total gedreht: Die Sonne brennt schon wieder. Bei dieser Höhe ist die UV-Belastung besonders hoch, was ich an meinen aufgesprungenen Lippen merke. Wir trödeln durch die Stadt und schauen den Leuten zu und schalten einfach mal ab!  Entspann dich!

Möge euch das auch gelegentlich gelingen

VGB

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Die freizügige bolivianische Version der Freiheitsstatue.

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Eine der 18! Kirchen in Potosi.

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Sind die Beine etwa zu kurz???

Armes Bolivien

Mi, 17.2.16

Wir kommen kaum aus La Paz raus. Anscheinend hat das gestrige Gewitter eine der Hauptstraßen unterspült, denn sie ist großräumig abgesperrt. Wieder Stau und Verkehrschaos. Wir müssen höllisch aufpassen und uns unseren Platz redlich erkämpfen. Endlich im Süden suchen wir erstmal in Karte und Naivs nach dem Weg. Ein älterer Herr will uns helfen und weist uns den Weg: Über El Alto wieder zurück. La Paz – eingekesselt zwischen Steilfelsen – könnte man nur dort über die Berge verlassen. Aber wir weigern uns, uns noch einmal durch diesen Horrorverkehr zu quälen. Da heil rauszukommen ist super anstrengend und ätzend. Wir als Motorradfahrer zählen weniger als nichts. Es muss noch einen anderen Weg geben. Gibt es auch! 😉 3 Std. später sind wir endlich auf der 1. Wurde aber auch Zeit! Das war aber nur der Anfang eines fürchterlichen Morgens.

So langsam reicht mir die schlechte Behandlung der Leute: Ich hab die Schnau.. gestrichen voll. Ich bin weder ein Esel noch hab ich Gold an mir kleben, schon gar nicht in Kombination von beidem. Dennoch werde ich immer wieder also solcher behandelt. Goldesel! Mich wundert dies nicht, wenn die Regierung ihre Leute so schlecht behandelt, dass sie wiederum gleiches mit gleichem vergelten. Aber ICH hab ihnen doch nichts getan. Dennoch lassen sie mich überall mehr oder doppelt zahlen, behandeln mich aber schlechter als die Einheimischen. Das ist total ungerecht und aus genau diesem Grund ist mir heute der Kragen geplatzt. Hier einige Beispiele:

Wir fahren eine Tanke an. Die ersten beiden haben zu oder keinen Sprit. Die 3. lässt uns, nachdem wir gescheit geparkt haben, noch mal auf die andere Seite der Säule umparken. Eilfertig will er den Tank öffnen, aber der ist ja abgeschlossen und wir brauchen noch einen Moment. Alles ist parat, da schnappt sich der Tankwart den Stutzen und steckt ihn in das gerade angekommene Auto auf der anderen Seite, welches dort steht, wo wir zuvor gestanden haben. Ich beschwere mich, wieso er von uns denn den Platzwechsel verlangt, wenn dieser Fahrer das nicht nötig hat und wieso er uns nicht bedient, immerhin waren wir zuerst da und würden sogar den doppelten Preis (für Ausländer) zahlen. (Bolivien subventioniert für die Einwohner den Sprit) Der Tankwart zuckt nur die Schultern und der Typ lächelt mich von oben herab an: „Tranquilo!“ Nur die Ruhe! Das würde ich an seiner Stelle auch behaupten, wenn ICH vorgedrängelt hätte. So aber ist dies eine Unverschämtheit, denn immerhin müsste er „tranquilA!“ (weibliche Form!) benutzen, immerhin kennt er wohl seine eigene Sprache besser als ich, und zudem hätte da ein „Disculpeme!“ oder „Perdon, Siñora!“ hingehört. Eine Entschuldigung eben, und nicht solche Frechheiten. Am liebsten wäre ich wieder gefahren, ohne zu tanken. Ich hatte ja noch für 300 km Sprit. Aber wer weiß, wann die nächste kommt. Kein Wunder, dass Bolivien so arm ist und als Entwicklungsland gilt. Deren Benehmen zeigt noch erhöhten Entwicklungsbedarf! Vor allem den Leuten gegenüber, die Geld ins Land bringen, sonst kommen die nicht wieder! Na, jedenfalls rechnet der Tankwart lange hin und her (mit Taschenrechner natürlich!) und will für seine Unverschämtheiten nun 16 Bolivianos mehr, als das doppelte. Aber ich verweise auf 2 x 61 = 122  und mehr drücke ich ihm auch nicht in die Hand. Er sagt nichts weiter und wir fahren!

