Sturgis – das echte

Nun sind wir zum zweiten Mal in Sturgis, diesmal aber das richtige.

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Es ist schon echt seltsam, dort zu sein. Hätte ich im Übrigen nie gedacht, einmal hier zu sein. Nun sind wir zu seinem 75. Geburtstag hier und dann noch mit dem eigenen Mopped. Unglaublich! Ich dachte, man dürfe hier nur mit ner Harley auftauchen, aber die Biker hier sind alle sehr großzügig. Hauptsache Bike. Jeder grüßt freundlich schon von weitem, egal welches Gefährt. Die meisten fahren natürlich Harley, aber es gibt auch Trikes und mit und ohne Anhänger oder auch Harleys mit Anhänger.

_MG_0322 _MG_0321 _MG_0320 _MG_0319 _MG_0317 Suzie heißt unsere Campside-besitzerin

Es gibt hier einen BMW-Dealer, der mir prompt meine kaputte Schließe vom Kofferdeckel repariert – „provisorisch“ natürlich nur, aber wie ich mich kenne, hält das länger als der Rest des Koffers.

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Dort haben wir Suzan kennen gelernt, die schon in Ushuaya war. Wir sind hellhörig, laden Sie zum Drink ein um mehr zu erfahren. Heute zwar keine Zeit, aber dafür lädt sie uns morgen auf eine Moppedtour um Mt Rushmoore, ein Abendessen und eine Übernachtung bei ihr ein. Wir freuen uns sehr.

Badlands Nationalpark

Nach den Maisfeldern wird das Land karger und hügeliger. Es gibt nur noch Wiesen, diese aber bis zum Horizont. Die Straße ist sehr kurvig – nach oben und unten, nicht nach rechts und links. Schaut man nach rechts oder links in die Gegend, so sieht man keine einzige Straße. Es geht nur vor und zurück. Ganz selten mal gibt es eine Querstraße, die dann genauso geradeaus nach rechts oder links geht.

Man kann die Füße ausstrecken und auf die Zusatzrasten ablegen, die andere Hand hängt über dem Griff im Wind, die rechte Hand steuert mit dem Handballen und dann „loss jonn“ stundenlang ohne Anhalten. Es ist bewölkt und trotzdem morgens 27 °. Das klettert schnell auf über 30 ° und ist deutlich besser auszuhalten, als gestern.

Ich finde es einfach nur klasse, diese Weite, diese Endlosigkeit, dieser Platz. Wir machen wieder einen Zeitsprung, als wir über den Missouri fahren. Schon wieder eine Std. geschenkt!

_MG_0156 was macht die da hinten denn? Na, das was jeder an einem berühmten Fluss tut… _MG_0163 Am anderen Ufer ist eine Std später_MG_0158  Diese Kakteen stehen tatsächlich am Missouri

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Pünktlich um 3 Uhr, also 23.00 Uhr Heimatzeit, werde ich müde. Bevor ich vom Mopped falle, lieber eine Runde Augen zu machen. Wir halten auf der 10 m daneben herlaufenden alten/ehemaligen Straße an und holen die Decke heraus. Aber die Sonne kommt raus und es ist gleich unerträglich. Kein einziger Baum weit und breit, der einem Schatten spenden könnte. Bäume gibt es hier nicht. Nirgends. Also wieder alles einpacken, einen Schluck trinken und weiterfahren. Eine andere Kühlung als Fahrtwind gibt es hier nicht. Höchstens an der Tanke, aber die ist 50 km entfernt. Um nicht mit der Fuhre drehen zu müssen, fahren wir 1 km die alte Straße weiter entlang, Sie ist von Wiese zugewuchert und man sieht die Furchen oder Spurrillen in der Erde kaum. In Ermangelung von Wasser sind die ziemlich hartnäckig. Wie gut, dass ich die „schöne“ Spaghettispur in Hechlingen so „gerne“ und „oft“ genügt habe. Meist hab ich ja gekniffen, weil ich die schmale, kaum mehr als reifenbreite Geradeausspur mit Balken rechts und links hasse. Aber ich hab ja aufgepasst, theoretisch weiß ich ja wie es geht. Also Blick weit nach vorne und die Fuhre machen lassen. Dann wird das Ganze auch stabiler und ruhiger. Wohlgemerkt mit Straßenreifen. Aber es ist ja trocken und so macht die Wiese nix.

