Ah, wohl die schönste Stadt der Welt?!

Sa.12.9.15

Bitte verzeiht, wir haben uns lange nicht gemeldet. Aber wir hatten einfach keine Zeit. Wir sind in Vancouver und da vergeht die Zeit anscheinend noch schneller.

Wir sind im Haus von Lyne und Roy eingeladen zu übernachten und das allein ist schon großartig. Aber sie überraschten uns heute mit einer Bootsfahrt raus auf den Pazifik. Die Schwester Lisa und ihr Mann Paul waren so nett und so bin ich wirklich sprachlos. Wir haben in Steveston etwas gegessen und so wurde es doch schneller dunkel als uns lieb war. So musste Roy mit GPS Paul am Steuer lotsen und der vor allem den Hölzern, Ästen und Planken im Wasser ausweichen. Aber mit solch einem Wasserskiboot mit soviel PS ist das plötzliche Abdrehen kein Problem. Irgendwie kann das Boot um die Ecke fahren, nicht wie sonst erwartet in einer Kreiskurve. Beeindruckend. Die Männer haben dies sehr sicher gemeistert und ich konnte den Sternenhimmel genießen. Welch ein Abenteuer: Ich fahre AUF dem Pazifik, während die Sterne leuchten. Das hab ich noch nie gemacht.

Unsere Gastgeber in Vancouver/Surrey und auf dem Boot: Roy und Lynn, Paul

Unsere Gastgeber in Vancouver/Surrey und auf dem Boot: Roy und Lynn, Paul

die Gastgeberin auf dem Boot: Lisa

die Gastgeberin auf dem Boot: Lisa

Abendessen im Fischerort Steveston

Abendessen im Fischerort Steveston

Abendstimmung - im Dunkeln zurück

Abendstimmung – im Dunkeln zurück

Wir haben heute morgen Fahrräder ausgeliehen und sind zum Stanleypark immer am Wasser entlang rund herum gefahren. Heute war viel Verkehr – sowohl auf dem Wasser als auch auf dem Radweg. Die Sonne glitzerte im aufgewühlten Pazifik. Sicher hätten wir auch gerne noch Granville Island mit genommen. Aber die Zeit reichte nicht.

mit dem Bike am Pazifik

mit dem Bike am Pazifik

Parkbesucher - relaxen!

Parkbesucher – relaxen!

Gestern sind wir nicht einmal aus dem Hafen rausgekommen. Ich musste einfach alle naselang stehenbleiben und staunen. Die riesigen Schiffe – die Millenium haben wir in Skagway bereits kennengelernt! Witzig, sie hier wieder zu sehen.

Da ist sie wieder. Von Skagway zurück!

Da ist sie wieder. Von Skagway zurück!

Die Wasserflugzeuge, die hier wieder starten und landen, die kleineren Boote, die zu Hauf vertäut liegen. Einige Boote dazwischen sind auffällig bunt: Hausboote. Es ist wohl billiger im Hafen, als Miete sonstwo zu zahlen.

Miete zu teuer? Auf dem Hausboot ist die Steuer gleich null.

Miete zu teuer? Auf dem Hausboot ist die Steuer gleich null.

M.'s Berg: Mount Baker, schon in den USA nur 90 km entfernt.

M.’s Berg: Mount Baker, schon in den USA nur 90 km entfernt.

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Im Rosengarten des Stanleyparks

Im Rosengarten des Stanleyparks

Besucher des Stanleyparks

Bewohner des Stanleyparks

Die Olympiafackel von 2010

Die Olympiafackel von 2010

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ich lausche...

ich lausche…

...seiner Musik

…seiner Musik

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so viel Verkehr

so viel Verkehr

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endlich eine Tankstelle! da brauchen wir aber viel Anlauf, um unsere Tiefflieger mit dem RICHTIGEN Sprit voll zu tanken

endlich eine Tankstelle! da brauchen wir aber viel Anlauf, um unsere Tiefflieger mit dem RICHTIGEN Sprit voll zu tanken

Sommerland im Herbst

Mi, 9.9.15

Wir genießen die Sonne am Okanagan-Lake auf dem Campground in Summerland, bei Kelowna. Gestern Abend haben wir doch tatsächlich ein paar Nordlichter wabern sehen. Zwar nur schwach, aber doch eindeutig nicht der Mond, der war noch nicht da, aber doch sehr grün. Toll! Yeah!!! Wir hatten es schon aufgegeben.

Kürbisvielfalt am Okanagan

Kürbisvielfalt am Okanagan

Die Suche in Kelowna den Abend vorher verlief nicht ganz so erfolgreich. Beim ersten  am See war man so eingepfercht, dass man beim Nachbarn fast auf dem Schoß saß. Beim zweiten der Untergrund so schräg, dass man ständig aufeinander rollt. Beides für viel Geld. Andere sind noch teurer. Ehrlich, schräg schlafen kann woanders auch umsonst. Wir suchen uns ein Eckchen am Waldrand. Aber es ist schwierig. Anscheinend fahren hier die Männer für ihre Jagdübungen hin. Wir nehmen eine schräge Ausbuchtung am Ende der geteerten Straße. Hier kommt wohl kaum mehr einer her, denn es wird schon dunkel und alle fahren raus aus dem Wald. Ich koche leckeres in Honig eingelegtes Schweinefilet an Spargelkäsesoße über Kartoffelscheiben. (Das muss mir auch erst mal einer nachmachen, immerhin auf einer einzigen, nicht regulierbaren Flamme und alles gleichzeitig fertig und heiß!) Hm!

