Abenteuer nicht auf dem Mopped

Fr. 4.9.15

Herrlich!!! Sonne!!! Warm!!! See und drin badende Kinder…. Heute morgen waren es 2 ganze Grad plus! in Worten: Zwei!!! Jetzt sind es 19 und wir liegen in der Sonne, holen etwas Schlaf nach und vertrödeln die Zeit. Irgendwann lässt uns Kindergeschrei, das an uns vorüberzieht, aufmerken … und die ganze Meute auch wenig später wieder zurück. Ein Kindergeburtstag! M. nickt zustimmend: „Hm, und das wird auch nicht das einzige mal bleiben“ . Stimmt. Als die Wasserpistolen ausgepackt werden, ist es Zeit, das Weite zu siechen, ehe wir zwischen die Fronten geraten. Vorher entledigen wir uns noch zwei Lagen Klamotten und wollen über Houston nach Lake Fraser. Das sind nur ca 200 km entfernt, die sitzen wir auf einer A.backe ab 😉

Aber ich wollte euch doch von den Abenteuern erzählen: Wir sind in den letzten 2 Wochen vor dem Winter geflohen, haben soviele km wie möglich nach Süden abgenudelt. Das hat den netten Effekt, dass es hier tatsächlich meist wärmer ist – zumindest tagsüber – und die Wälder noch nicht so herbstlich gefärbt sind. Aber es hat noch einen weiteren Effekt, den ich nicht auf dem Schirm hatte und der uns gestern zum Verhängnis geworden ist: Es ist hier sehr viel früher dunkel – und zwar schon um 9 Uhr abends. Nach dem Einkaufen und dem Kaffeetrinken bei MCD mussten wir erst noch einen Campingplatz finden. Wir dachten, da wären hier gleich 2 zur Auswahl. War aber nicht so. Wir finden keinen und plötzlich bricht die Dunkelheit rein. Wir wollen wenigstens einen Rastplatz nehmen, die Schilder zeigen, rechts abbiegen, links, abbiegen, 2 km hier entlang, 2 km da entlang, aber nix finden wir. Wir fahren in irgendeine Seitenstraße (ungeteert rein). Die Abzweigungen führen immer zu irgendwelchen Privathäusern, bis ganz zum Schluss ein Wendeplatz erscheint. Sackgasse. Na, dann bauen wir eben hier das Zelt auf. Gesagt, getan. Ich warte schon darauf, bis irgendeiner nachschauen kommt, weil unten Hundegebell zu hören ist. Aber es kommt keiner. Mit schlechtem Gewissen ob des Wildcampens koche ich im Dunkeln mit Stirnlampe 10 m weiter – der Bären wegen. Vielleicht sind die ja auch hier in der Gegend. Unseren Müll und die Kochtöpfe lagern wir in der wasser- und luftdichten Ortliebrolle. Alle Essensrest gut im Alukoffer verstaut. Aber ich traue mich nicht, mein Mopped damit 10 m weiter weg zu stellen. Nicht, dass sich die Besitzer daran aufregen und uns doch noch wegjagen. Es wird zu kalt, den Nachtisch gibts im Zelt. Die Nacht verbringe ich mehr schlecht als recht, höre ich doch die Wölfe aus drei verschiedenen Richtungen jaulen. Oje, auch das noch. Die sollen doch eigentlich noch scheuer sein als Bären. Aber um halb 7 scheuche ich M. aus dem Zelt nachschauen, ob Bären da sind. Nee, keiner da. Glück gehabt. Wir fangen an Kaffee zu kochen. Da kommt der Nachbar mit Hund und Machete auf uns zu. Er wollte eigentlich nur Gassi gehen und bot uns gleich einen Kaffee an. Dankend lehnen wir ab, haben wir unseren fast fertig, aber das Angebot zu spülen nehmen wir gerne an. Wir kommen nett ins Gespräch und er sagt, dass hier ständig „all the time“ Bären sind, er beruflich damit zu tun hat, aber wenn wir kein Essen im Zelt hätten, wären die Bären eigentlich nicht auf Ärger aus. Also alles richtig gemacht. Übrigens wären hier Wölfe ungewöhnlich, aber vielleicht hätten wir Kojoten gehört? Stimmt, das Heulen war irgendwie anders. Also Kojoten, die gehen normalerweise nicht auf Menschen, reißen „nur“ Hunde.

Patrick, der nette Nachbar mit dem wunderschönen Haus mit Seeblick vom Sessel, der über die "Wölfe" aufklärte

Patrick, der nette Nachbar mit dem wunderschönen Haus mit Seeblick vom Sessel, der über die „Wölfe“ aufklärte

Wir wärmen uns gerade am Kaffee – wie gesagt 2 Grad, und alles an was geht – da kommt der zweite Nachbar mit Hund vorbei. Auch mit ihm kommen wir nett ins Gespräch als er plötzlich auf die schwarze Ansammlung dort hinten in 200 m Entfernung hindeutet. Oh shit, Bären. „I think it’s a mother with her cubs, maybe two or three“. Es war eine Bärenmutter mit ihren 3 (!!!) kleinen Bären. M. stürzt sofort auf die Kamera. Ein Kleines versucht den Telegrafenmast hochzuklettern. Keine gute Idee, er solle lieber einen Baum nehmen. Sie tollen herum, die Mutter kommt näher und näher. Hm… vielleicht sollte ich mal den Motor anmachen. Nix passiert. Aber der Nachbar meint, er müsse nun zur Arbeit und er schreitet forschen Schrittes laut seinen Hund rufend auf die Bären zu. Tatsächlich. Sie verkrümeln sich. Sie suchen keinen Ärger, wollen lieber ihren Frieden. Boah ej, wir haben Bilder von einer Mutter mit 3 kleinen Bären. Das ist so selten, dass eine Mutter 3 Kleine hat und die auch noch durchbringt!!! Wahnsinn.

Mutter Bär zieht ab und alle trotten hinterher, der Nachbar biegt gleich rechts den Weg hinunter ab. Er weiß genau, was er tut.

Mutter Bär zieht ab und alle trotten hinterher, der Nachbar biegt gleich rechts den Weg hinunter ab. Er weiß genau, was er tut.

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Der 2. Nachbar kommt im Anzug mit Auto wieder. Er bringt uns ein Glas selbst gemachtes Apfelgelee mit, als Gruß von seiner Frau und bietet uns noch das Duschen an. Echt der Hammer!

