Über gsnomaden

Wir fahren Motorrad und mit unserem Eigenheim (Hilleberg Keron GT) (am liebsten) um die Welt.

Dawson Creek

Mi. 5.8.15 Heute wäre mein erster Arbeitstag gewesen. Die Kinder haben noch eine Woche lang Ferien.

Preisfrage: Wie geht das? 107 km Strecke, Abfahrt um 18.00 und Ankunft um 18.17 Uhr? (Lösung s. u.)

Wir fahren von Hinton Richtung Alaska. Bereits dort gibt es ein Schild mit „scenic Alaska Highway“. Wir kommen trotz dicker Regenwolken recht gut voran und werden nicht allzu sehr nass. Wir fahren ewig lang durch Nadelwälder. So weit das Auge reicht. In Grande Prärie (die nächst größere Stadt) machen wir ausgiebig Pause. Es sind bis Dawson Creek – nicht zu verwechseln mit DEM Dawson City – noch 107 km, laut Navi, wir haben jetzt 18.00 Uhr, also Ankunft um 18.17 Uhr. Hä? Moment mal, was für ein Mist. Welchen Ort hat DAS denn jetzt wieder gefunden. Also noch mal eingeben. Selbes Ergebnis. Langsam dämmert’s mir. Klaro, in Hollywood nehmen die dafür ein Auto und reisen durch die Zeit, wir nur das Mopped und fahren über die Zeitgrenze. Schon wieder eine Stdl. mehr.

In Dawson Creek fängt der berühmte Alaska Highway an. Kilometer Null! Genau dort gibt es einen Campingplatz und genau dort haben wir unser Zelt aufgeschlagen!

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Wen es interessiert: Den A. H. (auch AlCan – alte Bezeichnung) haben die Amis mit den Kanadiern 1942 während des Krieges gebaut, weil die Japaner in Pearl Harbour eingefallen sind und die Amis festgestellt haben, dass sie Alaska nicht verteidigen können. Also schnell ein Abkommen mit Kanada: Die Amis übernehmen den Bau und die Kosten dafür, die Kanadier stellen das Material und nach dem Krieg gehört Kanada der Highway. Dafür entfallen bis dahin sämtliche Transport oder sonstigen Landeszölle.

Letzter Tag im Jasper Nationalparks

Di. 4.8.15

Ab jetzt soll es wohl „langweilig“ werden, sagt M, vorwiegend Strecke machen. So genießen wir den letzten Tag im Jasper noch mal richtig und fahren nur 170 km, dafür aber eine Std Böötchen vor herrlicher Kulisse auf dem Maligne See – bitte nicht reinfallen, der See ist nur 4 °C „warm“. Hier kostet es „nur“ 30 Dollar die Std. dafür ohne Warteschlange! 🙂 Auch den Maligne Canyon nehmen wir uns vor, und ich könnte ob der Höhe der Brücke die heute darüber führet glatt in die Hose machen. Was das Wasser doch mit den Steinen zusammen für eine Macht und Kraft hat. Wow! Ein Belgischer Pater haar den Fluss so genannt (frz. maligne für schlecht, tückisch), weil er ihn so schlecht mit seinem Pferd überqueren konnte. Dies kann man sich angesichts der verwinkelt tosenden Massen gut vorstellen.

Die Mittagsspause haben wir etwas abseits des Parkplatzes am Medicinlake verbracht und wundern uns, warum plötzlich der Bär dort brummt, als wir zum Parkplatz zurücktapern. Die Stars sind angekommen: Die Mufflons, die hier leben und plötzlich staut sich alles, weil wieder alle kreuz und quer stehen bleiben und fotografieren. Aber wie vermutet, sobald wir den Motor anmachen, stieben die davon – und wir haben freie Fahrt!

Campingplatz außerhalb des NP in Hinton und gute Nacht zusammen.

VGB

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ein öffentliches Piano - in Calgary

ein öffentliches Piano – in Calgary

alle!

ohh, alle!

auf dem Maligne Lake

auf dem Maligne Lake

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The sunwapter

The sunwapter

Nationalparks Banff, Yoho, Jasper

Sonntag 2. August 2015 – ein besonderer Tag, weil „Hochzeitstag“.

Heute bleibt die Küche kalt, dafür fangen wir in aller Seelenruhe in der Kaffeebude in Banff an. Wir kriegen gerade noch den letzten Tisch und die Leute stehen bis zur Tür raus an. Wir skypen, appen und trödeln so vor uns hin und schauen dem Trubel zu, so dass wir erst spät loskommen. Was für ein Glück! Wir wollen zum Lake Louise, aber da ist Großkampftag. Es staut sich mittlerweile nicht mehr ganz so dolle und wir kommen mit recht wenig Warten bis vorne zum Parkplatz. (Als ob wir uns hinten am Straßenrand in 3 km Entfernung hinstellen würden….) Irgendein halber Parkplatz ist immer bei irgendwelchen Mülltonnen oder Einfahrten oder Brückeneingängen frei. So auch diesmal – die anderen Autofahrer suchen weiter (und ärgern sich vermutlich – hihi!) Natürlich ist der Lake Luise vollkommen überlaufen. Es wimmelt nur von Menschen. Die meisten können einfach nicht die Klappe halten und schnattern immer weiter und meistens viel lauter als nötig, so dass man in 3 m Abstand noch alles haarklein verstehen kann. Furchtbar. Wir setzen uns mitten in den Trubel an den Rand des Sees auf die Promenade und blenden die anderen einfach aus. Welch herrlicher Blick.

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Kein Wunder, dass die Eisenbahngesellschaft damals diesen Ort als einen für die drei Luxushotels ausgesucht hat. Natürlich kann ich nicht anders, als meine Füße in den See zu stecken. Er ist eiskalt. Klar, so türkisfarben wird der vom Gletscher gespeist (der über dem See thront und ab und zu „kalbt“, dessen Knall dann 20 sec. bis hierher braucht).

_MG_8879 der Gletscher über Lake Louise_MG_8880  _MG_8874 Trubel über Gewimmel   _MG_8884 _MG_8891Schlange stehen am Bootshaus – für schlappe 65 Dollar die Std. – das ist doch glatt geschenkt,oder?

Wir wollen einen Kaffee im Luxushotel uns gönnen, aber in der Abteilung „herrlicher Ausblick“ sind die Tische den Hausgästen vorbehalten und alle anderen können sich im Seitentrakt am „Daily“ einen halbguten Cappuccino im Pappbecher, Getränkeflaschen oder Snacks holen. So manch eine Tochter von Beruf blickt sehr hochnäsig umher, auch wenn sie selber wie abgehalftert herumläuft. Aber laut nach „Daddy“ rufen, wenn sie in den „Salon“ nicht reingelassen wird. Da kommt er schon angeeilt, mit Handy am Ohr, Badelatschen und kurzer Turnhose. Na, was ist das denn für eine Attitüde. Wo bleibt denn da der Stil???