Es wird aber nicht lange so schön bleiben, denn mitten in der Nacht fängt es an zu regnen. Und wie! Der Regen läuft überall hin und drückt sich sogar ins Zeltinnere. Auch die Matratzen und Schlafsäcke sind nass. Natürlich auch mein Helm und mein Nierengurt. Aber so schlimm ist das ganze nicht, denn es ist ja immerhin „warm“, nette 12 Grad. Also was macht man in so einem Fall? Erstmal Kaffee! Also Tarp aufbauen, Kaffee kochen, frühstücken. Und weil man irgendwann satt ist, auch noch ein Sudoku lösen und ein Buch lesen. Denn so eilig haben wir es ja nicht, es hört bestimmt gleich auf. Immerhin sind wir mitten in einer Halbwüste. Sooooo viel Regen gibt es da ja nicht. Doch gibt es! Es hört einfach nicht auf. Die Autos, die genervt an uns vorbeifahren, blicken überrascht, haben aber sicher wichtiges zu tun. Irgendwann kommt einer zurück und fragt, was wir hier denn tun würden. Darauf warten, bis der Regen aufhört – eine blödere Antwort hätten wir ihm nicht geben können. Wer setzt sich schon in den Regen und wartet darauf, dass er aufhört? Wir! Wo hätten wir denn hinsollen? Er hat sehr perplex geschaut ob der Antwort. Wir kamen dann ins Gespräch, woher, wohin, wie lange…. Er teilte uns auch mit, dass solch ein Regen für diese Region sehr ungewöhnlich wäre, wünscht uns alles gute und fährt wieder. Hilft uns dann auch wenig, Also packen wir im Regen ein, der pünktlich aufhört, als wir uns auf die Moppeds setzen. Na egal, wir werden die Sachen am Abend alle wieder trocknen, den die Sonne kommt raus. Es soll am Wochenende wieder über 30 Grad werden. Was für ein Wetter! 3 Wochen lang frieren wir morgens bei 0-5 Grad Celsius und plötzlich „buff“ – wieder so heiß innerhalb weniger Tage.

Wer soll hier über den Fluss, eine Brücke für wen? Wenn man genau hinschaut, sieht man das Rohr, in dem irgendeine Flüssigkeit rübergerettet wird.

Wer soll hier über den Fluss, eine Brücke für wen?
Wenn man genau hinschaut, sieht man das Rohr, in dem irgendeine Flüssigkeit rübergerettet wird.

Wilder Campingplatz ;-)

Wilder Campingplatz 😉

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Wir schauen beim hiesigen BMW-Händler nach gescheitem Kettenspray. Es kommt einem vor, wie zu Hause: Wunderlich-Ersatzteile, Motul-Kettenspray… Wo sind wir denn hier gelandet? Er hat eben unheimlich viele GS-Fahrer als Kunden. Wir quatschen lange, und fahren diesmal sage und schreibe 74 km bis hierher zum See. O-ton M.: Manno, das macht unseren ganzen Schnitt kaputt!!! 😉

Nix besonderes!

So, den 6.9.15

Heute haben wir nix besonderes erlebt, außer dass M. an den Moppeds geschraubt hat (Ketten gesäubert, damit sie uns hoffentlich noch bis Seattle halten), wir 2 Grad plus und Nebel heute morgen hatten, dann die Sonne raus kam und wir – bis alles getrocknet und verstaut war – schon 1 Uhr hatten. Aber bei 16 – 20 Grad sitzt man doch gerne in der Sonne! Wir sind bis Lillooet gekommen. Hier soll es eine german bakery geben. Genau da wollen wir hin. Morgen früh!!! 

Die Landschaft hier runter war echt der Hammer. Wir fahren zwischen zwei Bergrücken auf halber Höhe entlang. Oben auf dem Gipfel liegt Schnee, unter uns fließt der Fluss und wir auf halber Höhe eine kleine kurvige Straße im Sonnenschein. Auf dieser Höhe öffnet sich die Landschaft und neben uns gibt es Felder. Aber nur diejenigen sind grün, die bewässert werden. Alles andere ist dorniges trockenes Gestrüpp. In Kanada Halbwüste? Jep, ich war auch verwundert. Anscheinend kommt hier nicht viel Regen an. Und das, wo in 1 ½ Std. Entfernung das Skiparadies Wistler liegt. Sollte man nicht glauben. 

Apropos: hier geht die Sonne schon um viertel vor 8 unter. Und schnell ist es stockdüster! Das ist der Nachteil daran, dass wir nach Süden fahren. 

Mo. 7.9.15 

Schon wieder Feiertag, alles zu, auch die German Bakery, die vor 2 Jahren bankrott gegangen ist. Na, das fängt ja gut an. Ohne Kaffee los! Mist. Den sollte es dort geben. Dafür sind wir heute morgen das erste Mal seit 3 Wochen ohne Frieren aufgestanden. Satte 12 Grad! 

Wir fahren nach Kelowna durch Indianergebiet: Ab und zu mal ein Grundstück/Haus oder eine kleine Ansammlung von Häusern. Jedes hat einen eigenen Namen. Aber irgendwie ist mir das unheimlich. Leben die Indianer hier freiwillig oder gezwungenermaßen? Ich weiß es nicht. Es ist schmuddelig, unordentlich, überall liegt Schrott um die Häuser. Uns erzählte eine Deutsche, die jahrelang bei den Indianern gelebt hatte, dass die jungen Indianer die alten Traditionen vernachlässigen und mehr und mehr nach westlichen Standards Ausschau halten. Wenn ich das Leben hier betrachte, so kann ich mir das gut vorstellen. Hier ist tote Hose und sicher sehr schwer, für das zum Leben nötige zu sorgen.