An der nächsten Tanke selbes in grün: Der Tankwart will unsere Pässe. Die kriegt er aber nicht. Er faselt unverständliches Zeug und auf mein „No entiendo“ reagiert er mit Schweigen oder er wiederholt dasselbe Kauderwelsch. Andere wartende Autofahrer weisen uns gnädigerweise auf den Pass hin. Aber wieso wir den Pass zeigen sollen, während alle anderen das nicht brauchen, kann uns niemand erklären. Was geht den Staat Bolivien an, wo ich wieviel tanke? Soll doch der Staat Bolivien erstmal seinen eigenen Misthaufen aufräumen und die Korruption durch Kontrolle eliminieren, anstatt mich! Datenschutz nennt man das! Der Doof steckt mein doppeltes Geld ohnehin in die eigene Tasche und behauptet, er hätte den Sprit an Bolivianer verkauft. Nun gut, wir fahren 10 m weiter zur nächsten Tanke. Dort bekommen wir zwar Sprit, aber der Tankwart will uns betuppen. Er rechnet nicht damit, dass wir 7 x 24 im Kopf rechnen können, während er den Taschenrechner benutzen muss. Er gibt zuwenig Wechselgeld und behauptet mehrfach, das wäre richtig. Ich beharre darauf und rechne ihm mehrfach meine Überlegungen vor, erst dann tut er so, als ob er sich vertan hätte und rückt das fehlende Geld raus. Sogar der Hostalrezeptionist in La Paz nahm für 2×120 den Taschenrechner, um auszurechnen, wieviel Rückgeld ich bei 250 Bolivianos bekomme. Erschreckend! Das konnten meine Kinder in der 2. Klasse.

Mir reichts, ich drücke auf die Tube und M. kommt kaum hinterher. Nur raus aus diesem Sch….-land! Ungerechte Behandlung konnte ich noch nie gut vertragen, aber anscheinend hat die Reise dies verschlimmert, während ich an anderer Stelle geduldiger und gelassener geworden bin.

Die Landschaft des Altiplanos ist einfach umwerfend schön. Diese weite Ebene, immer in Höhen von um die 4000 m. (ca. 3700 – 4300 m).

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Endlose Weite auf dem Altiplano in fast 4000m Höhe

Da hier wenig Leute wohnen, gibt es auch keine Müllberge oder unzählige, riesige Schutthaufen, wie in den Randbereichen der Städte. Schnurgerade teilt die Straße die Ebene in 2 Teile. In der Ferne ragen die Berge empor und über mir die weißen Wolkentürme, wo einige dunkel drohen, andere schon ihre Fracht ablassen. Aber wir kommen trocken an den Schauern vorbei. 180 km vor Potosi rücken die Berge eng zusammen und wir fahren herrlich kurvend auf halber Höhe mit traumhaften Blicken in die tiefen Täler ohne Verkehr. Das macht Spaß!

Wir haben nur einen Mittagsstopp irgendwo in der Pampa bei einigen Lehmhäuschen in der Sonne gemacht. Dort beäugten uns 2 kleine Kinder immer und immer wieder. Aber sie trauten sich nicht zu uns rüber, obwohl man ihnen schon von Weitem das Interesse ansah. Ich legte ihnen ein paar Magdalenas hin und das taute das Eis. Sie wurden mutiger und holten die Freunde von nebenan. So gestärkt kamen sie tatsächlich herüber. Sie interessierten sich wirklich für UNS, nicht für die Moppeds, sondern für die „Extranjeros“ (die Ausländer). Sie hatten ein 2 Wochen altes Lama dabei, welches aber vor uns Angst hatte. Schade. Ich hätte es gern gestreichelt. Plötzlich stand es wieder mitten zwischen den Kindern, mit denen es anscheinend sehr vertraut war. Die Kleinen merkten sofort, wie das mit dem „photogen“ funktionierte. Sie drapierten sich modellhaft drum herum. Dieses Erlebnis entschädigt für die Tankstellenerlebnisse des Tages und versöhnt ein wenig.

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Eine Runde Magdalenas für alle, das kleine Lama hat leider Pech gehabt.

Als wir in Potosi ankommen, werden wir wieder wie Menschen behandelt. Der Hotelportier (100 € pro Nacht) gibt uns Ratschläge, wo wir preiswerter an eine Übernachtung kommen. Im Hostal lässt sich die Rezeptionistin auf einen deutlichen Preisnachlass ein, weil wir 2 Nächte bleiben und die Bettwäsche nicht gewechselt werden muss. Im Restaurant werden wir an die Bar gebeten, weil alle Tische besetzt sind und werden auch dort gleich bedient sowie die Bestellung aufgenommen. Als ein Tisch frei wird, werden wir als erste dorthin gebeten, obwohl inzwischen weitere Gäste eingetroffen sind. Es geht der Reihe nach. Vielleicht, weil hier viele Touris hinkommen, um sich die Silbermine anzuschauen? Mag sein. Aber diese Beispiele zeigen, es geht auch anders. Hier fühle ich mich wohl.

