Grand Canyon, 2. Versuch am Südrand

Mo. 19.10.15

Es hat fürchterlich gewittert in der Nacht. Ich habe kein Auge zugemacht. Mehrfach kam und ging das Gewitter und war z. Teil direkt über uns. Natürlich hat es auch geschüttet und das Wasser hat sich durch unsere Bodenplane gedrückt. Na egal. Morgens können wir im Trockenen einpacken und die Sonne lugt ein wenig hervor.

Im Laufe des Tages scheint sie kräftig und schnell sind wir bei um die 20 Grad guter Laune, schauen den Little Colorado an (an diesen Aussichtspunkt muss man 200 m hinlaufen, dafür war er umsonst, an den anderen konnte man hinfahren, den musste man bezahlen – hihi, nicht mit uns!).

Der Little Colorado

Der Little Colorado

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Den Lake Powell und den Damm spare ich mir. Ich will endlich den Grand Canyon sehen und das Wetter ist besser, als angesagt. Ich möchte lieber direkt zum Südrand.

Dahin sind es knapp 200 km und wir erhaschen viele schöne Blicke in den Canyon, auch wenn die Felsen nicht so leuchten, weil viele im Schatten der Wolken liegen. Aber das ist egal. Ich freue mich trotzdem.

Der Grand Canyon, unten fließt der Colorado - sonst seit Bau des Dammes klar, nach den letzten Gewittertagen aber rot wie die Felsen

Der Grand Canyon, unten fließt der Colorado – sonst seit Bau des Dammes klar, nach den letzten Gewittertagen aber rot wie die Felsen

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Noch müde von der letzten Nacht nehmen wir nicht jeden Aussichtspunkt in Angriff, sondern nur etwa die Hälfte. Eine gute Wahl wie sich später herausstellt: Wir sind schon um 4 (neuer Arizona-zeit) am Campingplatz, stellen nur eben das Außenzelt zum Trocknen auf, während ich schon den Kaffee mache und koche. O-ton M: Heute mal ein echt frühes Abend essen. Es ist gerade fertig, da fängt es wieder an zu regnen. Schnell alles einsammeln und unter das Zelt zum Essen. Recht gemütlich, so ohne Innenzelt, ist auch richtig viel Platz hier.

Es blitzt und donnert schon wieder. Na vielleicht haben wir dann ja in der Nacht Ruhe, wenn es jetzt schon so früh gewittert.

In diesem Sinne schlaft gut daheim

B.

PS: Nein, wir hatten keine ruhige Nacht. Wir haben schon so viele Male gezeltet, aber so abgesoffen wie diese Nacht, sind wir noch nie. Den ersten Gewittersturm haben wir noch trocken überlebt. Wir hatten auch den Platz gut gewählt, (hier und dort Matsch, da steht das Wasser, wenns regnet, dort kommt das Wasser in Bächen runter…) den einzig möglichen. Wir schauen nach: zwei große Pfützen. Aber der zweite Gewittersturm mit Hagel erwischt uns voll und das Zelt säuft ab. Unter uns, zwischen Zelt und Bodenplane steht 5 cm Wasser, M.’s Seite im Vorzelt steht komplett unter Wasser. Es ist dunkel, schweinekalt und regnet wie Sau (sorry!) und blitzt und donnert, aber wir müssen mit fast nichts an raus, um einen Platz fürs Zelt zu suchen und unsere Sachen sichern. Der Boden ist komplett weiß vor Hagel, überall dicke Pfützen, die man nicht sieht und voll reintappst (barfuß in Badelatschen). Irgendwann nicht mal 10 Uhr abends, sitzen wir wieder im Zelt, in unseren zwar nassen, aber warmen Schlafsäcken und können nicht anders. Wir lachen uns kaputt. Versuchen wir trotzdem etwas zu schlafen. Der dritte Gewittersturm in dieser Nacht ist zum Glück einen km entfernt. Morgens warten wir eine kleine Lücke im Regen ab, um schnell aufzustehen und einzupacken. Natürlich gelingt uns das nicht vollständig. Bei Halbzeit schüttet es schon wieder. Na egal, nass is nass. Schauen wir, dass wir schnell irgendwo einen Kaffee kriegen und uns wieder aufwärmen und etwas abtrocknen – bei unserem Lieblings-Internetprovider!

Land unter

Land unter

Andere Besucher des Campingplatzes

Andere Besucher des Campingplatzes

Ein besonderer Campingplatz am Wegesrand

Ein besonderer Campingplatz am Wegesrand

Grand Canyon – endlich!