Die Straße ist gut, es lässt sich wunderbar cruisen, eine Kurve nach der anderen, rauf und runter, immer mit Blick auf den tief unten liegenden Fluss. Aber auch der führt nicht viel Wasser. Statt dessen erwischt uns der Regenschauer 10 min. vor der Kaffeepause in Merritt. Es schüttet, aber kaum schauen wir aus dem Fenster, lugt die Sonne schon wieder hervor. Nicht lange und die Straße ist schon wieder trocken. 

Bilder – Nachtrag

Sa, 5,9,15

Wir sind in Prince George und versuchen wieder mal unsere überfälligen Inspektionen und die altersschwachen Ketten zu organisieren. Deshalb also nur so wenige Kilometer, damit wir das Internet bei Starbucks gebührend „blockieren“ können. 😉

Die Zeit haben wir genutzt und in die letzten Berichte die Bilder eingestellt.

hier zwei schöne Bilder vom Francois-lake, wo wir übernachtet haben._MG_8719

Fraser-Lake

Fraser-Lake

bis demnächst

VGB

Abenteuer nicht auf dem Mopped

Fr. 4.9.15

Herrlich!!! Sonne!!! Warm!!! See und drin badende Kinder…. Heute morgen waren es 2 ganze Grad plus! in Worten: Zwei!!! Jetzt sind es 19 und wir liegen in der Sonne, holen etwas Schlaf nach und vertrödeln die Zeit. Irgendwann lässt uns Kindergeschrei, das an uns vorüberzieht, aufmerken … und die ganze Meute auch wenig später wieder zurück. Ein Kindergeburtstag! M. nickt zustimmend: „Hm, und das wird auch nicht das einzige mal bleiben“ . Stimmt. Als die Wasserpistolen ausgepackt werden, ist es Zeit, das Weite zu siechen, ehe wir zwischen die Fronten geraten. Vorher entledigen wir uns noch zwei Lagen Klamotten und wollen über Houston nach Lake Fraser. Das sind nur ca 200 km entfernt, die sitzen wir auf einer A.backe ab 😉

Aber ich wollte euch doch von den Abenteuern erzählen: Wir sind in den letzten 2 Wochen vor dem Winter geflohen, haben soviele km wie möglich nach Süden abgenudelt. Das hat den netten Effekt, dass es hier tatsächlich meist wärmer ist – zumindest tagsüber – und die Wälder noch nicht so herbstlich gefärbt sind. Aber es hat noch einen weiteren Effekt, den ich nicht auf dem Schirm hatte und der uns gestern zum Verhängnis geworden ist: Es ist hier sehr viel früher dunkel – und zwar schon um 9 Uhr abends. Nach dem Einkaufen und dem Kaffeetrinken bei MCD mussten wir erst noch einen Campingplatz finden. Wir dachten, da wären hier gleich 2 zur Auswahl. War aber nicht so. Wir finden keinen und plötzlich bricht die Dunkelheit rein. Wir wollen wenigstens einen Rastplatz nehmen, die Schilder zeigen, rechts abbiegen, links, abbiegen, 2 km hier entlang, 2 km da entlang, aber nix finden wir. Wir fahren in irgendeine Seitenstraße (ungeteert rein). Die Abzweigungen führen immer zu irgendwelchen Privathäusern, bis ganz zum Schluss ein Wendeplatz erscheint. Sackgasse. Na, dann bauen wir eben hier das Zelt auf. Gesagt, getan. Ich warte schon darauf, bis irgendeiner nachschauen kommt, weil unten Hundegebell zu hören ist. Aber es kommt keiner. Mit schlechtem Gewissen ob des Wildcampens koche ich im Dunkeln mit Stirnlampe 10 m weiter – der Bären wegen. Vielleicht sind die ja auch hier in der Gegend. Unseren Müll und die Kochtöpfe lagern wir in der wasser- und luftdichten Ortliebrolle. Alle Essensrest gut im Alukoffer verstaut. Aber ich traue mich nicht, mein Mopped damit 10 m weiter weg zu stellen. Nicht, dass sich die Besitzer daran aufregen und uns doch noch wegjagen. Es wird zu kalt, den Nachtisch gibts im Zelt. Die Nacht verbringe ich mehr schlecht als recht, höre ich doch die Wölfe aus drei verschiedenen Richtungen jaulen. Oje, auch das noch. Die sollen doch eigentlich noch scheuer sein als Bären. Aber um halb 7 scheuche ich M. aus dem Zelt nachschauen, ob Bären da sind. Nee, keiner da. Glück gehabt. Wir fangen an Kaffee zu kochen. Da kommt der Nachbar mit Hund und Machete auf uns zu. Er wollte eigentlich nur Gassi gehen und bot uns gleich einen Kaffee an. Dankend lehnen wir ab, haben wir unseren fast fertig, aber das Angebot zu spülen nehmen wir gerne an. Wir kommen nett ins Gespräch und er sagt, dass hier ständig „all the time“ Bären sind, er beruflich damit zu tun hat, aber wenn wir kein Essen im Zelt hätten, wären die Bären eigentlich nicht auf Ärger aus. Also alles richtig gemacht. Übrigens wären hier Wölfe ungewöhnlich, aber vielleicht hätten wir Kojoten gehört? Stimmt, das Heulen war irgendwie anders. Also Kojoten, die gehen normalerweise nicht auf Menschen, reißen „nur“ Hunde.

