Beautyful desert

Fr. 25.9.15

Beautyful? Schöne Wüste? Was ist an Wüste schön? Wie können Menschen hier leben? Wovon? Woher kommt das Wasser? Was fressen denn die Kühe, die hier gehalten werden? Da muss doch jede Wiese bewässert werden, oder?!

Wir haben heute einen Mann getroffen, der hatte auf all diese Fragen Antworten. Aber von vorne.

Wir packen unsere Sachen zusammen und geraten in Streit, denn ich habe schon den ganzen Morgen Stress und bin nicht so gnädig und cool wie sonst. Stress wegen des 200 m Sandweges, aus den Dünen heraus. Und M. nervt, dass ich an meinem Mopped keine Zusatzsteckdose habe, weshalb er seines im Sand hin und herschieben muss, damit auch meine Reifen mit dem schönen elektrischen Gerät überprüft werden können.

Sollen wir heute den Schotterweg fahren? Damit der langweilige Interstate nicht so lange gefahren werden muss? Nein, nicht wenn wir Strecke machen wollen. Lieber ohne. So die Vereinbarung von morgens. Es dauert nicht lange, da verlässt M. den Interstate – mein Navi sagt, weiterfahren. Aber wie immer wird das gefahren, was der vorne will. Da M. aber immer wieder Dinge verliert, die ich aufsammle (weil ich hinter ihm fahre und das mitbekomme), fährt er meist vorne. Also runter. Ein kleines, schönes geteertes Sträßchen, welches aber nach 30 km in die falsche Richtung weiter geht. Navi sagt abbiegen, auf die Schotterstraße. M. wundert sich, die Karte und NAvi hätten ohne Schotter angezeigt. Jep, das würde ich jetzt auch behaupten. Ich füge mich in mein Schicksal, arrangiere mich halt. Kategorie eins, da kann man auch 100 im 6. Gang drüber brettern – meistens. Aber irgendwann geht der Weg nur zur Miene und der richtige Weg ist schon Kategorie 2, was sich allein schon darin äußert, dass das Wohlfühltempo meist im 4. oder 5. Gang gefahren wird, also schon deutlich langsamer, was sich für das „Strecke machen“ eher nachteilig auswirkt. Aber nun müssen wir durch, keiner hat Lust 60 km zurück zu fahren und einen Umweg von 120 km in Kauf zu nehmen. Also weiter. Sehr kurvig mit viel Waschbrett. Hier ist kein A… wirklich niemand. Wir überholen keinen, uns kommt keiner entgegen. 100 km Piste und wir sind komplett allein. Welcher Hornochse fährt schon hier lang? Nur wir sind anscheinend so bescheuert. Was wenn wir hier eine Panne haben? Da kann uns dann wirklich niemand helfen. M. bietet mir an, vorne zu fahren, damit ich nicht immer seinen Staub schlucken muss. Nett gedacht, aber wer sammelt bei dieser Ruckelei denn deine Klamotten auf? Also schnell wieder getauscht. Wir kommen an sehr erstaunlichen Spots vorbei. Auf einmal ist alles grün hier. Ob der nahegelegene Stau“see“ ein Leck hat? Auch sind plötzlich außer uns beiden weitere Rindviecher auf der Straße. Was fressen die denn hier?