So. 18.10.15

Wir frühstücken gemütlich im B&B in Cedar City in einem riesigen, wunderschön – schaurigen Haus (es ist schon jede Ecke für Halloween vorbereitet), wo wir in einem Kingsroom und die Mädels in der trockenen Garage residierten. Es war gestern einfach zu nass und kalt. Wir hatten keine Lust fürs Zeltaufbauen.

Cedar Break - National Monument bei Cedar City

Cedar Break – National Monument bei Cedar City

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Bei Sonnenschein fahren wir los Richtung Grand Canyon. Heute soll ich ihn endlich zu sehen bekommen. Lange träume ich schon davon!

Wir wollen an den Northrim vom Grand Canyon, weil der nicht so überlaufen sein soll wie der Südrand. Aber wie gestern auch, so wird es schwarz und schwärzer, je näher wir kommen. Nass und durchgefroren will Mister Hundertprozent am Eingang nicht nur den Jahrespass der Nationalparks UND den Ausweis von M. sehen, sondern auch MEINEN, der natürlich in der Innenjacke steckt. 3 mal frage ich nach, ob er den wirklich sehen muss, ob ich wirklich alles ausziehen muss, ich wäre immerhin nass und mir wäre kalt. Yes. Sein Permanentgrinsen möge ihm im Halse stecken bleiben. Dieser Idiot. Er hatte anscheinend Langeweile, denn außer uns war keiner da.

Endlich am höchsten Aussichtspunkt angekommen! Wirklich keiner da, wir sind allein, auch wenn dort 2 Autos stehen. Schnell Moppeds abstellen und an den Rand und ….

….

…. nichts! Ich sehe NICHTS!!!

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Es regnet waagerecht und der Wind pfeift fürchterlich bei ganzen 7 Grad. Um mich herum ist alles klar zu erkennen, aber zu meinen Füßen nur weiße Milchsuppe! Es ist zum Verrücktwerden, zum Heulen. Ich bin maßlos enttäuscht. Eines meiner Highlights auf der Reise – und ich verpasse es. 3 mal latsche ich zurück um mich zu überzeugen, dass immer noch nichts zu sehen ist. Nein, die Wolken drängen von unten nach oben, angetrieben vom Wind. M. will mich trösten und am Grand Canyon Willkommen heißen. Aber es fühlt sich nicht so an, als ob der Canyon mich willkommen heißt und außerdem ist M. klatschnass und es blitzt und donnert. Nein danke! Un nu?!

Nu fahren wir zum Visitorcenter, etwas abtrocknen, aufwärmen und Bilder anschauen, was wir denn sehen würden, wenn wir was sehen könnten. Die Nuss hinterm Tresen heißt uns mit folgenden Worten „Willkommen“: Let me tell you, that we are closing in a cuple of minutes.“ Kein „Hello“, kein „How are you“ oder „(How) Can I help you?“ Nur: Wir schließen gleich! Mein „Na, das wäre ja auch zu schön gewesen“ lässt sie irritiert drein blicken, vor allem, weil ich ihr Lächeln nicht erwidern mochte. Hat hier denn gar keiner Mitgefühl? Anscheinend kennen die hier Motorradfahrer nur im Sonnenschein in Harleymontur. Zum Dank machen die über uns einfach das Licht aus und schließen alles vor unserer Nase ab.

Na, dann ist es ja kein Wunder, dass der Tourismus am Nordrand vorbei nur zum Südrand läuft, wenn hier alle so „einladend“ sind.

Der Regen hat aufgehört und die Wolken erlauben hier und da wenigstens einen kleinen Ausblick auf die Landschaft.

Da für morgen schon wieder dasselbe Wetter angesagt ist, lohnt es auch nicht. morgen wieder zu kommen. Schon wieder MIST!

In der Hoffnung auf bessere Sicht VGB

Bryce Canyon Nationalpark

Sa. 17.10.15

Wir kriegen das Zelt noch trocken eingepackt, aber dann fängt es an zu regnen und hört einfach nicht mehr auf. Irgendwie ist an diesem Morgen der Wurm drin. Ich erinnere M. 2 mal an Dinge, die er auf der Erde vergessen hat einzupacken. Ein drittes Mal mag nicht nicht, das ist vielleicht doch zu schulmeisterlich. Vielleicht hätte ich es tun sollen, denn M. schmeißt zu allem Überfluss beim Losfahren sein Mädel hin, wobei seine Kamera eine Flugstunde gratis erhält. Das fast neue Objektiv, welches wohl vermutlich bald ersetzt werden muss, gibt es nicht ganz so billig. Mist. Die Laune ist im Keller. Im Vorbeifahren finden wir ein Internetcafe. Prima, wir waren schon fast eine Woche nicht mehr on….

