Tulum

Di. 8.12.15

Als wir gestern Abend ankamen stellten wir fest, dass es auch hier wieder vorab ein riesiges Areal mit Touristen“abzocke“ gibt – ein Parkplatz für 3 mal soviel Geld wie in Chichen Itza, dafür aber keinerlei Infos, wo der Eingang ist, wie viel Eintritt es kostet und wann Öffnungszeiten sind. Diese muss man sich einzeln erfragen. Die Wärter antworten sehr geduldig, auch wenn sie diese Fragen sicher 1000 mal am Tag beantworten.

Da machen die Mexikaner für jeden überflüssigen Kram ein Schild. Aber da wo es hilfreich wäre – Fehlanzeige! An jeder Ecke ein Polizist, aber für ein Schild ist kein Geld da….

Apropos Geld: Ich habe gerade meine Spende für das Kinderheim in Peru überwiesen. Ich möchte euch herzlich einladen, es mir gleich zu tun. Es gibt ein deutsches Konto!!! BW Bank, IBAN DE29 6005 0101 7495 5074 03 (Mundo de ninos). Von der Koordinatorin in Deutschland habe ich schon Antwort erhalten. Sie hat unseren Besuch im Kinderheim schon angekündigt. Wenn ihr daheim unter Betreff: gsnomaden angebt, so kann ich gerne berichten, was mit euren Spenden Gutes geschaffen worden ist.

In diesem Sinne: Frohe Adventszeit für alle, auch für die Kinder der Welt

Herzlichst eure

gsnomaden B+M

Edit – Tulum:

Es gibt einen Frühmorgens bei Sonnenaufgang um halb 7 und einen Late-Nighteintritt nach normaler Öffnungszeit für das vierfache des normalen Eintrittspreises. Das ist uns aber zuviel des Guten. So sind wir um 8.00 Uhr da, Heerscharen strömen bereits dorthin.

Tulum ist im Park natürlich gehalten, keine Andenkenstände, aber ganuso viele Horden von Führern, die lautstark in allen Sprachen plärren. Ich werde von einer Ecke in die andere gescheucht, damit ich nicht auf den Bildern der Touris bin, während sie selbst durch unsensibel meine Bilder durchrennen, sich vordrängeln oder sich vor mich stellen und meinen Blick verstellen. Irgendwann hab ich genug davon und mache es genauso. Sonst geht man unter!

Diese Anlage in Tulum finde ich wesentlich schöner, als die von Chichen Itza, obwohl nicht ganz so bekannt. Sie liegt unmittelbar am Meer, die einzige ihrer Art. Traumhaft! Trotz der vielen Leute!

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Mayastätte Tulum, der Eingang durch die Stadtmauer.

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Tulum, welch herrliche Lage am Karibikstrand

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Tulum

Draußen brauche ich erstmal eine Sitzgelegenheit – die sind nämlich in den Parks rar gesät. Und einen Kaffee – Starbucks lässt hier grüßen. Auch wenns hier teuer ist, gut ist er alle mal und so genehmigen wir uns einen. Nebenan erleben wir einen typischen Voladores-Tanz, einen Tanz um den hohen Telegrafenmast, mit typischer Flöten/Trommelmusik und im Kreis mit dem Kopf nach unten fliegenden Tänzer. Natürlich geben wir gerne ein paar Pesos für deren Darbietung. Aber ich habe den Anfang verpasst und frage nach, wie die da hoch kommen. Der Typ erklärt nicht lange, sondern die Gruppe fängt erneut an. Ich kann es sehen. Natürlich verlangt der Typ sofort einen Obolus. Ich erkläre ihm, dass ich soeben schon bezahlt hätte. M. macht Bilder und natürlich wird auch er geschröpft. Es scheint ihm nicht genug zu sein, er fordert und fordert und fordert. Als alle oben sitzen, und parat sind, wieder runter zu fliegen, gibt einer der Typen oben mir Handzeichen. Ich solle bezahlen oder sie fliegen nicht. Was ist mit den anderen umstehenden Leuten? Wir haben doch schon 2 mal bezahlt. Da ist es wieder: Ich fühle mich wie die Weihnachtsgans – ausgenommen! Wie ein „Gringo“ behandelt. Ich habe verstanden. Von mir keinen weiteren Pesos mehr. Ich habe sie ja schon einmal fliegen sehen! Wiedersehen!

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Danza del volador, die Männer symbolisieren die vier Winde und die Sonne

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Der Danza del volador, auf einem 25m hohen Mast

Chichen Itza und Tulum (Yucatan)

So, 6.12.15

Es ist Nikolaus und wir merken nichts davon. Der 2. Advent und es kommt keine Adventsstimmung auf. Bei über 30 Grad feuchter Schwüle schwitzen wir uns kaputt. Auf dem Weg suchen wir zweimal vergeblich eine Cenote – einen natürlichen Mayatümpel. Der erste Hinweis am Straßenrand ist leicht zu sehen, aber es gibt keine weiteren Hinweise. Das muss man selber mit Spürsinn, nachfragen und GPS selber suchen. Endlich finden wir ihn und sind im Wald ganz allein. Ich getraue mich mit meinen Füßen nicht bis ganz nach unten. Die Stufen und Wege sind sicher rutschig. So staune ich von oben herab, während M. runter klettert. Es ist für ihn ein seltsames Gefühl, ganz allein da unten mit den Mayas zu sein, wie er mir später erzählt. Mayaritzungen sowie einen Altar findet er. Mich zerpicken schon wieder die halben Portionen von Mücken und mir ist zu warm. Ich brauche Fahrtwind und so verschieben wir die Essenspause. Wiedermal. Kein Wunder, wenn die Hosen immer weiter werden.