Morgen bleiben die Moppeds in der Garage. Sie haben Pause, denn sie sind heute wieder über 500 km gelaufen. Die Silberminen schauen wir uns in einer 4 – Std. – Tour an – ohne Mädels!

Bis morgen VGB

La Paz von oben

Di 16.2.16

Heute haben wir mal einen Lauen gemacht. Gestern war anstrengend, auch wenn nicht so sehr fahrerisches Können abverlangt wurde. Aber es war nervlich anstrengend, weil man stets sehr konzentriert fahren musste. Im Nebel nichts zu sehen und die Kälte setzt einem zu – da war ich heute froh, mal rumzutrödeln. Im Zentrum unten unweit von unserem Hostal blockieren Demos die 3-spurige Hauptstraße = Verkehrschaos rundherum. Da gehen wir lieber zu Fuß die 2 km zum Teleferico als im Taxi zu schmoren.

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Nicht nur in La Paz, sondern auch in ganz Bolivien ticken die Uhren anders…

Der Teleferico ist eine Kabienenbahn, den die Stadt vor 2 Jahren von einer österreichischen Firma hat bauen lassen. Letztes Jahr ist noch eine Linie hinzugekommen und im Juni diesen Jahres wird eine weitere fertig. Weitere sind in Planung. Diese Bahnen fahren über die Häuser hinweg und man sieht die Stadt von oben. Das ist total klasse und kostet nur 3 Bolivianos pro Nase und Linie in eine Richtung. Gerade mal 50 Cent! So versucht man dem Verkehrskollaps entgegenzuwirken. Es wimmelt hier nämlich nur so von Taxen, Kleinbussen und Bussen, die allesamt die Straßen verstopfen, weil jeder überall anhält – ohne Rücksicht auf nachfolgende Teilnehmer, die dann eben warten müssen, wobei das Gehupe dann wenig hilft.

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Die Linien des Teleferico verbinden die oberen und unteren Stadtteile miteinander.

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Chaotische Leitungsführung, blickt hier noch einer durch?

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Je höher die Häuser, desto ärmer die Leute.

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La Paz von oben, zwischen den höchst und tiefst gelegenen Stadtteilen liegen 1000 Höhenmeter.

Je mehr man nach unten fährt, desto reicher die Gegend. Die Häuser gleichen Prachtvillen, mit kleinen Gärten dabei, und auf den Straßen fahren keine Busse oder Kleinbusse, sondern nur Oberklasseautos und einige wenige Taxen. Außerdem sind die Straßen in einem besseren Zustand. Geschäfte gibt es nur wenige hier. Andenkenläden oder fliegende Händler oder gar Bettler gleich gar nicht.

Ob unserer Trödelei ist es spät geworden und wir sparen uns in Anbetracht des Regens (mit Hagel!) den Chacaltaya. Die unbefestigte Straße dorthin soll sandig sein. Nicht sehr, sagt der Tourismusfachman und zeigt 10 cm an. Er hat wohl vom Motorradfahren keine Ahnung. Aber ich hab vom gestrigen Regen noch genug. Morgen wollen wir nach Potosi, was mehr als 500 km heißt. Da müssen wir früh raus und lange fahren. Da tut uns ein Tag Pause ganz gut.

In diesem Sinne

VGB

2 x ½ = 1 Ganzes

Mo, 15.2.16

Heute ist er fällig, der Camino de la muerte. Viel haben wir darüber gelesen und gehört und wir wollen ihn auch bezwingen.

Aber vorher müssen wir erstmal bei herrlichem Sonnenschein über den Pass auf 4600 m. Gleich nebenan soll der Chacaltaya sein mit 5400 m. Den würde ich auch gerne mitnehmen und die 5000 – m – Marke knacken. Aber mein Navi will nicht daher, wo M’s Navi uns herschickt. Selbst nach mehrfacher Neuberechnung nicht. Na, wenn das mal nicht ein schlechtes Zeichen ist.

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Ausflug zum Chacaltaya

Wir biegen von der Teerstraße nach links ab und uns empfängt ein schlechter, schmaler Weg. Mountainbiker bereiten sich auch gerade drauf vor. Meine Lust verfliegt und nur der Wille, die Marke zu knacken, bezwingt den inneren Schweinehund. Matschig, grobsandig und steinig/felsig gehts Stück für Stück weiter hoch. Bis auf 4800 m und dann sagt M’s Navi noch 11 km Luftlinie. Sollen wir fliegen? Es gibt hier mehrere Abzweigungen, aber keine Schilder. Aufs Navi verlassen wir uns schon lange nicht mehr und Karte ebenso wenig. Lieber Himmelsrichtung und Bauchgefühl. Mein Bauchgefühl schwenkt eh schon seit langem die weiße Fahne und M’s jetzt auch. Lieber umdrehen und vielleicht morgen von der anderen Seite her probieren – wenn denn das Wetter mitspielt.