Nach ausgiebiger Kaffeepause fahren wir zum Bryce Canyon NP. Pünktlich fängt es wieder an zu schütten. Es ist zum Mäusemelken. Es wird immer schlimmer, je näher wir dem NP kommen. Ich gebe auf. Ich bitte M. umzudrehen und aus dieser schwarzen, düsteren Suppe herauszufahren. Er war ja schon mal da und ich dann eben nicht.

Statt dessen sehen wir den Red Canyon

Red Canyon mit 2 Türmchen, die wohl im Bryce zu hunderten zu sehen sein müssen.

Red Canyon mit 2 Türmchen, die wohl im Bryce zu hunderten zu sehen sein müssen.

und M. erzählt mir, was ich im seiner Meinung nach schönsten NP verpasst habe. Ein Internetbild bestätigt dies zwar, lässt sich aber eben nicht ändern.

Wir hatten die letzten 5 Wochen herrlichstes Wetter, da darf man sich eigentlich nicht beschweren, auch wenn wir uns gewünscht hätten, dass der Regen an einem langweiligen Streckemachen-Tag gekommen wäre.

Morgen soll das Wetter ähnlich schlecht werden, es lohnt also nicht, morgen noch einen Versuch zu starten. Schade!

VGB

Hole in the Rock

Fr. 16.10.15

Der Wecker klingelt um kurz vor 7, es ist noch dunkel, denn die Sonne geht erst in einer halben Std. auf. Es gibt einen schnellen Kaffee bei Morgenrot und den Rest von gestern Abend. Punkt 9 sitzen wir auf dem Mopped, Wir sind nicht die ersten, denn wir haben schon früh einen Moppedfahrer starten hören. Gemeinsam ist der Tiefsand schnell gemeistert – keiner ist gefallen, wie im Lehrbuch mit Füße paddeln langsam durch. Puh! Haste gedacht, das wars jetzt. Pustekuchen! Das war erst der Anfang von nervenzehrendem Knuspern. Der Tiefsand ist zwar nicht mehr 30- 40 cm tief, aber immer noch 10 – 15 cm. Und das Kilometer um Kilometer! Es hört nicht auf. Bei 10 km/h und noch 50 zu fahrenden km dauert das 5 Std – WENN ich denn fahre! Andauernd schlägt der Lenker und das Hinterteil keilt aus. Ich bin am Ende meiner Nerven und heule. Ich halte das nicht aus. M. liest mir die Leviten. Wir MÜSSEN heute noch zurück, weil wir nicht genügend Wasser mehr haben (uns fehlen seit letzter Nacht 2 Trinkwassserflaschen! Etwa geklaut?)  Wer wollte noch mal unbedingt dahin fahren???

O-Ton M.: „Entweder du sagst jetzt, du schaffst das, oder wir fahren SOFORT zurück! Hörst du, SOFORT!!!“

Ich komme mir vor, wie die Jugendliche auf youtube: – Ich will aber! – Du kannst aber nicht! – Ich will aber! – Das geht aber nicht! – Warum? – Weil, da is Sand! – Ich will aber!….

Recht hat M. Mit jedem einzelnen Wort. Aber ich will dieses verd… Sch…. drecks… Loch sehen!!! Da, wo die Mormonenpioniere mit ihren Pferdewagen runter gedonnert sind.

Eine Entscheidung muss her: Ok, ich versuche es noch eine halbe Std lang (in der Hoffnung, dass der Weg irgendwann doch besser wird.) Wenn das nichts gibt, drehen wir um. Ok, also weiter!

Da kommt uns ein Moppedfahrer entgegen. Martin aus D-land, heute morgen so früh gestartet und schon am Hole gewesen. Nein, der Weg ist nicht ständig so sandig, aber ab und an, aber nur recht kurz. Zwischendrin ist er fester. Hoffnung keimt auf.

Hole-in-the-Rock-Road, ein ruhiger Abschnitt

Hole-in-the-Rock-Road, ein ruhiger Abschnitt

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Lächeln....

Lächeln….