_MG_8873die berühmte Abfahrt im Skigebiet von Lake Luise – wie im Winter Schlange stehen am Lift und wie im Winter fährt jede Gondel nur halb voll. Die Leute werden auch im Sommer nicht klüger und warten wohl lieber doppelt so lang…  _MG_8877

Da hatte das letzte Hotel in Banff „Fairmont Springs“ doch viel mehr Flair mit dem angrenzenden Bowfalls. Im Eingang spielte eine Harfinistin bekannte Weltmelodien, auch wenn man schon genau hinhören musste, um diese wieder zu erkennen.

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Sie schickte uns auch in den ersten Stock, weil man dort den schönen Ausblick genießen könne. Stimmt, das hatte M. doch schon erzählt. Dieses Hotel wurde zu Beginn des 20. Jh. errichtet. Aber ach, o weh! – die Baupläne wurden falsch herum (seitenverkehrt) gehalten, was niemandem auffiel. Erst dem Bauherrn (der Canadian Pazifik Railway) NACH der Errichtung des 1. Stockwerkes. DAS Donnerwetter war bestimmt in ganz Rocky Mountains zu hören. Die folgenden Stockwerke wurden dann richtig herum gebaut. So haben im 1. Stock die Suiten alle den Blick vor den Berg und die Küche den besten Ausblick auf den BowRiver. Erst die darüber liegenden Stockwerke dürfen sich am herrlichen Ausblick erfreuen.

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_MG_8862die Bowfalls neben dem Hotel

Wir machen uns wieder auf, wollen noch beim Lake Moraine vorbeischauen. Aber die Straße ist wegen Überfüllung gesperrt – sehr zu unserem Ärger, denn mittlerweile sind viele schon wieder nach Hause gefahren. So ziehen wir unverrichteter Dinge gen Banff, wo wir uns ein echtes Steak mit Salat (ohne Fritten o.ä.!!!) mit einem Weißbier und einem Gläschen roten Saft gönnen. Alles zusammen schlappe 100 Dollares – na, nach meinem Einkaufserlebnis kann ich diese Preise nun verstehen.

Mo. 3.8.15

Auf, auf, aus den Federn ihr müden Knochen. Raus mich euch. Es ist schon 6 Uhr und nach dem Einpacken noch 1 Std. Fahrt (bzw. Frieren bei 8 °C) bis zum Lake Moraine. Wir kommen dort um 8.40 Uhr an und die Parkplätze sind nahezu gefüllt. Ab jetzt bitte wieder am Straßenrand der Auffahrt parken. Wir natürlich nicht. Direkt am Eingang sind noch 2 Plätze nebeneinander frei. Wir belegen sie beide – hat uns doch die Rangerin bei Ankunft schon so böse angeschaut, weil wir irgendwo am Rand stehen bleiben wollten. Ich würde die richtigen Parkplätze ja den Autofahrern überlassen, aber wenn sie es so haben will – bitte sehr! )Ich hätte Mäuschen spielen und die Gesichter der Autofahrer sehen wollen, die von freudestrahlend (ein freier Platz ganz vorne) ins rötliche wechseln.) Auch hier sind schon andere auf dieselbe Idee gekommen. Viele halten sich nicht an die Schilder, trampeln über die zarte Vegetation einfach drüber und klettern den Berg hinauf. Oben angekommen erklimmt die Sonne gerade die gegenüberliegenden Felsen. Die Sonne im Rücken erstrahlt die eine Hälfte der Berge, die andere liegt im Schatten und unten ruht der nahezu spiegelglatte, leuchtend türkisfarbene See. Genau das richtige Licht für die Bilder. Der See ist eiskalt (logo, wegen drüber liegendem Gletscher („Turm zu Babel“ ) ) und spiegelglatt, weil noch keine Böötchen vermietet wurden. Dafür kostet dann der Kaffee glatt 6 Dollar plus taxe. Da ist meine Schmerzgrenze erreicht. Heute hab ich den Kaffee schon auf!!!

_MG_8901_MG_8926ich weiß nicht mehr wie diese kleinen possierlichen Tierchen heißen. Lustig nich? M. meint, sie heißen Pica (ein amerikanischer Pfeifhase – was google doch so alles weiß 😉_MG_8906 Lake Moraine morgens um halb 9 bevor die Busse kommen und _MG_8909 bevor die Böötchen vermietet werden ;- _MG_8921

Weiter gehts in den Yoho-NP zu den Takkakawfalls (die sehen gar nicht so aus, wie fast 400 m hoch). _MG_8930Der freie Fall ist „nur“ 256 m hoch, weil das Wasser nach dem ersten Fall auf eine Kante stürzt. Ich finde das besonders hübsch, weil dadurch das Wasser erst richtig Schwung bekommt und mit großem Schwall über die Kante hinaus schießt, bevor es nach unten stürzt. Zu seinen Füßen gibts erstmal „Früh“stück. Dann zum Emeraldlake. Was soll ich euch sagen, ein See schöner als der andere._MG_8947_MG_8946

Die Böötchen kosten hier übrigens „nur“ 66 Dollar für 2 Std. Ein Spottpreis, hätte ich die doch am Lake Louise für 1 Std. schon hinlegen müssen!). _MG_8972_MG_8981Die Natural Brige auf dem Weg zum Emeraldlake _MG_8976

Wir fahren u.a. über den einzigen Transhighway durch Kanada, machen Strecke, denn wir wollen noch zum Jasper ankommen. Auf dem Weg noch „eben“ den Petolake anschauen, _MG_8985

ein „kleines“ Päuschen am Honeymoonlake _MG_9000  (mit Photo an entsprechender Bank mit Blick auf See und Gebirge) und „noch schnell“ die Athabaskafalls mitnehmen. Ja, phh, Nicht nur die Falls fesseln meinen Blick, sondern ein Seiltänzer, der seine Slagline über die Falls gespannt hat und nicht nur einmal rüberbalanciert. Und unten tost das Wasser… brrr.