Sandy Mc Donell, der nette Nachbar mit dem Apfelgelee

Sandy Mc Donell, der nette Nachbar mit dem Apfelgelee

Kein Wunder, dass wir hier in so netter Gesellschaft einfach nicht loskommen. Direkt am See gelegen ist dieser Ausblick einfach unbezahlbar.

Irgendwann sitzen wir doch auf, als direkt am Ortseingang wieder ein Schwarzbär die Straße kreuzt. Wir bremsen natürlich sofort, aber auf der anderen Seite ist ein Maschendrahtzaun, der Bär versucht drüber zu klettern, geht aber nicht, er überlegt kurz, ihm ist der Weg entlang des Zauns zu heikel, da dreht er einfach um und läuft zurück – in Richtung M. Mir bleibt das Herz stehen. Aber der Bär hat mehr Angst vor dem Mopped, als umgekehrt und so ist alles gut.

Schon wieder in Alaska

Do 3.9.15

zurück in der Zivilisation, es gibt wieder McD und damit wieder Bilder!!! yeah! Wir sind in Smithers, halber Weg zwischen Hyder und Prince George. Wir haben keine Grizzlys gesehen, die sind nur Regen gewöhnt. Heute morgen haben wir mal die Sonne genossen, 14 Grad und alles trocknen. lecker Kaffee, kleinere Reparaturen, Fingerpflege … wir haben keine Lust uns zu beeilen. es fängt sicher noch früh genug an zu regnen 😉 , denn Hyder gilt als Regenloch. Aber wir haben die einzigen 2 Tage Sonne erwischt seit Wochen. Wir kommen nahezu trocken durch, nur kurze Schauer, und die Klamotten sind schnell wieder trocken geföhnt.

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Brücke über den Pelly-River

Brücke über den Pelly-River

Di 1.9.15

So schnell geht das, wir haben von den niedrigen Temperaturen in Kanada die Nase voll und fahren wieder nach Alaska! Hier ist es nämlich zweistellig warm. 🙂

Okeee, die Grenze zu Kanada liegt nur 2 km entfernt. Es gibt keinen US-Zöllner, denn der kann hier ohnehin keinen Blumenpott gewinnen. Hier gibts nur ein paar Häuser, genannt Hyder. Hinter der Grenze gibt es ein paar mehr Häuser, genannt Stewart. Wir wollen hier Gletscher und Lachse fischende Bären anschauen. M. meint, die Bären wären voll und ganz mit Lachsen beschäftigt, da würden sie mich nicht mal bemerken. Mal sehen…

Totempfähle bei den "First Nations", auch Nativs genannt.

Totempfähle bei den „First Nations“, auch Nativs genannt.

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"Alpen"glühen in Hyder

„Alpen“glühen in Hyder

ein Weißkopfseeadlerjunges, bereits flügge lässt es sich noch Fische auf dem "Silbertablett" servieren. Ein Elternteil ist kurz vor dem Foto weggeflogen. Schade. Das wärs gewesen!

ein Weißkopfseeadlerjunges, bereits flügge lässt es sich noch Fische auf dem „Silbertablett“ servieren. Ein Elternteil ist kurz vor dem Foto weggeflogen. Schade. Das wärs gewesen!

in Stewart - auf kanadischer Seite dr Grenze

in Stewart – auf kanadischer Seite dr Grenze

blühende Farben am Gletscherrand

blühende Farben am Gletscherrand

Wahnsinn, wie er um die Kurve fließt. Es sieht aus wie auf der Skipiste!

Wahnsinn, wie er um die Kurve fließt. Es sieht aus wie auf der Skipiste!

ein Gletschertümpel, so blau wie im Yellowstonepark

ein Gletschertümpel, so blau wie im Yellowstonepark

Der Salmonglacier

Der Salmonglacier

Apropos: Noch eine Bärengeschichte:

Ein herrlicher Tag auf dem Cassier-Highway in noch nicht ganz so goldenen Herbstfarben, dafür aber umso kurviger und verkehrsärmer, vorbei an einem See nach dem anderen, immer entlang von Flüssen, Bächen oder Wasserfällen. Den haben wir uns gestern wahrlich verdient! Nach dem Frieren der letzten Tage genießen wir die zweistelligen Temperaturen, auch wenn die Berge rechts und links des Weges schon halb mit Schnee bedeckt sind. Ist das nicht herrlich? Egal wohin die Straße geht, egal in welche Richtung, immer schaut man auf einen schneelbedeckten Gipfel. Klasse! Gegen Ende des Fahrtages (wir haben 670 km abgenudelt, damit wir uns etwas Puffer vor dem herannahenden Winter verschaffen) kommen die Highlights: Wir sehen einen Schwarzbären am rechten Straßenrand. Er kuckt in meine Richtung und macht seinen Hals lang und länger. M. ebenso, aber der Bär verkrümelt sich sofort, ich brauch gar nicht erst bremsen. Hach, war der süüüüß. Wir fahren eine halbe Std. weiter, genießen die Kurvenräubereien und nach einer ebensolchen steht ein Camper mitten auf der Fahrbahn. Der Typ winkt, wir sollen anhalten – logisch, würde ich auch, wenn ich im Auto säß. Am anderen Fahrbahnrand knabbert nämlich ein weiterer Schwarzbär an den Sträuchern. Aber wir auf dem Mopped sind ungeschützt. Was, wenn sich der Bär angepi… fühlt und aggressiv auf uns losgeht? Dann steigt der Autofahrer nämlich nicht aus und erschießt den armen Bären, nur um uns zu retten. Neee, nee, mein Lieber. Das kannst du vergessen. Wir überholen und fahren langsam zwischen Bär und Camper vorbei. Natürlich verscheucht das den Bären sofort, der sich ins Gebüsch verzieht. Zum Glück! Lieber mache ich dem Bären Angst, als umgekehrt. Sicher ist der Camper verärgert, aber der Bär hätte sich ohnehin verkrümelt. Das haben bisher alle Tiere getan, an denen wir vorbeigefahren sind oder wo wir angehalten haben. Also was soll’s. Wir haben nur noch 30 km bis zur Grenze, hoffentlich hat die solange auf, wir fahren weiter. Aber wir kommen an einem Gletscher nach dem anderen vorbei. Bei dem Bearglacier, der bis auf unsere Straßenhöhe ausläuft (also bis auf 420 m Höhe nur!) gestatte ich dem Fotografen ein paar Bilderminuten. Ich kann mich aber auch nicht sattsehen. Wahnsinn!!! Kein Wunder, dass es gleich 2 Grad kälter ist. Aber egal. Wir fahren um die Kurven, noch ganz in Gedanken des Gletschers, da stehen schon wieder 2 schwarze Häuflein am Straßenrand. Jep, schon wieder 2 Schwarzbären am Bear-river (was für ein passender Name!) diesmal Mutter und Kind. Wir süüüüß – ja, aaaaaaber die Mutter dreht sich auch sofort nach mir um, als wollte sie sagen, komm bloß nicht auf irgendwelche Ideen. Nein, sind wir nicht. Es ist uns zu heikel, die Mutter zu stören. Wir wissen ja, dass Autos jedweder Größe bekannt und akzeptiert sind, aber wir nicht. Anscheinend sind wir zu menschlicher Statur – trotz Mopped. Und dann noch das ungewohnte Geräusch… geht gar nicht! Als uns noch ein Stachelschwein freiwillig den Straßenrand überlässt, wissen wir gar nicht wohin mit unserem Glück! Welch ein Abschluss des Tages!

