Rodeo in Cody und Yellowstone

Zunächst mal sorry, dass wir uns solange nicht gemeldet haben. Es ist nichts passiert und es geht uns gut. Aber wir hatten kein Internet. Deshalb hier der gesammelte Bericht der letzten Tage.

Mi 22.7.15

Wir verabschieden uns von den Giants und fahren nach Cody durch die Bighorndmountains (für die Googler: über die 14a). Diese Straße verliert auf 16 km ca. 1000 m und wir landen in einer Wüste. Zwar gibt es hier einen Stausee des Bighornriver, aber das Wasser kommt nicht mal bei den Pflanzen des Ufers an. Überall braunes Gras und dorniges Gestrüpp. Es gibt hier tatsächlich Menschen! Das man hier leben kann. Reich werden kann man jedenfalls nicht.

In Cody kommen wir früh an, suchen uns ein Plätzchen und auf die Suche nach dem geothermalen Gebiet außerhalb des Yellowstoneparks. Wir finden es nicht direkt, machen statt dessen eine herrliche Tour entlang des Stausees. Auf dem Rückweg, nach mehrmaligem Fragen finden wir es dann. Da es nicht spuckt oder zischt und raucht, wird davon anscheinend nur der Pool des angrenzenden Hotels gewärmt. Es ist nicht zugänglich. Schade. Aber wir kaufen 2 Karten für das allabendliche Rodeo. Was für ein Spaß! Es fängt natürlich mit der Nationalhymne an. Alle stehen auf, nur ich bleibe sitzen, hab ich doch alle Getränke und Chips mit Käsesauce auf dem Schoß. Das sollte Grund genug sein, oder?! 😉 Die Formation der 6 Mädels auf 6 Pferden mit je einer Nationalflagge zu Musik (ich würde das als „Pferdetanz“ bezeichnen) ist ein schöner Einstieg.

Werbepause! (Jaja, die gibt es hier auch und sieht so aus: Die Mädels auf den Pferden haben nun Flaggen der Sponsoren und reiten damit eine Runde durch die Arena) Dann gehts richtig los, mit allen Disziplinen, die man je gesehen hat. Mich beeindruckten am meisten die Mädels mit dem Dreiecksreiten (wer ist am schnellsten im Zickzack um die 3 Tonnen herum?). Die Mädchen waren sogar noch schneller als die Damen. Wenn ich richtig informiert bin, bringt jeder Teilnehmer ein dafür geeignetes Pferd mit, dann wird aber jedem Teilnehmer ein Pferd zugelost, so dass keiner auf seinem eigenen Pferd reiten darf. Um so beeindruckender die Leistung der wirklich kleinen Mädchen (geschätztes Alter 6 – 8!)

M. fand das Einfangen der Kälbchen (als Einzeldisziplin oder im Doppel, wo neben Halsschlinge auch ein Fuß eingefangen werden muss) und natürlich das Bullenreiten am beeindruckendsten. Ist es auch. Es war ein toller Abend. (Nur die 2 Meilen zurück zu Fuß im Dunkeln als EINZIGE!!! hätte ich mir kürzer vorgestellt. Aber man muss was tun, sonst verliert man die Fitness komplett!)

Do 23.7.15

Was für ein Tag! Wir starten in Cody bei 29 °C schon um 9.00 morgens und fahren den Beartoothpass hoch. Schnell sinken die Temperaturen auf schnuckelige 15 °C. Wir machen fast oben einen Halt am Aussichtspunkt. Dort vergnügen sich meine Favoriten: Die Streifenhörnchen. Es gibt hier eine Dose mit Futter für die Kleinen. Immer wieder macht jemand diese Dose auf, was die natürlich wissen und entsprechend rumflitzen und sich die Backen vollstopfen. Es ist herrlich, diese possierlichen Tierchen zu beobachten.

Aber die herannahende Unwetterfront ist schon an der übernächsten Kurve. Machen wir, dass wir wegkommen. Fast geschafft, nur ein paar Ausläufer erreichen uns. Dafür wird es aber schweinekalt: 6 °C – aber nicht nur oben auf der Spitze, sondern stundenlang. Da kühlt man richtig aus, auch wenn es immer mal wieder auf 12 – 14 °C hoch geht. Pünktlich im Yellowstone – der Park macht ja sein eigenes Wetter, weil er so groß ist, einen riesigen See hat und auf 2500 m hoch liegt –  erreicht uns dann doch das Gewitter. Kurz vor knapp hält M. endlich an, um die Regenhose überzuziehen. Trotzdem, im Regen bei 6 °C stundenlang eine Autoschlange nach der anderen zu überholen (weil die Amis natürlich plötzlich nicht mehr fahren können) macht keinen Spaß. Dann auch das noch: Es gibt kurz vor der Abzweigung in Richtung Campingplatz einen dicken Unfall, der die Straße sperrt. Es gibt Verkehrschaos, es geht nur geradeaus weiter oder warten. Wir entscheiden uns für weiterfahren, was uns einen Umweg von 2 Std. beschwert. Nass und durchgefroren kommen wir viel zu spät erst um 20.00 Uhr am Campingplatz an, der natürlich „FULL“ ist. NEIIIIIIIIIIIIIIINNNNNN!!!!