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Viel zu spät kommen wir wieder mal in Jasper an bei 28 °C – natürlich hat der erste Campingplatz „full“ auf dem Schild stehen. Wir fahren zum 2. Der hat zwar nix stehen, dafür aber 2 Warteschlangen. Ich nehme die, wo am wenigsten Autos warten… Hä? Gar kein Auto? Mist, das ist die Spur für die bereits registrierten Besucher, die fahren einfach durch. Da mein Fuß ob der Gewaltmärsche in Calgary und Peytolake in ungeeigneten Stiefeln nun beleidigt ist, schicke ich M. zurück, sich anzustellen. Ich würde vorne warten. Hab ich natürlich nich gemacht. Ich hab statt dessen die Frau im Registrierhäuschen gefragt, ob sich denn das Warten überhaupt lohnen würde. Wenn kein Platz ist, brauchen wir auch nicht warten, oder?! … Hm, lange Schlange, keine Ahnung ob die alle reserviert haben, hm, aber der 1. Campingplatz müsste doch…. Nein, der hat „Full“ stehen. Sie ruft da mal eben an, für 2 Biker müsste immer ein „overflow-Platz“ zu haben sein. War auch so! Wir drehen sofort um, die Dame dort wartet schon auf uns. Wieder alles richtig gemacht! 450 km Sightseeingtour!

Calgary

Sa. 1.8.15

Eigentlich braucht man bei der Überschrift nix weiter zu sagen. Olympischer Boden. Wow! Es ist ein irres Gefühl, da zu sitzen, wo die Bobfahrer auch auf ihren „Auftritt“ gewartet haben. Leider ist es zu spät für eine Mitfahrt. Na, dann eben 132 Dollar gespart. Dafür „musste“ ich aber auch bis ganz oben hin laufen – hat einen Satz heißer Füße gegeben in den Stiefeln 😉 Es ist wieder mal über 30 °C und nirgends Trinkwasser – außer kleine Fläschchen für viel Geld für den hohlen Zahn.

Wir vertrödeln den Tag in der Stadt, die obwohl so quadratisch gebaut, doch schwierig ist zu befahren, weil ständig die Straßen gesperrt sind oder Gegenrichtung Einbahnstraße. Je einen einzigen Cappuccino gönnen wir uns allerdings doch – für schlappe 10 Euro. Dafür kostet dann das Schweinefilet genauso viel wie Koteletts und nur halb soviel wie der stinknormale Gouda. Der schmeckt aber wenigstens nach Gouda und nicht wie der Cheddar nach nix.

Abends müssen wir den erklommenen Berg auch wieder zu Fuß runter, weil Abfahrten mit diversen Attraktionen nur von unten gebucht werden können, wenn man mit dem Lift rauffährt. Dass einer zu Fuß hoch will, das kommt wohl nicht vor. Dadurch wird es für das Essen auf dem Campingplatz kritisch. Hm. Butterbrot wegen zu spät geht auch nicht, weil ich Fleisch gekauft habe. Das MUSS also gekocht werden. Weißt du was? Was hältst du davon, wenn wir einfach ERST kochen und essen und DANN die Std. zurückfahren? Wir haben doch alles dabei. Gebongt! Es gibt unter die olympische Skischanze: schwarzgeräuchertes Schweinefilets an Gurkenstreifen auf sonnengewärmten, ungetoasteten Toast über Skyline von Calgary.Hm, lecker!!!! (Bilder demnächst)

Herzlichst B.

_MG_8786 olympische Bobbahn und wir wollten mit … aber es war schon zu spät…

Was macht man auf dem olympischen Platz??? _MG_8764 Planschen …_MG_8746oder….

_MG_8752 schrrr…_MG_8750 _MG_8768 hier waren wir schon…_MG_8726_MG_8727

_MG_8829tse, tse tse… Wir waren zu faul, den Berg wieder rauf zu klimmen um außen rum zu gehen. Es gibt ein ähnliches Bild von mir, sieht aber aus wie auf der Hühnerstange und ist der Zensur zum Opfer gefallen.

_MG_8794 DIE Olympiaschanze(n)!_MG_8807So kommt man auch den Berg runter. Hätten wir auch gerne gemacht, aber wir waren schon oben, bevor wir bemerkten, dass es die nötigen Tickets nur unten gibt… MIST!

Running in den Nationalparks von Kanada

Fr. 31.7.15

Wir erfahren zufällig beim morgendlichen Einpacken am Rande vom Warteten-NP, dass hier in Kanada ausgerechnet dieses kommende Wochenende ein langes Wochenende ist, weil Montag Feiertag ist und ALLE Kanadier unterwegs mit ihren kleinen oder großen Campingwagen sind. Ein Dejavu. Das hatten wir doch schon mal vor genau 4 Wochen, als wegen des 4. Juli in den USA  nix zu kriegen war. Wir bemühen uns sofort um einen Platz auf einen der Campingplätze im Banff- oder Jasper-NP, aber es ist alles ausgebucht! Na, gut, dann eben außerhalb drum herum. Aber egal, wo wir hinfahren, es ist alles besetzt. Um 8.00 abends stehen wir mal wieder ratlos über Prospekte gebeugt auf der Straße. We are running out of time (uns rennt die Zeit davon), bald ist es dunkel. Nach Calgary ist es mindestens noch eine Std. Ich fahre nochmal los, um irgendwelche Leute aufzutreiben, die wir nach Rat fragen können, als in der Zwischenzeit neben M. das Rangerauto anhält. Ob wir noch einen Platz suchten? Ja, klaro! Ja, ein Zelt kriegen sie noch irgendwo unter. Auch für 3 Tage. Chacka! Aber hier gibts eine Bärenmutter mit 2 kleinen Bären. Auch das noch. Reicht nicht einer? Müssen es gleich 3 sein und dann noch eine Mutter???? Aber die Ranger beruhigen mich, die Bärin hätte mehr Angst vor mir als umgekehrt. Na, dann muss die aber MÄCHTIG Angst haben!!!!

Die Rangerin bedankt sich ob der Tatsache, dass wir englisch verstehen und entschwindet. Unsere Nachbarn verstehen nur spanisch, wohnen in Calgary, waren letztes Wochenende auch schon da, und haben diesmal wieder einfach einen Platz belegt, so dass andere umgebucht werden müssen. Na, die Ranger haben ein großes Herz, (haben wir ja auch festgestellt) und lassen die beiden auch diesmal hier übernachten.

Auf dem Weg hierhin nehmen wir noch „eben“ die roten Felsen im Warteten-NP mit. Natürlich kommt gerade eine Busladung Japaner an, als ich mir gerade den Platz mit Blick auf „ohne-Leute“ gesichert habe. Mist. Es wimmelt nur so von Leuten IM Wasser, NEBEN dem Wasser, ÜBER dem Wasser, auf der Brücke, auf den Steinen … überall! Das ist tatsächlich erlaubt. Viele der anscheinend Gutinformierten gehen noch weiter, selbst mit kleinen Kindern. Dabei ist das Wasser bitterkalt, selbst für die lieben Kleinen, die schnell wieder rausspringen.  Ich gehe weiter in den Canyon hinein, sitze abseits und höre dem Plätschern zu. Irgendwann machen wir uns auf die Rundtour von knapp 1 km. Unten sehen wir immer wieder Blicke in den Canyon und die entlanglaufenden Besucher. Es wird höher und höher. Ob die Besucher unten denselben Weg zurück müssen? Wir wissen es nicht, sehen aber auch keine andere Möglichkeit, aber die klettern immer weiter. Ein herrliches Abenteuer für die Kinder.