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Cenote Xtogi

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Papaya-Baum am Straßenrand – Cenote Xtogi

Wir sind früh nachmittags im Dorf kurz vor Chichen Itza angekommen und haben uns ein günstiges Hotel gesucht. Es sieht auf den ersten Blick heruntergekommen aus, ist es aber nicht. Es müsste eigentlich nur etwas mehr gekehrt werden. Es hat eine riesige Gartenanlage mit einem Pool ohne Grünspan. In den springen wir zur Abkühlung erstmal rein. Herrlich erfrischend! Dann fragen wir den Besitzer nach den Maya-Anlagen. Heute am Sonntag würde es sicher voll sein, aber morgen früh um 8.00 noch nicht, weil die Busse erst gegen 9 0der 10.00 kommen. Aber hier im Dorf ist jährliches Fest, mit Tanz, Musik und Stierkampf.

Wir verschieben die Besichtigung auf morgen früh und machen uns gegenüber zur Party auf. Wir werden angestarrt wie Aussätzige. Aber einer erklärt uns wortreich alles mögliche zum Dorffest. Die Verständigung klappt immer besser und so erfahren wir, dass im Unterschied zu spanischen Stierkämpfen die Stiere hier nicht sterben, sondern nur ein bisschen mit dem Tuch hin und her gescheucht werden und dann mit dem Lasso wieder eingefangen werden und bis zum nächsten Mal auf der Weide weiter grasen. Es ist ganz nett, dennoch frage ich mich die ganze Zeit, wie es denn sein kann, dass der sonst friedlich auf der Wiese grasende Bulle plötzlich mit den Hufen scharrt und wild schnaubend durch die Arena wetzt. Ich hab hinter die Kulissen geschaut und nun weiß ich es: Er wird vorher solange eng eingesperrt und gepiesackt (im wahrsten Sinne gepickt!), bis er vor Schmerzen sauer wird. Also doch Tierquälerei zur Erheiterung der Menschheit, wenn auch nicht so arg wie in Spanien.

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Lasst die Spiele beginnen…

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Und Action!

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Wer macht den ersten Schritt?

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Wer ist der Stärkere?

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Die Massen gehen begeistert mit.

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Dieser Stier verlangt den Toreros alles ab.

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Hinter den Kulissen werden die Stiere scharf gemacht.

Es regnet die ganze Nacht lang, so dass wir heute morgen die Moppeds im Hotel stehen lassen und mit dem Taxi zu den Besichtigungsstätten fahren – mit Touriaufschlag natürlich 10 Pesos mehr. Wenn wir gewusst hätten, wie nah das ist, wären wir die 2 km auch gelaufen.

Es ist kurz vor 8 und der Parkplatzwächter will selbst uns Fußgänger abhalten, zum Eingang zu gehen. Wir sollen hinter seiner blöden Schranke warten. Der hat wohl den Knall nicht gehört. Wir sind übrigens nicht die einzigen, die seiner Anweisung nicht Folge leisten und einfach weitergehen.

Natürlich gibt es auch hier wieder den Touriaufschlag. Mexikaner zahlen deutlich weniger, Lehrer, Kinder, Studenten und Rentner gar nichts – aber nur, wenn sie Mexikaner sind! Für alle anderen gilt das nicht, mit Ausnahme der Kinderermäßigung.  Für Getränke, Eis u.ä zahlt man das doppelte wie im Dorf. Nein Danke!

Die ganzen Kunsthandwerksstände im Park fangen gerade erst an aufzubauen. Manche sind noch nicht einmal da. So können wir mit ziemlich viel Natur drumherum die Mayatempel besichtigen. Sie sind freigelegt worden, zum Teil restauriert. Aber ich habe mir die Pyramide viel größer vorgestellt und bin etwas enttäuscht, dass man dort nicht mehr hinauf darf. Verständlich, bei 8000 Leuten am Tag. Der größte Ballspielplatz der Maya hat mich beeindruckt. Wie ein Fußballfeld so groß mit zwei Ringen rechts und links an der Mauer. So hoch oben soll ein Ball in das winzig kleine Loch rein? Und vor Kopf sitzt erhöht der König im Palladium und beobachtet belustigt das Spiel. Es gibt hier auch 2 Cenotes, einer von Felsengestein eingerahmt, der andere zugewuchert und kaum sichtbar.

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Die große Pyramide in Chichen Itzá

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Chichen Itzá

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Chichen Itzá – Tic Tac Toe. Wer hast’s erfunden? Die Mayas…

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Chichen Itzá

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Chichen Itzá – Der große Ballplatz

Ich hab schnell genug. Es ist schon früh morgens schwül heiß und mein Kreislauf beschwert sich. Jetzt kommen auch die Massen, die Stände sind fast vollzählig und in jedem Gesicht stehen nur Dollarzeichen, wenn man mich sieht. Ich finde es ätzend, wie man mich als „Gringo“ behandelt. Ich kann einerseits verstehen, wenn die Mexikaner sauer auf die Amerikaner sind und es sich auf diese Weise wiederholen wollen. Aber erstens hab ich nichts damit zu tun und zweitens finde ich diese Abzocke nur abstoßend.

Da nehme ich lieber ein erfrischendes Bad und fahre die kurze Strecke nach Tulum, die einzige Mayastätte direkt am Meer.

Bye B

Wallfahrer in Pisté

radelnde Pilger 

 

(Un)stoppable BMW – Der Adler fliegt wieder!

Sa. 5.12.15

Wir haben eine kaputte Plastikhalterung von BMW auf der rechten Seite der Gabel und die auf der linken Seite ist ganz. Es gibt in ganz Mexiko und im Nachbarland Guatemala kein Ersatzteil. Aus D-land eins zu schicken dauert mindesten 3 Wochen, Vielleicht gibt es in den USA eins, aber ich glaube nicht dran. Sie hatten schon keinen Anlasser auf Lager, da soll irgendwo eine ganze Gabel herum liegen? Denn natürlich gibt es dieses Kunststoffteil nicht allein, sondern nur mit dem ganzen drum und dran. So habe ich mich also gestern auf die Suche nach einem Dreher gemacht, der mir dieses Teil anhand des Musters der anderen Seite aus Alu nachgebaut hat.