Mutig gehts weiter. Es stimmt, der Weg bleibt zunächst viele km so sandig, wird aber zunehmend steiniger und felsiger. Auch die Auf- und Abfahrten werden steiler, gespickt mit losen dicken Steinen oder großen Steinplatten. Eine sandige Steilabfahrt mit Kehre und dicken Steinen und Stufen schaffe ich irgendwie heil runter. Wie ich hier wieder rauf kommen soll, weiß ich nicht. Aber das überlege ich mir, wenn ich wieder zurück fahre. Die stufigen Steine werden immer mehr, mit Vorliebe in steilen Stücken. Aber das kann ich ja nun mittlerweile ganz gut – Dank Jeff! (Hier ist Level 5 und ich hab ja noch eins in Petto ;-)….) Ich suche bewusst die Rumpelei über die Steine, denn da ist es fest und hiermit kenne ich mich gut aus. Ich fahre voraus, damit mich M. ggf. aufsammeln kann. Ist aber nicht nötig. Statt dessen bekommt er frei Haus „Tipps“ wie er es besser machen kann. So z. B. bei einer Steilauffahrt mit stufigen Felsenplatten. Ich bin zu schnell, die Maschine springt zwei mal kreuz und quer. Ich kann sie abfangen und ohne Abwürgen nach oben bugsieren. M. geht das ganze etwas langsamer an und so klappt es bedeutend besser.

Irgendwann sind wir doch da. Es ist halb 12. Nur kurz schauen wir uns das Loch an und bestaunen die unwegsame Landschaft, durch die die Pioniere durchgerumpelt sind. Durch das Loch klettern wir ein kleines Stück hinunter, während unten der Colorado in leuchtendem Blau herauf grinst. Hier soll ein vollgeladener Wagen durchgepasst haben? Vorne Pferde? Hinten 10 Männer am Seil die sich gegen das Abstürzen stemmen? Die Armen! Allesamt! Unvorstellbar. Noch ein paar Bilder und auf, auf! Wir müssen zurück!

Hole-in-the-Rock. Hier sind die Planwagen runter geschafft worden

Hole-in-the-Rock. Hier sind die Planwagen runter geschafft worden

...bis runter an den Colorado River. Heute ist dort der Lake Powell.

…bis runter an den Colorado River. Heute ist dort der Lake Powell.

Zurück geht es bedeutend leichter, denn jeder Meter im Sand heißt auch, wieder einen Meter in Richtung Ausgang! Langsam klettern wir in Schrittgeschwindigkeit die stufigen Steilhänge wieder runter. Das haben wir ja am Engineerpass gelernt. Manches Mal wundere ich mich über mich selbst: Hier bist du eben hochgefahren? Das hatte ich gleich wieder verdrängt vor lauter Konzentration der nächsten Schwierigkeiten. Die kurzen Sandstücke dazwischen versuche ich ohne Schlagen und Auskeilen zu meistern, erst mit beiden Füßen unten, dann wenigstens mit einem Fuß auf der Raste. Jep, klappt gut. Etwas schneller im 1. Gang mit beiden Füßen oben, nur geradeaus (und mit Luftanhalten)? Ja, geht auch. Vielleicht auch mal im 2. Gang, der Sand ist doch nicht so tief. Es wird besser und besser, je länger die Sandpassagen dauern. Wenn grade fester Untergrund ist, überlege ich fieberhaft, wie ich das eben runter gefahrene Knusperstück wieder rauf komme. Sandige Stufen mit Kehre am Lenker hängend, ist keine gute Idee, da das Vorderrad zu leicht wird. Da tänzelt das Vorderrad hin und her und macht was es will, weil ich wegen des Tankrucksacks nicht weit genug nach vorne komme. Der muss nach hinten, auch wenn dann das Gewicht hinten noch mehr wird. Einige steinige Steilhänge habe ich noch Zeit zum Üben. So geht es viel besser, trotz Gewicht hinten. Da ist der Sandberg. Im Sitzen langsam gerade nach oben bis in die Kehre, fast an die Wand. Dort auf die Füße, über die dicken Steine am Rand langsam drehen und mit mehr und mehr Gas den Steilhang rauf. Yeah!!!! Oben! Obwohl der Sand immer mehr wird, mein Herz immer ruhiger.

Irgendwann fahre ich die kilometerlange Tiefsandstrecke völlig allein. M. ist schon seit langem unsichtbar abgerauscht. Er braucht mehr Speed, wenn er im Stehen drüber bügelt. Ich mach lieber hösch! Ich hab heute Waffenstillstand mit dem Sand geschlossen. Den will ich nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Irgendwann komme ich um die Kurve gezockelt und M. räkelt sich im Sand und gähnt, während sein Mopped auf der anderen Seite steht. Ohne Kamera? Hä?