So machen wir uns also von 4800 m auf zum berühmt/berüchtigten Camino de la Muerte – eigentlich Jungas-ruta oder Camino de las Jungas – und es geht permanent runter bis auf 1200 m. Fast wären wir dran vorbei gefahren. Ein Schild warnt vor der „death road“ und man möge sich bitte links halten. Hier herrscht nämlich Linksverkehr, damit die Autofahrer auch immer schön am Abgrund entlang fahren und sehen können, wenns brenzlig wird.

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In 3200m Höhe beginnt das Abenteuer….

Eigentlich soll die Straße nur in eine Richtung befahren werden, aber es kommen andauernd kleine Büs-chen entgegen. Ich soll links dran vorbei und das fällt mir verdext schwer. Aber ich habe gelernt, nicht runter zu sehen und so geht es ganz gut. Eigentlich ist der Weg auch gar nicht so schwer zu fahren, Schwierigkeitsgrad 3, oder 4 gelegentlich – wenn, ja wenn nicht das Wissen um die steilen Abhänge wäre. Man muss konzentriert fahren und so lassen wir unsere Mädels brav runterhoppeln. Wir haben es ja nicht eilig. Dafür werden wir mit herrlichen Ausblicken belohnt, mit Wasserfällen und mit tiefen, engen Schluchten.

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Immer am Abgrund entlang, hier hat es früher – vor dem Bau der Umgehungsstraße – jährlich im Schnitt 300 Tote gegeben.

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Waschstraße im Grünen

Hier kann man sogar klitschnass werden, ohne dass es regnet. Wir müssen nämlich unter einem Abhang drunter her, wo oben drüber das Wasser herunterstürzt. Es ist, als ob dir jemand einen vollen Eimer Wasser über den Kopf schüttet. Patsch. Mit Schwung durch und innerhalb von nur 1 Sekunde triefend nass. DAS hätte ich auch nicht gedacht. Na, die Temperatur ist ja mittlerweile auf 18 Grad gestiegen und es wird zunehmend wärmer. Trocknen wir das eben wieder beim Fahren.

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…und das Ergebnis

Denkste!

Auf halben Weg (bei 2200 Höhenmetern) ist der Weg plötzlich zugeschüttet und ein paar wartende Amerikaner warnen uns. Hinter der Stelle arbeiten fieberhaft 2 Männer und eine Einheimische schaut zu, während danach 2 (leere) Busse unterschiedlicher Größe stehen und warten. Na, das kucke ich mir mal selber an. Die Stelle ist gar nicht so schwer, mit dem Mopped zu bezwingen. Aber die Frau warnt mich auch. Diese Stelle hier sei vielleicht noch mit Motorrädern zu meistern. Wie schwer die denn seien? Aber die nächste nicht mehr. Selbst die Mountainbiker würden ihr Rad über die Steine dort tragen.

Jetzt kapiere ich, was hier läuft: Die Busse sind genau bis zur 2. Stelle gekommen, haben dort gedreht und kommen jetzt nicht mehr über erstere, matschige Steilkurve hinweg. Deshalb versuchen die Männer, den Weg mit dicken Steinen zu ebnen. Aber auch bei diesem Versuch drehen die Räder durch. Er hätte am Gas bleiben müssen. Aber bei diesem Abhang gleich 10 cm daneben kann ich verstehen, dass er vorsichtiger fährt. Ich will auch nicht darunter stürzen.

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Hier ist der Camino für uns zu Ende, schaaaade…

So entscheiden wir uns, lieber umzudrehen und denselben Weg wieder hoch zu fahren. Zum zweiten Mal für heute. (MIST!) Aber zweimal den halben Weg ist gleich ein ganzer Camino de la muerte, oder?! Natürlich müssen wir auch wieder unter dem Wasserfall durch. Diesmal gleich unter mehreren. Was geht denn hier ab? Das war eben aber noch nicht so heftig. Jetzt sind wir wirklich nass!