_MG_8641 Waterton-village _MG_8643 Zweifingersuchsystem – erstaunlich schnell

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Achja: Fast hätte es Rehbraten gegeben, Aber Ready ist noch zu klein, sie nimmt nur Flüssignahrung zu sich, nur vegetarisch. So nimmt sie das „dear“ lieber nicht aufs Korn, sondern zeigt, wie eine Vollbremsung geht. Zum Glück hat auch Roady hintendran das 15 m neben der Straße hinter einem Weidezaun am Waldrand zunächst grasende, dann mit 3 Hüpfern über den Zaun springende Viech gesehen, wie es innerhalb von nur 1-2 sec. rasend schnell die Strecke zur Straße überwunden hat. Auch wenn du denkst, du bist mit 100 doch schon längst an dem Vieh vorbei, täusche dich nicht. Die wollen VOR dir über die Straße und glaube mir, sie setzen alles dran, das zu schaffen, auch ihr Leben dabei aufs Spiel. Tunnelblick eben!

Da hat das zweite „dear“ 3 Std. später schon mehr Erfahrung gehabt. Es wartete am Straßenrand, bis 3 Autos vorbei sind, bis M. und das entgegenkommende Auto stark abgebremst hatten und trabte dann in friedlicher Ruhe über die Straße. Wieder kein Rehbraten! Da auch die Ziegenhorde auf dem Seitenstreifen blieb, und die Kühe lieber im Straßengraben grasten (anscheinend ist das Gras dort saftiger, weil sich das Wasser dort sammelt?) und alle Geschäfte schon zu hatten, haben wir noch Butterbrot und Belag für genau ein Abendessen. Dann sind wir „running out of food“.

Jetzt sag mir mal einer: Was haben diese Tiere eigentlich auf der Straße zu suchen? Nix! (Meine ich auch! Haben die denn kein Zuhause?)

Wer googlen will: Wir sind über den höchsten Straßenpass Kanadas gefahren, 2268 m. (Wer hier an Kurven wie in den Alpen denkt, Fehlanzeige! Die können das hier auch ohne!)

Preisfrage: Warum sind die Blumenkästen in Warterton-Village eingezäunt oder  in der ersten Etage aufgehängt?

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Glacier, oder die erste Planänderung

Nach einer sternenarmen Nacht ( blöder Vollmond) fällt nach dem Öffnen des Zeltreißverschlusses der erste Blick auf den tiefblauen und kristallklaren Flathead Lake. Mit solch einem Ausblick könnte jeder Tag beginnen. Nach einem stärkenden Espresso, direkt am See, packen wir die Motorräder und fahren an der Uferstraße eine Weile am See entlang.

Morgenkaffee

Morgens acht Uhr und lecker Espresso… Die Welt ist noch in Ordnung…

Nach dem obligatorischen Stop bei unserem favorisierten Internet-Provider MC Donald (gescheiter Kaffee und freies WLAN) rollen wir auf gerader Straße auf das eigentlich nächste Highlight unserer Reise zu: Die Going To The Sun Road im Glacier Nationalpark. Wolkenloser Himmel und traumhafte Temperaturen, hier hat Petrus alles richtig gemacht. Wie gerne würden wir diese Panoramastraße mit Ready und Roadie bezwingen.

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Da dürfen wir nicht rein 😦

Doch ein kleiner ( oder großer) Feuerteufel hat uns leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Seit einer Woche wütet das Feuer dort und blockiert die Straße. Mittlerweile ist eine Fläche von mehr als 12 Quadratkilometern betroffen. Es sind zwar vom Westen her 31km der Straße bis zum Logan Pass freigegeben aber der weitere Weg in Richtung Osten ist durch das Feuer versperrt. So entschließen wir uns schweren Herzens, den Nationalpark südlich zu umfahren um zur kanadischen Grenze zu gelangen. Dabei führt uns der Weg am östlichen Parkeingang vorbei. Von der Straße aus kann man zahlreiche Rauchsäulen des großen Feuers entdecken. Ein leichter Brandgeruch liegt in der Luft. Welch unnütze Zerstörung der Natur, von Menschenhand ausgelöst.

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Das sieht gar nicht gut aus….

Da wo die Feuer sind, geht die Strasse lang...

Da wo die Feuer sind, geht die Going-to-the-Sun-Road lang…

Nach einer Mittagspause an einem der zahlreichen Seen treffen wir auf die Landesgrenze. Die Amerikaner lassen sich überhaupt nicht blicken und der kanadische Grenzbeamte hat nur ein paar kurze Fragen über das wohin, wie lange und den finanziellen Hintergrund. Die Fragen kennt man ja mittlerweile. Bei B. geht das ganze noch kürzer, weil gleiche Geschichte. Allerdings wurden B. noch Zusatzfragen über den Besitz von Rauchwaren und Feuerwaffen gestellt. Mir wurden die Fragen nicht gestellt, liegt sicher an dem vertrauenserweckemden Mehrtagesbart.

Als Nachtquartier haben wir uns den Waterton Nationalpark ausgesucht, der weltweit vierte eingerichtete Nationalpark. Zwischen Aussuchen und Bekommen steht leider das böse Wort „Full“. Alle Campingplätze im Nationalpark sind schon ausgebucht. Aber zum Glück gibt es 3 Minuten außerhalb einen privaten Campingplatz, der noch Platz hat. Nach einem kleinen Nickerchen im Nachmittagsschatten machen wir uns auf den Weg zum Waterton Village, einem kleinen Touristenort im!!! Nationalpark direkt am See gelegen. Oberhalb der Ortschaft zwischen dem Middle und Upper Waterton Lake liegt das berühmte Prince of Wales Hotel.

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ganz schön nobel…

Klar, dem müssen wir auch einen Besuch abstatten, schließlich sind wir berühmte 🙂 Motorradreisende. Beim Betreten der Lobby zieht es einem fast die Schuhe aus. Die Rückseite ist komplett verglast und gibt den Blick auf ein hammermäßiges Panorama frei.

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Der Blick aus der Lobby auf den See

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DerAusblick ohne störende Reflexe in der Scheibe

DEN Blick mit Frühstückscappuchino, einfach unbezahlbar. Apropos unbezahlbar, dass gilt auch mit Blick auf unser Budget für weitere Aktivitäten im Hotel. In Waterton Village sind alle Blumen entweder hochgehängt oder eingezäunt. Den Grund bekommen wir auch direkt geliefert: Das Rotwild wandert hier ungestört über die Straßen und „wildert“ in den Vorgärten. Den schönen Urlaubstag (kann man bei unserer Reise überhaupt davon reden?) lassen wir gemütlich bei Burger und Livemusik ausklingen.

