Südwestcolorado

Sa. 10.10.15

Heute mal fast ohne offroad: Black Canyon of the Gunnison und der Kebler-Pass. Herrlich, Kurven über Kurven und Landschaft über Landschaft, und die gelben Birken stehen Spalier für uns. Der Himmel ist stahlblau, das Wetter zur Zeit einfach genial. Dies ist wenn nicht DIE, so doch einer der schönsten Regionen Colorados und wir jagen bei wenig Verkehr die Berge hoch und fliegen um die Ecken. Das macht Spaß! Leider geht heute unser letzter Tag mit Jeff viel zu schnell rum. Morgen fährt er wieder nach Hause und wir weiter unserer Route nach. Es war schön, hier Urlaub zu machen, kein Zelt auf oder abzubauen, ein warmes Zimmer oder Bad mit Heizung bei Ankunft vorzufinden, kochen auf 4 Platten, Kühlschrank, warmes Wasser… Eben die Annehmlichkeiten der Zivilisation zur Verfügung zu haben. Auf Dauer würde das zu Lasten unserer Reisezeit gehen und das ist uns diese Annehmlichkeit einfach nicht wert.

Bis demnächst B.

Auf dem Weg zum Kebler Pass

Auf dem Weg zum Kebler Pass

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Black canyon of the gunnison

Black canyon of the gunnison

Engineer-Pass: 2. Versuch

Fr. 9.10.15

Nachtrag: Gestern Abend sind wir 2 std. lang durch die Dunkelheit gefahren. Dabei hatten wir immer die Straßenränder im Blick wegen der „dears“. Da diese Rehe größer und dicker als in Europa sind, sollte man den Kontakt mit ihnen tunlichst auf den Teller beschränken. Aber hier sind diese Tiere irgendwie abgebrühter als auf der anderen Seite des Kontinents. Sie bleiben stehen, reagieren kaum, höchsten mit Kopf heben. Auf der Straße gehen sie zumeist gemütlich auf Seite. DAS lässt sich gut einschätzen. Zumeist. Klar, man kann sich nicht drauf verlassen. Gestern Abend sind uns bestimmt 10 mal Viecher am Straßenrand oder auf der Straße begegnet oder in die Quere gekommen, auch heute wieder 4 mal, vor allem kommen die ja nicht einzeln, sondern immer in Horden von mindestens 3 vor. So viele Rehe an einem Tag hab ich in meinem ganzen europäischen Verkehrsleben noch nicht zu Gesicht bekommen.

Der Enginieer-Pass:

Foto

Felsengesteinsstufen runter

Felsengesteinsstufen runter

Da wir gestern ja umdrehen mussten, haben wir heute einen 2. Versuch gestartet, diesmal von der anderen Seite aus, direkt aus Lake City aus. Er lässt sich zunächst in herrlichen Ausblicken sehr gemütlich an. Capitol City erreichen wir – es gibt tatsächlich ein neu gebautes Haus in diesem aufgegebenen Ort, der sich mal Hoffnung machte, die Hauptstadt von Colorado zu werden. (Ist aber leider Denver geworden.)

noch lächelt sie...

noch lächelt sie…

Dann geht’s bergan, alles zu meistern, auch wenn es steil, steinig und schottrig, manchmal eng in Kehren ist. Fast oben – es fehlen nur wenige Höhenmeter zu den 3918 m – da macht der vorgestern gefallene Schnee mir einen Strich durch die Rechnung. Es ist sooooo matschig. Mit abgefahrenen Straßenreifen ein no-go! Ich meine damit auch no-go! Patsch! Da lag sie wieder. Ich hab noch gesehen, wie mein Vordermann schlitternd durchfährt, ich versuche es mehr rechts, da scheint es trockener zu sein, war aber ein Trugschluss. Es war genauso tief und matschig. Links war es fest und dorthin lenke ich gerade rechtzeitig M. Natürlich kommt er Bilder machend wieder runter. Gute Miene zum bösen Spiel: ICH hab gewonnen, denn ICH liege ja NICHT im Matsch!

Sonderlackierung: die neue Trendfarbe

Sonderlackierung: die neue Trendfarbe „Mud“ – nur für Auserwählte

Matschepampe

Matschepampe

Schnell ist sie aufgehoben, auf die andere Seite geschoben und M. fährt sie nach oben. Es bricht mir kein Zacken aus der Krone, wenn ich die paar Meter nicht selber gefahren bin. Oben machen wir die obligatorischen Bilder und genießen die herrliche Aussicht bei herrlichem Wetter. Diese Farben, diese Berge und Täler, diese Weitsicht! Und rundherum ist Schnee. Wir haben die Schneegrenze schon überschritten und entscheiden uns deshalb, lieber nicht den Cinnamon-Pass zu fahren. Der wird wohl genauso matschig sein, wie das letzte Stück. Falsche Reifen! Lieber nicht. Statt dessen gehts um den Berg herum auf die andere Seite noch ein Stück bergauf durch Schnee, steinigen Matsch und Pfützen. Wow! Welches Erlebnis. Die weißen Berge sehen unglaublich aus! Aber die Zeit drängt, es ist schon wieder spät, lass uns runter fahren.

Kurz gefasst: Dies war der höchste, aber bisher auch schwierigste Pass in unser beider Moppedleben – fast 4000 m.

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Es ging gebirgig felsig, steinig, abwärts, immer mit dem Abgrund im Blick, teilweise mussten wir trailmäßig die Steinstufen runterklettern, mit Koffergewicht und fast abgefahrenen Straßenreifen, Kupplung ziehend, vorne und hinten bremsend langsam balancierend 200 m von einer Kehre zur nächsten. Wenn man zu schnell wird, kann man in der Kehre nicht mehr bremsen und schießt über das Ziel hinaus. Also schön höööösch!  Dies war ganz sicher Level 6 und ich habs erreicht. Selbst lange Spuren am Abgrund entlang folgend habe ich gemeistert, was bei meiner Höhenangst nicht leicht ist. Lieber nehme ich die Innenseite des Weges und dabei die schwierigeren Wege in Kauf. Aber manchmal ist das wirklich so riskant, dass die Spur am Abgrund wirklich „leichter“ zu fahren ist. Aber nach Deadhorse in Alaska ist mein Fahren in Spurrillen so gut geworden, dass es mir mehr und mehr gelingt, mein Nervenflattern und Herzrasen zugunsten von Konzentration und Selbstbewusstsein zurückzudrängen. Nur an 2 Kehren habe ich gekniffen. Mit meiner alten GS, die ich in und auswendig kenne und die etwas niedriger ist, wäre ich wohl gefahren. Aber ich hatte gestern schon einen Sturz, bei dem ich mir das rechte Knie wehgetan habe, und heute wieder, wo ich gleich neben der gestrigen Stelle nun einen dicken blauen Fleck kassiere. Ich habe mich von meinem Helden retten lassen. Er hat jetzt einen Level mehr als ich und ich brauche niemandem zu beweisen, wie gut ich Motorrad fahren kann, am wenigsten meinen Mitfahrern. Lieber sicher und heil runter, als alles zu fahren und zu scheitern. (Das ist eh Üben in die falsche Richtung und müsste ich mühsam in vielen Trainings wieder aufbauen).