VGB

PS, sorry dass ihr auf die letzten 4 berichte so lange warten musstet, das Internet war so langsam, dass es nichtmal in der Lage war, eine Seite aufzubauen, geschweige denn Text hochzuladen. Bilder also später, wenn das Internet schneller ist. O-ton Serviererin: In the middle of nowhere the internet doesn’t work very good, sorry!

An die Arbeit!!! Level 6

Mo, 31.8.15

Das konnte ja nicht so einfach gut gehen. Für den Easy-Rider-Tag gestern bekommen wir heute die Quittung!

Was ist schlimmer als 420 Km Offroad-Straße bei 1-2 Grad? Richtig! 420 km offroad bei 1-2 Grad im (Schnee-)REGEN! In Dawson City hat’s geschneit, haben wir soeben erfahren! In Whitehorse ebenso (das wäre unsere Alternativroute gewesen). Aber von vorne:

Morgens 7 Uhr, die Welt ist noch in Ordnung und so schön gemütlich warm im Zelt im Schlafsack, da dreht man sich noch mal gerne um, vor allem, wenn die bessere Hälfte noch friedlich schläft. Schwerer Fehler! Denn es fängt irgendwann an zu regnen und hört auch nicht mehr auf. Also packen wir uns um halb 11 auf, M. raus in den Regen, ich packe alles „innere“ und das Innenzelt trocken ein. Aber irgendwann muss auch ich raus in die Kälte. Auch mein Mopped warnt vor den 3 Grad, aber kaum losgefahren, ist es plötzlich nur noch 1 einsames Grad. Und das bei Regen! Einmal auf den Moppeds steigt man auch nicht gleich wieder ab, so dass wir die 60 km entfernte – einzige – Möglichkeit zum Pausemachen/Aufwärmen ausschlagen. Danach kommt wirklich nichts mehr. Ich habe 2 Ausbuchtungen für Pausen gesehen, auf den ganzen 420 km!!! 

Ich kann euch sagen, heute haben wir uns jeden einzelnen Kilometer wirklich und wahrhaftig erarbeiten müssen. Es war so schwer! Natürlich sind Finger und Füße trotz Heizweste eiskalt und schmerzen ständig. Natürlich beschlägt das Visier permanent, weshalb das vorausschauende Fahren unmöglich wird und Schlaglöcher nicht mehr umfahren werden können. Oder man muss das Visier sehr weit öffnen und das Gesicht friert einem ein. Was wählt man da, die Pest oder die Colera? Als ob das nicht genug wäre, überholt ein A.-loch (tschuldigung, aber anders kann man das nicht bezeichnen) und rauscht mit 100 auf der dicksten Schlaglochpiste an uns vorbei, drängt uns nach rechts, wo wir nicht nur durchgeschüttelt werden, sondern auch von seiner Pfützenbrühe von oben bis unten übergossen werden und mehrere sekundenlang überhaupt nichts sehen. Und das im dicksten Regen, Schmier und Schlaglochparade. Da bin ich richtig ausfallend geworden und ich hab den lieben Gott gebeten, ihm postwendend eine Reifenpanne zu beschweren. Ich weiß, kleine Wünsche erfüllt er sofort, größere dauern schon mal was länger…

Möchtest du eine Pause? Nein, nicht mitten im Dreck, im Regen, in der Kälte. Nur möglichst schnell durch! Also weiter. Es könnte so schön sein, durch diesen Tunnel der gold-orangeleuchtenden Bäume am Straßenrand rechts und links zu fahren, wenn es nur trocken wäre. Is klar, dass es hiervon keine Bilder gibt, oder?! Sorry, aber auch der Fotograf hält hierfür nich an.