Jeder mit offroad-Erfahrung weiß, dass runter ja noch ganz nett ist, dass aber rauf schon einen Schwierigkeitsgrad mehr bedeutet. Wir müssen mit mehr Geschwindigkeit über die steinige, teilweise nasse und matschige Straße hoch. Plötzlich hängen wir in den Wolken und es fängt an zu regnen. Natürlich beschlägt wieder das Visier und uns kommen Kamikazeradler entgegen. Permanent hupend fahren wir, bei Sichtweite kaum bis zur nächsten Kurve, so langsam wie es geht, hoch und die heizen hier wie bekloppt runter – auch noch auf der falschen Seite. Die sehen bestimmt auch nicht mehr als ich! Mehrfach können sie nur knapp M. ausweichen, fahren in den Wassergraben, bremsen mit blockierenden, querstehenden Rädern oder fallen fast vom Rad. Die Idioten. Kaum einer hat Ahnung vom Mountainbiken, aber alle müssen den Camino fahren. Leute, der heißt nicht umsonst so! Sicherlich haben die jeweiligen Einweiser sie davon in Kenntnis gesetzt, was rechts und links ist und wo sie herzufahren haben. Aber sie rechnen nicht mit Gegenverkehr und benutzen die komplette Spur. Wenn dann plötzlich doch einer kommt, reagieren sie automatisiert und fahren auf die falsche Seite. Wie kann man nur so unvernünftig halsbrecherisch fahren?

Jedenfalls kommen wir doch irgendwann wieder auf die geteerte Hauptstraße. Das Navi sagt, wir haben schon 1000 Höhenmeter bezwungen. Weitere 1600 fehlen und es regnet wie S_ _ . Sorry!  Es lohnt nicht mehr, die Regenhose anzuziehen. Weiter gehts. Es wird kalt und kälter (6 Grad) und der Nebel hört und hört nicht auf. Wenigstens stoppt bisweilen der Regen, aber nur kurzfristig. Zum Glück gibt es nur wenige LKW zu überholen. Die sind aber sooooo langsam bergauf, dass dies kein Problem darstellt. Auf 4300 m schafft es tatsächlich die Sonne durch die Wolken. Es ist gleich einige Grad wärmer und auf der anderen Seite des Passes herrscht anderes Wetter. Zweistellig warm, bewölkt trocken gehts wieder runter nach La Paz. Stimmt, da war noch was! Der Verkehr nimmt wieder zu und wird wieder chaotischer. Aber wir haben uns mittlerweile dran gewöhnt und schwimmen ganz gut mit.

Man muss wissen, dass Warnblinkanlage „ich ziehe jetzt an den rechten Rand und halte da!“ heißt und sollte tunlichst die Büs-chen durchlassen. Außerdem muss man hupen, wenn man an einem vorbeifährt, sonst nimmt der einen nicht ernst und zieht quer in die Lücke rein, die du dir gerade auserkohren hast. Sie fahren auch einfach los, langsam zwar, aber stetig. So kommt der erste noch zügig dran vorbei, der zweite muss schon Gas geben und einen Bogen fahren, aber der dritte muss die Lücke lassen. Will der aber auch noch vorbei, so wird gehupt und der Anfahrende reiht sich hinter ihm ein. Will einer links abbiegen, so braucht man keine Ampel. Man tastet sich mehr und mehr in die Kreuzung. Irgendwann ist man soweit im Querverkehr drin, dass der anhalten und einen vorbeilassen muss. Stockt es, so lässt man doch irgendwo eine Lücke, damit der Verkehr wieder fließen kann, auch wenn man normalerweise keinen cm zu verschenken hat. Für mich immer wieder erstaunlich, wie sich Knoten wieder auflösen.

Wir bleiben noch eine weitere Nacht hier im Hostal. Die Unterkunft ist ok. Wir haben ein großes 3-Bett-Zimmer mit Internet und es soll eh morgen regnen. Vielleicht fahren wir mit dem Telerifico amarillo (einer Kabinenbahn) rauf. Wir haben sie beim Hereinkommen von El Alto gesehen, konnten aber keinen Photostopp einlegen. Mal sehen….

VGB

Bolivien: La Paz

So 14.2.16

In unserem Hotel direkt am zentralen Placa de arma (Hotel de Conde de Lemos) gibt es ein reichhaltiges Frühstück inkl. mit allem, was das Herz begehrt (nur keinen gescheiten Kaffee). Wir nehmen uns noch jeder ein Brötchen mit und sind so für den Tag versorgt. Wir tanken für die letzten Kujampels und ich erhalte 80 Cent Soles zurück.

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Sonnenaufgang am Titicacasee.