Patrick, der nette Nachbar mit dem wunderschönen Haus mit Seeblick vom Sessel, der über die "Wölfe" aufklärte

Patrick, der nette Nachbar mit dem wunderschönen Haus mit Seeblick vom Sessel, der über die „Wölfe“ aufklärte

Wir wärmen uns gerade am Kaffee – wie gesagt 2 Grad, und alles an was geht – da kommt der zweite Nachbar mit Hund vorbei. Auch mit ihm kommen wir nett ins Gespräch als er plötzlich auf die schwarze Ansammlung dort hinten in 200 m Entfernung hindeutet. Oh shit, Bären. „I think it’s a mother with her cubs, maybe two or three“. Es war eine Bärenmutter mit ihren 3 (!!!) kleinen Bären. M. stürzt sofort auf die Kamera. Ein Kleines versucht den Telegrafenmast hochzuklettern. Keine gute Idee, er solle lieber einen Baum nehmen. Sie tollen herum, die Mutter kommt näher und näher. Hm… vielleicht sollte ich mal den Motor anmachen. Nix passiert. Aber der Nachbar meint, er müsse nun zur Arbeit und er schreitet forschen Schrittes laut seinen Hund rufend auf die Bären zu. Tatsächlich. Sie verkrümeln sich. Sie suchen keinen Ärger, wollen lieber ihren Frieden. Boah ej, wir haben Bilder von einer Mutter mit 3 kleinen Bären. Das ist so selten, dass eine Mutter 3 Kleine hat und die auch noch durchbringt!!! Wahnsinn.

Mutter Bär zieht ab und alle trotten hinterher, der Nachbar biegt gleich rechts den Weg hinunter ab. Er weiß genau, was er tut.

Mutter Bär zieht ab und alle trotten hinterher, der Nachbar biegt gleich rechts den Weg hinunter ab. Er weiß genau, was er tut.

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Der 2. Nachbar kommt im Anzug mit Auto wieder. Er bringt uns ein Glas selbst gemachtes Apfelgelee mit, als Gruß von seiner Frau und bietet uns noch das Duschen an. Echt der Hammer!

Sandy Mc Donell, der nette Nachbar mit dem Apfelgelee

Sandy Mc Donell, der nette Nachbar mit dem Apfelgelee

Kein Wunder, dass wir hier in so netter Gesellschaft einfach nicht loskommen. Direkt am See gelegen ist dieser Ausblick einfach unbezahlbar.

Irgendwann sitzen wir doch auf, als direkt am Ortseingang wieder ein Schwarzbär die Straße kreuzt. Wir bremsen natürlich sofort, aber auf der anderen Seite ist ein Maschendrahtzaun, der Bär versucht drüber zu klettern, geht aber nicht, er überlegt kurz, ihm ist der Weg entlang des Zauns zu heikel, da dreht er einfach um und läuft zurück – in Richtung M. Mir bleibt das Herz stehen. Aber der Bär hat mehr Angst vor dem Mopped, als umgekehrt und so ist alles gut.

Schon wieder in Alaska

Do 3.9.15

zurück in der Zivilisation, es gibt wieder McD und damit wieder Bilder!!! yeah! Wir sind in Smithers, halber Weg zwischen Hyder und Prince George. Wir haben keine Grizzlys gesehen, die sind nur Regen gewöhnt. Heute morgen haben wir mal die Sonne genossen, 14 Grad und alles trocknen. lecker Kaffee, kleinere Reparaturen, Fingerpflege … wir haben keine Lust uns zu beeilen. es fängt sicher noch früh genug an zu regnen 😉 , denn Hyder gilt als Regenloch. Aber wir haben die einzigen 2 Tage Sonne erwischt seit Wochen. Wir kommen nahezu trocken durch, nur kurze Schauer, und die Klamotten sind schnell wieder trocken geföhnt.

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Brücke über den Pelly-River

Brücke über den Pelly-River

Di 1.9.15

So schnell geht das, wir haben von den niedrigen Temperaturen in Kanada die Nase voll und fahren wieder nach Alaska! Hier ist es nämlich zweistellig warm. 🙂

Okeee, die Grenze zu Kanada liegt nur 2 km entfernt. Es gibt keinen US-Zöllner, denn der kann hier ohnehin keinen Blumenpott gewinnen. Hier gibts nur ein paar Häuser, genannt Hyder. Hinter der Grenze gibt es ein paar mehr Häuser, genannt Stewart. Wir wollen hier Gletscher und Lachse fischende Bären anschauen. M. meint, die Bären wären voll und ganz mit Lachsen beschäftigt, da würden sie mich nicht mal bemerken. Mal sehen…

Totempfähle bei den "First Nations", auch Nativs genannt.

Totempfähle bei den „First Nations“, auch Nativs genannt.

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"Alpen"glühen in Hyder

„Alpen“glühen in Hyder

ein Weißkopfseeadlerjunges, bereits flügge lässt es sich noch Fische auf dem "Silbertablett" servieren. Ein Elternteil ist kurz vor dem Foto weggeflogen. Schade. Das wärs gewesen!

ein Weißkopfseeadlerjunges, bereits flügge lässt es sich noch Fische auf dem „Silbertablett“ servieren. Ein Elternteil ist kurz vor dem Foto weggeflogen. Schade. Das wärs gewesen!

in Stewart - auf kanadischer Seite dr Grenze

in Stewart – auf kanadischer Seite dr Grenze

blühende Farben am Gletscherrand

blühende Farben am Gletscherrand

Wahnsinn, wie er um die Kurve fließt. Es sieht aus wie auf der Skipiste!