Etwa auf der Hälfte ein dicke Baustelle. Auch das noch! Frisch begradigt! Weiche Mockepampe, kennen wir schon. Ist ätzend, aber nicht zu ändern. Der Grader kommt uns sogar entgegen, macht freundlich Platz, aber ich mag ihn trotzdem nicht!. Der macht immer so hässliche Erdwälle in der Mitte der Straße. Wir ackern so durch die Pampe, als vor uns ein LKW vor sich hindümpelt. M. steigt auf die Fußrasten und fährt schlitternd über den Erdwall. Und ich? Natürlich nicht. Aber ich kann auch nicht im 1. Gang hinterhereiern, mich voll einsauen lassen, da die LKW’s ja immer mit solch einer Gichtfahne fahren. Ich jammere mal wieder in den Helm, das kann ich nicht, das kann ich nicht, das kann ich nicht… und spingse immer wieder auf den Erdwall. Da kommt meine Chance, der Erdwall ist nur mehr halb so breit und nur noch 15 cm hoch, statt 30-40cm. Auf, und rüber. Geschafft! Am LKW vorbei! Und nu? Nu bin ich auf der falschen Seite im Gegenverkehr. Und jetzt? Zum Glück kommt kein Gegenverkehr, auch nach der Kurve noch nicht. Aber die Bauarbeiterkolonne mit all den Maschinen, die kommt. Bei dem Durcheinander der Spuren finden wir auch zurück auf unsere. Irgendwann unendliche Adrenalinberge später hat der Spuk ein Ende, es gibt wieder normale Käsepiste oder Matsch oder mehr oder weniger tiefen Gravel. Der liebe Gott belohnt unsere Mühen mit einigen Sonnenstrahlen und fast 2 stelligen Temperaturen zum Durchatmen und etwas Auftauen. Aber nur kurz! Wir wollen ja nicht übermütig werden. Schon fängt es wieder an zu regnen und es wird wieder kälter. Da kommt die nächste Baustelle. Himmel, warum ausgerechnet heute? Es steht zwar kein Männchen mit Schild dort, aber die Frau mit WalkyTalky hält uns trotzdem an. Sie erklärt uns die Schwierigkeiten der Baustelle. Jep, wir werden vorsichtig sein und umfahren die Maschinen brav im dicken losen Dreck. Aber auf den Fußrasten im halbwegs trockenen ist dies mit Konzentration auch zu meistern. Gegen Ende sollte der dicke Sand kommen – mein ganz spezieller Freund. Aber da war nur wenig von zu sehen. Glück gehabt! Denkste! Ich trau dem Braten nicht und siehe da, der zweite Teil der Baustelle folgt 10 km später – mit tiefem Sand. Aber was für welchem. Jede Spur, nur breit wie ein Autoreifen, die wir uns aussuchen, führt unweigerlich in tiefen Matsch, Sand oder in den Graben. Es gibt keinen Ausweg. Um uns die Baufahrzeuge, die wohlwollend und sehr geduldig abwarten, bis wir sie passiert haben. Anscheinend wissen sie, dass sie uns am besten die gesamte Breite der Straße (also volle 20 m) überlassen, weil sonst … Patsch (und dann eben noch länger warten, bis die Fuhre wieder aufgehoben ist)! Nein, wir haben es ohne geschafft. Aber meine Jammerei topt wohl noch die von vorher, fällt aber der Zensur zum Opfer, so dass ich lediglich einordne: Der Weg im Grand Teton den Snakeriver entlang mit dem Steilhang im losen Schotter war Level 3 – 4. Diese Baustelle war Level 6, ich besitze aber nur 5! Ich habe es ohne Sturz geschafft. Wieder einmal. Ich weiß nicht wie. Von meistern kann wohl nicht die Rede sein. Manch einer mag vielleicht den Kopf schütteln, aber ohne TKC 80 o.ä. und dann noch voll aufgerödelt ist das ganz schön schwere Arbeit! Vor allem, weil diese verdexten Baustellen hier nicht mal eben einige 100 m lang sind, sondern durchaus mehr als 10 km. Da heil ohne Sturz oder selbst nur ohne Fallen lassen durch zu kommen, ist echt harte Arbeit. 

Irgendwann ist auch diese Baustelle zu Ende und der Teer fängt an, welche Wohltat, auch wenn es wieder regnet. Aber auch der hört irgendwann auf und es wird zweistellig warm. Die Sonne kommt raus und tut uns gut. Alle Anstrengung ist vergessen und wir eilen Watson Lake entgegen. Wir suchen nicht unser Schild, sondern als erstes die Tanke, dort ist auch ein kleiner Supermarkt mit  „Café“ dabei. Es gibt Fuschcappuccino und einmal Gesicht waschen auf der Toilette, dann ist 6 Uhr und alles wird geschlossen. Also raus! 

Auf dem Campingplatz werden die Ketten gespannt (M.’s Job) und das Zelt getrocknet, gesäubert und alles wieder eingehängt (mein Job). Endlich was essen – das erste für heute. Ich weiß, kein Wunder, wenn dann die Hose rutscht, aber heute morgen im Regen? Oder mitten auf der Straße im Regen? Wo hätten wir was essen sollen? Die Camper nebenan sind auch Deutsche, einmal im Gespräch kredenzen sie uns einen heißen Tee uns Kekse! Lecker. So lange auf der Straße zu sein, heißt sich über „Selbstverständlichkeiten“ freuen.

Nu ist es dunkel und wenn wir Glück haben, werden wir heute Nacht Nordlichter zu sehen bekommen – wenn wir denn überhaupt aus dem warmen Zelt gekrabbelt kommen. Vielleicht siegt doch die Müdigkeit… Wir werden sehen. Gute N8

B.

Dawson, oder Die Sache mit dem Zeh

und action! Igitt!

und action! Igitt!

laut Internet einer von vielen Zehen? Angeblich gibt es Leute, die die "spenden" nach Op's o.ä.

laut Internet einer von vielen Zehen? Angeblich gibt es Leute, die die „spenden“ nach Op’s o.ä.

willkommen im Club! Herzlichen Glückwunsch! (Bah!)

willkommen im Club! Herzlichen Glückwunsch! (Bah!)

Heute legen wir einen Ruhetag in der alten Goldgräberstadt Dawson City ein. Nachdem wir gestern bei Minusgraden aus Alaska über den Top of The World Highway hierhin geschliddert und gefroren sind, kommt uns dieser Ruhetag sehr gelegen. Skagway, den Startpunkt des Klondike Goldrauschs, haben wir als erstes in Alaska besucht. Heute schließt sich der Kreis. Kaum vorstellbar, dass sich vor 100 Jahren fast 40.000 Glücksritter in der beschaulichen Stadt aufhielten. Das sind mehr als heute im gesamten Yukon Terretorium (größer als Deutschland) leben. Viele alte Gebäude aus der Zeit sind erhalten geblieben oder in diesem Stil neu errichtet worden. Mit den ungeteerten Straßen und den hohen hölzernen Bürgersteigen kommt man sich wie ein Zeitreisender vor. Wären da nicht die ganzen Autos auf den Straßen. Wir erkunden die Stadt, verweilen am Ufer des Yukon River und statten dem Westminster Hotel, die Einheimischen nennen es Liebevoll „The Pit“ einen Besuch ab. Die Versuche von B. ausländisches Bier (Alaskan Amber) zu bestellen führen bei der Barfrau zu interessanten Minenspielen. Ein einheimisches Bier und zwei Säfte später machen wir uns auf den Rückweg zu unserer Unterkunft, dem Bunkhouse. Nachdem wir uns dort gestärkt haben, steht noch als Highlight der Besuch des Sourdough Saloons im Downtown Hotel an. Dort kann man(n) sich den weltberühmten Sour Toe Cocktail zu Gemüte führen. Das Wichtige an dem Cocktail ist nicht der Alkohol (dieser muss mindestens 40% Alkohol enthalten), sondern die Einlage. Diese besteht nämlich aus einem mumifizierten menschlichen Zeh. Seit 1973 gibt es diese Touristenattraktion zu erschmecken. Der Originalzeh soll einem Goldsucher und Alkoholschmuggler bei der Flucht vor der Polizei abgefroren und anschließend amputiert worden sein. Beim Trinken muss der Zeh die Lippen berühren. Ansonsten gilt die Mutprobe als nicht bestanden. Gleiches gilt, wenn der Zeh komplett in den Mund genommen wird. Sollte der Zeh verschluckt werden – was auch schon vorgekommen ist – sind 2500 Dollar Strafe und ein Ersatzzeh fällig. Das ganze Engagement wird dann mit Zertifikat und Aufnahme in den Sour Toe Club gewürdigt.