Ach ja! Wir sind wieder an der dicken Tiefsandstelle, die schlimmste des ganzen Weges. Ach, hab ich gar nicht gemerkt, dass wir schon hier sind. Der Herr wünscht, dass ich vorfahre und seine Fahrt auf Video aufnehme. Okee, dann fahre ich halt vor. Langsam im 1. Gang, mit paddelnden Füßen bis hinten hin. Es sind eh keine Nerven mehr da, die sich aufregen könnten. Wenn M. sagt, ich soll da durchfahren, dann fahre ich halt jetzt da mal durch. Ich hab heute eh mein Seepferdch… äh… „Sand“pferdchen gemacht. Ich stelle mein Mopped an der Seite ab und hole die Kamera heraus, mache sie an und gebe das Zeichen. Es dauert 3 Sekunden, da macht er plopp! Zack, er liegt im Sand.

kurz vor Schluss: das berüchtigte Tiefsandloch

kurz vor Schluss: das berüchtigte Tiefsandloch

So geht Tiefsandfahren - gaaaanz vorsichtig...

So geht Tiefsandfahren – gaaaanz vorsichtig…

Da ackert der Arme den ganzen Tag lang, damit ich nicht genau dort lande, und dann – kurz vor Schluss – passiert es ihm selber. Er wollte es zu schön für den Film machen.

Schnell ist sie aufgehoben und er paddelt durch. Danach noch eine halbe Std. für die restlichen 20 km. auf losem, sandigen Schotter zurück bis zur Straße (gestern haben wir dafür doppelt so lange gebraucht.) Wir fliegen im Stehen bei 50 – 60 km/h nur so über die Waschbretter immer der geteerten Straße entgegen.

An der Tanke merke ich dann deutlich die Anstrengungen dieses Tages. Es ist nichts mehr Lösung mit mir. Es fällt mir schwer, 6,14 $ zusammen zu legen. Ich muss jeden Gedanken einzeln erzwingen. Es reicht für heute.

Hier im Westen gibt es skurrile Typen - Der Desert Doctor - die einzige Motorradwerkstatt in 200 Meilen Umkreis

Hier im Westen gibt es skurrile Typen – Der Desert Doctor – die einzige Motorradwerkstatt in 200 Meilen Umkreis

Ein Eis zur Belohnung, noch eine halbe Std. einen Zeltplatz suchen und kaltes Abendessen mit Chips und Rotwein!

Bei der Arbeit

Bei der Arbeit

Da nehmen wir doch lieber das Zelt

Da nehmen wir doch lieber das Zelt

Der Wettergott hat es gut mit uns gemeint, und den Regen erst bei Dunkelwerden gebracht. Deshalb hat die Sonne nicht so geknallt und es waren nur wenig Leute unterwegs, so dass wir die meiste Zeit die komplette Straße zur Verfügung hatten und uns unseren Weg suchen konnten.

Danke! Der Schutzengel hat wieder guuuuut aufgepasst!

Auf dass eurer genauso gut aufpasst, eure B.

Capital Reef

Do 15.10.15

Wieder ein Nationalpark. Es gibt so viele und jeder ist wunderschön. Dieser zeichnet sich durch Schluchten aus, die unten durchfahren oder durchwandert werden können und der Sandsteinfelsen leuchtet in allen Farben: von weiß, gelb, beige, braun, Schokoladenbraun, grau und rot, ja sogar blau haben wir gesehen. Man sieht die unterschiedlich alten Erdschichten sehr deutlich. Es sieht aus wie mit einem dicken Pinsel angemalt. Und überall die mit gleichförmigen Ornamenten bestückte Säulen, wie vom Steinmetzmeister höchstpersönlich behauen. Wir fahren stundenlang durch die kurvigen Sträßchen.

Schmaler Canyon im Capitol Reef N.P.

Schmaler Canyon im Capitol Reef N.P.

Hier geht es (leider) nur noch zu Fuß weiter...

Hier geht es (leider) nur noch zu Fuß weiter…

Schnick Drive im Capitol Reef N.P.

Schnick Drive im Capitol Reef N.P.

Caitol Reef N.P., die alte Schule in Fruita

Caitol Reef N.P., die alte Schule in Fruita

So sieht es von innen aus.

So sieht es von innen aus.

Wir wollen die offroad-Abkürzung Richtung Escalante nehmen. Sie ist im 2. Teil nur für 4-wheeler vorbehalten. Sandig und schmal kurvt der Weg so vor sich hin. Uns kommt ein dicker Pick-up entgegen. Ach, DAS soll wohl das richtige Fahrzeug für diesen Weg sein! Natürlich erwartet er, dass ich mich in den Graben schmeiße oder wenigstens in den Tiefsand ausweiche. Aber ich habe eh schon genug damit zu tun, die Fuhre aufrecht zu halten, so dass er großzügig in die Sträucher ausweicht. Wenig später sehen wir dann auch, warum er uns entgegen kam. Er hatte wohl auch keine Lust durch die Furth: Nicht sehr tief, aber schnell fließend mit dicken Steinen. Es gibt eine Spur dadurch, genau einen Reifen breit. Hier kann man Blickführung üben! Auf der einen Seite rechts mit Tiefsand rein und auf der anderen Seite links mit Steinen und Sand raus. Neben der Furth ist alles easy, normaler Schotter, aber da kommen wir nicht hin… Ob ich über den Tiefsand überhaupt die Spur treffe, wage ich zu bezweifeln. Voll aufgerödelt blasen wir lieber zum Rückzug und außen rum über den Umweg Straße.