Stundenlang geht es am Titicacasee vorbei. Immer wieder sehen wir von Ferne die Urus, die schwimmenden Inseln. Der See ist riesig und ich freue mich über die vielen Blicke aufs Wasser. Wir kommen an der Bolivianischen Grenze an. Eine lange Schlange erwartet mich, weil es keinen extra Ausreiseschalter gibt und gerade ist ein Bus angekommen. Aber es geht erstaunlich schnell und da es auch nicht so warm ist, lässt es sich aushalten. Nur Zettel abgeben, Stempel rein, rüber zur Aduane. Zettel und Pass vorzeigen, die Dame kontrolliert die Fahrzeugnummer am Fahrzeug, stempelt das Papier und wir dürfen fahren.

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Adios Peru, viva Bolivia!

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Was gibt es denn heute Leckeres zu essen, Geflügel? Würg…, aber nicht für uns!

Auf bolivianischer Seite finde ich die Einreise nicht, nur die Aduane. Es ist Sonntag und Mittagszeit. Ich suche irgendjemanden, der mir sagen kann, was sie zuerst haben wollen, erst Moppedeinreise oder erst Personeneinreise. Die Dame von der Aduane ist genervt, weil ich sie beim Handyspielen störe. Aber sie gibt mir die nötigen Auskünfte und ich wechsle auf die linke Seite der Gebäude. Kaum 2 m gegangen, werde ich von einem Köter in der Größe eines Schäferhundes angegriffen. Er springt mir in den Schritt, verfehlt mich aber. Ich drehe mich um und schreie ihn laut gestikulierend an, während ich auf ihn zugehe und versuche ihn zu verscheuchen. Rund herum schauen die Leute nur. Ich weiß mit Hunden umzugehen und er scheint das zu merken. Jedenfalls lässt er sich von mir einschüchtern und hält 1-2 m Abstand. Aber er hört nicht auf zu bellen und so schreite ich noch einmal auf ihn zu, laut brüllend. Jetzt helfen mir einige Männer mit „ksch“-Geräuschen und der Köter lässt von mir ab.

Auch hier gibt es eine lange Schlange vor der Einreise und leider wieder keinen eigenen Ausreiseschalter. Also stelle ich mich hinten an. Aber sicher muss ich wieder irgendeinen Wisch ausfüllen. Wo gibts den? Ich frage vorne nach. Hinter ihm sitzt ein Polizist am Tisch und knurzt. Ich frage ihn nach den Formularen, aber er gibt mir wortlos ein Zeichen, ich habe draußen am Fenster zu stehen. Also gehe ich dorthin und erbitte 2, eins für mich und eins für meinen Mann. Wo der denn wäre. Warum er denn nicht selber danach fragen würde. Er verteidigt die Zettel, als ob sie aus Gold wären.

Aufwendig legt er jeweils einen in den Pass. Er lässt sich auch nicht davon abhalten, als ich danach greife. Nein, diese Zettel müssen IN den Pass. (Die ich dann anschließend raushole und ausfülle – der Doof!) Ich stelle mich wieder an meinen Platz in der Schlange, fülle die Zettel aus und warte. Auch hier geht es erstaunlich schnell. Aber M. muss persönlich erscheinen. Aber er muss nicht in die Kamera blicken. Dafür hat die Dame bei mir einen Stempel auf meinem Zettel vergessen. Zum Glück fällt ihr das noch rechtzeitig ein.

Mit diesem Zettel muss ich zum Kopierer, aber die Läden sind alle zu. Die Dame lässt sich nicht erweichen. Der Einreisezettel MUSS kopiert werden. Irgendwann macht doch einer auf und ich bekomme meine Kopie, obwohl ich gar kein bolivianisches Geld habe. Aber der Typ akzeptiert auch Peruanische Kujampels – dabei hab ich doch nur noch weniger als einen Sol. Aber es reicht. Er nimmt sich das 50 Centstück und ich wackle wieder zur Aduane. Mit meinen Kopien vom Pass, Fahrzeug- und Führerschein geht das dann auch ziemlich schnell. Nur M. muss noch selber unterschreiben und dann dürfen wir fahren. Yeah!

Aber dort an den Bergrändern seit es gar nicht gut aus. Dunkel und man sieht den Regen. Aber vielleicht kommen wir ja trocken vorbei, obwohl die LKW nichts gutes verheißen, die uns entgegen kommen. So erwischt es uns also doch: Bolivien begrüßt uns gleich mal mit einem saftgien Gewitter mit Hagelkörnern so groß wie ein Fingernagel. Hier verpassen wir wohl auch die Ruinen, die wir uns eigentlich anschauen wollten. Aber wir haben wohl das Schild übersehen, jedenfalls sind wir plötzlich in La Paz…