Als wir gegen 21:15 Uhr diesen ehrwürdigen Ort durch die Schwingtüren betreten, kommen wir schon fast nicht mehr zur Tür herein. So groß ist die Menschentraube der Wagemutigen und Schaulustigen. Nach einer kurzen Orientierung mache ich mich zur Theke auf und ordere die alkoholische Grundlage für diese yukonsche Spezialität. Meine Wahl fällt auf Yukon Jack, einen Whiskylikör, welcher nach Aussage der Bedienung als Standardgetränk für dieses Spektakel herhalten muss. Mittlerweile haben sich die Reihen schon deutlich gelichtet und es dauert nicht mehr lange und ich bin an der Reihe. Nach dem ich Platz genommen habe, erklärt mit Captain Jack die Spielregeln. Währenddessen werfe ich einen Blick auf das undefinierbare schwarze Etwas auf einem Salzhaufen (damit ist der Zeh gemeint). Jetzt weiß ich auch warum der Drink mehr als 40% Alkohol enthalten muss. Soll wohl desinfizierend wirken. Nach einem Nicken meinerseits versenkt der Captain den Zeh in meinem Drink. Jetzt hilft nur noch Augen zu und durch. Den Zeh hast Du Dir eingebrockt, also must Du das Glas auch leertrinken. Mutig trinke ich das Glas leer, aber der blöde Zeh will sich einfach nicht vom Boden lösen. Mist, die Regeln sind nicht erfüllt. also vorsichtig das Glas schütteln, bis sich der blöde Zeh endlich löst. Nach einer gefühlten Ewigkeit berührt er dann meine Lippen, uaaaahhh. „Stell Dir einfach vor, es wäre eine Cocktailkirsche“. Aber bloß nicht schlucken. sonst sind wir schon in Kanada Pleite!!!!

Ich lasse den Zeh noch einen kurzen Moment an meinen Lippen verweilen, Captain Jack soll das ja auch mitkriegen, und stelle das Glas erleichtert auf dem Tisch ab. Geschafft!!! Denkste! Captain Jack wringt den Zeh noch aus und nickt aufmunternd. Igitt. Runter damit! Ich bin das 62.788 Mitglied in diesem Club.

Nachdem ich das Zertifikat überreicht bekommen habe. Spüle ich an der Bar noch mit einem leckeren einheimischen Bier nach.

Bärbel übt sich in damenhafter Zurückhaltung und meint, dass ein Zertifikat auch für uns beide reichen würde. Ich weiß auch nicht warum, aber an diesem Abend habe ich von B. keinen Kuss mehr bekommen.

Grüße aus dem Yukon, M.

Kanadas „Willkommen“

Fr. 28.8.15

Gen Süden, da wird es doch wärmer, hab ich gedacht. Aber nix da, es geht noch kälter: Minus 2 Grad zeigt mein Biketermometer an der Grenze zu Kanada an. Die wollen anscheinend keinen mehr reinlassen, denn willkommen heißen nenn ich das nicht. Ich wusste gar nicht, dass mein Bike überhaupt ein Minuszeichen kann. Bei solchen Temperaturen bin ich noch niemals Mopped gefahren, geschweige denn im dichten Schneetreiben. Wieder mal wähne ich mich schon am Ziel (Dawson City), als 50 km vorher das bisschen Schneien mehr wird und die Straße mit Crema versieht. Lecker, schon wieder! Kaum sitz ich wieder drauf, geht der Matsch schon wieder los. Mit 60 Stundenkilometern schlittern wir den Top of the world Highway entlang. Von der World sehen wir im Nebel nix, es ist auch zu kalt und zu riskant, den Kopf in die Landschaft zu drehen. Gott sei Dank haben wir heute den Heizwestenanschluss rausgefummelt und nun ist uns wenigstens muckelig warn, auch wenn die Finger und Füße nicht warm zu kriegen sind und heftig schmerzen. Kurz vor Dawson gehts über den Yukon River – mit der kostenlosen Fähre, die gerade angekommen ist. Sie fährt tag und nacht, trotzdem suchen wir lieber ein Quartier in der City, nicht dass später der Yukon steigt und wir nicht mehr rüber kommen, weil die Fähre nicht mehr fahren kann (dies ist einem anderen Fahrer passiert). 

Auf halben Weg war heute Chicken zu sehen. Die Stadt im Old Style steht ganz im Touristencharme: 3 Cappuchinobuden. Goldgredge (ein alter, riesiger Schwimmbagger) und Goldwaschen, riesiger Andenkenladen. Am Ortseingang saß  „the niciest chicken, I’ve ever seen“ – Originalton M. (muss ich jetzt froh oder beleidigt sein?) – auf einem Quad und winkte den ankommenden Touristen zu. Wir belächeln die anderen deutschen Touris im Wohnmobil, denen die vielen Schlaglöcher zu schaffen machen, reichen uns doch die 10 cm dazwischen, um bequem zu reisen. Am Ortsausgang dürfen wir die Ureinwohner des Örtchens noch kurz bestaunen, bevor die sich langsam vom Acker machen: Eine Elchkuh  mit 2 kleinen Kälbchen kreuzt die Straße und äst friedlich nebenan weiter.  