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lecker….

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schöne Livemusik, oder???

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Abendstimmung am Upper Waterton Lake

(M)

Geschichten

Di, 28.7.15: Die Mietzengeschichte

Wir wollen gerade ins Bett gehen, es ist halb 12, kalt und dunkel, ich bin schon im Zelt, M. noch draußen die letzten Sachen zusammenräumen. Da… ein hohes Tönchen, zart und vorsichtig. Hä? Was war das denn? Ein Kätzchen? Da bin ich natürlich sofort wieder raus aus den Federn. Tatsächlich, eine Katze steht neben dem Zelt und miaut fragend. Sie ist sehr zutraulich, schnurrt sofort bei der ersten Berührung, streicht um die Beine und fordert mehr Streicheleinheiten. Sie hört gar nicht auf, läuft hinterher. Es ist eine MainCoon-Katze. Die sind sehr wertvoll und teuer und müssen täglich gekämmt werden, sonst verfilzt das Fell. Sie ist sehr gepflegt, riecht sehr frisch. Sie ist garantiert irgendwo entlaufen. Ich nehme sie auf den Arm, schaue, wo noch Licht ist. Der einzige RV mit Licht hat einen Hund – die Mietze hört sofort auf zu schnurren, will runter. Aber sie fährt keine Krallen aus, lässt sich von mir festhalten. Ich gehe zum Office, als gerade der Mitarbeiter abschließt. Ich bitte um Hilfe und er erinnert sich, dass letzten Monat ein RV-Besitzer eine Katze als vermisst gemeldet hat. Als er nachschaut, wo wir unser Zelt aufgestellt haben, meint er, dass der Camper wohl genau in dem Gebiet seinen Wagen stehen hatte. Er gibt als erstes der Katze einen Karton mit Kissen, macht eine Dose mit Wurst und eine Flasche Wasser auf (sie stürzt sich gleich darauf, obwohl sie Angst vor den Motoren der Kühlschränke hat) und schaut dann nach der Telefonnummer der Camper. Die Katze darf hier herum laufen. Er erzählt, dass er sie schon einige Male gesehen hat, aber nie zu fassen bekommen hat. Er will sofort anrufen, dass sie ihre Katze abholen. Am nächsten Morgen ist nichts mehr von den Ereignissen zu sehen, keiner weiß von nix. Anscheinend hat der Besitzer sie sofort abgeholt (oder wer anders in gute Hände genommen – hoffentlich… Welch ein Glück!

Mi. 29.7.15 Trailmagic

Wir haben einen neuen Starter für mein Mädel bekommen, etwas später als erhofft. Macht nix. Endlich fertig ist es schon halb 3, na, nu aber los, auf dass wir noch ein paar km schaffen. Da spricht uns der nette Mensch von heute morgen an, der viel von Alaska erzählt hat, weil er 20 Jahre dort gewohnt hat, nun in Arizona wohnt. Seine Batterie (einer kleinen G 650 GS- ehemalige F 650 GS) sei zwar nun geladen, aber es fehlte ihm Werkzeug zum Einbauen. Das vorhandene passte vorne und hinten nicht…. M. hilft gerne, nicht nur mit Werkzeug, sondern auch sonst. Nachdem ich meinen Kram verstaut habe, auch ich, weil diese doofe Schraube einfach nicht auf die Mutter will. Nach über einer Std. endlich geschafft. Jubel! (Jetzt konnten WIR mal anderen helfen, anstatt immer nur Hilfe anzunehmen. Das hat richtig gut getan.) Weil es nun schon so spät ist, schaffen wir den anvisierten Campingplatz nicht. Aber statt dessen erwischen wir einen direkt am See, beobachten abends den herrlichen Sonnenuntergang am gegenüberliegenden Seeufer und erwachen morgens mit Blick auf den goldenen Flathatlake und sitzen in der einzigen Sonnenschneise und lassen uns den Rücken wärmen. Der andere Campingplatz wäre nicht am See und viel weniger schön gewesen. Hat doch wieder alles prima ineinander gepasst!!!

Nachtrag Bilder Yellowstone (und andere, z. B. Sturgis)

Ein paar Kuriositäten am Wegesrand Richtung Missoula_MG_8604 _MG_8602 _MG_8601 _MG_8596 _MG_8593

Ihr Lieben,

wie gerne hätte ich euch ein paar kleine Videos eingestellt, um zu zeigen, wie schön es zischt, blubbert, faucht oder dampft. Aber ich kann keine hochladen, das Programm akzeptiert nur Bilder. So müsst ihr euch die Geräusche dazu vorstellen. Mein Favorit ist ja der Matschpott, der sich so anhört, als wenn man Milchreis kocht. Herrlich…. Aber seht selbst. Ein Extrahinweis für Michi: nicht weiterkucken!!! 😉

Hier also nur eine kleine Auswahl

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Grand Canyon of Yellowstoneriver, und Lower falls (die höher sind als die Upper falls, die aber in Fließrichtung die unteren Fälle, die oberen Fälle sind nur mit 1 km Fußweg zu erreichen…)

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Old Faithfull, rechts das Wasser, links der Dampf morgens um 6.35 Uhr

P1020026das Porzellanbecken bei den Norris-Geysiren

_MG_8411 M im Yellowstonesee _MG_8365die meisten Leute gehen hier achtlos dran vorbei, aber etwas Geduld wird hiermit belohnt: vorher – nachher (diese und alle folgenden Bilder aus der nahen Region um Old Faithfull herum)

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_MG_8348 _MG_8340 _MG_8334 _MG_8330 _MG_8328 _MG_8326 _MG_8323 _MG_8319  _MG_8309 _MG_8310 _MG_8308 _MG_8302 _MG_8300 _MG_8298 _MG_8296 _MG_8290 _MG_8284 _MG_8280 _MG_8279 _MG_8268 _MG_8267 _MG_8251 _MG_8236 _MG_8233

Nachtrag Bilder

_MG_0330 DIE berühmte Bar in Sturgis

_MG_0331und wir waren drin 🙂

_MG_0351 _MG_0341 _MG_0345 jeder Pin steht für den Heimatort eines Besuchers –  kuckstu links oben ;-)… (jaa, ich weiß Europa liegt auf der anderen Seite, aber da war kein Platz und prominente Leute sind immer extravagant (cheese) – bitte nicht so ernst nehmen!)

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_MG_0106 Mississippibrück bei La Crosse_MG_0110 Amishkutsche in Minesota_MG_0196M. bei seiner zweiten Lieblingsbeschäftigung außer Fotografieren (bitte beachten, es gibt nur SEHR wenige Bilder von ihm, wo er keinen Fotoapparat in der Hand oder vor der Nase hat!!!)