Wahnsinn, wie er um die Kurve fließt. Es sieht aus wie auf der Skipiste!

ein Gletschertümpel, so blau wie im Yellowstonepark

ein Gletschertümpel, so blau wie im Yellowstonepark

Der Salmonglacier

Der Salmonglacier

Apropos: Noch eine Bärengeschichte:

Ein herrlicher Tag auf dem Cassier-Highway in noch nicht ganz so goldenen Herbstfarben, dafür aber umso kurviger und verkehrsärmer, vorbei an einem See nach dem anderen, immer entlang von Flüssen, Bächen oder Wasserfällen. Den haben wir uns gestern wahrlich verdient! Nach dem Frieren der letzten Tage genießen wir die zweistelligen Temperaturen, auch wenn die Berge rechts und links des Weges schon halb mit Schnee bedeckt sind. Ist das nicht herrlich? Egal wohin die Straße geht, egal in welche Richtung, immer schaut man auf einen schneelbedeckten Gipfel. Klasse! Gegen Ende des Fahrtages (wir haben 670 km abgenudelt, damit wir uns etwas Puffer vor dem herannahenden Winter verschaffen) kommen die Highlights: Wir sehen einen Schwarzbären am rechten Straßenrand. Er kuckt in meine Richtung und macht seinen Hals lang und länger. M. ebenso, aber der Bär verkrümelt sich sofort, ich brauch gar nicht erst bremsen. Hach, war der süüüüß. Wir fahren eine halbe Std. weiter, genießen die Kurvenräubereien und nach einer ebensolchen steht ein Camper mitten auf der Fahrbahn. Der Typ winkt, wir sollen anhalten – logisch, würde ich auch, wenn ich im Auto säß. Am anderen Fahrbahnrand knabbert nämlich ein weiterer Schwarzbär an den Sträuchern. Aber wir auf dem Mopped sind ungeschützt. Was, wenn sich der Bär angepi… fühlt und aggressiv auf uns losgeht? Dann steigt der Autofahrer nämlich nicht aus und erschießt den armen Bären, nur um uns zu retten. Neee, nee, mein Lieber. Das kannst du vergessen. Wir überholen und fahren langsam zwischen Bär und Camper vorbei. Natürlich verscheucht das den Bären sofort, der sich ins Gebüsch verzieht. Zum Glück! Lieber mache ich dem Bären Angst, als umgekehrt. Sicher ist der Camper verärgert, aber der Bär hätte sich ohnehin verkrümelt. Das haben bisher alle Tiere getan, an denen wir vorbeigefahren sind oder wo wir angehalten haben. Also was soll’s. Wir haben nur noch 30 km bis zur Grenze, hoffentlich hat die solange auf, wir fahren weiter. Aber wir kommen an einem Gletscher nach dem anderen vorbei. Bei dem Bearglacier, der bis auf unsere Straßenhöhe ausläuft (also bis auf 420 m Höhe nur!) gestatte ich dem Fotografen ein paar Bilderminuten. Ich kann mich aber auch nicht sattsehen. Wahnsinn!!! Kein Wunder, dass es gleich 2 Grad kälter ist. Aber egal. Wir fahren um die Kurven, noch ganz in Gedanken des Gletschers, da stehen schon wieder 2 schwarze Häuflein am Straßenrand. Jep, schon wieder 2 Schwarzbären am Bear-river (was für ein passender Name!) diesmal Mutter und Kind. Wir süüüüß – ja, aaaaaaber die Mutter dreht sich auch sofort nach mir um, als wollte sie sagen, komm bloß nicht auf irgendwelche Ideen. Nein, sind wir nicht. Es ist uns zu heikel, die Mutter zu stören. Wir wissen ja, dass Autos jedweder Größe bekannt und akzeptiert sind, aber wir nicht. Anscheinend sind wir zu menschlicher Statur – trotz Mopped. Und dann noch das ungewohnte Geräusch… geht gar nicht! Als uns noch ein Stachelschwein freiwillig den Straßenrand überlässt, wissen wir gar nicht wohin mit unserem Glück! Welch ein Abschluss des Tages!

VGB

PS, sorry dass ihr auf die letzten 4 berichte so lange warten musstet, das Internet war so langsam, dass es nichtmal in der Lage war, eine Seite aufzubauen, geschweige denn Text hochzuladen. Bilder also später, wenn das Internet schneller ist. O-ton Serviererin: In the middle of nowhere the internet doesn’t work very good, sorry!

An die Arbeit!!! Level 6

Mo, 31.8.15

Das konnte ja nicht so einfach gut gehen. Für den Easy-Rider-Tag gestern bekommen wir heute die Quittung!

Was ist schlimmer als 420 Km Offroad-Straße bei 1-2 Grad? Richtig! 420 km offroad bei 1-2 Grad im (Schnee-)REGEN! In Dawson City hat’s geschneit, haben wir soeben erfahren! In Whitehorse ebenso (das wäre unsere Alternativroute gewesen). Aber von vorne:

Morgens 7 Uhr, die Welt ist noch in Ordnung und so schön gemütlich warm im Zelt im Schlafsack, da dreht man sich noch mal gerne um, vor allem, wenn die bessere Hälfte noch friedlich schläft. Schwerer Fehler! Denn es fängt irgendwann an zu regnen und hört auch nicht mehr auf. Also packen wir uns um halb 11 auf, M. raus in den Regen, ich packe alles „innere“ und das Innenzelt trocken ein. Aber irgendwann muss auch ich raus in die Kälte. Auch mein Mopped warnt vor den 3 Grad, aber kaum losgefahren, ist es plötzlich nur noch 1 einsames Grad. Und das bei Regen! Einmal auf den Moppeds steigt man auch nicht gleich wieder ab, so dass wir die 60 km entfernte – einzige – Möglichkeit zum Pausemachen/Aufwärmen ausschlagen. Danach kommt wirklich nichts mehr. Ich habe 2 Ausbuchtungen für Pausen gesehen, auf den ganzen 420 km!!! 