Endlich kommen wir doch am Nationalpark der Badlands an. Dieses Land heißt so, weil es niemand haben wollte. Es war schlechtes Land, wo weder Ackerbau noch Viehzucht betrieben werden konnte. Nicht einmal Gras wächst hier gescheit. Hier wurden die Indianer dann hinverfrachtet. (Wurde Öl gefunden, dann wurden sie eben erneut vertrieben.) Der Park beginnt mit einem spektakulären Eingang: Der „Wall of the Badlands“ ist ein ausgewaschenes Gebirge wie aus 1000 und einer Nacht. Was bestaunen wir Mount Rushmoore, wie kleingeistig. von Menschenhand gehauen, wenn die Natur in solcher Vielfalt und Pracht kilometerlange Figuren zaubert. Ich bin noch nicht richtig drin und schon fasziniert. Hoffentlich begrüßt uns morgen früh die Sonne. Vor solch einer Kulisse einschlafen und aufwachen – wow – was gibt es schöneres! Vor allem wurde uns ein traumhafter Sonnenuntergang mit richtig lilafarbenem Himmel geschenkt. Welch ein Tagesende! (Die ersten Bilder sind von gestern Abend, die nach dem Sonnenuntergang von heute morgen halb 7)

P1010941 P1010943 P1010946    _MG_0232 _MG_0210 _MG_0215 _MG_0214 _MG_0213 _MG_0221  _MG_0224 _MG_0225 _MG_0226 _MG_0230s

By the way: Die Wetterfee meint es momentan gut mit uns. Auf dem Campingplatz im Park sieht man keine 300 m entfernt reihum den Regen runter kommen. Und wir in der Mitte bleiben verschont. Danke lieber Petrus.

Ein paar nette Tiere gibt es in dieser grandiosen Landschaft auch zu sehen. Schaut mal, Sieht aus wie ein Büffel (okee, is wohl doch „nur“ ein Bison)P1010950

Präriehunde und Gabelböcke (waren aber zu weit entfernt, nur mit Fernglas zu sehen) und Dickhornschafe und Schwalben (direkt neben der Eingangstür der Toiletten)

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Achja: Warnung vor Rattlesnakes – die haben wir bisher aber nur auf der Straße gesehen – völlig harmlos

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Lake Mitchell -die Hälfte der Querung des Landes

Auch wenn sich die Landschaft nicht verändert, so finde ich dies doch großartig und nicht langweilig. Die Straße ist zwar genauso gerade wie auf dem Interstate, aber es ist doch sehr interessant, die riesigen Ausmaße im wahrsten Sinne zu er“fahren“. Heute haben wir trotz morgendlicher Trödelei und ausgedehnter Mittagspause am und im See Talkott, 400 km geschafft. Am See angekommen, weißt ein Schild darauf hin, dass man nur mit Saisonkarte hier durch kommt. Hatten wir natürlich nicht, wollten auch keine kaufen. Aber nebenan der Weg, da stand nix und der führte direkt an den See. Gut – hier gibt es keinen Spielplatz, keine Toilette u.ä, dafür aber jede Menge herrliche Natur, Sitzbänke sowohl in der Sonne als auch im Schatten, Sandstrand und vor allem himmlische Ruhe weil hier außer uns keiner ist. Das Wasser ist so warm, vermutlich, weil der See sehr flach abfällt und wohl nicht tief ist. Man kann in 20 m immer noch stehen.

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Unsere herrlichen Picknickdosen vom Geburtstag sind aufgebraucht. Es gibt nur noch eine einzige als Notration. Im „Kühlschrank“ herrscht gähnende Leere. Deshalb haben wir Gewaltenteilung praktiziert: Er Zelt, ich Einkauf. Der will gut überlegt sein, darf nicht viel wiegen oder Platz verbrauchen, muss trotzdem nahrhaft lecker und vor allem ohne Kühlung einige Zeit haltbar sein. Vor allem gilt es bei der Menge aufzupassen, denn die Supermärkte sind groß, verführerisch mit allerlei Spezialitäten und Leckereien bestückt. Aber alles will auch zum Zelt und morgen auf tour mitgenommen werden.

Was isst man denn auf so einer Reise ohne Kühlschrank:

Obst eignet sich gut, Brot und Dauerwurst sowie Käse mit Gurke, Paprika. Wenn man sich traut auch Tomate, die matscht aber schnell, vor allem wenn der offroadanteil wächst 😉 Als Nachtisch am liebsten Cookies. Die matschen nicht sosehr, haben aber Schokolade, und ohne geht ja gar nicht!!! Alles andere sofort verzehren, respektive zubereiten + essen. Da das aufwendig ist, meist abends auf dem Campingplatz. Getränke: tagsüber Leitungswasser, klebt nicht, löscht dauerhaft den Durst, auch warm ums kostet am Camöingplatz nix extra. Abends gibts dann auch was anderes.

Nachtrag:

M. auf Abwegen

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In Carols und Dominiks RV

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In voller Montur bei 30 ° …

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Die Weite der Prärie – Blue earth

Ja, die Maisfelder sind riesig – um auf eine Frage meines Sohnes zu antworten. Aber nicht so riesig, wie ich mir in den Filmen vorgestellt habe. Hier sind früher die Büffelherden entlang gezogen, hier sind die Indianer mit den Siedlern zusammengestoßen, die ihnen das Land streitig machten. Aber der endlose Blick ist nicht so endlos, wie ich mir vorgestellt hatte. Die Straßen gehen kilometerweit geradeaus, aber dennoch ist der Blick unterbrochen. Unterbrochen von Hecken am Rande von Feldern, Baumreihen, Wechsel der Bepflanzung oder Aussaht, die das urbar gemachte Land strukturieren. Es gibt viel Maisanbau hier, der immer wie mit dem Lineal gezogen akkurat entlang der stets frisch gemähten Straßenrandstreifen steht.