M. verzweifelt, er kann nicht mehr. Aber ich will fragen, ob nicht wenigstens ein kleines Zelt irgendwo noch hinpasst. Nein, geht nicht, täte ihm leid. Nur noch Fußgänger und Radfahrer. Alle anderen bitte weiterfahren. Ich flehe ihn an, aber er bleibt hartnäckig. Die Autofahrer haben es ja wenigstens trocken und warm, aber wir???? Ratlos drehe ich mich um. als mich einer anspricht, ich könne bei ihm mit auf den Platz, ich sei doch die Bikerin mit dem Mopped da? (Trailmagic. Da ist sie wieder.  er hatte morgens erst auf den Rat einer anderen Hikerin reserviert) Der andere Servicemann mischte sich sofort ein: Er wäre dann für uns beide mitverantwortlich und für alles was wir anstellen würden. Hä? Wir schauen uns an. Was sollen wir denn anstellen, außer Zelt aufstellen und schlafen??? Wir übernehmen gerne seine Rechnung, froh einen Platz gefunden zu haben. Win-Win Situation. Er konnte umsonst übernachten, hatte noch ein Abendessen (zu dem wir ihn natürlich eingeladen haben), konnte uns seinen zweiten Tag, den er bestellt, aber nicht haben wollte, abtreten und alle waren glücklich und zufrieden.

Alles wird bärensicher eingepackt. Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass hier Grisleys auftauchen können. Aber da muss ich mich wohl dran gewöhnen, sonst können wir umdrehen und nach Hause fahren… Es wird sehr kalt in der Nacht, aber im Schlafsack eingemummelt mit Kaschmirjäckchen geht es. Morgens ist es nur 9 °C aber die Sonne lacht und schnell klettern die Temperaturen auf leckere 21°C.

Fr. 24.7.15 Yellowstone, wir kommen!

Wir entscheiden uns, den Old Faithfull Geysir morgen in aller Herrgottsfrühe anzufahren und heute die Nordschleife zu fahren. Wasserfälle, blubbernde Matschlöcher, zischende Dampffontänen, bunte Steinareale mit kochendem Wasser … Überall rauscht, faucht, blubbert, zischt und dampft es. Selbst im fließenden Bach entdecke ich aufsteigende Blasen. Das ist das richtige für mich! Ich bin sprachlos. Leider die anderen nicht. Sie quaken und plappern munter drauflos, meist so, dass sie schon von weitem zu hören sind und stören die herrliche Ruhe immer wieder. Sie nehmen die Natur nur mit den Augen wahr, ich dagegen würde sie auch gerne hören. Doch dafür muss man mal leise sein. Ich warte gerne auf meine Chance. Die meisten rennen eh achtlos an den Pots und Events vorbei. Hm, ja, ist ganz nett, und weiter. Aber die Pots verändern sich dauernd. Nach einer Aktivitätsphase beruhigen sie sich. Man kann bis auf den Grund schauen und sehen, wie sich das Wasser beruhigt und spiegelglatt wird, bis dann die Blasen wieder aufsteigen, mehr und mehr werden und dann ausbrechen. Die Geysire spucken Wasserfontänen, die man ihnen im Vorübergehen nicht zutraut. Wunderbar.  Manchmal gelingt es mir, sie mit Geräuschen aufzunehmen, ohne dass einer reingrätscht oder -quatscht.

Sa, 25 7.15 Südschleife

Die Hauptstraße führt wie in einer Acht durch den Park. Gestern haben wir den oberen (kürzeren) Teil uns vorgenommen, heute den unteren. Da Old Faithfull so überlaufen ist und wir eh um 11.00 den Platz auf dem Campingplatz wechseln müssen, überwinden wir den inneren Schweinehund, stehen früh auf und sind nach einer halben Std. Fahrt  schon um 6.25 Uhr da. Ein riesiger Halbkreis mit 100 m Durchmesser mit Bänken in Zweierreihen mit noch mal 6 oder 7 m Platz dahinter für Stehplätze erwartet uns. Wow! Vor uns liegt ein Hügel mit mehreren rauchenden eigenen Hügeln drauf. Und welcher ist jetzt Old Faithfull? Wir sind nicht die einzigen hier, obwohl wir so früh sind. Ca. 30 Leute sitzen schon auf den Bänken und irgendwelche neben mir frage ich mal, damit ich mich auch vor den richtigen setze. Ich stehe genau vor ihm. Himmlische Ruhe. Keiner spricht, flüstert höchstens. Hm, und nu? Es kann bis zu 90 min. dauern, bis er ausbricht. Ich hab mir nichts zu tun mitgebracht, aber egal! Ich kann ja schon mal schauen, wie das mit der Kamera geht. Ich möchte ein Video machen. Prima, alles eingestellt, alles parat. Es ist 6 °C, und als ich mal eben auf die Uhr des Photoapparates schauen will, macht der nicht mal mehr an, sondern sagt, die Batterie sei leer. AUF EINMAL!!!! MIST!