Ich kann euch sagen, heute haben wir uns jeden einzelnen Kilometer wirklich und wahrhaftig erarbeiten müssen. Es war so schwer! Natürlich sind Finger und Füße trotz Heizweste eiskalt und schmerzen ständig. Natürlich beschlägt das Visier permanent, weshalb das vorausschauende Fahren unmöglich wird und Schlaglöcher nicht mehr umfahren werden können. Oder man muss das Visier sehr weit öffnen und das Gesicht friert einem ein. Was wählt man da, die Pest oder die Colera? Als ob das nicht genug wäre, überholt ein A.-loch (tschuldigung, aber anders kann man das nicht bezeichnen) und rauscht mit 100 auf der dicksten Schlaglochpiste an uns vorbei, drängt uns nach rechts, wo wir nicht nur durchgeschüttelt werden, sondern auch von seiner Pfützenbrühe von oben bis unten übergossen werden und mehrere sekundenlang überhaupt nichts sehen. Und das im dicksten Regen, Schmier und Schlaglochparade. Da bin ich richtig ausfallend geworden und ich hab den lieben Gott gebeten, ihm postwendend eine Reifenpanne zu beschweren. Ich weiß, kleine Wünsche erfüllt er sofort, größere dauern schon mal was länger…

Möchtest du eine Pause? Nein, nicht mitten im Dreck, im Regen, in der Kälte. Nur möglichst schnell durch! Also weiter. Es könnte so schön sein, durch diesen Tunnel der gold-orangeleuchtenden Bäume am Straßenrand rechts und links zu fahren, wenn es nur trocken wäre. Is klar, dass es hiervon keine Bilder gibt, oder?! Sorry, aber auch der Fotograf hält hierfür nich an.

Etwa auf der Hälfte ein dicke Baustelle. Auch das noch! Frisch begradigt! Weiche Mockepampe, kennen wir schon. Ist ätzend, aber nicht zu ändern. Der Grader kommt uns sogar entgegen, macht freundlich Platz, aber ich mag ihn trotzdem nicht!. Der macht immer so hässliche Erdwälle in der Mitte der Straße. Wir ackern so durch die Pampe, als vor uns ein LKW vor sich hindümpelt. M. steigt auf die Fußrasten und fährt schlitternd über den Erdwall. Und ich? Natürlich nicht. Aber ich kann auch nicht im 1. Gang hinterhereiern, mich voll einsauen lassen, da die LKW’s ja immer mit solch einer Gichtfahne fahren. Ich jammere mal wieder in den Helm, das kann ich nicht, das kann ich nicht, das kann ich nicht… und spingse immer wieder auf den Erdwall. Da kommt meine Chance, der Erdwall ist nur mehr halb so breit und nur noch 15 cm hoch, statt 30-40cm. Auf, und rüber. Geschafft! Am LKW vorbei! Und nu? Nu bin ich auf der falschen Seite im Gegenverkehr. Und jetzt? Zum Glück kommt kein Gegenverkehr, auch nach der Kurve noch nicht. Aber die Bauarbeiterkolonne mit all den Maschinen, die kommt. Bei dem Durcheinander der Spuren finden wir auch zurück auf unsere. Irgendwann unendliche Adrenalinberge später hat der Spuk ein Ende, es gibt wieder normale Käsepiste oder Matsch oder mehr oder weniger tiefen Gravel. Der liebe Gott belohnt unsere Mühen mit einigen Sonnenstrahlen und fast 2 stelligen Temperaturen zum Durchatmen und etwas Auftauen. Aber nur kurz! Wir wollen ja nicht übermütig werden. Schon fängt es wieder an zu regnen und es wird wieder kälter. Da kommt die nächste Baustelle. Himmel, warum ausgerechnet heute? Es steht zwar kein Männchen mit Schild dort, aber die Frau mit WalkyTalky hält uns trotzdem an. Sie erklärt uns die Schwierigkeiten der Baustelle. Jep, wir werden vorsichtig sein und umfahren die Maschinen brav im dicken losen Dreck. Aber auf den Fußrasten im halbwegs trockenen ist dies mit Konzentration auch zu meistern. Gegen Ende sollte der dicke Sand kommen – mein ganz spezieller Freund. Aber da war nur wenig von zu sehen. Glück gehabt! Denkste! Ich trau dem Braten nicht und siehe da, der zweite Teil der Baustelle folgt 10 km später – mit tiefem Sand. Aber was für welchem. Jede Spur, nur breit wie ein Autoreifen, die wir uns aussuchen, führt unweigerlich in tiefen Matsch, Sand oder in den Graben. Es gibt keinen Ausweg. Um uns die Baufahrzeuge, die wohlwollend und sehr geduldig abwarten, bis wir sie passiert haben. Anscheinend wissen sie, dass sie uns am besten die gesamte Breite der Straße (also volle 20 m) überlassen, weil sonst … Patsch (und dann eben noch länger warten, bis die Fuhre wieder aufgehoben ist)! Nein, wir haben es ohne geschafft. Aber meine Jammerei topt wohl noch die von vorher, fällt aber der Zensur zum Opfer, so dass ich lediglich einordne: Der Weg im Grand Teton den Snakeriver entlang mit dem Steilhang im losen Schotter war Level 3 – 4. Diese Baustelle war Level 6, ich besitze aber nur 5! Ich habe es ohne Sturz geschafft. Wieder einmal. Ich weiß nicht wie. Von meistern kann wohl nicht die Rede sein. Manch einer mag vielleicht den Kopf schütteln, aber ohne TKC 80 o.ä. und dann noch voll aufgerödelt ist das ganz schön schwere Arbeit! Vor allem, weil diese verdexten Baustellen hier nicht mal eben einige 100 m lang sind, sondern durchaus mehr als 10 km. Da heil ohne Sturz oder selbst nur ohne Fallen lassen durch zu kommen, ist echt harte Arbeit. 