Ein Original Ford-T-Modell von 1927, 50 km/h Spitze (bei Rückenwind und Polizei im Nacken)

Ein Original Ford-T-Modell von 1927, 50 km/h Spitze (bei Rückenwind und Polizei im Nacken)

Herbstimpressionen am Highway 12

Herbstimpressionen am Highway 12

Ausblick am Highway 12

Ausblick am Highway 12

Endlich in Escalante angekommen. ist Einkaufen angesagt. Es gibt natürlich nur einen kleinen Supermarkt mit Labberbrot, Fuschkunstkäse und Fleischwurst in merkwürdiger Färbung. Salami ist out. Dafür Milch in kleinen Gebinden. 2 Flaschen bitte, für Cappuccino heute und für morgen früh!.

Wir holen Infos über den Trail zum Hole in the Rock beim Visitorcenter und fahren dann dorthin schon mal los, damit der Weg am nächsten Tag nicht so lang ist. Der Weg ist breit, zunächst mit dickem Schotter bedeckt, aber mehr und mehr sandig und vor allem Waschbrettpiste von allerübelster Sorte! Es soll mittendrin eine Tiefsandstelle geben. Wir fahren trotzdem. Vielleicht gibts für Moppeds ja eine schmale Spur in der Mitte – natürlich nicht. Diese Sektion ist nicht lange, nur 50 m – aber eben tief. Es ist schon spät, bald geht die Sonne unter. Verschieben wir doch diesen Adrenalinschub auf morgen! Erstmal! Wir fahren ein kleines Stück zurück und bauen unser Zelt auf, trinken Kaffee, kochen Abendessen und stellen fest, dass der von uns ausgesuchte Platz wohl sehr bekannt und beliebt unter den Leuten ist. imageAndauernd fährt ein Auto suchend umher. Bis um halb 11 stehen 5 Autos um uns rum. Mist. Nix mit Ruhe! Aber wir wollen morgen schon früh los, weil Regen angedroht ist. Vielleicht schaffen wir diesen Weg hin und zurück, bevor der Regen anfängt. Und vielleicht revanchieren wir uns morgen früh dann durch unser Klappern bei den anderen ;-)…

Gute N8 B.

Ureinwohner – Monument Valley – Goosenecks

Mi, 14.10.15

Wir fahren vom Mesa Verde Nationalpark Richtung Monument Valley. Da ich morgens mit allerlei gesundheitlichen Problemen zu kämpfen habe, brauche ich entsprechend viele Pausen und für alles doppelt so lang. Wir schaffen es bis kurz hinter Cortez. Campingplatz oder Wild? Wenn es ein Plätzchen gibt, lieber wild, aber hier sind die kargen Ebenen alle eingezäunt. Plötzlich hören die Zäune auf. Prima, schnell ist abseits der Piste was gefunden, auch wenn die trockenen stacheligen Sträucher überall ziemlich nerven. Wir lassen lieber die Stiefel an. Wir stehen nicht lange, da biegt ein Auto in unsere piselige Straße ab, hält an und lässt die Scheiben runter. Zwei Männer offensichtlich indianischen Ursprungs grüßen freundlich und beginnen einen netten Smalltalk. Sie erkundigen sich nach unserer Herkunft und was wir so vorhaben. Wir erkundigen uns auch nach ihnen und sie erzählen, dass sie aus  Cortez von der Arbeit kommen und jetzt nach Hause fahren. Der eine wohnt direkt hinter dem Hügel. Das Haus kann man gegen die Sonne aber gerade nicht sehen. Oh – dann stehen wir gerade auf seinem Grund? Well, ja, aber das stört ihn nicht. Wir fragen nach, ob wir tatsächlich auch die Nacht hier verbringen dürfen, und er erlaubt es uns. Prima! Dann kann ja nix schief gehen. Der Fahrer kommt bald zurück, fragt nach, ob wir alles haben oder etwas brauchen. Dort hinten gäbe es ein Wasserloch – echt nett – aber wir haben alles, danke! Er erzählt, dass er oben auf dem Berg dort wohnt und seine Schwester dort hinten, wo das Licht brennt.