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Ankunft in La Paz

und suchen verzweifelt ein Zimmer. Der Verkehr ist hammerhart. Erschütternd! So wie in Peru nimmt man auch hier keinerlei Rücksicht auf Schwächere. Das ist ziemlich doof. Das erste Hotel hat keine Garage, das zweite zwar Platz in der Garage, kostet aber 560 Bolivianos = 83 Dollar pro Nacht. Das geht doch billiger, aber meine „Zauberfrage“ (Kennen sie ein preiswerteres Hotel?) löst bei ihm keine Preisminderung aus, sondern er erklärt uns tatsächlich ein weiteres Hotel. Aber bevor wir das finden, sehen wir ein Hostal, welches knapp die Hälfte nur kostet. Das nehmen wir dann auch und verschwinden noch einmal Richtung Zentrum, um Bolivianos am Automaten zu ziehen. Erst der 4. spuckt was raus. Es ist wieder 1 Std. später. D. h. es ist abends wieder was länger hell! 🙂

Ich habe mich anfangs seit der Grenze sehr unwohl gefühlt und seit El Alto (eine Stadt vor La Paz) auch richtig Angst gehabt, ob wir hier am helllichten Tag überfallen werden. Überall liegt wieder Müll an den Straßenrändern, Leute lungern herum und zeigen sich sehr interessiert an unseren Moppeds – wie immer dieses Interesse auch geartet ist. Die Leute gehen dichtgedrängt an mir vorbei, denn es ist Markttag. Mir kommen die Leute echt ungeheuer vor. Das hatte ich bisher noch nie auf der Reise. Aber ich sehe, wie Eltern mit Kindern die Straße entlang eilen und beruhige mich etwas. Mehr und mehr fasse ich Zutrauen in die Stadt, wenn auch nicht in den Verkehr. Auch hier gilt das Recht des Stärkeren und Moppeds zählen gar nichts. Hier gibt es auch keine Tucktucks, aber trotzdem das gleiche Chaos wie zuvor in Peru. Die anfänglich unheimlichen Leute entpuppen sich mehr und mehr als normale Familienväter, die herzlichst mit ihren Kindern spielen oder liebevoll durch die Geschärfte, in der Fußgängerzone bummelnd, schieben, wo wir einen Moment lang einem guten Geiger zuhören, dem viele im Vorbeigehen ein paar Münzen in den Kasten werfen.

Es wird auch hier nicht alles so heiß gegessen wir gekocht.

Grüße an die Heimat

Eure B.

Schwimmende Inseln auf dem Titicacasee

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Sa. 13.2.16

5 Uhr morgens, meine innere Uhr sagt „aufstehen“. Das ist selten und kommt nur bei besonderen Gelegenheiten vor und heute ist so eine: Der Tagesausflug mit dem Boot nach Urus, den schwimmenden Inseln aus Schilf beginnt um kurz vor 7 mit dem uns abholenden Bus. Das heißt: Frühstück um 6 und vorher noch Bilder einstellen und mit der family skypen, weil um diese Zeit das Internet schneller ist.

Das angeblich pünktlich um 7 abfahrende Boot wartet auf irgendwen oder -was und fährt erst gegen 8 los. Peruanische Lebensart eben. Dafür musiziert ein Sänger mit Ukulele und Panflöte 2 Lieder zum Zeitvertreib, die Sonne scheint und wir haben ein Speedboot, was die „lahmen Enten“ locker überholt. Ein herrlicher Tag beginnt. Der riesige See liegt friedlich und spiegelglatt vor uns (danke, Petrus!) und von den gestrigen Regenschauern ist nichts mehr zu sehen. Der Führer erzählt von Winden der letzten Tage, der See kann wohl auch anders. Die natürlichen Inseln sind davon betroffen und haben dann schwer zu kämpfen, aber die schwimmenden Inseln sind in diesem Teil des Sees im Schilf geschützt.

20 Jahre ist es ungefähr her, seit ich von diesen Inseln im Fernsehen einen Bericht gesehen habe und ich hätte nie gedacht, dass ich mal auf solch einer stehen würde. Heute ist es soweit. Welch ein Erlebnis. Es ist wie auf Watte laufen, so weich, jedem Schritt nachgebend. Wir besuchen eine Insel, auf der 4 Familien leben. Sie müssen schon sehr gut befreundet sein, wenn sie auf so engem Raum miteinander auskommen. Hier erhalten wir auch eine Miniaturvorstellung des Baus einer Insel. Wir machen eine kleine Bootsfahrt mit einem Schilfboot rund um den Pott (für 10 Extrasoles pro Nase), werden in ein Haus eingeladen (damit wir anschließend ihre überteuerten Arbeiten kaufen) und besuchen 10 min die Hauptinsel, wo es Toiletten, Tee, Schokolade, Bier und einen Stempel in den Reisepass gibt. Seit Monaten schon habe ich kein Twix mehr gesehen, aber ausgerechnet hier auf der schwimmenden Insel gibt es das. Hm – wir schlagen zu und kaufen eins, einen Tee und ein kleines Stück typisches, in Fett gebackenes Brot für 16 Soles = 5 Euro! Egal. Die Leute hier sind auf den Tourismus als einzige Geldeinnahmequelle angewiesen und sie bekommen nur 2 Mal im Monat Besuch, weil die Inseln, auf denen 2000 Menschen wohnen, reihum besucht werden.