Irgendwann ist auch diese Baustelle zu Ende und der Teer fängt an, welche Wohltat, auch wenn es wieder regnet. Aber auch der hört irgendwann auf und es wird zweistellig warm. Die Sonne kommt raus und tut uns gut. Alle Anstrengung ist vergessen und wir eilen Watson Lake entgegen. Wir suchen nicht unser Schild, sondern als erstes die Tanke, dort ist auch ein kleiner Supermarkt mit  „Café“ dabei. Es gibt Fuschcappuccino und einmal Gesicht waschen auf der Toilette, dann ist 6 Uhr und alles wird geschlossen. Also raus! 

Auf dem Campingplatz werden die Ketten gespannt (M.’s Job) und das Zelt getrocknet, gesäubert und alles wieder eingehängt (mein Job). Endlich was essen – das erste für heute. Ich weiß, kein Wunder, wenn dann die Hose rutscht, aber heute morgen im Regen? Oder mitten auf der Straße im Regen? Wo hätten wir was essen sollen? Die Camper nebenan sind auch Deutsche, einmal im Gespräch kredenzen sie uns einen heißen Tee uns Kekse! Lecker. So lange auf der Straße zu sein, heißt sich über „Selbstverständlichkeiten“ freuen.

Nu ist es dunkel und wenn wir Glück haben, werden wir heute Nacht Nordlichter zu sehen bekommen – wenn wir denn überhaupt aus dem warmen Zelt gekrabbelt kommen. Vielleicht siegt doch die Müdigkeit… Wir werden sehen. Gute N8

B.

Süden, Sonne und…

So 30.8.15

… 560 km bis nach Faro – ein Fahrtag der allerersten Güte. So lässt sich leicht Strecke machen und vor allem gerne! Morgens schon ganze 1 Grad (es hat gefroren in der Nacht und die Moppeds sind weiß!) und die Sonne scheint. Schnell schieben wir die Mädels in die Sonne, denn so packt es sich leichter im „Warmen“ und der Sitz wird abgetaut und aufgewärmt. Wir fahren noch schnell über eine kleine kurvige Straße auf die Aussitzsplattform über Dawson und sehen den Zulauf vom Klondike in den Yukon und wie sich das Wasser 100-te Meter getrennt hält. Man sieht dies an den unterschiedlichen Farben, der Klondike dunkel und klar, der Yukon ob seines höheren Fließtempos aufgewühlt und trübe hell. Welch ein Ausblick. M. fragt nach Frühstück , Kaffee oder Tee hier oben. Aber auf die Idee sind schon andere gekommen – wir sind mal nicht die ersten – der Tisch ist besetzt und ich hab keine Lust, alles auszupacken. Wir genießen einen Augenblick die Sonne und Aussicht und verkrümeln uns wieder, gerade rechtzeitig, bevor die anderen Massen einfallen. Noch ein herrlicher Kaffee aus einer echten Tasse in der Sonne im Ort, tanken und ab die Post. Auf nach Faro. Die Sonne begleitet uns heute viele Stunden, mit Heizweste bei konstanten 5 – 7 Grad sind sogar Finger und Füße warm. Es geht über den Pellyriver nach Carmacks zur Tanke, aber die haben nur Wasserkakao, Fuschcappuccino oder den allseits beliebten abgestandenen Kaffee. Nein danke, da setz ich mich lieber auf die Treppe und knabbere mein „Cookiebrot“ (Bananenbrot mit Schokostücken alla Cookiemanier). 

Weiter geht es zig km den Little Salmonlake entlang. Wunderschön, immer auf der einen Seite am Wasser entlang, das die lichter werdenden Bäume stets preisgeben, auf der anderen Seite die „Berge“, immer in der Sonne, immer kurvig ohne Verkehr. So liebe ich das. Die Berggipfel in einigen Hundertmetern Höhe haben allesamt frische Schneegipfel. Man kann die Linie der Schneegrenze gut verfolgen.

In Faro angekommen macht uns das Hotelrestaurant vor der Nase zu, weil sie heute um 20.00 einen „großen Tisch haben“. Na gut, dann eben nicht, draußen vor der Tür gibt es einen Tisch unter Bäumen und kalte Küche gibts immer – vor allem wenn der Wind derart pfeift. Aber wir haben gerade eben die Ketten eingesprüht, da wollen wir lieber erst was essen und dann das Zelt aufbauen fahren. Fast satt erwischt uns die Managerin des Hotels von gerade eben und bietet uns netterweise Chickenfingers mit Frenchchips an. Wir können einer so netten Geste nicht widerstehen, aber wir hätten es tun sollen. Der Tee und der Kakao waren gut, aber der Rest…. Wie sagte ein Arbeitskollege von M.? Ich habe schon besseres Essen stehen lassen. Dafür sehen wir 3 Stachelschweine, das tröstet uns darüber hinweg, auch wenn sie sich nicht fotografieren lassen. Jedesmal sind sie schon weg, eh wir gedreht haben,

Hoffen wir, dass die Bären genauso pappesatt sind und uns in Ruhe lassen. Vielleicht wollte die Managerin auch nur noch schnell ein Zimmer an uns vermieten. Aber ich schließe mal von der Qualität des Essens auf die des Zimmers und für 160 Dollar riskieren wir die 2 Dollar für den Basic-Campground mit Selfregistration und Plumpsklo ohne Dusche. Ist eh zu kalt dafür. Das schrubbe ich alles wieder runter, wenn es wärmer ist. Ready ist auch wieder voll eingesaut, da muss ich nicht glänzen und unter all den Lagen Stoff kommt auch nicht viel nach außen. Zum Glück gibt es ja noch kein Geruchsinternet.

Ein Gruß an alle F-Fahrer, die hoffentlich alle wieder heil vom Treffen nach Hause gekommen sind, und an alle anderen

Eure B.