Durchgefroren hab ich keine Lust, im Zelt zu schlafen. Vielleicht sind wir morgen ja eingeschneit. Wir nehmen uns ein Hostel in der „Stadt“ (2000 Einwohner!) Die Wettervorhersage sagt für Samstag Null Grad und Schnee vorher und für Sonntag 3 Grad und Regen. Wir bleiben bis Sonntag. Es gibt Konzerte, die Bar mit dem Zeh im Schnaps, und diverse andere Dinge zu besichtigen. 

Bis demnächst

Eure B

 

Bye Alaska

Do, 27.8.15

Es hat mal aufgehört zu regnen. Den ganzen Morgen lang! Tatsächlich! Wir können das gut gebrauchen, da wir nach der Generalinspektion unserer Sachen und Grundreinigung der Kleider und Bikes alles wieder neu verstauen müssen. Da es nicht warm werden will, ziehe ich meine Merino-Sachen und die warme Motorradleggings, (meine beiden wärmsten Leggings) und das langärmelige Merinohemd, noch ein weiteres Shirt und meine Heizweste unter die Motorradkluft an. Zwiebelmuster und Michelinfrauchen. Auch die Regenhose noch drüber, aber es wird einfach nicht warm. Bei konstanten 4 bis 5 Grad, bisweilen leichter Regen und Seitenwind kühlt man einfach aus. Warum ich die Heizweste nicht anmache? Weil wir festgestellt haben, dass in Missoula die BMW-Schrauber unsere Anschlüsse dafür irgendwo verbaut haben. Da müssen wir erstmal auf die Suche nach gehen. aber bestimmt nicht bei der Kälte im Regen.

Wir fahren die 20 km zum Nordpol. Jep, so nah sind wir dran… okee okee „North Pole“ schreibt sich das. Hier wohnt der amerikanische Weihnachtsmann an 365 Tagen im Jahr, die heutigen Temperaturen sind auch schon weihnachtlich – und das im August. Wir geben unseren Weihnachtswunsch ab (ich wäre Weihnachten gerne in Südamerika ;-)…) und setzen uns noch nicht auf Santa Clausens Schoß, es ist für mich einfach noch zu früh!!!

Es wird also Zeit „auf Wiedersehen, Alaska“ zu sagen. Alle Welt bricht gen Süden auf, die Campingplätze machen nach und nach alle zu, die Temperaturen sinken rapide auch in Fairbanks und überall schneit es schon rund herum. Auf dem Weg nach Tok letzte Nacht zum Beispiel. Wir kommen da vorbei und sehen die weißen frisch beschneiten Bergspitzen. Kein Wunder, wenn es so kalt ist.

In Delta Junktion ist der Alaska Highway zu Ende. Im Visitorzentrum wärmen wir uns ein wenig auf, lehnen den angebotenen, abgestandenen Kaffee aber dankend ab. Da es sonst nur eine Drive-thru-Kaffeebude ohne Windschatten gibt, fahren wir nach ein paar Bildern weiter. Es sind „nur“ noch 110 Meilen, aber die ziehen sich, so dass ich In Tok angekommen, als allererstes eine Tanke anstrebe, weil die meist etwas warmes zu trinken haben. Wir bekommen sogar einen richtigen Cappuccino mit blueberry-muffin und Sprit. Herrlich!!!! Noch nicht ganz aufgegessen gibts einen Knall und alle Lichter gehen aus. Stromausfall, schon der 2. heute, wegen des starken Windes. Alle kommenden Kunden müssen Waren cash zahlen und kriegen keinen Sprit, weil die Pumpen PC-gesteuert sind und der braucht Strom! Nix geht mehr. Glück gehabt!

Wir fahren zum nahen Biker-Campingplatz Tomphsons eagle claw motorcycle park und beziehen eine Hütte. Im Zelt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und morgen das Zelt nass einpacken? Nein danke! 40 Dollar sollten drin sein. Wir haben manches mal für einen Zeltplatz 35 Dollar gezahlt! Also was soll’s. Es ist mit soviel Liebe zum Detail und Herzblut gestaltet, nett gemacht, damit man/frau sich wohlfühlt.

Auf dem Platz ist gerade die große Abdeckung über dem Feuerplatz fliegen gegangen. Sie hat nur 3 Monate gehalten, war nagelneu und sollte den Bikern als Regenschutz dienen. Die Besitzerin ist ganz geknickt. 150 Dollar Anschaffung und 100 Dollar Aufbau versenkt. Mist. Zwei weitere Bäume haben dem Wind nicht standgehalten und ich bibbere um unsere bikes. Aber man kann nur hoffen, dass weder der Wind unsere beiden umschmeißt, noch ein Baum drauf fällt. Also lieber Gott, wir waren sehr brav und wenn es unbedingt sein muss, dann vertage den Wind doch bitte auf morgen, wenn wir schon weiter gefahren sind. Danke!

B.

Einmal Schlaraffenland und zurück

So, 23.8.15

Unsere Unterkunft hier in Deadhorse ist das Prudhoe Bay Hotel, welches ich jedem Reisenden, den es hierhin verschlägt, nur wärmstens empfehlen kann. Vom Charme her kann es das Hotel mit jeder Containersiedlung an einer Kraftwerksbaustelle oder sonstigen Großprojekten aufnehmen. Die Lage in der Mitte von nichts, besonders wenn Nebel herrscht, so wie bei unserem Aufenthalt, ist es auch nicht. Obwohl, so ein Nebel kann das vorherrschende wunderbar kaschieren. Was macht also dieses Containerhotel mit winzigen Zimmern zu so etwas besonderem? Die Kantine natürlich.  Hier ist wirklich das Schlaraffenland. 24 Stunden am Tag offen und im Zimmerpreis eingeschlossen. Jederzeit kann man auf Leckereien wie Kuchen, Teilchen, Cookies, Eiskrem, Chips, Sandwiches, Burritos, Jogurt, Früchte, Müsli und Co zugreifen. Und diese Schlemmerei wird 3x täglich von Mahlzeiten unterbrochen. Auch hier wird alles mögliche Leckere und Figurbildende angeboten.  Und das schöne ist, das ganze kann man(n) auch außer Haus mitnehmen. Heute habe ich das Erste Mal bereut, dass wir mit den Motorrädern unterwegs sind. Muss doch das Lunchpaket viel zu dürftig ausfallen. So passe ich doch nie mehr vernünftig in meine Motorradhose. Zieht doch Schwerkraft meine Motorradhose in engster Stellung immer stärker nach unten. Wie hießen Hosenträger noch einmal auf Englisch?