Beim Motorradhändler in Merida haben wir Karl aus München getroffen

Hintendrauf, die Höchststrafe!!! Warum ausgerechnet schon wieder mein Mädel???😡

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Manuel, unser Retter und Profi an der Drehbank

Und hier ist seine Werkstatt

Nun sagt BMW, dass bei Einbau dieses Teils die Garantie für die Gabel erlischt. Sollte also auf der weiteren Reise wiederum ein Gabelproblem auftauchen, so ist das mein Problem. Wir reden hier von einem Pfennigsartikel aus Plastik! Warum das gebrochen ist, kann man momentan von hier aus nicht klären. Es ist ungewöhnlich, dass nur eine Seite gebrochen ist. Materialermüdung? Einbaufehler? Hätte BMW ein paar Pfennige mehr reingesteckt und aus stabilerem Material gebaut, so wäre ich hier nicht gestrandet. Unsere alten GS’en haben auf Island ein paar harte Schläge einstecken müssen, dass sogar unsere Felgen ein paar schlimme Macken abbekommen haben. Aber mit der Federung ist nichts passiert. Wurden etwa diese Halterungen in den neuen Modellen durch Billigvarianten ersetzt?

3 Wochen Rückstand würde ich nie wieder aufholen können. Das hieße, meine Reise wäre hier zu Ende. BMW spricht von Moblitätsgarantie, die aber nur in Europa gilt: In Deutschland ist es überall verboten, die GS im Gelände zu bewegen (in freier Natur) und in Europa mehr und mehr. Dort, wo das Abenteuer beginnt, dort gilt die Mobilitätsgarantie dann nicht mehr, obwohl sie genau damit ja Werbung machen.

Unstoppable? Das wäre schön.Genau deshalb haben wir uns nagelneue Maschinen geholt für diese Reise und alle möglichen Vorkehrungen getroffen, damit wir eben „unstoppable“ sind. Aber nun bremst uns ausgerechnet BMW aus.

Aber es bleibt uns nichts anderes übrig, als dieses nicht originale Teil einzusetzen und morgen weiter zu fahren. Wir haben schon eine Woche durch Umweg und Warten verloren.

BMW hat uns mit den Telefonaten sehr zur Seite gestanden, sich sehr bemüht, uns zu helfen. Das muss man zugeben. Es stünde BMW gut, uns weiterhin zur Seite zu stehen und nicht „Deutsche Gesetze“ vorzuschieben. Wir sind hier nicht in Deutschland, da laufen die Dinge anders. Etwas mehr Großmut täte gut.

Na, jedenfalls fliegt RedEagle wieder. Erstmal zum Strand in Progresso, weil die Mexikaner in der Nähe in „Dzibilchaltun“ mit einer Ruinenstätte der Maya mit Tagesgebühren plus Extra-Ausländer-Bonus ohne Late-rabatt anscheinend mein Geld nicht brauchen. Lehrer brauchen nix zu zahlen, aber ich zähle nicht dazu, weil nix Mexikaner, obwohl das nirgends steht! Das empfinde ich als Abzocke. Da machen die Mexikaner lieber gar kein Geschäft, als uns Rabatt zu gewähren. Na, dann eben nicht!

Fahren wir halt woanders hin! Am Strand sitzen, was frischen Fisch essen, Wind um die Nase wehen lassen – ohne Eintritt! Auf dem Rückweg werden wir zum ersten Mal in der Straßenkontrolle wirklich kontrolliert. Bisher hat sich niemand für uns interessiert und immer durchgesunken, aber diesmal halten sie auch uns an: Alkoholkontrolle! Zum ersten Mal in meinem ganzen Führerscheinleben – und das ausgerechnet in Mexiko. Wir nehmend mit Humor, lachen mit der Polizistin, denn für uns gilt: 0 % auf dem Mopped. Bier o.ä. gibts erst nach Ankunft. Das aber mit Genuss, denn es ist wieder brütend heiß und schwül heute!

In diesem Sinne lasst es euch gut gehen

Eure B.

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Relaxen in Progreso

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Merida bei Nacht – und M. kann sich auch dem Flair (und den Andenken) nicht entziehen und kauft einen Hängematte!

Merida – BMW

Do 3.12.15

Edit vom 29.12.15: Ist euer Mopped kaputt? Fahrt bloß nicht nach BMW-Merida (Mexiko) !!! (S.a. Beitrag „Federung 3. vom 28.12.15)

Mit Hängen und Würgen erreichen wir BMW Merida. Wir suchen über eine Stunde lang bei über 30 Grad die neue Adresse, die NCHT im Internet oder bei Google zu finden ist. Zum Glück gibt es noch Leute, die mit Handys und Kartenausschnitten uns zeigen können, wo die sich verstecken. Was ist daran so schwierig, eine Adresse zu ändern? Das kann ja selbst ich!

M. pflegt seine Erkältung ausgiebigst und ich ihm zur Gesellschaft die Flitzpiepe. Mein fußlahmes Mädel hat es noch bis zur Werkstatt geschafft, in der ein Jungspunt im Ein-Mann-Betrieb sein bestes gibt. Ich erkläre ihm (auf spanisch!!!) mein Problem, zeige ihm das Bild von Touratech und spreche deren Vermutung aus. Er verspricht, bis heute um 5 oder 6 mehr zu wissen, aber ich traue dem Braten nicht und schaue ihm freundlich auf die Finger. Er baut die Gabel aus, vermutet das verbrauchte Öl als Ursache. Ich glaube das nicht, er baut Innenteile weiter aus und bestätigt: die Farbe des Öls ist nicht korrekt, sonst ist alles heil. Ich beharre, dass dies nicht der Fehler sein kann, nicht von heute auf morgen solch ein Federwegsverlust von 4 cm. Das Öl sei ja schon alt. Nein, erst 1 Jahr und 2 Monate exakt!. Aber es hätte ja schon 40TKM auf dem Buckel. Jep, aber M’s auch. Dieselben Straßen, dieselben Anforderungen. Er hat kein Problem, ich aber schon! Und so gravierend! Er baut also noch den unteren Teil aus und siehe da: Wie von Touratech vermutet – die BMW-Halterung gebrochen. PLASTIK!!!!

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Read Eagle fliegt zur Zeit nicht.

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So sieht das Innenleben einer BMW Vorderradgabel aus.

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Dieser blöde Teller ist gebrochen.