Dies war ein wunderschöner, anstrengender Tag, den wir  – Dank Jeff – niemals vergessen werden. Ohne ihn wären wir sicher nicht hierher gefahren und auch sicher nicht den Pass. DEN hätten wir uns alleine nicht getraut. Er war unser Trumpf. Sein Können und zur Not seine Bärenkräfte waren unser Netz und doppelter Boden. Wir hätten herrliche Erlebnisse und Erfahrungen verpasst. Danke Jeff, für all deine Geduld. Du musstest oft und lange warten, bis wir endlich Bilder gemacht oder schwierige Stellen gemeistert haben.

Wir kommen wieder! Dann richtig im Schnee. Diese berühmten Berge ganz in weiß mit Skiern, DAS kennen wir noch nicht und wird auf unsere ToDoListe hinzugefügt.

Viele Grüße an alle Daheim

B.

Lake City und Umgebung

Do, 8.10.15

Wir haben die Zeit in Denver bei unserem Freund Jeff von den Giants sehr genossen und dringend nötig gehabt. Ich war zwei Tage krank und war froh, dass ich da nicht im Zelt in der Kälte verbringen musste, sondern mich von allen 3 Männern verwöhnen lassen konnte. Markus hat mir meinen Luftfilter wieder getauscht, weil ich mit dem Schaumstofffilter gar nicht glücklich war und seinen und meinen gesäubert ( nun haben wir einen als Reserve) und unseren Kram organisiert.

Am Mittwoch haben wir uns mit Jeff zu einem mehrtägigen Toürchen aufgemacht und eine Kabine (ein kleines 4-Personen Ferienhäuschen) in Lake City als Standort genommen. Aber zuvor Treffen mit Kim und einigen anderen zum Frühstück bei Woody – einem Unikat und Genie. Hier kriegst du neben Reifen, Motoren und Fahrzeugen, Motorradreparaturen und -umbauten allerlei Spezialzubehör. Er ist berühmt, vor allem bei behinderten Sportlern.  Er erfindet die „Brücken“, dass sie ihre Träume verwirklichen können. Von den letzten 5 Paralympics hatten seine Sportler immer alle Medaillen abgeräumt. Wow, oder?! Und er war sich selber nicht zu schade, am Herd zu stehen und allen Frühstück zu servieren, und selbst als letzter zu essen. Welch interessanter Mann! (www.woodyswheelworks.com) Foto

vlnr Woody, Jeff, B. Kim, M.

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Woody, Jeff, B. Kim, M.

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Kim Krause durften wir kennenlernen, sie war ein Erlebnis, welch eine Powerfrau?!?!?! Sie hat sich für die BMW-Trophy beworben, durfte auch an den 2 Auswahlwochen in Afrika teilnehmen. Sie fuhr eine 800-er und ich dachte, sie ist bestimmt größer als ich. Aber sie ist einen halben Kopf kleiner! Wow! Ich bin so beeindruckt und sie fand es toll, was ich mache, selber fahre, selber mit Gepäck, selbst off-road…

Jeff und Kim

Jeff und Kim

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Und heute sind wir zusammen durch die herrliche Herbstgebirgslandschaft durch Colorado gefahren. Nachmittags haben wir überlegt, ob wir den offroad Engineer-Pass fahren sollen. Aber es ist von Ouray aus schwieriger als von der anderen Seite aus. Ok, also erst ankucken, und gegebenenfalls umdrehen. Versprochen. Eine Baustelle 700 m vor Einfahrt lässt unseren ohnehin engen Zeitplan noch mehr schrumpfen. Egal, direkt hinter der Baustelle gehts hoch, lose dicke Steine, feste noch dickere Steine. Es gibt nur einen schmalen Streifen von 30 cm durch die Stufen. Schon jetzt Level 4. Kurze Zeit später ist Markus stecken geblieben, abgewürgt, er muss zurück, aber bei Vorderrad oben auf dem Stein und Hinterrad schon unten sind die Beine dazwischen zu kurz. Ich stehe hinten und schaue mir das ganze mit klopfendem Herzen an. Jeff hilft. Nu bin ich dran. Komm Mädel, das geht, du musst „nur“ dahin schauen wo du hinwillst, dass rechts und links Löcher sind, ist dann egal. Mit klopfendem Herzen und äußerst sparsamem Gas hopple ich über die Steine hoch, trailmäßig langsam kurz vorm Abwürgen. oben angekommen, erst mal Luft holen. Man sieht nicht viel vom Weg, denn schon steht die Kehre an. Es geht weiter hoch und die nächste Kehre, wo Jeffs Mopped aufs Aufheben wartet. Ok, absteigen, helfen, aufsteigen, weiterfahren. So der Plan, aber eh ich einen Platz für meinen Seitenständer hatte, mach ich denselben Fehler wie Jeff und plopp. Gut, warten wir auf Markus. Alle Moppeds wieder aufgehoben, beim Einklappen des Seitenständers liegt Jeffs Mopped schon wieder auf derselben Seite. Ok, nochmal aufheben. Er fährt los, weil ich ihn in der engen losen Schotterkurve nicht gebrauchen kann. Das fesselt meinen Blick, geht gar nich. Aber eh ich richtig losgefahren bin, schlägt mein Lenker um und plopp. Muss ich denn alles Jeff nachmachen? Mist. Also wieder aufheben und um diese verdexte Kurve fahren.