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Wie alt schätzt ihr die Frau oben links? Unten links der „Chef“ der Insel

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Die Schilfboote werden mit Plastikflaschen zum Auftrieb gefüllt

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Zum Ausgleich für den Einblick ins Privatleben erwarten die Damen, dass man ihre Arbeiten für teuer Geld kauft

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Der Bau der Insel im Schnelldurchlauf im Miniformat

Dasselbe in grün auf der natürlichen Insel Taquile: Auch hier leben die Menschen von den Einnahmen der mit Booten hingekarrten Besucher. Es gibt 2 „Häfen“ auf der Insel. Die einen Touris landen auf der einen Seite an, die anderen auf der anderen. Jeder Touri muss einmal über den Berg kraxeln. Wenn ich kraxeln schreibe, meine ich auch kraxeln. Es gibt nämlich auf der ganzen Insel keine Pferde, Esel, Autos oder anderen Fortbewegungshilfen, weshalb die Menschen hier so alt werden: Sie müssen täglich den steilen Pfad rauf und runter, leben von dem was sie anbauen (Kartoffeln, Mais, Bohnen, Quinoa) und von den dort lebenden Tieren (Schafe und eine Kuh hab ich gesehen), also sehr gesund.

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Menschen auf Taquile

Es geht wirklich seeeeehr steil den Berg rauf. Für uns, die wir uns seit geraumer Zeit bereits an die Höhe akklimatisieren konnten, ist dies kein großes Problem, auch auf fast 4000 m Höhe nicht mehr. Wir wissen, dass wir langsam und stetig raufgehen müssen. Aber die anderen stoffen gleich los, nur um nach 20 m japsend auf den Steinen sitzend uns passieren lassen zu müssen. Der Führer gibt uns einen Einblick in die Fauna, so dass sich alle wieder etwas erholen können. Wir haben ein Mittagessen gebucht und müssen zum Restaurant hoch. Die einheimische Küche kommt einer Geschmacksexplosion im Mund gleich. Diese Kartoffeln und Gemüse haben einfach mehr natürlichen Geschmack als unsere hochgezüchteten Waren in Europa. Wieder erleben wir die Selbstüberschätzung diverser Männer, die einfach nicht wahrhaben wollen, dass man(n) hier anders agieren muss. Ich mache mir echt Sorgen, weil so manch einer japsend und schwankend vor mir hertorkelt, nur damit er vor mir oben ankommt. Man(n) kann sich doch nicht von einer Frau überholen lassen…

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Jeder der 6 Bögen markiert die Gemeindegrenzen auf der Insel Taquile

Oben angekommen, kommt auf dem Hauptplatz der Musikzug der Insel vorbei: Es ist der vorletzte Tag des Karnevals. Mit Trommeln und Flöten begleitet tanzen die in leuchtend bunten Farben gekleideten Frauen um die Häuser. DAS kann man nur an 5 Tagen im Jahr erleben und wir waren zufällig genau zum richtigen Zeitpunkt hier! Toll!

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Karneval auf peruanische Art

Auf der anderen Seite der Insel geht es wieder runter zum Hafen. So ist gewährleistet, dass jeder Besucher wirklich an jedem Stand der Insel vorbeikommt und jeder Einheimische Gelegenheit hat, Geld zu verdienen. Es ist ein wunderschöner Spaziergang, denn der Führer überlässt jedem in Eigenverantwortung sein eigenes Tempo. Er hält nicht die Gruppe zusammen, sondern verlangt von uns, selber aufzupassen. Richtig so, wir sind schließlich keine kleinen Kinder. Ich genieße diese Freiheit. Es reicht, wenn man am Boot aufeinander wartet.

Leider muss ich dem Schlafmangel und dem frühen Aufstehen der letzten Tage Tribut zollen und so fällt die Bootsrückfahrt der Erschöpfung zum Opfer. Ich bin wohl nicht die einzige…

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Wir lassen den herrlichen Tag bei dem restlichen peruanischen Rotwein von gestern ausklingen.

Auf euch zu Hause, Prost!

VGB

Auflösung des Rätsels: Die Frau auf dem Bild ist 22 Jahre alt. Ich hätte sie locker 10 Jahre älter geschätzt.