Dawson, oder Die Sache mit dem Zeh

und action! Igitt!

und action! Igitt!

laut Internet einer von vielen Zehen? Angeblich gibt es Leute, die die "spenden" nach Op's o.ä.

laut Internet einer von vielen Zehen? Angeblich gibt es Leute, die die „spenden“ nach Op’s o.ä.

willkommen im Club! Herzlichen Glückwunsch! (Bah!)

willkommen im Club! Herzlichen Glückwunsch! (Bah!)

Heute legen wir einen Ruhetag in der alten Goldgräberstadt Dawson City ein. Nachdem wir gestern bei Minusgraden aus Alaska über den Top of The World Highway hierhin geschliddert und gefroren sind, kommt uns dieser Ruhetag sehr gelegen. Skagway, den Startpunkt des Klondike Goldrauschs, haben wir als erstes in Alaska besucht. Heute schließt sich der Kreis. Kaum vorstellbar, dass sich vor 100 Jahren fast 40.000 Glücksritter in der beschaulichen Stadt aufhielten. Das sind mehr als heute im gesamten Yukon Terretorium (größer als Deutschland) leben. Viele alte Gebäude aus der Zeit sind erhalten geblieben oder in diesem Stil neu errichtet worden. Mit den ungeteerten Straßen und den hohen hölzernen Bürgersteigen kommt man sich wie ein Zeitreisender vor. Wären da nicht die ganzen Autos auf den Straßen. Wir erkunden die Stadt, verweilen am Ufer des Yukon River und statten dem Westminster Hotel, die Einheimischen nennen es Liebevoll „The Pit“ einen Besuch ab. Die Versuche von B. ausländisches Bier (Alaskan Amber) zu bestellen führen bei der Barfrau zu interessanten Minenspielen. Ein einheimisches Bier und zwei Säfte später machen wir uns auf den Rückweg zu unserer Unterkunft, dem Bunkhouse. Nachdem wir uns dort gestärkt haben, steht noch als Highlight der Besuch des Sourdough Saloons im Downtown Hotel an. Dort kann man(n) sich den weltberühmten Sour Toe Cocktail zu Gemüte führen. Das Wichtige an dem Cocktail ist nicht der Alkohol (dieser muss mindestens 40% Alkohol enthalten), sondern die Einlage. Diese besteht nämlich aus einem mumifizierten menschlichen Zeh. Seit 1973 gibt es diese Touristenattraktion zu erschmecken. Der Originalzeh soll einem Goldsucher und Alkoholschmuggler bei der Flucht vor der Polizei abgefroren und anschließend amputiert worden sein. Beim Trinken muss der Zeh die Lippen berühren. Ansonsten gilt die Mutprobe als nicht bestanden. Gleiches gilt, wenn der Zeh komplett in den Mund genommen wird. Sollte der Zeh verschluckt werden – was auch schon vorgekommen ist – sind 2500 Dollar Strafe und ein Ersatzzeh fällig. Das ganze Engagement wird dann mit Zertifikat und Aufnahme in den Sour Toe Club gewürdigt.

Als wir gegen 21:15 Uhr diesen ehrwürdigen Ort durch die Schwingtüren betreten, kommen wir schon fast nicht mehr zur Tür herein. So groß ist die Menschentraube der Wagemutigen und Schaulustigen. Nach einer kurzen Orientierung mache ich mich zur Theke auf und ordere die alkoholische Grundlage für diese yukonsche Spezialität. Meine Wahl fällt auf Yukon Jack, einen Whiskylikör, welcher nach Aussage der Bedienung als Standardgetränk für dieses Spektakel herhalten muss. Mittlerweile haben sich die Reihen schon deutlich gelichtet und es dauert nicht mehr lange und ich bin an der Reihe. Nach dem ich Platz genommen habe, erklärt mit Captain Jack die Spielregeln. Währenddessen werfe ich einen Blick auf das undefinierbare schwarze Etwas auf einem Salzhaufen (damit ist der Zeh gemeint). Jetzt weiß ich auch warum der Drink mehr als 40% Alkohol enthalten muss. Soll wohl desinfizierend wirken. Nach einem Nicken meinerseits versenkt der Captain den Zeh in meinem Drink. Jetzt hilft nur noch Augen zu und durch. Den Zeh hast Du Dir eingebrockt, also must Du das Glas auch leertrinken. Mutig trinke ich das Glas leer, aber der blöde Zeh will sich einfach nicht vom Boden lösen. Mist, die Regeln sind nicht erfüllt. also vorsichtig das Glas schütteln, bis sich der blöde Zeh endlich löst. Nach einer gefühlten Ewigkeit berührt er dann meine Lippen, uaaaahhh. „Stell Dir einfach vor, es wäre eine Cocktailkirsche“. Aber bloß nicht schlucken. sonst sind wir schon in Kanada Pleite!!!!

Ich lasse den Zeh noch einen kurzen Moment an meinen Lippen verweilen, Captain Jack soll das ja auch mitkriegen, und stelle das Glas erleichtert auf dem Tisch ab. Geschafft!!! Denkste! Captain Jack wringt den Zeh noch aus und nickt aufmunternd. Igitt. Runter damit! Ich bin das 62.788 Mitglied in diesem Club.

Nachdem ich das Zertifikat überreicht bekommen habe. Spüle ich an der Bar noch mit einem leckeren einheimischen Bier nach.

Bärbel übt sich in damenhafter Zurückhaltung und meint, dass ein Zertifikat auch für uns beide reichen würde. Ich weiß auch nicht warum, aber an diesem Abend habe ich von B. keinen Kuss mehr bekommen.

Grüße aus dem Yukon, M.