Im Indianerreservat - mit Erlaubnis des Besitzers

Im Indianerreservat – mit Erlaubnis des Besitzers

Anscheinend sind wir mit Überschreiten der Landesgrenze hinter Cortez von Colorado nach Utah auch im Indianerreservat gelandet. Alle naselang kommt jemand vorbei, ein Auto, oder ein LKW, und natürlich auch wieder zurück. Wir sind wohl eine Attraktion und jeder muss mal schauen, was da abgeht. Aber das stört uns nicht. Wir hatten den dollsten Sternenhimmel, wolkenlos am Tag und genauso bei Nacht. Die Milchstraße ist deutlich zu erkennen, der große Wagen, Cassiopaya (Hinmels-W), später auch der Orion und die Pleaden. Und wir mittendrin, eingerahmt von Bergen. Welch ein Panorama, welch ein Strahlen am Morgen danach.

Ein schneller Kaffee am Straßenrand - so zwischendurch

Ein schneller Kaffee am Straßenrand – so zwischendurch

Weiter gehts, wir landen in Bluff – M. will schnell ein Photo machen und ich nur eben schnell einen Klo suchen…. Gaaaanz schlechte Entscheidung, Meister! Das war der teuerste Klobesuch der ganzen Reise!!! Wo gibts immer einen Klo? Im Visitorcenter. Was ist IMMER im Visitorcenter? Andenkenshop und Mitbringsel – Sorry, aber alleingelassen konnte ich einfach nicht widerstehen. Eine Kette mit königsblauem Lapislazuli, hellblauem und weißen Steinen, deren Namen ich vergessen habe, mit Silber, hergestellt von Nativepeople. Sie bieten mir an, den Film über die Entstehung des Ortes und die Pioniere anzuschmeißen. Aber ich muss erst M. einfangen. Er findet mich anscheinend nicht. Zurück bestaunen wir die kleinen Hütten, die die Pioniere damals für sich und 7 – 10 Kinder hatten, Pferdewagen und Ausrüstung. Sehr nett gemacht. Dort steht ein altes Klavier. Auch hier kann ich nicht widerstehen und frage… Liebe Om, das war die Uraufführung deines „Ohne Worte“ in Amerika! Im Film erfahren wir von dem „Hole in the Rock“, den die Pioniere damals genutzt haben, um einen Weg in die Schlucht, über den Colorado River und auf der anderen Seite wieder hoch zu finden und eine Straßen zu bauen . Genau dieses Loch möchte ich gerne sehen. Wohl nicht durchfahren – das wäre sehr vermessen – aber mit eigenen Augen sehen, wie steil das ist. Es ist gar nicht so lange her. Die letzten Pioniere sind gestorben, als wir geboren wurden.

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Die damalige Schmiede - er hatte viel zu tun, Wagen, Pferdehufe, Werkzeug...

Die damalige Schmiede – er hatte viel zu tun, Wagen, Pferdehufe, Werkzeug…

Wir fahren zum Monument Valley.

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Es ist eine Touristenattraktion und es geht in einer langen Autoschlange durch den Loop. Die meisten sind in Leihautos unterwegs und nicht offroad-erfahren. Das merkt man deutlich. Für uns zu langsam, wird der nicht tiefe Sand und die leichten Felsenstufen doch erheblich einfacher mit etwas mehr Geschwindigkeit. In der untergehenden Sonne haben wir schnell alles gesehen, ich mag das eh nicht, wenn die Horden laut plärrend um einen herumschlawenzeln und saublöde Fragen stellen. „Did you ship them over?“ Nein, wir sind durch den Ozean gefahren! Auf dem Campingplatz hier sollen wir die Moppeds oben lassen und alle Sachen runter zum Zeltplatz schleppen. Die haben wohl den Knall nicht gehört. Jede Wasserflasche? Essen? Kochgeschirr, Benzinflasche, Zelt, Schlafsack, Matratze, Zahnbürste, Kleidung…? Das halbe Moppedgepäck runter schleppen? Dafür 20 Dollar? Oder das doppelte für einen RV-Platz in der Reihe…???? Danke, anscheinend möchten sie kein Geld verdienen. Sie denken, wir hätten keine Alternative? Doch haben wir! Schnell ist eine gefunden. Wunderschön und völlig umsonst. Ätschibätsch!

The Mexican Het - unsere wunderschöne Campingalternative - völlig umsonst!

The Mexican Het – unsere wunderschöne Campingalternative – völlig umsonst!

Nach einer ebenso herrlichen Sternennacht und einem ebenso herrlich strahlendem  Morgen fahren wir zu den Goosenecks.

