Landesinnere/Wüste

Mi + Do 23/24.9.15

Wir biegen von der herrlichen Küste Oregons ins Landesinnere ab. Noch ein kleiner Abstecher ans Meer, wo wir bei den hereinbrechenden Wellen frühstücken. Ich könnte stundenlang zusehen. Gestern Abend haben wir Seelöwen in der Brandung beobachten können, direkt vom Aussichtspunkt.

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Aber wir waren zu unruhig, um noch den Sonnenuntergang mitzunehmen. Wiedermal hat uns die Suche nach dem Campingplatz den Sunset verdorben. Mist. Das müssen wir also verschieben, denn wir wollen zum Crater Lake. Die Straße gehört wieder uns. Null Verkehr. Wieder fällt uns die umgebende Trockenheit auf, staubtrockene Straßenränder, braune Wiesen und Rinnsale in mächtigen Flusstälern. In Rapidvillage (Rapid=Stromschnelle) hats wohl schon lange keine Rapids mehr gegeben, denn die Steine und Felsen liegen trocken, dazwischen nur stehende Gewässer.

Kurvig erreichen wir über den Highway 38 den Crater-Lake im Nationalpark. Normalerweise kostet jeder Nationalpark extra Eintritt, aber wir haben ja unseren Jahrespass. (Den zu kaufen war eine gute Entscheidung.) Der erste Wow-Ausguck und wir sind hin und weg. Sonne, blauer Kratersee und mittendrin ein Vulkan im Vulkan.

Der Vulkan im Vulkan

Der Vulkan im Vulkan

Der Vulkan im Vulkan (Whizard Island)

Der Vulkan im Vulkan (Whizard Island)

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Das "Geistereschiff"

Das „Geistereschiff“

das "Schloss" am Crater Lake - übrig gebliebene Lavaschicht von früherem Ausbruch

das „Schloss“ am Crater Lake – übrig gebliebene Lavaschicht von früherem Ausbruch

Man kann um den See herumfahren, was wir auch tun. Im Nationalpark darf man nicht wild campen, also auf zum Campingplatz. Hier im Park sollen 30 – 70 Schwarzbären leben, also wieder alles in die bereitgestellten Footlocker stellen. Wir haben aber schon seit Ewigkeiten keinen Bären mehr gesehen. So auch diese Nacht nicht. 🙂

Es wird schnell dunkel und noch schneller kalt. Ich verzieh mich ins Zelt, während M. noch eine neue Liste anfängt.

Es sind nur noch 7 Grad – auf 1800 m Höhe. Ein Einheimischer hat uns Schnee angedroht, aber anscheinend hat er nur geunkt. Denn auch am nächsten Morgen sind es noch 5 Grad. Da haben wir gestern Abend aber mehr gefroren. Wie kommt das denn? Anscheinend liegt es an der Feuchtigkeit – bzw. Trockenheit. Unser Zelt ist knochentrocken, innen wie außen, obwohl ich es normalerweise immer zumindest von innen trocken wischen muss. Die Luft ist hier so trocken, dass dies nicht nötig ist.

Ehe wir Kaffee getrunken und eingepackt haben, haben sich die Temperaturen schon verdoppelt. Yeah! 10 Grad. Wir wollen los, aber unsere Mädels nicht. Sie zieren sich, stellen sich an, nehmen nur schwer das Gas an. Was ist denn jetzt los? Wir haben doch schon Frost ohne Probleme gehabt und soooo hoch fand ich das jetzt nicht, als dass „dünne Luft“ ein Thema sein dürfte. Ich versuche 3 Mal loszufahren, jedesmal bis kurz vorm Abwürgen, bis ich im Leerlauf ein paar mal Gas gebe. Dann gehts. M. stellt dieselbe Problematik fest. Hm. Keine Ahnung, müssen wir beobachten!

Da die Sonne lacht, der See so schön blau leuchtet und die Straße so herrlich kurvig vor uns liegt, entschließen wir uns, die Extrarunde 60 km um den See herum zu fahren. Ein letzter kurviger Gruß und ab in die Wüste.

Zunächst gibt es keine Laubbäume mehr, nur noch Zedern (glaub ich zumindest), Dann vereinzelte, verstreute Gehöfte mit armen Kühen auf der „Weide“ (die so braun ist, dass man das schon nicht mehr so nennen kann. Was sollen die denn da noch grünes Gras finden?) Manche Weide ist etwas grün, die wurde dann aber auch bewässert. Woher nehmen die das Wasser dafür? Aus einem Brunnen? Grundwasser? Regen hats hier schon lange keinen mehr gegeben. Irgendwann hören die Ranches auf, dann auch die Bäume. Es gibt nur noch kniehohes Gestrüpp. Alles ist braun.

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Es duftet etwas nach Bittermandelöl. Ob das die Sträucher sind? M. riecht nix. Aber  ich rieche lange Zeit den süßlichen Duft. Das kann ich mir doch nicht eingebildet haben, oder?! Die Bergrücken geht es kurvig entlang und drüber, aber danach wieder zig km lang schnurgeradeaus. Verkehr=Null, Straßenzustand glatt, Landschaft wie zuvor: Kahle Bergrücken, struppige Ebenen. Nach 20 km wieder ein Bergrücken, wieder die Ebene. Zuletzt 60 km Ebene. Mir wird echt schummrig. Die wildesten Gedanken schießen mir durch den Kopf. Was, wenn wir hier eine Panne haben? Haben wir genug Wasser dabei? Hier kommt doch kein Mensch vorbei…. M. findet die Landschaft einfach nur klasse. Mir macht sie Angst. Ich heize einfach weiter. 120 km/h im Gasometer eingestellt, damit ich Gymnastik auf dem Mopped machen kann: Nacheinander die schmerzenden Schultern, Füße, Beine und Hände bewegen. Übrigens die Sonne heizt uns auch kräftig ein: schon mit 25 Grad suchen selbst die Kühe Schatten, aber heute werden es wieder 31 °C ohne irgendein wehendes Lüftchen – außer dem Fahrtwind natürlich. Logisch, dass ich zusehe, dass wir zum nächsten Ort kommen: Winnemucca.

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Merkwürdig ruhig ist die Stadt, nachdem die Sonne runtergefallen ist. Wir hören nur ein paar Hunde bellen, keine Autos, keinen Motor, nur Stille und leuchtende Lichter. Dafür haben wir DIESEN Sonnenuntergang umso mehr genossen. Wir haben uns auch nicht mit der Suche nach einem Campingplatz aufgehalten, sondern unser Zelt neben dem Sandspielplatz für „große (und halbgroße) Jungs“ aufgebaut. Der letzte Fetz auf dem Dirtbike flitzt gerade noch vor Sonnenuntergang an uns vorbei, wohlwissend, dass es in 10 min. stockdüster ist – ohne Licht in den Dünen? Keine gute Idee. Ab nach Hause!

Es ist halb 10 Uhr abends, schnuckelige 21 Grad und windig, sandig – gute N8

B.

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