Nun müssen wir mit BMW beratschlagen, was wir machen können, denn die Teile sind natürlich nicht hier. Wie gut, dass wir den Kontakt in Lerma personalisiert haben letzte Woche. Das hilft ungemein!

Wir hätten lieber dort unser Mädel stehen, aber das wären noch mal 600 km mehr und 2 weitere Tage Verlust. Das Wochenende droht wieder mal…

Wir haben das Hotel zwei Häuser weiter genommen, etwas teurer zwar, aber nahe zur Werkstatt.

Im historischen Zentrum von Mérida

Wenn’s was neues gibt, melden wir uns.

Bis dahin

VGB

Yucatan-Halbinsel: Campeche

Mi. 2.12.15

Wir halten früh morgens Kriegsrat, was wir machen sollen oder können. Wir telefonieren via Skype mit Touratech, BMW-Lerma, Alex von Alyxmoto und appen mit diversen anderen helfenden Ratgebern, die wir auf der Reise kennen gelernt haben. Hier in Villahermosa gibt es keinen BMW- sondern nur einen KTM Händler. Der ist wohl auch kompetent, aber unsere Mädels laufen noch auf Garantie. Selber zahlen oder 1700 km zurück nach Lerma/Mexiko Stadt, wobei wir allein dafür 1 Woche Zeit verlören, aber die besten Chancen auf Ersatzteile hätten? Aber es widerstrebt uns beiden ungemein, in die entgegengesetzte Richtung zu fahren, vor allem zurück, und dann noch dahin, wo es nicht wirklich schön ist! Endlich entscheiden wir uns, 560 km nach Merida zu fahren, weil es dort wenigstens viel Kultur zu sehen gibt (seit 1999 ist Campeches Altstadt Weltkulturerbe) – auch wenn ich Yucatan eigentlich auslassen wollte, um Zeit zu sparen. Anscheinend gibt es keine Zufälle, es sollte so sein. Ich brauchte wohl noch einen weiteren Grund, um Yucatan zu besuchen: Bitte sehr, da ist er!

Also los, auf die „Cuota“ und so viele km wie möglich abreißen! Aber M. geht es zunehmend schlechter. Er hat sich wohl eine Erkältung eingefangen und braucht dauernd Pausen. Er eiert dermaßen, dass ich gar keine Kommunikation brauche, um das mitzubekommen. Er fährt vorne, um mir mehr Vorwarnzeit für die Topes zu geben (und damit meine Gabel zu „schonen“ – soweit das überhaupt noch geht) aber eigentlich müsste ich vorne fahren, um ihn zu entlasten. Grrrr!

Wir fahren wunder- wunderschön und stundenlang direkt am Golf von Campeche entlang, am weißen Muschelsandstrand mit palmengedeckten Hütten mit stetem Blick aufs türkisfarbene ruhige Meer. Manche verwaisten Häuser und Restaurationen zeugen von Verwüstungen, die möglicherweise von Tsunamis oder Stürmen herrühren. Bei Zinsen von 30- 40 % pro Jahr wird so etwas nicht wieder aufgebaut, sondern aufgegeben, wenns zerstört ist – auch wenn die Lage unglaublich schön ist.

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Ganz schön frech der Kleine

Es kommen uns seit gestern immer wieder Radler entgegen oder wir überholen welche, die eine Heiligenfigur auf dem Rücken mitschleppen, Fahnen am Fahrrad haben oder einheitliche T-shirts tragen. Es kommt uns so vor, als ob diese Straße so etwas wie der Camino de Santiago de Compostella ist – ein Pilgerweg. Vielleicht kriegen wir die Hintergründe noch raus…

Als die Sonne wieder untergeht, suchen wir ein Hotel mitten in Campeche. Feudal hat es einen kleinen Schaupool und soll 1400 Pesos kosten. Das zweite „nur“ 1300 und zwei weitere 1100. Ich hab keine Lust mehr, will aber auch nicht außerhalb übernachten, weil uns der Tipp von Mike in Oaxaca so gut gefallen hat. Das Hotel ist etwas teurer mitten in der Stadt, aber man kann abends noch mal raust, ohne Sorge um die Moppeds. Das macht man nicht, wenn man irgendwo außerhalb ist. Da verpasst man viel, nur um ein paar „Kujampels“ zu sparen. Einen letzten Versuch starten wir noch und der ist es: Sauber, mit geschlossenem uneinsichtigem Hof, und nur 450 Pesos, denn der Besitzer lässt uns 100 Pesos nach, obwohl ich nicht mal danach gefragt habe. Ich wollte nur den Hof sehen, ob die Moppeds da rein passen und der Weg dahin stufig ist. Aber alles ok.

Schnell geduscht machen wir uns auf zur Stadt. Ich will unbedingt zu dem schönen Platz, wo das erste Hotel war. Kaum losgelaufen, stehen wir auch schon genau dort. Unser Hotel liegt 50 m neben dem ersten. Bei dem Kurven durch die kleinen Ecken haben wir völlig die Orientierung verloren und sind überrascht, wie mittendrin und preiswert wir untergekommen sind.

Campeche bei Nacht

Hat zwar 3 Räder, aber die Federung ist noch in Ordnung.

Die Kathedrale von Campeche (Gründungsjahr 1540) ist um 7 Uhr abends noch auf und wir möchten das schwarze Marmor auf dem Fußboden bestaunen. Aber wir wollen Leute in den vollbesetzten Bänken nicht stören. So schauen wir von draußen nur herein. Erstaunlich, es ist mitten in der Woche und die Kirche ist rappel voll bis zur Tür hinaus. Das würde sich so manch ein Pastor in D-land auch wünschen – wenigstens einmal am Sonntag…

Frühmorgens in Campeche

El Malecón, die Uferpromenade von Campeche

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Frischer Fisch in Campeche

VGB

Abenteuer Richtung Palenque

Di 1.12.15
Heute sind wir früh gestartet um dem Baum von Tule, in der Nähe von Oaxaca einen Besuch abzustatten. Dort steht mit einem Alter von ca. 2000 Jahren der dickste Baum der Welt. Dieser ist zwar nicht so hoch wie die Sequoias in den USA, aber trotzdem beeindruckend.
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Der Baum von Tule ist eine Mexikanische Sumpfzypresse und der dickste Baum der Welt.