Ach so, heute haben wir nicht nur den ganzen Tag lang gegessen. Es stand noch ein morgendlicher Ausflug durch Prudhoe Bay (ist für Privatleute gesperrt) mit Visite an der Beaufortsee, einem Teil des nördlichen Polarmeeres, auf dem Programm. Dabei ging es an den Fördertürmen, Wohnanlagen (hier arbeiten über 1000 Menschen auf den Ölfeldern), an Flugfeldern und am Prudhoe Bay National Forrest vorbei. In diesem Wald sind die Bäume immergrün und werden an Weihnachten festlich beleuchtet. Bei der vorherrschenden Temperatur von 2 Grad Celsius (und das im August) würde bei uns schon die Adventszeit eingeleutet werden.

Angekommen am arktischen Ozean zieht es fast alle dick vermummt an – uns natürlich mit wasserdichten Stiefeln IN – das Wasser. Bis auf zwei Jungs, die sich nur mit Badehose bekleidet unter Anfeuerungsrufen der tobenden Massen todesmutig in das schweinekalte Wasser stürzen. Brrrr!

Zurück am Hotel widmen wir uns wieder dem ersten Teil dieses Berichtes: Der Nahrungsaufnahme und dem Ausgleich des Coffeinspiegels.

Mit überstrapazierten Mägen, das Wort „voll gefressen“ möchte ich hier nicht verwenden, machen wir uns auf den Rückweg nach Fairbanks. Die Temperatur hat sich in der Zwischenzeit auf 4 Grad Celsius verdoppelt. Hatten wir schon auf der Hinfahrt Freude an den Baustellen, durften wir unsere Kenntnisse an Spurrillen  und tiefem Schiotter weiter vertiefen. Zudem hatte es kurz zuvor zu unserem Unbill an 2 Bergen 100 km lang ausgiebig geregnet, wodurch die Strasse mit ausgiebiger Crema, Schlamm , Steinen und dicken Schlaglöchern garniert wurde. Es ist schon faszinierend, wie sich die Beschaffenheit der Straße zwischen trocken und nass wandeln kann. Gott sei Dank blieb uns erspart, dies bei Regen zu bewältigen. Das hätte noch gefehlt. War auch so schon schwierig genug. So schliddern und fahren wir bei niedrigen und immer tiefer fallenden Temperaturen dem wolkenverhangenem Atigunpass (1400m) entgegen. 1 Grad zeigt das Thermometer an den Motorrädern an, also schnell weiter auf in den warmen Süden. Auf der anderen Passeite erfreuen nicht nur die wiederkehrenden Bäume, sondern auch schon fast tropisch anmutende Temperaturen von 12 Grad Celsius. Durch wunderbare Herbstwälder, vorbei an schneebedeckten Bergen fahren wir unseren heutigen Ziel, dem Marion Creek Campground bei Meilenpfosten 180 entgegen.

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Der Prudhoe Bay National Forrest

Der Prudhoe Bay National Forrest

Nur die Harten kommen durch!!!

Nur die Harten kommen durch!!!

Wir waren "fast" so hart.

Wir waren „fast“ so hart.

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Prudhoe Bay, ein letzter Blick zurück

Prudhoe Bay, ein letzter Blick zurück

Ist das kalt hier oben. Wird Zeit das wir in den warmen Süden kommen.

Ist das kalt hier oben. Wird Zeit das wir in den warmen Süden kommen.

Zum Glück ist der Grizzly noch weit genug weg

Zum Glück ist der Grizzly noch weit genug weg

Eins der besagten ROTEn TORE.

Eins der besagten ROTEN TORE.

Das schönste an Coldfoot. Die Tankstelle !!!!

Das schönste an Coldfoot. Die Tankstelle !!!!

Herbstfarben, südlich des Polarkreises

Herbstfarben, südlich des Polarkreises

GS - gehört schmutzig -  aber so dreckig dann doch nicht ;-)

GS – gehört schmutzig –
aber so dreckig dann doch nicht 😉

Die Drecknasen hängen schon vom Auspuff runter

Die Drecknasen hängen schon vom Auspuff runter

B’s Edit: Ich hatte immer nur das Ziel vor Augen, hier anzukommen. Aber den Weg zurück hatte ich nicht bedacht. Nun sitze ich hier im Schlaraffenland, schlage mir nochmal den Bauch voll und habe keine Lust, zurück zu fahren, weiß ich doch nun, was mich erwartet und genau darauf habe ich keine Lust. Mist!

Der Dalton Highway – berühmt/berüchtigt nach Deadhorse

Yes! We did it!!!

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Sa. 22.8.15

Angekommen! Schnell finden wir das Hotel mit dem reservierten Zimmer_MG_9976, aber vorher müssen wir noch das tote Pferd _MG_9979suchen und tanken. Leider kein Schlauch da, um mal eben über die Lüfter zu spritzen. Na gut, dann eben doch zuerst essen und aufwärmen und nun – satt, drüsch (trocken), sauber und warm – sind die vergangenen Strapazen schnell vergessen. Die herrlichen Herbstfarben der Landschaft dagegen nicht. tiefes Rot, leuchtendes Orange – wie die Früchte auf dem Obstteller.

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Für die Interessierten: Der Hwy ist eigentlich sehr gut befahrbar und meistens easy – wenn man gut vorbereitet ist (nicht zu schlechtes Wetter,  genügend Offroaderfahung, gute Reifen, gute Federung, geeignetes Mopped). Aber eben nicht immer. Die vielen tiefen Löcher sollte man umfahren, was bei entsprechender Konzentration gut klappt. Es sind einige sehr tricky Stellen dabei gewesen, manchmal einige 100 m, mal aber auch 10 km lang. Eine sehr weiche, matschige, sehr rutschige Angelegenheit, für die allemal mehr als nur ein bisschen Geländeerfahrung nötig ist. Es gibt hier nahezu kein „Wellblech“ auf der Piste – woher auch, die Trucker bremsen nicht! Aber sie sind auch nicht so fies, wie manche uns erzählten. Alle machten ausnahmslos Platz und grüßten zurück, sie fahren halt schnell und überholen auch, wenn einer zu langsam ist. Die plattgefahrene Käsepiste ersetzt das Wellblech. Man sollte hier tunlichst vermeiden, jedes Loch einzeln zu umrunden, sonst kommt man nie an. Es empfiehlt sich mit genug Mut und reichlich Tempo drüber zu bügeln, was das Zeug hält. Das fühlt sich dann wie auf dem Massagebrett – vorausgesetzt die Federung macht das mit (s. o. ;-)…)