Aufheben ist schwer

Aufheben ist schwer

Es geht schwierig weiter, aber machbar. Eben Level 5. Immer bergauf, mit dicken, festen Steinen, mit Furchen, Rinnen, Stufen, losen dicken Steinen, tiefem Abgrund rechts und viel Anstrengung. Ich komme an richtig hohe Steinstufen über den gesamten Weg verteilt. Woher? Keine Ahnung, links, da ist eine kleine, schmale Spurrille zwischen den Steinen. Ich hätte nur mehr Gas nehmen sollen, aber so bin ich halt nicht. Die Jungs hören mich unten schreien, aber sie eilen nicht herbei, um mein Baby in der Senkrechten zu halten. Ich halte so lange auf Zehenspitzen aus wie ich kann, aber rechts ist meine schwache Seite. Ich hab nicht viel Ausdauer und so muss ich sie fallen lassen, Beine breit machen, aber da ist kein Stein, sondern ein Loch. Beide purzeln wir über den Weg. Sie bleibt liegen und ich mache mich rund, rolle über den Helm in den ausgestreckten Sitz in Fahrtrichtung unten. Jetzt kommen die Jungs angeeilt. Hast du dir was getan? Nein, alles dran. Aber mein Mädel kann – noch einmal aufgehoben – aus dieser Position weder rauf noch runter. Wir versuchen, sie mit Motorhilfe hochzuschieben. Nee, geht nicht. Kurz überlegt. Ich beschreibe mein Gefühl, das ist Level 6 (soll heißen „über meinem Können“), da lacht Jeff und sagt, wohl eher 10. Recht hat er. Es ist zu schwer für mich. Nicht weiter quälen, wir haben genug Maschinen aufgehoben (M.’s übrigens kein einziges Mal an diesem Tag – nur nebenbei bemerkt). Ist auch schon spät. Lieber umdrehen. Das ist aber auch nicht so ganz einfach in diesen dicken Stufen. Aber ich ziehe mich auf meine Frauensonderstellung zurück und sichere nur. Wie gut, dass Jeff mit seinen Bärenkräften und Markus, mein Held, mir meine Maschine an eine Stelle bringen, wo ich wieder aufsteigen kann und dann nur warten muss, bis zuerst Jeff ganz oben sein Mopped gewendet hat und wieder runter gefahren ist und dann auch M. sein Bike direkt hinter mir ohne auf mich drauf zu fallen, gedreht hat. Dann fährt Jeff um die Kurve und ich habe genau 2 Meter, um auf die Füße zu kommen, links an der Stufe vorbei zu balancieren, an der ich zuvor aufwärts schon stecken geblieben bin, um die Kurve zu fahren, die ich nicht einsehen kann und nicht mehr weiß, wie es da aussah. Aber wie ich M. schon gesagt habe: Ich hab sie hier rauf gefahren, ich werde sie auch runter fahren können. Sagen lässt sich sowas immer leicht. Also nochmal: Konzentrier dich, langsam Luft holen, Augen zu  lass sie rollen, komm auf die Füße und lass die Kupplung los, damit die Motorbremse greifen kann. Genauso ging es, runter allemal auch sehr viel leichter. Dicke Steine einfach balancierend langsam runterhoppeln, immer auf die Spur kucken, schön langsam, damit das Hinterrad nicht so sehr blockiert, dann um die Kurve, wieder durch die Senke, hinterher wieder hoch, den Weg links rum mit der weiten Ausweichstelle, danach die abfallende Anliegerkurve, wo wir 4 mal aufgehoben haben, jetzt die Kehre, nun die Stelle wo M. stecken geblieben war und schon waren wir unten. Alle heil, auch die Mädels. Ab durch die Baustelle nach Hause, was mal eben 2 einhalb Std. dauert – im Dunkeln über die Straße – kein Problem. Wir haben zwar umgedreht, aber nicht gekniffen und sicher habe ich jetzt Level 6 erreicht. Gott sei Dank!

Gute N8 B.

Das Dreamteam

Das Dreamteam

Wasserspiele

Wasserspiele

In Lake City

In Lake City

Ein Ausflug in die Vergangenheit

Samstag, 3. Oktober 2015

Heute Morgen sind wir trotz des (deutschen) Feiertages früh aufgestanden und mit Jeff zum wöchentlichen Frühstück der BMW-Fahrer aufgebrochen. Etwa 20 Personen haben sich dort zu einem gemeinsamen Frühstück mit Benzingesprächen eingefunden. Auch hier werden wir direkt von den anderen unter die Fittiche genommen. Die eigentlich geplante Tour in die Berge wird aber aufgrund der allgemeinen Wetterlage („wo sind denn die Berge hin?“) abgesagt und stattdessen eine „Cemetery-Tour“ über die alten Bergarbeiter-Friedhöfe rund um Central City durchgeführt. Die alten Friedhöfe liegen gut versteckt in den Bergen östlich von Denver. Sind diese nur über kurvige Bergstraßen und Offroad-Abschnitte zu erreichen. Mittlerweile straft uns das Wetter Lügen und wir fahren in Höhen zwischen 2500 und 3000m unter blauem Himmel durch eine bunte Herbstlandschaft.

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Auch andere

Auch andere „parken“ ohne Seitenständer

An einem der alten Friedhöfe bekommen wir noch einen Geist zu sehen. Anschließend geht unser Tour-Guide verloren. Schickt er uns doch mit Handzeichen einen Schotterweg den Berg hoch und kommt nicht hinterher. Hat da der Geist etwa seine Hand im Spiel?

Der Friedhofsgeist

Der Friedhofsgeist

Durch den fehlenden Handyempfang ist eine kurzfristige Zusammenführung nicht mehr möglich und die Tour fällt etwas kürzer als geplant aus. Aber wir hätten uns sowieso von den anderen trennen müssen, stehen doch die Vorbereitungen für das abendliche Barbeque in Jeffs Haus an. Gemeinsam mit Jeff, seiner Frau und einem seiner Söhne genießen wir ein suuuuperleckeres Essen und lassen den Abend mit angenehmen Gesprächen ausklingen

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende

M.