Grand Teton Nationalpark

So, 26.7.15

Morgens 6.00 Uhr, 0 Grad (richtig gelesen Null!) Das Thermometer klettert auf 30 °C. solche Temperaturschwankungen machen M. schwerer zu schaffen als mir. Wir verlassen den Yellowstone Richtung Süden und kommen in den Grand Teton. Die Berge rechts und links begleiten uns auf der einzigen Straße. Es soll eine Gravelroad entlang des Flusses Snakeriver (der ist über 1700 km lang) sein vor dem herrlichen Gebirgszug Teton. Schon bei der Einfahrt denke ich, na, das wird sicher kein Spaziergang. Nach einigen km ist dort ein Abzweig nach rechts, scheint aber in einer Sackgasse zu landen. Das Navi kennt den Weg geradeaus weiter nicht, der uns auch in die falsche Richtung führt. Wir drehen, und ich sehe vor mir die 3 Bodenwellen mit losem Kies und den dicken Steinen am Anfang. M. fährt die 15 m einfach hoch, auch wenn das Hinterrad auskeilt. Mich versetzt das in Alarm, vor allem, weil M. gleich mit der Kamera erscheint. Meinen folgenden Kommentar geb ich lieber nicht wieder. Auch wenn ich diese Stelle mit Bravour meistere, so bin ich doch furchtbar aufgeregt und gleichzeitig gibt es mir wieder ein Stück Sicherheit und Vertrauen in diese Reifen.

Wir hoppeln weiter über den Weg, der mit dicken Steinen „gepflastert“ ist. Ausweichen geht nur selten, weil flächendeckend bestückt. Natürlich verlieren wir hin und wieder unser Gepäck stückweise. Zum Glück bemerken wir es immer rechtzeitig und sammeln alles wieder ein. Den Fluss haben wir noch nicht zu Gesicht bekommen. Er liegt unten im Flusstal in 200 m Entfernung und versteckt sich hinter Bäumen. Dafür sehen wir aber eine riesige Bisonherde.

Endlich – es wird uns ein Blick auf den Fluss gewährt. Und kein anderer Mensch weit und breit, kein Auto, niemand. Klasse! Weiter gehts. Plötzlich ein sehr steiler Anstieg, 100 m lang, mit dickem, losen Kies und noch dickeren Bodenwellen. M. wartet am Fuß auf mich. Und da soll ich jetzt hoch? Wir steigen ab, besichtigen erstmal die Strecke. Schweißgebadet und außer Atem erklimmen wir den Anstieg. Die Bodenwellen sind zwar sehr tief, aber weit gezogen, also machbar. Wir wollen es wagen und erstmal nach dem tiefen Kiesbett zu Beginn eine kleine Trinkpause einlegen, um zu entscheiden, wer zuerst fährt. (M. fährt meist vor, erkundet das Gelände. Wo er fährt, fahre auch ich. Aber wehe, wenns schwierig wird, dann klappern bei mir die Nerven.) Also was tun? Tiefer Kies, langsam anfahren, und auf Zug und mit weitem Blick nach vorne Vorderrad tanzen lassen, nur nicht vom Gas gehen und durch bin ich. Einmal allen Mut zusammen genommen, entscheide ich kurzfristig, einfach weiter zu fahren und es nach oben zu versuchen. Auf halben Weg hat das gerade vorher fahrende Auto die anvisierte Spur umgegraben. Ich komme nach links in den noch tieferen Kies, schaffe es aber, mich an den sicheren Rand zu retten, die Bremse des Vorderrades hält aber im Kies nicht und die Fuhre rutscht rückwärts. Motor abwürgen und erstmal verschnaufen. Wo ist M? Noch unten. Kommt er hoch und rettet mich? Nee, er zieht seinen Helm an (klar wollte er mir helfen, aber anders als ich dachte.) Was mach ich nun? Komm schon Baby, konzentrier dich. Hält das Vorderrad, wenn ich die Kupplung ziehe? Jep, dann kann ich ja wieder den Motor starten und schauen, ob das Hinterrad Grip hat. (Vorderradbremse halten,vorsichtig Gas geben und Kupplung kommen lassen. Hat man Grip, geht die Federung hinten nach unten. Ansonsten würde das Rad anfangen durchzudrehen. – nur für die, die das nicht wissen). Jep, Grip habe ich auch, also Bremse lösen und auf die Fußrasten und hoch! Geschafft, braves Mädel! Die Maschine wird mir immer vertrauter.

Für diese Arbeit werden wir mit einigen herrlichen Blicken auf einen wunderbar mäandernden Fluss entschädigt. Stolz wie Oskar bin ich dennoch froh, als wir nach 25 km stehender Rüttelei endlich wieder sitzender Weise auf Straße unsere Reise fortsetzen und nach 320 km Tagesetappe in Idaho ankommen, wo wir am Fluss campieren und uns bei einsetzender Dunkelheit schnell vor den stechenden Viechern  ins Zelt retten und früh schlafen gehen. Was war das doch im Yellowstone schön, wo wir auf 2000 m Höhe davon verschont waren….

Schönen Sonntag noch

Eure B.

P1020048 7500 km bis hierher, 5000 (in einem Tag weniger) waren geplant, wir liegen gut in der Zeit, machen aber viel mehr km. Mal sehen ob das so bleibt.

P1020047 SnakeriverP1020036 P1020034Sieger!!! (fragt sich nur wer hier wen besiegt hat ;-)…)

Mo 27.7.15

Langweiliger Fahrtag nach Missolula mit vielen Geradeaus-km zum BMW Händler – hab ich gedacht. Pustekuchen. Wir starten bei 17 °C morgens um 9, aber nach 30 km kündigen dicke ausfransende Wolken Regen an. Hier in der Halbwüste, wo jeder trotzdem den Rasen sprengt? Na, gut, Regensachen an und sicherheitshalbe noch ein langes Pullöverchen drunter. Es kommen tatsächlich nur ein paar Tropfen, aber es wird kalt und kälter. Ich verstecke mich hinter dem Windschild, aber es wird einfach nicht wärmer. Bis auf 5 Grad geht es runter. Ich friere und überlege, anzuhalten um noch ein Pullöverchen anzuziehen. Aber dafür den ganzen Prüll ausfrimmeln und wieder an? Nein, weiterfrieren, es wird sicher gleich warm. Nein, wird es nicht. Doch anhalten? Nein, zu lästig… Dieses hin und her mache ich eine Std. lang mit, bis ich wirklich durchgefroren bin, M. mich auf diesen unfassbaren Umstand aufmerksam macht (s. Bild) und mir in 8 Meilen einen Ort mit 100 Einwohnern und SICHERER Tanke zum Aufwärmen verspricht.

_MG_8580Jep, der erste Neuschnee für diesen Winter!