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Der Baum von Tule und sein kleiner Nachbar

Wir sind mittlerweile kurz vor Palenque. M. wünschte sich tden kleinen Umweg über die 179. Ich hätte lieber den kürzeren Weg über die parallel dazu verlaufende 175 genommen. Aber M. wollte lieber mehr Kurven. Tja, hätte die Reiseleitung mal besser auf die Wünsche der Anwesenden gehört. Die gelbe Landstraße, zunächst wunderschön durch herrliche Berge und Wälder, guter, glatter Teer, tolle Kurven und wenig Verkehr, splittete sich in verschiedene Arme auf – alle mit derselben Nummer 179 – und ehe wir die Sackgasse merkten, mussten wir dann eine Std. wieder zurück.
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Erklärungsversuch, was ist ein GPS?

In der Abzweigung legte ich mich dann hin, weil ich wegen der Suche nach einem Schild den dicken Schotterstreifen in der Mitte übersah. Es fühlte sich an, als ob das Hinterrad einen Kreisel dreht. Auf der Straße sah man den 1m lang gezogenen Streifen. Auch das noch! Mir ist nichts passiert. Der Handballen brannte zwar, ich habe aber keinerlei Abschürfungen. Auch der Handschuh hat kein Loch (gutes Leder, trotz dünnem Sommerhandschuh). Nur die Sturzbügeltasche hat ein Loch und der rechte Koffer nun keine Kunststoffecke mehr. Ich hatte übersehen, dass der rechte Spiegel lose war. Um den festzuziehen suchten wir einen sicheren Standplatz, weshalb ich ausnahmsweise vorne fuhr. Den gabt aber nicht. Der Teer wurde dann immer schlechter, bis der nach einer Brücke ganz aufhörte. Es hätte mich stutzig machen sollen, dass darauf ein Auto voll eingestaubt stand. Na gut, die Schotterstrecke mit groben Steinen werde ich schon schaffen, also auf die Füße und los.
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Wo ist nur die Straße geblieben.

Der Weg wurde immer enger und schwieriger und schwieriger.
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Auch das GPS ist keine Hilfe mehr…

Zuletzt fuhren wir meist im 1., selten im 2. Gang und kämpften uns entweder durch Matschsektionen oder steile Stufen rauf oder runter oder gar beides, gepaart mit tiefen Auswaschungen. Höchstschwierigkeitsgrad. Zweimal gelang es mit nur mit größter Kraftanstrengung, die Fuhre aufrecht zu halten. Fast hätte sie im Matsch gelegen. Na, das wäre eine schöne Sauerei gewesen, die dort wieder aufzuheben. Nach 3 Std. bei über 30 Grad (vermutlich waren wir im gemäßigten Regenwald, so feucht wie das war, und hatten wohl noch Glück, dass es zudem nicht geregnet hat…) waren wir immer noch nicht raus aus dem Wald.
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Jetzt stecken wir richtig in der Sch…., ääh Matsche. Und das mit den falschen Reifen😡.

Schweißgebadet schafften wir zuletzt gerade mal 4 – 6 km in einer Std. Schon halb 6 und der nächste Ort noch 50 km entfernt und die Sonne ging in einer halben Std. unter. Also Zelt neben die Straße, die Reste zusammengeklaubt und ab in die Falle. Wir waren so fertig, so alle, dass zum Kochen Lust und Hunger fehlten.
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Unser Nachtlager in the middle of nowere

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Frühmorgens im Regenwald und die Straße wird nicht besser

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Zahlreiche Wasserfälle kreuzen unseren Weg

Heute Morgen kämpften wir also mit frischen Kräften weiter. Es war teilweise so schwierig und die Bodenwellen so knackig, dass sogar unsere Federungen vorne durchschlugen, obwohl wir nur langsam im 1. Gang fuhren. Meine Federung hat seitdem ein Problem, weil der Federweg nun ca. 3-4 cm geringer ist. Mal hören, was touratech dazu sagt. Irgendwann wurde der Weg wieder besser und wir erreichten den nächsten „größeren“ Ort. Dort kauften wir etwas Saft in der Flasche und 4 Bananen. Natürlich lief wieder einmal das Dorf interessiert zusammen.  Das Mädchen schaute mit leuchtenden Augen zu mir, traute sich aber kaum, mich richtig anzusehen, so sehr genierte es sich. Es nahm allen Mut zusammen und fragte, was in den Koffern ist, aber drauf sitzen war dann doch zuviel der Courage. Die Mutter hatte mehr und fragte unermüdlich. Sie erzählte uns, dass vor Jahren bereits mal ein Italiener hier vorbei gekommen wäre, der auch nach Argentinien wollte.
Irgendwann fing auch der Teer wieder an. Ich hatte schon nicht mehr daran geglaubt.
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Mexikanische Müllverbrennungsanlage

Dann haben wir uns aber auf die Bahn gesetzt um etwas Strecke zu machen und nun sitzen wir in Villahermosa in einem Stundenhotel am Straßenrand, dafür sauber mit allem Luxus und Garage. Nur das Internet funzt nicht. Leider!
Bis demnächst wieder
VGB

Oaxaca

Sa, 28.11.15

Wir haben noch einmal einen wunderschönen Fahrtag erlebt. Morgens schon um halb 9 aufm Bock … – äh … Mädel … gehts gleich kurvig ohne Verkehr weiter. Nach 2 Std. haben wir schon die Hälfte der heutigen Strecke „abgenudelt“. Mir kommt eine Idee: Lass uns doch in dieser herrlich ruhigen Berglandschaft „frühstücken“, Charlys  Würste auf dem Feuer grillen und dazu eine Tomaten/Käseguacamole mit Restbrot. Anschließend noch einen Espresso. Hm lecker. Nun, der Wind pfeift ordentlich und M. ist ein offenes Feuer mit dem Funkenflug zu heikel. So grillen wir die Würste über dem Benzinkocher. Die wenigen Autos, LKW oder sonstigen Fahrzeuge grüßen alle mit einem kurzen Hupen. Echt nett, aber ich bin nicht schnell genug. Eh ich mit den Augen hinterher bin, sind die Leute auch schon um die Kurve. Na, sie werden es mir wohl nicht übel nehmen.