Pay Back

Do 1.10.15

Gestern Abend hatten wir Gelegenheit, etwas von der Hilfsbereitschaft anderer zurückzugeben: Ein Offroader kam ohne Mopped an unseren Campingplatz. Wir dachten schon, er wolle smalltalken. Aber weit gefehlt. Er fragte nach Sprit, weil er dort oben „running out of fuel“ war, sein Freund schon vor 15 Meilen und sein Camp in 2 Meilen Entfernung läge. Klar haben wir 3 Liter Sprit für ihn, er wollte ihn auch bezahlen und zückt sofort sein Portemonnaie. Für nicht mal 3 Dollar? Lass stecken. Biker helfen untereinander. Wir tanken eh morgen wieder, da ist der Kanister schnell mit aufgefüllt, er möge nur bitte den Kanister zurück bringen, denn nur der passt in unsere Halterung. Sichtlich glücklich zieht er von dannen.

Auf dem Weg nach Denver kurz Routenplanung: Über direkte Strecke? Interstate? Oder Old-Highway, oder noch eine Extrarunde, schön über offroad? Ach, wir haben auf dem Shafer trail so viel Aufregung gehabt, das reicht. Lieber Strecke machen. Aber auf dem Weg soll es die Fisher Towers geben. Da wurden Western/Filme gedreht. Die würde M. sich gerne EBEN KURZ ankucken. Wäre nicht allradverpflichtend, also eigentlich ok. Also gut. Da können wir ja „eben“ hin. Beim Fisher Valley ist sicher auch der FisherTower. Wir biegen rechts ab.

Aber wir fahren erst mal 35 mal durch den Onion River rauf und runter, ein schönes Tal entlang mit merkwürdig betonfarbenen und betonartigen Felsen. Als ob hier ein Betonmischer seine riesige Ladung ausgekippt hätte. Manches Mal geht es direkt hinter dem kleinen Bach steil bergauf, so dass man zunächst langsam runter auf den Bach zu fahren muss, da man ja nie weiß, wie weich oder glitschig der Untergrund ist und damit das Wasser nicht hoch spritzt und einem die Sicht nimmt. Im Wasser allerdings muss man gleich wieder Gas geben, damit man gegenüber auch wieder hoch kommt. Es ist spaßig, alle 100 oder 300 m wieder aufs neue. Es könnte so schön sein, wenn nicht wie immer irgendwo das Knusperstückchen auf einen wartete. Das erste Stufenhochklettern klappt noch, aber das zweite, die Steilauffahrt im Sand nicht. Rechts droht der tiefe Abhang, links der Graben und der Sandstein. Wie der Name schon sagt, manchmal ist Sandstein nicht ganz so weich, wie der erste Teil des Namens unter dem Rad vermuten lässt. Er kostet uns eine Windschutzscheibe. Na, Hauptsache, niemandem ist etwas passiert. Also Mopped wieder auf die Räder (welcher Akt, wenn man selbst zwischen Mopped und Wand sich kaum drehen kann und eingequetscht ist, wenn die Räder höher als der Rest sind, und mit all dem Gepäck, bei losem Untergrund und festem Gestein an der Seite – kein Pack-an….), den Rest irgendwie hoch fahren und dann neu überlegen. Oben sind wir auch am Ende des Weges, danach ist nur noch eine Ranch – keine Towers. Es gäbe noch einen anderen Weg zurück auf den Highway, aber der ist weiter und wer weiß, wie der aussieht. Also umkehren, die 2 Knuspersektionen mit Gefühl im 1. Gang zurück auf die ursprüngliche Straße. Nach weiteren 35 Bachdurchfahrten ist auch die Laune wieder etwas gestiegen. Nach der nächsten Kurve steht ein Schild: „Fisher Towers nächste rechts“ Grrrr!

Eine der 35 Bachdurchfahrten

Eine der 35 Bachdurchfahrten

Blick ins Fisher Valley

Blick ins Fisher Valley

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rechts, wo der Tankrucksack liegt, hat sie gelegen

rechts, wo der Tankrucksack liegt, hat sie gelegen

Na egal, JETZT wollen wir die Sch…. dinger auch wenigstens mal sehen. Eine breite tiefgeschotterte Straße und ca 3 km später stehen wir davor. Hm, nett, sehr imposant. Kein Wunder, dass hier Filme gedreht wurden. Aber schon wieder brennt die Sonne, so suchen wir lieber ein schattiges Plätzchen am Colorado für die Pause.

Die Fisher Towers

Die Fisher Towers

Beim Umdrehen in Schräge auf losem Schotter (über Kupplung nach hinten ohne Motor), quetscht sich eine Frau mit ihrem Wagen an mir vorbei – blöde K_ _ – damit ich anschließend ihren Staub schlucken kann. Überholen lässt sie mich natürlich auch nicht. Nochmehr blöde K _ _ – irgendwann ist es mir zu bunt und ich zieh einfach links an ihr Steine schmeißend vorbei. Unten angekommen will ich sie zur Rede stellen und parke mitten auf dem Weg. Aber sie macht nicht mal die Scheibe runter, schüttelt nur den Kopf, sie würde nichts hören können und quetscht sich erneut an mir und meinem Mopped vorbei. Dreimal blöde K _ _ !!! Was denkt sie eigentlich von mir? Dass ich sie aus ihrem Auto zerre oder sie ohrfeige oder was? Vermutlich, denn anscheinend hatte sie Angst, auch nur das Fenster herunter zu drehen und mit mir zu sprechen. Vielleicht ist diese Vorstellung hier gar nicht so weit hergeholt.

Bei Micki-Di erfahren wir, dass es in einem Ort in Oregon, wo wir letzte Woche durchgefahren sind, in einer Schule wieder ein Massaker mit 12 Toten gegeben hat. Wir furchtbar. Aber auf Waffen angesprochen, rechtfertigt jeder den Besitz derselben. Ich verstehe es nicht. Mit 17 schon Autofahren dürfen, Waffen besitzen dürfen, in Parks auf Schilder schießen, alles erlaubt. Aber ein Bier unter 21 trinken???? Huhhhhhh, gefäääääährlich! Irgendwie passt das alles nicht zusammen. Darüber sollten die Amerikaner mal nachdenken – tun sie auch, zumindest, wenn man Obamas Rede dazu hört: Mehr Waffen machen das Land nicht sicherer, aber die Opposition hat die restriktiveren Waffengesetze ja torpediert. Ist dies die Quittung dafür? Oder für die hiesige Schulpolitik? Für den Abwärtstrend an Bildung? Hoffentlich finden die Amerikaner bald eine Lösung, dass nicht alle paar Monate ein solch furchtbares Massaker passiert.