Aber Markus hat für mich noch das Handy – gelobt sei die Technik! Wie ging das nochmal? Meist steht der ja auf Photo, ich will aber Video, denn wenns dann los geht, muss es ja schnell gehen. Ach, mach ich doch gleich mal ein Probevideo. Der fängt grad so heftig an zu rauchen und spuckt auch ein bisschen. Ich habs noch nicht fertig ausgesprochen, da geht es doch tatsächlich los. Keine 5 min. gesessen! Wow! Minutenlang versuche ich das Handy gerade zu halten, während ich dran vorbei staune. Was für ein Glück! Wegen der Kälte dampft es sehr stark. Vermutlich ist es schwer den weißen Dampf von den weißen Wassertropfen zu unterscheiden. Aber dafür juchzt hier auch keiner, sondern andächtige Stille.

Die Nachbarn haben darauf 45 min. gewartet, wohlgemerkt in eisiger Kälte, aber mit Thermoskanne und Decke bewaffnet. Wir hatten natürlich nix extra mit, aber brauchten wir ja auch nicht. (cheese!)

Nach einigen Minuten ist der Spuk vorbei, alle Anwesenden verziehen sich. Ich mache mich auf die Suche nach einer Kaffeebude. Erstmal verdauen. Das geht bei diesem Panorama am besten mit Kaffee. Ich finde auch welchen, aber M. hat sich zur Fotosession verzogen und wir verpassen uns. So trinke ich halt alle beide und genieße die Sonne.

Um Old Faithfull gibt es weitere Geothermalgebiete und wir fahren dorthin. Auch hier sind wir nicht allein, aber anscheinend suchen alle zu dieser Zeit dasselbe wie ich: Respektvolle Ruhe.

Wir müssen zurück und bis 11.00 den Platz geräumt haben. Wir schaffen es nicht, sind aber nicht die einzigen. Anscheinend ist heute fleißiges Bäumchenwechseldichspielen angesagt. Wir müssen vom einen Ende ans andere Ende des Campingplatzes. Nach getaner Arbeit erstmal die abgebrochene Nachtruhe auffüllen. Danach gehts noch mal los. Wir wollen noch zu den Yellowstone Wasserfällen und den Canyon sehen und auch den riesigen Yellowstonesee entlang fahren. Das dauert bis in den späten Abend hinein, es wird bald dunkel. Am Zelt angekommen ist der „Kindergarten“ angekommen. Es wimmelt nur so von kleinen Kindern. Na, bei dem Geschrei kommt sicher kein Bär vorbei. Stimmt, der traut sich vielleicht nicht. Aber ein „dear“ (das hiesige Reh oder Hirsch, etwas größer als in Europa) lässt sich davon nicht beeindrucken. Ein Ranger kann es mit Mühe, Trillerpfeife und Händeklatschen in den Wald zurückdrängen. Es war bis auf 10-15 m herangekommen und fraß seelenruhig Gras.

Sicher wollt ihr Bilder von all dem sehen. Wir könnten 100 einstellen, eins schöner als das andere und allesamt beeindruckend. Ich weiß nicht, wie ich hier was auswählen soll. Bei nächster Gelegenheit versuche ich mich mal an diese „Quadratur des Kreises“.

Morgen verabschieden wir uns dann vom Yellowstone und machen uns auf zum Grand Teton Nationalpark.

Bis demnächst

Herzliche Grüße B.

3 Gedanken zu „Rodeo in Cody und Yellowstone

  1. Hallo Bärbel
    Ein paar Tage keine Berichte von Euch zu lesen ist schon komisch. Endlich konnte ich jetzt wieder meine Landkarte Eurer Route in Amerika erweitern ( Motoplaner )

    Viel Spass
    Jörg

    • Und M. beschwert sich schon… Aber wenn ich nicht jeden Tag aufschreibe, was passiert, dann weiß ich das schon nächsten Tag nicht mehr. Es fällt mir schon so schwer genug, die ganze Orte, Flüsse und sogar die Bundesstaaten, durch die wir schon alle gefahren sind, zu behalten. Den aktuellen weiß ich, aber welche waren das noch zwischen New York und Idaho? Wie guuuut, wenn man das nachlesen kann 😉

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