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Unterwegs

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In Oaxaca sind wir schon früh nachmittags. Auf Mikes Rat hin suchen wir ein Hotel in der Altstadt. Keinen Campingplatz am Rande der Stadt, wo man wieder nicht weiß, wo die Moppeds lassen, wenn man IN die Stadt will. Das erste anvisierte Hotel will sagenhafte 1300 Pesos. Happig – feudal, aber zuviel. Das nächste will 1200 inkl. Frühstück für 100 Pesos. Grrr. Einen Versuch haben wir noch. Wir fragen, auch wenn es genauso feudal aussieht. Es kostet aber „nur“ 735 pro Nacht und die Moppeds von der Straße unsichtbar auf dem abschließbaren Innenhof. Einverstanden.

Erstmal in die Stadt, Kaffee, duschen später. Aber dazu kommen wir nicht mehr. Die Stadt hat uns voll einkassiert. Diesem Flair kann ich mich nicht entziehen, der Musik schon mal gleich gar nicht. Wir kommen auch nicht weit, bleiben schon gleich hinter der Kathedrale und Fußgängerzone beim großen Platz hängen. Wir verabreden uns gleich mit den Musikern für morgen. Die will ich nochmal hören! Die 2 CD’s krieg ich noch irgendwo unter. Zugegeben, den gestickten Tischläufer und das Armband auch. Wenn das so weiter geht, ist unser Koffer, den ich gerade erst bei den Schweizern geleert habe, gleich wieder voll.

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Wann gibt’s denn endlich Kaffee? Ein Junkie wartet auf den (Espresso) Schuss.

Charly und Mike hatten Recht. Ich wollte es nicht glauben und nur eine Nacht hier bleiben, aber wir haben – kaum aus der Stadt zurück – gerade die zweite Übernachtung gebucht!

Mexiko und seine Kultur zieht uns mehr und mehr in den Bann! Ich kann jedem dieses Land und insbesondere diese Stadt für einen Urlaub nur nahelegen. Welch ein Genuss, welch eine Bereicherung unserer Reise!

Bis bald B.

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Oaxaca Zentrum

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Die 3 Mexikaner waren klasse und schnell standen viele Leute drum herum

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Samstag Abend in der Altstadt

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Das Blatt war weiß und innerhalb kürzester Zeit das Bild mit Spraydosen fertig. Toll!

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Mexico Stadt/Umgebung nach Oaxaca

Do 26.11.15

Wir fahren über eine herrliche Straße nach Milcumbres. Das müsste eigentlich Milcurvas (Tausendkurven) heißen, weil es keine Geraden gibt und auch keinen Verkehr. So fliegen wir nur so durch die Landschaft, die zwischen 2000 und 2800 Metern hoch liegt. Die Höhe merkt man gar nicht, denn es herrscht dichter Waldbestand. Bei uns wäre hier schon kaum mehr ein Baum.

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Milcumbres – eine der 1000 Kurven

Danach geht aber der Verkehr los – Einzugsgebiet von Mexiko-Stadt. Es wird anstrengend, weil wir dauern überholen müssen um einigermaßen voranzukommen. Irgendwann hängen wir dann im dicken Verkehr. Eigentlich wollten wir hier großräumig umfahren, weil sich nur der alte Kern von Mexiko-Stadt lohnt zu sehen. Aber wir brauchen die wasserdichten Innentaschen, da unsere Koffer nicht mehr so ganz dicht sind. (Das Schicken aus Deutschland hat ja leider nicht geklappt.) Dazu müssen wir nach Lerma bei Toluca – in den Außenring von Mexiko Stadt. Dort baut touratech gerade ein Standbein auf. Interessant zu sehen. Der Verkehr ist heftig, aber nicht mörderisch, wie uns viele Leute gewarnt haben. Entweder sind wir schon abgebrüht oder es kommt nur auf die Sichtweise an. Für die defensiv fahrenden Amerikaner ist dies sicherlich der Horror. Aber wir kennen den Verkehr von Barcelona, Rom, ja selbst Köln und Düsseldorf. Da ist das hier noch nett gegen, weil jeder jeden wahrnimmt, drauf aufpasst und Lücken lässt, damit der Verkehr fließt. In D-land besteht jeder auf seinem Recht und schon knallt es. Rums! War ja nicht meine Schuld, der hat nicht aufgepasst. Stau, Hupen, Ärger… Besonders die Motorradfahrer haben hier einen besonderen Status. Auch wenn es eng ist, so habe ich noch keinen hupen gehört, in ganz Mexiko nicht.

Ein Thema habe ich noch gar nicht angeschnitten: die Topes! Normalerweise beschwert sich jeder Berichterstatter darüber. Warum ich nicht? Sie nerven, ja! Aber sie stören uns nicht übermäßig. Im Gegenteil, man kann dort immer wunderbar überholen, weil ALLE anderen sehr viel langsamer sind. Auch der Gegenverkehr. Die LKW kriechen darüber in weniger als Schrittgeschwindigkeit, die Autos müssen auf 10-20 km/h runter und wir fahren einfach darüber. Das große Vorderrad und das Fahrwerk bügeln das weg. Da schlägt nix durch, da springt nix. DAS war die beste Investition ins Mopped. Teuer, aber jeden Cent wert.