Passt auf euch auf zu Hause und macht’s gut

VGB

Arches – Bögen

Mi 30.9.15

Kaum zu glauben, wir sind schon (oder erst) 3 Monate unterwegs. Sehr weit sind wir noch nicht gekommen, und dennoch 26 TKM weit gefahren.

Heute war der Arches Nationalpark dran. Wieder ist es 32 – 35 Grad und im Park ist Schatten echte Mangelware. Mir schmilzt die Birne, aber M. hat einfach mehr „Sitzfleisch“. Ich wäre ja nach 2 Std. schon durch gewesen, aber er macht Bild um Bild, 5 min. fahren, 5 min. warten, 5 min. fahren, 2 min. absteigen, kucken, weiterfahren. Mich zermürbt das. Mir ist zu warm. Dazwischen die Japaner, die per Trillerpfeife zum Bus zurückbeordert werden, und lautstark alles besetzen, was geht. Sie machen mir sogar das Absteigen vom Mopped unmöglich, weil sie quer über den Parkplatz zwischen den Fahrzeugen her stürmen und sich um die Bedürfnisse anderer einen Kehricht scheren.

Auch wenn es mir nicht so weitläufig vorkam, wie tags zuvor der Canyonlands Nationalpark, so sind wir heute allein im Park 100 km gefahren. Die berühmten Arches erlaufen wir zur Mittagshitze – wie gefühlt tausend andere. Einige weitere Bögen und Besonderheiten hätte ich gerne bei niedrigeren Temperaturen er“wandert“, aber ohne Schatten??? Außerdem hätte ich dann EIN Highlight aussuchen müssen. Aber welches auslassen? So muss es also reichen, wenn ich manches nur von Ferne sehe.

Insgesamt fand ich den Park gestern wesentlich schöner, der Arches ist so groß ausgebaut, dass die Busse bis vorne hin gekarrt werden. Mich hat der berühmte Park eher enttäuscht. Die Massen strömen raus, 5 min. lang Photos machen und werden wieder eingesammelt. Sowas mag ich gar nicht. Aber vermutlich werden die Kosten der anderen Parks mit diesem überlaufenen Park quersubventioniert. Nun – mein Geschmack ist es nicht. Aber entscheidet selbst. Hier ein paar Bilder.

VGB

The balanced Rock

The balanced Rock

the skyline - Arch

the skyline – Arch

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Ein doppelter Bogen, nach links und nach hinten

Ein doppelter Bogen, nach links und nach hinten

Der berühmte Delikate Arche - er scheint wirklich bald zusammen zu brechen. Man hat lange darüber gestritten, ob man den Arch in Kunststoff einhüllen soll um ihn vor der Erosion zu schützen, sich dann aber dagegen etnschieden. Das ist eben Natur. Irgendwann entstehen Arches und irgendwann brechen sie zusammen.

Der berühmte Delikate Arche – er scheint wirklich bald zusammen zu brechen. Man hat lange darüber gestritten, ob man den Arch in Kunststoff einhüllen soll um ihn vor der Erosion zu schützen, sich dann aber dagegen etnschieden. Das ist eben Natur. Irgendwann entstehen Arches und irgendwann brechen sie zusammen.

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Wir unter dem nördlichen Bogen. Nach oben geschaut und man sieht diese losen Steine. Wann die wohl runter kommen?

Wir unter dem nördlichen Bogen. Nach oben geschaut und man sieht diese losen Steine. Wann die wohl runter kommen?

The Gossips _ Die Klatschweiber

The Gossips _ Die Klatschweiber

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Und ewig lockt der Kaffee

Vollmond gerade aufgegangen, golden und groß wie der Baum rechts und links

Vollmond gerade aufgegangen, golden und groß wie der Baum rechts und links

Di 29.9.15

Canyonlands – mehr kann ich nicht sagen, mir fehlen die Worte. Ich bin sprachlos. Anscheinend hat der liebe Gott hier große Bauklötze im Sand versteckt und nun ist der Sand durch das Raster gefallen.

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Wir fahren erst oben auf dem Hochplateau alle Wege ab, welche Aussichten. Welche riesigen Pinns, die von hier oben so klein aussehen. Wie ein Kinderspielplatz! Aber es ist echt, vor allem echt groß.

Huh ist das hoch - es geht senkrecht runter - ohne Sicherung

Huh ist das hoch – es geht senkrecht runter – ohne Sicherung

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Der Colorado

Der Colorado

Die White Rim - Es gibt einen 100 Meilen langen Weg diese Kante entlang. (ein kleines Stück sind wir auch gefahren.)

Die White Rim – Es gibt einen 100 Meilen langen Weg diese Kante entlang. (ein kleines Stück sind wir auch gefahren.)

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M. war hier vor Jahren schon mal mit dem Auto und wollte immer mal da runter. Und heute ist es so weit. Die Frage, ob ich wissen will, wie der Shafer-Trail aussieht, hätte er sich sparen sollen. Natürlich nicht! Ist immer besser, wenn ich die Abgründe NICHT vorher sehe. So unterhalte ich mich lieber mit anderen Urlaubern, die anscheinend dasselbe Problem haben. Er will runter und sie hat schon genug vom Sehen.

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Aber ich werde nicht gefragt und so ist irgendwann der A… im Shafer-Trail drin. „Zur Belohnung gibts unten in Moab einen schönen Kaffee!“ (Er weiß, womit er mich locken kann.) Aber ich habe nicht die ganzen Trainings umsonst gemacht. Ich WEIß, dass ich das kann. Ich muss nur meine Nerven in den Griff kriegen. Keine Leitplanken, der Weg breit wie ein Auto, nur für 4-wheelers zugelassen. (2 + 2 = 4! Genehmigt! 😉 In Serpentinen gehts abwärts und M. hat wieder nix anderes als Bilder im Kopf. Na gut, wie sagte Guido von „dirt4fun“? „Dann kuck doch nicht hin, wenn du Stress hast!“ Er meinte zwar den Matsch im ersten offroad Training, aber seitdem ist dies ein immer wieder gern zitierter Spruch für alle Lebenslagen. Also kuck ich halt nicht in den Abgrund runter (Es geht direkt neben der Straße sehr lange senkrecht abwärts. Wie weit, weiß ich nicht, hab nicht hingekuckt!) Ich halte erst an, als ich unten bin (800 m tiefer) und warte im Schatten auf M. 32 °C. Ich dachte, damit hätte ich jetzt das Schlimmste überstanden, aber weit gefehlt. Eh wir wieder Asphalt zu sehen bekommen, haben wir noch einige „Knusperstückchen“ (wie Guido immer sagte) zu bewältigen: steinige Treppenstufen, trailmäßig runter UND rauf, wie auf einem alpenländischen Gebirgspfad gehts zu. Auch die tiefen, sandigen Spurrillen (die von nasseren, matschigeren Zeiten herrühren) werden nicht netter, nur weil der Sand rot ist. Wie gut, dass die Aufnahme des Trails nicht die Akustik meines Helms beinhaltet. Kaum durch, kann sich M. vor Lachen kaum auf dem Mopped halten. (Vielleicht sollte ich die Kommunikation demnächst vorher ausschalten!) Haben sich die Mühen gelohnt? Natürlich! Wie immer, nassgeschwitzt, aber glücklich, schaue ich in die grandiose Landschaft! Das ist wirklich einmalig auf der Welt.