Da es immer kälter wird, den Pass hoch sogar bis auf 2 Grad runter kühlt, umringt von Schneebergen, _MG_9960 _MG_9962sind wir doch sehr ausgekühlt und erschöpft, als wir nachmittags ohne Pause die 350 km abgearbeitet haben. 50 km vor Deadhorse wähnte ich mich schon am Ziel, als uns, weit gefehlt, die knackigste Stelle 10 km lang in Atem hielt: Frisch begradigt empfängt uns weicher, tiefer Brei aus Steinen und was weiß ich sonst noch. Die Fuhre windet sich, schleudert ständig kreuz und quer, Vorderrad nach rechts, Hinterrad nach links oder umgekehrt. Nur nicht vom Gas gehen, Liebelein, immer auf Zug. Teilweise ist der Matsch so tief, dass sich sogar unser großes Vorderrad durchgraben muss und buckelt, während das Hinterrad schiebt. Häng dich an den Lenker, mach das Vorderrad leicht und bleib um Himmelswillen am Gas! Jaaaa, mach ich auch. Aber mit eiskalten Fingern, nach gestrigen 500 km plus heutigem Anteil verkrampfe ich einfach zu sehr. Ich meistere die Stellen zwar ohne Sturz und für mein Gefühl mit Bravour, aber hinterher tun mir die Arme doch sehr weh, dass ich entgegen meinem Verstand für die „leichten“ Stellen den „Gasometer“ benutze, was meine rechte Hand wenigstens kurzzeitig entlastet und entkrampft. Na jetzt aber auf zum Endspurt … nein, bitte nicht! Eine Baustelle 25 km vor Ziel! Wir warten 20 min. in der Kälte im Wind. Die Baustelle ist sehr lang und mit tiefen weichem Schotter oder Matsch bestückt. Dadrin tiefe Spurrillen – und der Doof von Pilotcar fährt so langsam. Ja wenn ich wenigstens fahren könnte, wie ich wollte. Aber versuch du mal im Schritttempo die Spurrille zu erwischen und nicht zu verlassen. M. gelingt das mit seinem 3 D Problem nur halbgut, er muss schwer kämpfen, damit die Fuhre nicht umkippt.

Als wir dann hier im Hotel sind, erklärt uns die Rezeptionistin, dass im Mai die Flut alles abgeräumt hat. Deadhorse war 3 Wochen lang abgeschirmt von der Außenwelt, alles musste per Flugzeug hergebracht werden, weil die Straße auf 85 Meilen (135 km ca) weggerissen war und neu aufgebaut werden musste. 10 Liter Sprit pro Nase und Tag gabs nur. Gerade da waren wir soeben noch hergefahren, wo auf dem Bild nur ein Krater zu sehen ist. Echt Wahnsinn. Und hier leben und arbeiten Menschen, meist Männer, nur 15 %nFrauen. Jetzt ist Sommer! Wie mag das im Winter sein, wenn es die meiste Zeit dunkel und schweinekalt ist??? Ich mag mir das gar nicht vorstellen. Mir reichen die Strapazen der letzten 2 Tage. Mit Regen Sonne, kalt und warm, Schwarzbären, Elchen (Mutter mit Kalb) und Camping in Coldfoot, weil alles ausgebucht war….

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Noch eine Bärengeschichte und andere

Do 20.8.15

Die Mädels haben neue Schuhe und eigentlich könnte es morgen auf nach Coldfoot gehen. Aber der Reifenmontör ist anscheinend ein einheimischer Naturbursche. Er spricht nicht viel, schon gar nicht bei der Arbeit. Am Telefon gibts nur Bruchstücke von Sätzen, nur das nötigste. Aber nach getaner Arbeit erzählt er bereitwillig ohne Aufforderung, was wir bitte beachten sollen und was auf keinen Fall tun sollten. So z. B. auf KEINEN Fall hinter die Schranken der Ölpipeline mit den Motorrädern fahren. Die Pipelines sind alle videoüberwacht und schneller als wir kucken könnten wären unsere Motorräder vom Staat einkassiert ohne Chance, sie zurückzukaufen. Na, wir hatten ohnehin nicht vor Illegales zu unternehmen. Aber danke für die Warnung, denn manchmal versucht man einer Schwierigkeit aus dem Weg zu gehen und außen herum zu fahren. Das lassen wir also lieber…

Außerdem warnte uns Dan, der Meister vor den Bären. Jep, ist er nicht der einzige. Weiß ich doch! Nein, weiß ich eben nicht. Er warnte vor allem MICH, eben als Frau. Er sagte, M. sei sicher, aber ich nicht, ich sei Futter, welches der Bär Kilometer weit riechen könne. Dies sei kein Joke und auch kein Fake. Natürlich nehme ich seine Warnung ernst, ich bin ja nicht blöd, auch wenn ich das zum ersten Mal höre. Aber die allermeisten Fahrer sind Männer. Ich kenne zwar eine Frau, die vor mir hierhin gefahren ist (schöne Grüße Susanne!), aber mir sind bisher nur Männer on Tour begegnet. Selbstfahrende Frauen sind eh selten, schon gar nicht auf solch einer Tour. So danke ich Dan für seine Infos, setze mich zu MickiDie und suchen nach Hotels. Ich werde jedenfalls nicht zelten. Das ist mir zu heikel.

Dan Armstrong, Herr und Meister von Adventure Cycleworks

Dan Armstrong, Herr und Meister von Adventure Cycleworks und begnadeter Geschichtenerzähler

Übrigens trafen wir heute einen volleingesauten, deutschen F650GS-Dakar-Fahrer aus der Eifel. Alex war gerade von Deadhorse zurück und wollte sein Bike säubern. War nötig, das Nummernschild nur zu erahnen. Er erzählte uns von Griechen im Auto, die ihm von uns erzählt hätten. Und nun trifft er uns. Ist echt lustig, wie das Karussell sich dreht….

VGB