Rodeo in Cody und Yellowstone

Zunächst mal sorry, dass wir uns solange nicht gemeldet haben. Es ist nichts passiert und es geht uns gut. Aber wir hatten kein Internet. Deshalb hier der gesammelte Bericht der letzten Tage.

Mi 22.7.15

Wir verabschieden uns von den Giants und fahren nach Cody durch die Bighorndmountains (für die Googler: über die 14a). Diese Straße verliert auf 16 km ca. 1000 m und wir landen in einer Wüste. Zwar gibt es hier einen Stausee des Bighornriver, aber das Wasser kommt nicht mal bei den Pflanzen des Ufers an. Überall braunes Gras und dorniges Gestrüpp. Es gibt hier tatsächlich Menschen! Das man hier leben kann. Reich werden kann man jedenfalls nicht.

In Cody kommen wir früh an, suchen uns ein Plätzchen und auf die Suche nach dem geothermalen Gebiet außerhalb des Yellowstoneparks. Wir finden es nicht direkt, machen statt dessen eine herrliche Tour entlang des Stausees. Auf dem Rückweg, nach mehrmaligem Fragen finden wir es dann. Da es nicht spuckt oder zischt und raucht, wird davon anscheinend nur der Pool des angrenzenden Hotels gewärmt. Es ist nicht zugänglich. Schade. Aber wir kaufen 2 Karten für das allabendliche Rodeo. Was für ein Spaß! Es fängt natürlich mit der Nationalhymne an. Alle stehen auf, nur ich bleibe sitzen, hab ich doch alle Getränke und Chips mit Käsesauce auf dem Schoß. Das sollte Grund genug sein, oder?! 😉 Die Formation der 6 Mädels auf 6 Pferden mit je einer Nationalflagge zu Musik (ich würde das als „Pferdetanz“ bezeichnen) ist ein schöner Einstieg.

Werbepause! (Jaja, die gibt es hier auch und sieht so aus: Die Mädels auf den Pferden haben nun Flaggen der Sponsoren und reiten damit eine Runde durch die Arena) Dann gehts richtig los, mit allen Disziplinen, die man je gesehen hat. Mich beeindruckten am meisten die Mädels mit dem Dreiecksreiten (wer ist am schnellsten im Zickzack um die 3 Tonnen herum?). Die Mädchen waren sogar noch schneller als die Damen. Wenn ich richtig informiert bin, bringt jeder Teilnehmer ein dafür geeignetes Pferd mit, dann wird aber jedem Teilnehmer ein Pferd zugelost, so dass keiner auf seinem eigenen Pferd reiten darf. Um so beeindruckender die Leistung der wirklich kleinen Mädchen (geschätztes Alter 6 – 8!)

M. fand das Einfangen der Kälbchen (als Einzeldisziplin oder im Doppel, wo neben Halsschlinge auch ein Fuß eingefangen werden muss) und natürlich das Bullenreiten am beeindruckendsten. Ist es auch. Es war ein toller Abend. (Nur die 2 Meilen zurück zu Fuß im Dunkeln als EINZIGE!!! hätte ich mir kürzer vorgestellt. Aber man muss was tun, sonst verliert man die Fitness komplett!)

Do 23.7.15

Was für ein Tag! Wir starten in Cody bei 29 °C schon um 9.00 morgens und fahren den Beartoothpass hoch. Schnell sinken die Temperaturen auf schnuckelige 15 °C. Wir machen fast oben einen Halt am Aussichtspunkt. Dort vergnügen sich meine Favoriten: Die Streifenhörnchen. Es gibt hier eine Dose mit Futter für die Kleinen. Immer wieder macht jemand diese Dose auf, was die natürlich wissen und entsprechend rumflitzen und sich die Backen vollstopfen. Es ist herrlich, diese possierlichen Tierchen zu beobachten.

Aber die herannahende Unwetterfront ist schon an der übernächsten Kurve. Machen wir, dass wir wegkommen. Fast geschafft, nur ein paar Ausläufer erreichen uns. Dafür wird es aber schweinekalt: 6 °C – aber nicht nur oben auf der Spitze, sondern stundenlang. Da kühlt man richtig aus, auch wenn es immer mal wieder auf 12 – 14 °C hoch geht. Pünktlich im Yellowstone – der Park macht ja sein eigenes Wetter, weil er so groß ist, einen riesigen See hat und auf 2500 m hoch liegt –  erreicht uns dann doch das Gewitter. Kurz vor knapp hält M. endlich an, um die Regenhose überzuziehen. Trotzdem, im Regen bei 6 °C stundenlang eine Autoschlange nach der anderen zu überholen (weil die Amis natürlich plötzlich nicht mehr fahren können) macht keinen Spaß. Dann auch das noch: Es gibt kurz vor der Abzweigung in Richtung Campingplatz einen dicken Unfall, der die Straße sperrt. Es gibt Verkehrschaos, es geht nur geradeaus weiter oder warten. Wir entscheiden uns für weiterfahren, was uns einen Umweg von 2 Std. beschwert. Nass und durchgefroren kommen wir viel zu spät erst um 20.00 Uhr am Campingplatz an, der natürlich „FULL“ ist. NEIIIIIIIIIIIIIIINNNNNN!!!!

M. verzweifelt, er kann nicht mehr. Aber ich will fragen, ob nicht wenigstens ein kleines Zelt irgendwo noch hinpasst. Nein, geht nicht, täte ihm leid. Nur noch Fußgänger und Radfahrer. Alle anderen bitte weiterfahren. Ich flehe ihn an, aber er bleibt hartnäckig. Die Autofahrer haben es ja wenigstens trocken und warm, aber wir???? Ratlos drehe ich mich um. als mich einer anspricht, ich könne bei ihm mit auf den Platz, ich sei doch die Bikerin mit dem Mopped da? (Trailmagic. Da ist sie wieder.  er hatte morgens erst auf den Rat einer anderen Hikerin reserviert) Der andere Servicemann mischte sich sofort ein: Er wäre dann für uns beide mitverantwortlich und für alles was wir anstellen würden. Hä? Wir schauen uns an. Was sollen wir denn anstellen, außer Zelt aufstellen und schlafen??? Wir übernehmen gerne seine Rechnung, froh einen Platz gefunden zu haben. Win-Win Situation. Er konnte umsonst übernachten, hatte noch ein Abendessen (zu dem wir ihn natürlich eingeladen haben), konnte uns seinen zweiten Tag, den er bestellt, aber nicht haben wollte, abtreten und alle waren glücklich und zufrieden.