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Auf dem Shafer-Trail: Der Fliegenschiss in der Mitte bin ich

Auf dem Shafer-Trail: Der Fliegenschiss in der Mitte bin ich

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geschafft, unten! 800 Höhenmeter tiefer! 32 °C und nassgeschwitzt, aber glücklich und stolz.

geschafft, unten! 800 Höhenmeter tiefer! 32 °C und nassgeschwitzt, aber glücklich und stolz.

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Der Colorado - irgendwann fließt er durch den Grand Canyon. Bereits hier gräbt er sich mehr und mehr ein. ca 18 -23 cm jedes Jahr.

Der Colorado – irgendwann fließt er durch den Grand Canyon. Bereits hier gräbt er sich mehr und mehr ein. ca 18 -23 cm jedes Jahr beträgt die Erosion.

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Zu spät zum Kochen - hier gibts was leckeres. Den 40 km Weg über Straße im Dunkeln kennen wir schon, denn unser Zelt haben wir oben auf den Hochplateau gelassen.

Zu spät zum Kochen – hier gibts was leckeres. Den 40 km Weg über Straße im Dunkeln kennen wir schon, denn unser Zelt haben wir oben auf dem Hochplateau gelassen.

Neben uns die Mountainbiker, die mit großen Augen staunen, wie man diesen Weg denn überhaupt mit solch dicken Moppeds und Gepäck fahren kann. Und wir schauen mitleidig bei den steilen Anstiegen. Nein, hier ohne Motor hoch? Selber treten? Bei DER Hitze? Bloß nicht!

Jedem das seine! Und mir zum Abschluss einen Kaffee! Hmmmmm….

VGB

Olympia die 3. – Park City

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So 27.9.15

Wir haben schon wieder olympischen Boden betreten: Winterspiele von 2002 von Salt Lake City – Park City. Morgens im Café sitzen wir einer olympischen Medaillenhoffnung gegenüber: Nik Seemann.

In unserer Mitte eine zukünftige Berühmtheit: Nick Seemann, Freestylist und Medaillenanwärter der nächsten olympischen Spiele - und wir haben uns mit ihm unterhalten. Er war von unserem

In unserer Mitte eine zukünftige Berühmtheit: Nik Seemann, Freestylist und Medaillenanwärter der nächsten olympischen Spiele – und wir haben uns mit ihm unterhalten. Er war von unserem „Projekt“ genauso angetan, wir wir von seinem!

Welch netter Kerl. Später besuchen wir seine Trainingsstätte und sind beeindruckt ob solcher Bedingungen. Kein Wunder, dass die US-Jungs und Mädels so gut sind.

Ski - Freestyle : Wahre Könner und wohl Olympiaanwärter. Wir haben mehrfache Schrauben und Salti in einem einzigen Sprung gesehen!

Ski – Freestyle : Wahre Könner und wohl Olympiaanwärter. Wir haben mehrfache Schrauben und Salti in einem einzigen Sprung gesehen!

Ski - Freestyle im Sommer: Verschiedene Rampen zur Auswahl, ab ins Bassin, welches mittels Sprudelautomat auch weiß

Ski – Freestyle im Sommer: Verschiedene Rampen zur Auswahl, ab ins Bassin, welches mittels Sprudelautomat auch weiß „angemalt“ werden kann.

Wir reißen uns los und fahren die Strecke, die uns ein weiterer Moppedfahrer empfohlen hat. Landschaftlich wie Motorradtechnisch sehr schön. Die Berge (zwischen 1500 und 3000 m hoch) wechseln baumbewachsen und kahl ab. Aber eins haben sie alle gemeinsam: Sie sehen aus, wie vom Steinmetz behauen, als ob Burgen und Schlösser im Sand verschüttet wären. Wir könnten hinter jeder Kurve unzählige Bilder machen.

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Wir müssen los, bis später…

VGB

Auf unserem „Camping´platz“ am Green river mit Kaltwassergeysir (für umsonst) treffen wir auf andere Offroader. Die Bagagefahrerin spendiert zwei kalte Biere und eine halbe Melone. Außerdem informieren sie uns über die heutige totale Mondfinsternis, schon um halb 9, also kaum ist die Sonne untergegangen gehts auch schon los. Wow! DAS hab ich noch nie gesehen und kommt hier wohl alle 22 Jahre vor. Und wir sind genau jetzt hier! Die umliegenden Camper schlafen lange, aber ich höre seit gestern Abend immer so ein Plätschern. Irgendwie hat der Wecker heute morgen geklingelt und wir sind schon um halb 8 draußen. Mal schauen, was der Geysir so macht. Ja, hier ist ein Wasserbecken und hier läuft das Wasser runter in den River. Merkwürdig, dass ich das gestern Abend übersehen habe. Alles ist schön orange oder gelb, manchmal weiß. Es riecht nur wenig nach Schwefel, aber es blubbert und schäumt schön. Wir bauen unser Zelt ab und hören wie es kräftig faucht. Huuuu, da spuckt er aber Wasser, glatt 2 m hoch. Mehrfach. wir packen weiter und als ich fertig bin, stelle ich merkwürdige Ruhe fest. Ich höre gar kein Plätschern und Fauchen mehr. Ich schaue nach und der Geysir ist trocken gelaufen. Kein Wasserbecken, kein Fauchen, nur ein Wasserplätschern in der Tiefe. Und wir haben es gesehen. Der frühe Vogel fängt den Wurm! Die anderen Camper haben das verpasst. Dieser Geysir spuckt nämlich nur alle 2 Tage! Das nenn ich Timing!_MG_0116_MG_0082