Irgendwann ein Ort: Tuscadora. Hier fahren tatsächlich Autos. Eins davon überholen wir und kommen an der Post mit dem Fahrer ins Gespräch. Mittlerweile in Rente lebt er hier. Seine Eltern sind von Kalifornien hierher gezogen. Hierher? In die Wüste? Ich schaue ungläubig. Ja, so habe er damals auch geschaut, sagt er und beschreibt, wie schön es hier ist. Auch wenn es hier knochentrocken aussähe, so gäbe er hier doch überall Wasserquellen, meist unterirdisch fließend, aber doch immer wieder hervorkommend.  Man sähe das an den grünen Stellen. Stimmt, an einem sind wir eben vorbeigekommen. Die ganzen Creeks zeugen davon und außer im Sommer führen die auch Wasser. Die Tiere wissen, wo das Wasser an die Oberfläche kommt. Die wissen auch, welche Pflanzen die Feuchtigkeit halten und fressen die dann. Hier wäre gar keine Wüste, die wäre erst an den Salzseen, DAS wäre die richtige Wüste. Im Winter liegen hier 2 Meter hoch Schnee, alles ist weiß bedeckt und wunderschön. Dann blüht die Wüste im Frühjahr, wenn der Schnee schmilzt. Nur jetzt sieht alles so braun aus. Ich frage nach dem Bittermandelduft. Ja, das sind die Sträucher, die so ölhaltig sind, dass sie wie Zunder brennen, fast explodieren. (Also doch!) Außerdem würden mancherorts die Wasserquellen nach  Zwiebeln riechen, weil dort wilde Zwiebeln wachsen. Und Sorge vor einer Panne bräuchte man auch keine zu haben, die Leute hier wären sehr hilfsbereit. Man hilft sich untereinander immer sofort. Jaaaaa, wenn denn mal einer vorbei käme. Er winkt ab. Er hätte uns schon vor 30 km gesehen, wir wären die ganze Zeit hinter ihm hergefahren. Ich habe ihn nicht gesehen, aber zu meiner Entschuldigung auch auf die Straße geachtet und nicht auf irgendwelche Staubfahnen. Es wäre ihm aufgefallen, wenn wir nicht weitergekommen wären und er hätte nachgeschaut. Dies beruhigt mich doch ungemein. Dieser (triste) Ort hier war mal eine blühende Stadt von 10.000 Einwohnern. Die lebten von den Mienen hier in der Umgebung. Er selbst war Straßenbauer und nur kurz in der Miene beschäftigt. Hier wird immer noch nach Gold gesucht. Wir danken für das ausführliche Gespräch und fahren weiter nach Bonneville zu den Saltflats.

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M. in Aktion

M. in Aktion

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Hier wird jeden Sommer die 10 Meilen lange Strecke für Geschwindigkeitsrekorde bereitet. Aber irgendwann regnet es und das Wasser sammelt sich auf dem Salz. Dann ist Ende im Gelände. So auch als wir kommen. Nix is mit Rennstrecke, nix mit Mopped drüber fahren. Hier ist ein riesiger, knöchel- knietiefer See. Bis zum nächsten Sommer, wenn das Wasser verdunstet ist, die Strecke neu hergerichtet wird und wieder Fahrzeuge versuchen, den Rekord zu brechen.

Statt dessen parken wir zu Beginn des „Sees“ im Salz-Sand-Gemisch und bauen – wie ein anderer Moppedfahrer zuvor – unser Zelt hier an diesem geschichtsträchtigen Ort auf. _MG_9665 _MG_9671_MG_9672

geschichtsträchtiger Zeltplatz im Mondschein

geschichtsträchtiger Zeltplatz im Mondschein

M. - auch in Aktion

M. – auch in Aktion

Mopped bei Sonnenaufgang am Rande des Salzsees

Mopped bei Sonnenaufgang am Rande des Salzsees

Nebenbei bemerkt: Wir sind über eine State-Grenze (mit einer Stunde Zeitsprung) gefahren, die mitten durch den Ort verläuft. Direkt hinter der Grenze stehen prächtige Bauten: Kasinos. In Nevada ist das Glücksspiel erlaubt, aber in Utah nicht. Deshalb werden die Kasinos so dicht hinter die Grenze gebaut, fast, als ob sie den anderen hinter der Grenze eine lange Nase zeigen. Ätschibätsch.

Die Sonne ist hinter den Bergen verschwunden und es ist noch früher dunkel, trotz Zeitsprung. Aber der fast vollständige Vollmond wirft Schatten und wir sitzen bei 27 Grad neben den Moppeds. Welch ein Ort zum Übernachten!

VGB

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