Die Goosenecks - (Übersetzung: Gänsehälse)

Die Goosenecks – (Übersetzung: Gänsehälse)

Die Felsen, die der San Juan River übriggelassen hat, sehen tatsächlich aus, wie Gänsehälse. In ca 5-6 Kehren schlängelt sich der Fluss durch das Sandgestein und gräbt sich mehr und mehr ein.Der Stadtpark verlangt eigentlich 5 $ pro Vehikel, aber es ist keiner da. So quatschen wir völlig umsonst mit anderen Touristen.

Weiter gehts zu den Natural Bridges.

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Mittlerweile brennt die Sonne bei knapp 30 Grad. Wieder gibt es nirgends Schatten. Seit Tagen haben wir keine Bäume gesehen, nur Dornengestrüpp und kahle Berge, die allerdings wunderschön und wie angemalt aussehen. Wir machen uns auf zum nächsten „Ort“. Der ist aber 150 km entfernt und mir brennt dir Birne weich, obwohl ich dauernd trinke. Das Monument Valley ist nur ein kleiner Teil von dieser grandiosen Wüstenlandschaft. Dies stellen wir auf dem Weg nach Hanksville fest. Hinter jeder Kurve eine neue Reihe der von Erosion übrig gebliebenen Bergreihen, übersäht mit Skulpturen, Ornamenten, Figuren, Gesichtern oder sonstigen von der Natur geschaffenen Gebilden. Kurz vor Capitol Reef (ein weiterer Nationalpark) suchen wir uns ein Schlafplätzchen. Auf dem Weg zum Cathedral Valley wären wir fast in der Furth gelandet. Aber der Fluss fließt schnell und ist am Eingang sandig und trübe. Man muss 10 m den Fluss runter fahren und dann auf der anderen Seite wieder raus. Das Ufer ist dicht bewachsen, man sieht nichts.

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Wir haben keine Lust, die Stiefel zu fluten, denn er sieht doch tief aus. Nur für einen Zeltplatz? Nein danke, da bleiben wir lieber gleich hier. Andere Autofahrer erhoffen sich von uns dieselben, heiß ersehnten Infos, dass wir von drüben gekommen sind. Nö, unsere Moppeds sehen immer noch ungewaschen aus. Sorry, aber da müsst ihr schon selber durchwaten…

Bis bald VGB

Unter Geiern - im wahrsten Sinne - haben wir geschlafen.

Unter Geiern – im wahrsten Sinne – haben wir geschlafen.

Diese 335 m hohe Steilwand mussten hoch ( Moki Dugway)

Diese 335 m hohe Steilwand mussten hoch ( Moki Dugway)

Nachtrag: Auf dem Shafertrail - M. bei der Arbeit ;-)

Nachtrag: Auf dem Shafertrail – M. bei der Arbeit 😉

Mesa Verde

Mo 12.10.15

Schon wieder Feiertag hier. Alle Sonntagsfahrer und Trödler sind in den Kurven und geben auf den Geraden Gas. Grrrr! Es ist herrliches Wetter, nicht zu heiß, wolkenlos sonnig. Der Parkranger erklärt uns noch einmal die Bedeutung von einer doppelten gelben durchgezogenen Linie und überprüft dies auch wenige Kilometer später hinter uns, ob wir einen Megatrödler nicht doch überholen. Aber wir haben ihn gesehen, beißen in den Lenker und warten eeeeewig, bis endlich diese blöden Striche auftauchen. Bähhhh!!!!

Mesa Verde war für mich enttäuschend. Die meisten der Felsenhäuser sind gesperrt und nur von Aussichtspunkten aus der Ferne zu sehen. Die einzige zu „besichtigende“ Häuserzeile ist halb wegen drohendem Steinschlag gesperrt und den hinteren Rest darf man wegen archäologischen Arbeiten nicht betreten – und bitte nicht die Wände berühren. Denn die sind ja so schön hergerichtet. Da hätte ich mir den km Fußweg in der prallen Sonne auch sparen können und ein Bild im Internet ansehen können. Das meiste ist eh nicht alt, sondern nachempfunden, so wie die Leute heute meinen, dass es vielleicht damals gewesen sein müsste. Die alten Photos von den Fundstätten zeigen, was wirklich gefunden wurde und was wirklich alt ist.

Na gut. Fahren wir weiter zum nächsten schönen Plätzchen. Es gibt ja genug davon in diesem riesigen Land.

Bis später B.

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der Weg in eine Kita - eine Erd"wohnung"

der Weg in eine Kita – eine Erd“wohnung“

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Vorsicht, giftig ;-)

Vorsicht, giftig 😉