Green River ist berühmt für Melonen... hm lecker

Green River ist berühmt für Melonen… hm lecker

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Salt Lake City

Sa.26.9.15

Wir packen uns auf, kaum dass die Sonne aufgegangen ist, und fahren zum Tanken. Dort entdeckt M. in derTageszeitung einen Bericht über die heute stattfindende Flugshow – in Erinnerung an den Krieg, der vor 70 Jahren zu Ende gegangen ist – mit alten Flugzeugen und ebensolchen Gerätschaften. Wir entschließen uns spontan, die 20 Buks Eintritt auszugeben. Es gibt alte Panzerfäuste, Pistolen, Gewehre, Maschinenpistolen und was weiß ich alles für Mörderwerkzeug. Keine andere Spezies geht derart gegen die eigene Art vor, nur wir Menschen. (Wir sollten uns mal ein Beispiel an den Tieren nehmen.) Ich bekomme Beklemmungen angesichts dieser Dinge. Die Amerikaner sehen das lockerer, nehmen fröhlich all die „toys“ in die Hand und posieren für Photos. Und ich dachte, die hätten vielleicht Ressentiments uns gegenüber, weil wir aus D-land sind. Aber viele haben deutsche Vorfahren und sehen die Vergangenheit als vergangen an. Auf dass uns diese Fehler nicht noch mal passieren.

zwei Mustangs am Himmel: P-51

zwei Mustangs am Himmel:
P-51

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Diese Maschine haben wir in Aktion gesehen.

Diese Maschine haben wir in Aktion gesehen.

Gegen Mittag wollen wir dann doch los, auch wenn einige alte Flugzeuge in die Luft gegangen sind. M. will wiedermal den Interstate vermeiden, nimmt die kleine Straße daneben. Sie wird schlecht und schlechter. Erst dicke Flatschen an Schlaglöchern, dann mehr und mehr Bodenwellen, bis die ganze Straße nur noch aus solchen besteht. Schotter kommt hinzu, irgendwann auch noch Sandverwehungen. Mir reichts. Mittlerweile im 2. Gang angekommen entscheiden wir uns zum ersten Mal, die 13 km zurück zu fahren, anstatt es weiter zu probieren, denn die nächste Möglichkeit auf den Interstate zu gelangen, gibt es erst in 50 km.

Fahren wir oder fahren wir nicht?

Fahren wir oder fahren wir nicht?

Auf diesen Kampf lassen wir uns nicht ein. Also langweilige 2 Std. über den Interstate. 100 km nur geradeaus, so dass die erste Kurve dick mit Schildern angekündigt wird. Rechts und links nur platte Salzebene, die ringsum von Bergen eingesäumt wird. Es gibt kräftigen Seiten- und Gegenwind. Morgen gibts bestimmt Muskelkater im Nacken vom Dagegenhalten. Trotzdem werde ich müde, eine Kaffeepause wäre nicht schlecht, aber die gibts erst kurz vor Salt Lake City.

Dort in Salt Lake City angekommen gibt es zwei große Events: 1. eine Komicconvention – eine Art Messe, fast so wie Karneval bei uns

Arven und Aragorn (hat der in HdR auch ne Sonnenbrille getragen?)

Arven und Aragorn (hat der in HdR auch ne Sonnenbrille getragen?)

und 2. haben die Mormonen einen Kongress und waren schick herausgeputzt. So wimmelte die Stadt von unterschiedlichsten Leuten. Dem Verkehrschaos können wir aber entgehen, weil wir einen Motorradparkplatz gefunden haben! Wenns nicht für ein Auto reicht, dann für Moppeds doch alle mal und ein Schild kündigt das freie Parken bis 6 PM an. Na klasse! _MG_9804

Gegenüber ist das Mormonenareal. Ein riesiges Gelände mit ca 10 Gebäuden  und  einer Kirche in der Mitte. Die heißt hier aber Tempel und darf nicht besichtigt werden. Mist. Aber wir erfragen uns im Visitorcenter alle Infos, die uns interessieren, vor allem, wie es innen drin aussieht: 177 kleine Räume beherbergt der Tempel. Also nicht wie unsere Kathedralen. Da uns die junge Frau mehr und mehr bekehren möchte, breche ich das Gespräch kurzerhand ab. Die Stadt macht einen äußerst sauberen Eindruck, wohl auch ein Einfluss der Mormonen, die hier 70 % der Bevölkerung ausmachen.

Der

Der „Tempel“ der Mormonen in Salt Lake City

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schön hier, aber kein Camping erlaubt :-(

schön hier, aber kein Camping erlaubt 😦

Noch ein Plätzchen zum Schlafen außerhalb der Stadt in Richtung unserer morgigen Route – Ziel: Moab (= die Outdoorhauptstadt Utahs) dort soll es sich schön Mopped fahren lassen…

VGB

Beautyful desert

Fr. 25.9.15

Beautyful? Schöne Wüste? Was ist an Wüste schön? Wie können Menschen hier leben? Wovon? Woher kommt das Wasser? Was fressen denn die Kühe, die hier gehalten werden? Da muss doch jede Wiese bewässert werden, oder?!

Wir haben heute einen Mann getroffen, der hatte auf all diese Fragen Antworten. Aber von vorne.

Wir packen unsere Sachen zusammen und geraten in Streit, denn ich habe schon den ganzen Morgen Stress und bin nicht so gnädig und cool wie sonst. Stress wegen des 200 m Sandweges, aus den Dünen heraus. Und M. nervt, dass ich an meinem Mopped keine Zusatzsteckdose habe, weshalb er seines im Sand hin und herschieben muss, damit auch meine Reifen mit dem schönen elektrischen Gerät überprüft werden können.