VGB

Fr. 27.11.15

Wir haben im Hotel in Lerma übernachtet. 8 Grad beim Aufstehen. Aber ehe wir gepackt haben sind es schon 18. Ich ziehe trotzdem lieber noch ein langärmeliges Shirt drüber, auch wenn es gleich noch ein paar grad wärmer wird. Das Motorrad vor dem Fenster stand auf einem mit Schranke bewachten Parkplatz. So konnten wir ruhig schlafen. Irgendwie war mir gestern Abend nicht gut, mir war kalt und so  packte ich mich angezogen ab ins Bett. Erst halb 8, aber die Dame schon erledigt. Na egal. Morgens früh um 7 wieder frisch geht’s ab zum Frühstück. Das tolle, saubere Zimmer lässt gutes ahnen, auch die Speisekarte, die ich zwar studiert, aber am Abend zuvor nicht ausprobiert habe. Aber das Frühstück ist enttäuschend. Die Eier mit altem Frittierfett gebraten, der Quesadilla eklig, dass ich sogar den Happen ausspucke und der extra zu bezahlende Cappuccino besteht nur aus Milch, dass sogar ein „Latte“ in den USA blass vor Neid wird. Nur die Früchte sind lecker.

Wir fahren eine herrliche Straße nach „Tres Maria“ – auch nach fast 40 Tausend Kilometern in knapp 5 Monaten zaubert uns solches Fahren immer noch das Grinsen ins Gesicht. Plötzlich werden mir die Hände kalt. Hä? Wieso das denn? Achja, sind nur 14 Grad. Moment… nur 14? Warum das schon wieder? Das Navi zeigt stolze 3500 Höhenmeter an. Na, dann kein Wunder. Wir fahren munter weiter, die Griffheizung wird’s schon meistern. Plötzlich ist es irgendwie ungemütlich warm. Ich schaue aufs Thermometer: über 30 Grad und schaue aufs Navi, nur noch 1300 m. Irgendwie merkt man diesen Unterschied gar nicht. Es „kurvt“ so schön.

Weil wir die Taschen umgeräumt haben und einige Dinge repariert haben, sind wir morgens erst spät losgekommen. So überlegen wir, wo es lang gehen soll. Über die freie Straße mit all den Topes kommt man nicht schnell voran und muss einen großen Umweg in Kauf nehmen. Die Mautstraße kann man ja die paar Kilometer dazwischen in Kauf nehmen. Gesagt, getan, 2 Moppeds kosten soviel wie ein Auto! Nach 10 km fahren wir wieder ab. Aber was ist das? Schon wieder Maut? Beim Rausfahren? Nein, hier wäre auch eine Mautstraße. Die ist zwar nur einspurig, kostet aber trotzdem Geld. Nach 5 km wieder, nach weiteren 5 km wieder eine Mautstelle, die aber noch nicht fertig ist und deshalb nicht zu bezahlen ist. Welch eine Abzocke! Wegelagerer pur! Keine Möglichkeit abzufahren und alle paar km kassieren. Das ist Erpressung! Moderne Conquistadores! Und dabei zählen die mexikanischen Autobahnen schon zu den teuersten auf der Welt. Sie wollten mir erklären, dass in meinem Land die Autobahnen doch sicher auch Geld kosten. Nein! Tun sie nicht (zumindest NIOCH nicht). Dies nimmt er dann mit erstauntem Gesicht zur Kenntnis, entlässt mich aber erst, nachdem ich gelöhnt habe. Wenn ihr jetzt denkt, dafür käme ich dann schneller vorwärts, so habt ihr euch getäuscht. Es ist halb 2 und erst 100 km gefahren. Um halb 3 weitere 50, aber M. braucht dringend eine „Augenpflege“. So kommen wir um 17.00 Uhr nach 260 km in Acatlan an. Es wird in einer Std. dunkel und so bleiben wir hier mitten in der Stadt im Hotel.

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Die Kirche in Acatlan

Es kostet nur 180 Pesos, umgerechnet 11 €. Mehr ist es auch nicht wert, klein mit Toilette und „Dusche“, ein kleines Doppelbett, ein Stuhl und ein kleiner Tisch. Ich glaube, die Zähne putze ich mir heute mit Wasser aus der Flasche und duschen brauche ich heute auch nicht! Der Hof ist sauber gefegt, die Wände frisch gestrichen, alles sehr ordentlich. Man gibt sich Mühe, das sieht man. Aber vermutlich kann sich der mexikanische Reisende keine teureren Zimmer leisten und der Hotelbesitzer von dem wenigen Geld keine Innenrenovierung bezahlen. So bleibt es bei dem spartanischen Ambiente der Zimmer!

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frühmorgens auf dem Markt in Acatlan

Wir gehen noch etwas raus, Brot kaufen und um den großen Platz im Zentrum. M. probiert einen Taco. Wohlgemerkt EINEN! Für mich braucht er gar nicht fragen, das ist eh zu scharf. Da esse ich lieber gleich die Papaya, die ich heute mittag in Tres Maria gekauft habe. Kaum sitzen wir dort, wird es immer voller und alle Leute, die gerade im Park gesessen haben, stehen nun am Straßenrand Spalier. Was geht hier denn vor? Da geht es auch schon los. Polizei, Ambulanz mit tatütata und Werbeautos – buntes Treiben, bunt wie Karneval. Es kommt ein geschmückter Wagen nach dem anderen mit kostümierten Leuten oben drauf oder dazwischen laufend. Auf Nachfragen erfahren wir, dass heute der Geburtstag des Städtchens gefeiert wird. Welcher wusste man nicht, aber der würde immer so gefeiert. Prima!

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Geburtstagsfeier

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Hier gibt es keine Touristen, ein Städtchen mit nur Mexikanern. Wir fühlen uns sehr wohl in dem Gewühl. Wir haben keine Angst vor Überfällen oder sonstigem Übel. Trotzdem bitten wir den Nachtportier, das Tor zu schließen und ein Extraauge auf unsere Moppeds zu werfen. Als ich ihm dafür ein paar Pesos hinlege und ankündige, dieselbe Summe morgen nochmal dazu zu legen, wenn die Moppeds dort noch genauso stehen, lächelt er breit bis über beide Ohren.

Kurze Zeit später geht das Licht aus. Die Musikanlage vom Fest macht keinen Mucks mehr und die Menge pfeift. Stromausfall. Sonst passiert erstmal gar nichts. Der Nachtportier steht am Toreingang mit der Taschenlampe, um jedem Gast den Weg zu leuchten. Wir fragen ihn, ob das häufiger vorkäme. Nein, nur einmal im Jahr, wenn der Geburtstag gefeiert wird. Irgendwann geht der Lautsprecher wieder, 5 min. später auch die Musik. Nur bei uns ist noch kein Strom. Na macht nix, wir können auch ohne Licht ins Bett gehen.