Alles wird bärensicher eingepackt. Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass hier Grisleys auftauchen können. Aber da muss ich mich wohl dran gewöhnen, sonst können wir umdrehen und nach Hause fahren… Es wird sehr kalt in der Nacht, aber im Schlafsack eingemummelt mit Kaschmirjäckchen geht es. Morgens ist es nur 9 °C aber die Sonne lacht und schnell klettern die Temperaturen auf leckere 21°C.

Fr. 24.7.15 Yellowstone, wir kommen!

Wir entscheiden uns, den Old Faithfull Geysir morgen in aller Herrgottsfrühe anzufahren und heute die Nordschleife zu fahren. Wasserfälle, blubbernde Matschlöcher, zischende Dampffontänen, bunte Steinareale mit kochendem Wasser … Überall rauscht, faucht, blubbert, zischt und dampft es. Selbst im fließenden Bach entdecke ich aufsteigende Blasen. Das ist das richtige für mich! Ich bin sprachlos. Leider die anderen nicht. Sie quaken und plappern munter drauflos, meist so, dass sie schon von weitem zu hören sind und stören die herrliche Ruhe immer wieder. Sie nehmen die Natur nur mit den Augen wahr, ich dagegen würde sie auch gerne hören. Doch dafür muss man mal leise sein. Ich warte gerne auf meine Chance. Die meisten rennen eh achtlos an den Pots und Events vorbei. Hm, ja, ist ganz nett, und weiter. Aber die Pots verändern sich dauernd. Nach einer Aktivitätsphase beruhigen sie sich. Man kann bis auf den Grund schauen und sehen, wie sich das Wasser beruhigt und spiegelglatt wird, bis dann die Blasen wieder aufsteigen, mehr und mehr werden und dann ausbrechen. Die Geysire spucken Wasserfontänen, die man ihnen im Vorübergehen nicht zutraut. Wunderbar.  Manchmal gelingt es mir, sie mit Geräuschen aufzunehmen, ohne dass einer reingrätscht oder -quatscht.

Sa, 25 7.15 Südschleife

Die Hauptstraße führt wie in einer Acht durch den Park. Gestern haben wir den oberen (kürzeren) Teil uns vorgenommen, heute den unteren. Da Old Faithfull so überlaufen ist und wir eh um 11.00 den Platz auf dem Campingplatz wechseln müssen, überwinden wir den inneren Schweinehund, stehen früh auf und sind nach einer halben Std. Fahrt  schon um 6.25 Uhr da. Ein riesiger Halbkreis mit 100 m Durchmesser mit Bänken in Zweierreihen mit noch mal 6 oder 7 m Platz dahinter für Stehplätze erwartet uns. Wow! Vor uns liegt ein Hügel mit mehreren rauchenden eigenen Hügeln drauf. Und welcher ist jetzt Old Faithfull? Wir sind nicht die einzigen hier, obwohl wir so früh sind. Ca. 30 Leute sitzen schon auf den Bänken und irgendwelche neben mir frage ich mal, damit ich mich auch vor den richtigen setze. Ich stehe genau vor ihm. Himmlische Ruhe. Keiner spricht, flüstert höchstens. Hm, und nu? Es kann bis zu 90 min. dauern, bis er ausbricht. Ich hab mir nichts zu tun mitgebracht, aber egal! Ich kann ja schon mal schauen, wie das mit der Kamera geht. Ich möchte ein Video machen. Prima, alles eingestellt, alles parat. Es ist 6 °C, und als ich mal eben auf die Uhr des Photoapparates schauen will, macht der nicht mal mehr an, sondern sagt, die Batterie sei leer. AUF EINMAL!!!! MIST!

Aber Markus hat für mich noch das Handy – gelobt sei die Technik! Wie ging das nochmal? Meist steht der ja auf Photo, ich will aber Video, denn wenns dann los geht, muss es ja schnell gehen. Ach, mach ich doch gleich mal ein Probevideo. Der fängt grad so heftig an zu rauchen und spuckt auch ein bisschen. Ich habs noch nicht fertig ausgesprochen, da geht es doch tatsächlich los. Keine 5 min. gesessen! Wow! Minutenlang versuche ich das Handy gerade zu halten, während ich dran vorbei staune. Was für ein Glück! Wegen der Kälte dampft es sehr stark. Vermutlich ist es schwer den weißen Dampf von den weißen Wassertropfen zu unterscheiden. Aber dafür juchzt hier auch keiner, sondern andächtige Stille.

Die Nachbarn haben darauf 45 min. gewartet, wohlgemerkt in eisiger Kälte, aber mit Thermoskanne und Decke bewaffnet. Wir hatten natürlich nix extra mit, aber brauchten wir ja auch nicht. (cheese!)

Nach einigen Minuten ist der Spuk vorbei, alle Anwesenden verziehen sich. Ich mache mich auf die Suche nach einer Kaffeebude. Erstmal verdauen. Das geht bei diesem Panorama am besten mit Kaffee. Ich finde auch welchen, aber M. hat sich zur Fotosession verzogen und wir verpassen uns. So trinke ich halt alle beide und genieße die Sonne.

Um Old Faithfull gibt es weitere Geothermalgebiete und wir fahren dorthin. Auch hier sind wir nicht allein, aber anscheinend suchen alle zu dieser Zeit dasselbe wie ich: Respektvolle Ruhe.

Wir müssen zurück und bis 11.00 den Platz geräumt haben. Wir schaffen es nicht, sind aber nicht die einzigen. Anscheinend ist heute fleißiges Bäumchenwechseldichspielen angesagt. Wir müssen vom einen Ende ans andere Ende des Campingplatzes. Nach getaner Arbeit erstmal die abgebrochene Nachtruhe auffüllen. Danach gehts noch mal los. Wir wollen noch zu den Yellowstone Wasserfällen und den Canyon sehen und auch den riesigen Yellowstonesee entlang fahren. Das dauert bis in den späten Abend hinein, es wird bald dunkel. Am Zelt angekommen ist der „Kindergarten“ angekommen. Es wimmelt nur so von kleinen Kindern. Na, bei dem Geschrei kommt sicher kein Bär vorbei. Stimmt, der traut sich vielleicht nicht. Aber ein „dear“ (das hiesige Reh oder Hirsch, etwas größer als in Europa) lässt sich davon nicht beeindrucken. Ein Ranger kann es mit Mühe, Trillerpfeife und Händeklatschen in den Wald zurückdrängen. Es war bis auf 10-15 m herangekommen und fraß seelenruhig Gras.

Sicher wollt ihr Bilder von all dem sehen. Wir könnten 100 einstellen, eins schöner als das andere und allesamt beeindruckend. Ich weiß nicht, wie ich hier was auswählen soll. Bei nächster Gelegenheit versuche ich mich mal an diese „Quadratur des Kreises“.

Morgen verabschieden wir uns dann vom Yellowstone und machen uns auf zum Grand Teton Nationalpark.

Bis demnächst

Herzliche Grüße B.