Sollen wir heute den Schotterweg fahren? Damit der langweilige Interstate nicht so lange gefahren werden muss? Nein, nicht wenn wir Strecke machen wollen. Lieber ohne. So die Vereinbarung von morgens. Es dauert nicht lange, da verlässt M. den Interstate – mein Navi sagt, weiterfahren. Aber wie immer wird das gefahren, was der vorne will. Da M. aber immer wieder Dinge verliert, die ich aufsammle (weil ich hinter ihm fahre und das mitbekomme), fährt er meist vorne. Also runter. Ein kleines, schönes geteertes Sträßchen, welches aber nach 30 km in die falsche Richtung weiter geht. Navi sagt abbiegen, auf die Schotterstraße. M. wundert sich, die Karte und NAvi hätten ohne Schotter angezeigt. Jep, das würde ich jetzt auch behaupten. Ich füge mich in mein Schicksal, arrangiere mich halt. Kategorie eins, da kann man auch 100 im 6. Gang drüber brettern – meistens. Aber irgendwann geht der Weg nur zur Miene und der richtige Weg ist schon Kategorie 2, was sich allein schon darin äußert, dass das Wohlfühltempo meist im 4. oder 5. Gang gefahren wird, also schon deutlich langsamer, was sich für das „Strecke machen“ eher nachteilig auswirkt. Aber nun müssen wir durch, keiner hat Lust 60 km zurück zu fahren und einen Umweg von 120 km in Kauf zu nehmen. Also weiter. Sehr kurvig mit viel Waschbrett. Hier ist kein A… wirklich niemand. Wir überholen keinen, uns kommt keiner entgegen. 100 km Piste und wir sind komplett allein. Welcher Hornochse fährt schon hier lang? Nur wir sind anscheinend so bescheuert. Was wenn wir hier eine Panne haben? Da kann uns dann wirklich niemand helfen. M. bietet mir an, vorne zu fahren, damit ich nicht immer seinen Staub schlucken muss. Nett gedacht, aber wer sammelt bei dieser Ruckelei denn deine Klamotten auf? Also schnell wieder getauscht. Wir kommen an sehr erstaunlichen Spots vorbei. Auf einmal ist alles grün hier. Ob der nahegelegene Stau“see“ ein Leck hat? Auch sind plötzlich außer uns beiden weitere Rindviecher auf der Straße. Was fressen die denn hier?

Irgendwann ein Ort: Tuscadora. Hier fahren tatsächlich Autos. Eins davon überholen wir und kommen an der Post mit dem Fahrer ins Gespräch. Mittlerweile in Rente lebt er hier. Seine Eltern sind von Kalifornien hierher gezogen. Hierher? In die Wüste? Ich schaue ungläubig. Ja, so habe er damals auch geschaut, sagt er und beschreibt, wie schön es hier ist. Auch wenn es hier knochentrocken aussähe, so gäbe er hier doch überall Wasserquellen, meist unterirdisch fließend, aber doch immer wieder hervorkommend.  Man sähe das an den grünen Stellen. Stimmt, an einem sind wir eben vorbeigekommen. Die ganzen Creeks zeugen davon und außer im Sommer führen die auch Wasser. Die Tiere wissen, wo das Wasser an die Oberfläche kommt. Die wissen auch, welche Pflanzen die Feuchtigkeit halten und fressen die dann. Hier wäre gar keine Wüste, die wäre erst an den Salzseen, DAS wäre die richtige Wüste. Im Winter liegen hier 2 Meter hoch Schnee, alles ist weiß bedeckt und wunderschön. Dann blüht die Wüste im Frühjahr, wenn der Schnee schmilzt. Nur jetzt sieht alles so braun aus. Ich frage nach dem Bittermandelduft. Ja, das sind die Sträucher, die so ölhaltig sind, dass sie wie Zunder brennen, fast explodieren. (Also doch!) Außerdem würden mancherorts die Wasserquellen nach  Zwiebeln riechen, weil dort wilde Zwiebeln wachsen. Und Sorge vor einer Panne bräuchte man auch keine zu haben, die Leute hier wären sehr hilfsbereit. Man hilft sich untereinander immer sofort. Jaaaaa, wenn denn mal einer vorbei käme. Er winkt ab. Er hätte uns schon vor 30 km gesehen, wir wären die ganze Zeit hinter ihm hergefahren. Ich habe ihn nicht gesehen, aber zu meiner Entschuldigung auch auf die Straße geachtet und nicht auf irgendwelche Staubfahnen. Es wäre ihm aufgefallen, wenn wir nicht weitergekommen wären und er hätte nachgeschaut. Dies beruhigt mich doch ungemein. Dieser (triste) Ort hier war mal eine blühende Stadt von 10.000 Einwohnern. Die lebten von den Mienen hier in der Umgebung. Er selbst war Straßenbauer und nur kurz in der Miene beschäftigt. Hier wird immer noch nach Gold gesucht. Wir danken für das ausführliche Gespräch und fahren weiter nach Bonneville zu den Saltflats.

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M. in Aktion

M. in Aktion

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Hier wird jeden Sommer die 10 Meilen lange Strecke für Geschwindigkeitsrekorde bereitet. Aber irgendwann regnet es und das Wasser sammelt sich auf dem Salz. Dann ist Ende im Gelände. So auch als wir kommen. Nix is mit Rennstrecke, nix mit Mopped drüber fahren. Hier ist ein riesiger, knöchel- knietiefer See. Bis zum nächsten Sommer, wenn das Wasser verdunstet ist, die Strecke neu hergerichtet wird und wieder Fahrzeuge versuchen, den Rekord zu brechen.

Statt dessen parken wir zu Beginn des „Sees“ im Salz-Sand-Gemisch und bauen – wie ein anderer Moppedfahrer zuvor – unser Zelt hier an diesem geschichtsträchtigen Ort auf. _MG_9665 _MG_9671_MG_9672

geschichtsträchtiger Zeltplatz im Mondschein

geschichtsträchtiger Zeltplatz im Mondschein

M. - auch in Aktion

M. – auch in Aktion

Mopped bei Sonnenaufgang am Rande des Salzsees

Mopped bei Sonnenaufgang am Rande des Salzsees

Nebenbei bemerkt: Wir sind über eine State-Grenze (mit einer Stunde Zeitsprung) gefahren, die mitten durch den Ort verläuft. Direkt hinter der Grenze stehen prächtige Bauten: Kasinos. In Nevada ist das Glücksspiel erlaubt, aber in Utah nicht. Deshalb werden die Kasinos so dicht hinter die Grenze gebaut, fast, als ob sie den anderen hinter der Grenze eine lange Nase zeigen. Ätschibätsch.

Die Sonne ist hinter den Bergen verschwunden und es ist noch früher dunkel, trotz Zeitsprung. Aber der fast vollständige Vollmond wirft Schatten und wir sitzen bei 27 Grad neben den Moppeds. Welch ein Ort zum Übernachten!

VGB