Morgen werden wir dann aber sicher Oaxaca erreichen. Das soll ein wunderschönes Städtchen sein. Bin mal gespannt.

Bis dahin VGB

Auswirkungen des El Niño

Do.26.11.15

Liebe Mitreisende in Gedanken und Freunde,

ich möchte mich mit diesem Bericht an euch wenden und um Hilfe bitten – nicht für uns, denn wir finanzieren unsere Reise selber ohne jegliche Sponsoren. Aber ich möchte euch um Hilfe für ein Projekt in Peru bitten, das sich der dortigen Straßenkinder annimmt und ihnen einen Lebensraum bietet und eine Schulbildung ermöglicht, wodurch eine Resozialisierung gelingt. Unsere Spanischlehrerin Frau Krüger unterstützt diese Kinder seit vielen Jahren mit Kleider- und Geldspenden.

Nun droht El Niño mit den schlimmsten Auswirkungen, so dass so gar die Paris Dakar deswegen verlegt wurde. Aber die Kinder können nicht umziehen. Dort müssen Vorkehrungen getroffen werden, damit sich die Schäden in Grenzen halten.

So bitte ich also euch herzlichst um eine Spende für dieses Projekt.

Wir werden versuchen, trotz El Niño dorthin zu fahren und mit Bildern zu berichten, was mit der (hoffentlich) stolzen Summe gemacht wurde, wie es den Kindern dort geht und wie die Auswirkungen des El Niños Einfluss auf das tägliche Leben der Kinder nimmt. Dann kann jeder direkt sehen, wie hilfreich die Spende war und wo sie hingegangen ist und nicht in dunklen Kanälen versickert ist.

Wer weitere Informationen möchte, so möge er im letzten Jahresbericht nachlesen, den ich einstelle (ich hoffe er ist zu lesen, ansonsten schicke ich den Bericht auf Anfrage gerne noch einmal per e-mail) oder sich an uns wenden.

Mit herzlichem Dank,

B. und M.

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weitere Infos hinter diesem Link  El Niño DE

Da die Bankverbindung nicht gut zu lesen ist, hier noch einmal: Bitte an das folgende Konto überweisen, gerne mit dem Hinweis gsnomaden:

Deutsches Konto (BW Bank):

Konto Nr. 7495 5074 03
BLZ 600 501 01

SEPA:
IBAN: DE29 6005 0101 7495 5074 03 SWIFT: SOLADEST

 

 

Santa Elena bis Patzcuaro

Mi, 25.11.15

280 km – am noch aktiven Vulkan auf 2400 m Höhe vorbei (neben dem Ort Angahuan), durch indigene Ortschaften (der Ort heißt Cocucho und dort wohnen sogenannte „Purhepechas“) mit Kirchen teilweise sogar aus dem 16. Jahrhundert…

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…und durch Kupferortschaften (Santa Clara del Cobre). Charly und seine Frau begleiten uns noch 2 Tage – wie schön, so genießen wir die inzwischen entstandene Freundschaft noch ein bisschen. Susan und Reto, das Schweizer Paar mit dem Wohnmobil, nehmen uns ein paar Mitbringsel mit an den Bodensee.

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das Schweizer Paar Susan und Reto

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So „müssen“ wir nächsten Sommer die Sachen wieder einsammeln. Wir freuen uns schon auf den Besuch bei ihnen, vor allem, weil noch weitere Freunde dort unten wohnen, die wir dann gleich nebenan auch besuchen können.

Der Vulkan ist noch aktiv, was man an den Rauchfontänen an seinen Flanken sieht. imageEr ist 1943 das letzte Mal ausgebrochen und hat dabei das Dorf verschüttet. Die Lava lässt nur den Kirchturm rausschauen, alles andere ist im schwarzen Lavagestein verschwunden. Statt dessen haben sie hier oben 2 km entfernt den neuen Ort aufgebaut und vor 2 Jahren das 70 jährige Bestehen gefeiert.

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noch einer, der gerne mit zwei Frauen Mopped fährt 😉

Hier in Cocucho arbeiten meist nur die Frauen, die Männer trinken oft zuviel. Buntes Treiben in bunten Kleidern, typisch für diese indigenen Völker, welch anderes Flair. Eine Frau hat einen Lautsprecher und preist lautstark sogar „amerikanische“ Kleider an.

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In den Kupfergeschäften in Santa Clara del Cobre gibt es 100 mal dieselben Gegenstände aus Kupfer – in jedem Geschäft wieder dieselben Figuren, Engel, Blumen und Töpfe bzw. Schüsseln. Ich hätte gerne einen Engel auf dem Motorrad, den schulde ich noch jemandem, aber hier gibt es keinen. Schade! Ich würde ja sogar drauf warten, aber auf die Idee, einen zu machen, kommt keiner. Anscheinend ist die Warenpalette schon vollständig und man verdient genug. Schade!

 

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hm, lecker, diese Spezialität gibt es nur hier! Die Hunde (oben) hätten gerne auch was ab…

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Ein herrlicher Fahrtag geht in Patzcuaro bei Espresso und Tequila zu Ende. Man montiert gerade die Weihnachtsbeleuchtung an der gegenüberliegenden Hauswand. Schön bunt!

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Charlys Freund wohnt hier und wir treffen uns zum Essen. Er ist Straßenbaumeister und baut die Straße zwischen Moreilla und Patzcuaro. Von ihm erfahren wir, dass heute die Straße wegen Demonstrationen gesperrt war, evtl. morgen wieder. Das bedeutet, dass wir früh los müssen und um 10.00 da gewesen sein müssen. Na macht nix, dann gibts eben ein Spätstück woanders. guten Hunger! …

VGB

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guten Appetit!

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Ob das Wetter noch mal besser wird? (Sicher! wir sind ja in Mexiko!)

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Unser Hotel – eine ehemalige Klosteranlage (übrigens der gesamt Platz rings herum! Was hatten die damals für eine Kohle…)