Mitten auf der langen Geradeausstrecke plötzlich eine Stoppstraße. Querrillen und XiNG-Markierungen (X=cross + ing -> crossing für Kreuzung) kündigen dies auffällig an. Das ist auch nötig, sonst würde man wohl im Tran einfach drüberbrettern. (Was vermutlich auch nicht schlimm wäre, denn hier sieht man schon lange vorher, ob von Quer einer kommt.)

Wir landen auf einem freien Campingplatz, der von 4 weiteren Caravanbesitzern genutzt wird. Hier herrscht himmlische Ruhe. Mit frei, meine ich frei! Wir müssen nix bezahlen, denn die ersten 24 Std. sind frei! Auch sogar freies Duschen, was auf dem gestrigen bezahlten Platz in Ermangelung von genügend Quartern (25-cent-Münzen) ausfallen musste. Die Mücken überfallen uns natürlich auch hier, weshalb ich wieder in voller Montur zu Abend esse (wir hatten heute wieder 32 °, ist also nicht wirklich angenehm). Aber das kenne ich mittlerweile und stört mich weniger, als das permanente Geklatsche danach. Nebenan steht ein riesiger grüner Gigant – für was auch immer. Soll vielleicht die grüne Erde darstellen, aber wieso wir dann in Blue Earth hier sind, erschließt sich mir noch nicht. Aber wenn man die Prospekte aufmerksam liest, erfährt man, dass sich der Jolle Green, einer Werbefigur und Symbol der größten regionalen Agrarfirma Giant, so großer Beliebtheit erfreute, dass der Ort Blue Earth sich dessen annahm und die größte dieser Figuren hier hinstellte. Aha! Wieder was gelernt!

Die-Fälle-von-kanadischer-Seite_MG_0121.JPGDer Sockel ist übrigens höher, als ein Erwachsener Mensch, insgesamt ist die Figur 16 m hoch

Der Ort Blue Earth ist nach dem Fluss Blue Earth River benannt, den die Indianer so benannten, weil er blau grüne Erde mit sich führte.

By the way: Dies im Gedenken an meine Englischlehrerinnen in der Schulzeit, die uns unermüdlich versucht haben, das Wort through=durch beizubringen. Was hätten sie sich und uns Mühen und Ärger ersparen können, wenn sie diese Schreibweise sogar auf offiziellen Schildern durch die Städte gesehen hätten.

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Drive thru … – ja, hier fährt man DURCH die Stadt, nicht IN, auch zum McDoof und allen anderen Schnellimbissen. Einen Drive-IN kennen die hier nicht!

Nachtrag: Hier das Bild von dem dicken Hinterradreifen mit doppelt umgelenkter Kette wegen verlängerter Schwinge, wohlgemerkt, der Allerwerteste des Obendraufsitzers war genauso dick!!! (:-)

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Außerdem bitte ich alle Follower um Entschuldigung für die vielen Benachrichtigungen, wenn ich etwas einstelle. Ich schreibe den Text offline, aber die Bilder muss ich online einstellen, damit sie so schön zu vergrößern sind. Das Internet ist nicht immer das schnellste und es bricht schon mal eine Verbindung ab. Die Bilder sind dann alle weg und ich muss dies mehrfach machen. So speichere ich dies zwischendurch, was jedesmal zu einer Benachrichtigung führt. Sorry! Ich weiß, das nervt, aber ich übe noch. Das wird bestimmt alles besser, je häufiger ich das gemacht habe.

Wie in der Eifel oder Blümchenpflücken, die erste und zweite

Edit: Wir haben noch Glück mit dem Sturm gehabt, südlich und nördlich gab es richtig dickes Unwetter mit Tornado und so – und wir waren also genau dazwischen, haben die Randbereiche mitbekommen, aber nicht das Schlimmste. Wir hatten den einzigen Ort gewählt, der glimpflich davon gekommen ist. Außerdem hat uns der Mcdoof-Manager betuppt. alle Coupons sind ungültig. Also richtig betitelt!

Falls ihr jetzt irritiert seid: Ja, es sieht hier aus wie in der Eifel, weil M. doppelt so viele km durch die Nebenstrecken fährt, denn da sind endlich mal wieder Kurven zu finden. Endlich mal wieder, anstatt permanent gerade aus. Da kann man auch Dosenbahn fahren, die nennen sich hier freeways, und kosten deshalb meist Geld!

Und Nein, wir sind NICHT gestürzt, auch wenn ich wieder genau weiß, warum ich seid 5 Jahren mehrfach jährlich Trainings (verschiedenster Art on- wie offroad) absolviere und dies nur jedem anrate: Seid ich offroad fahre, fahre ich anders auf der Straße. Aber wieso dann Blümchenpflücken? Gab es etwa Flugstunden??? Gemach, gemach! Eins nach dem anderen.

Wir kommen wieder mal nicht richtig in die Pötte, obwohl wir immer die ersten sind, die auf dem Campingplatz aufstehen. Aber es ist schön zu trödeln, mein Buch gerade so spannend, der Kaffee bei mcdoof so lecker und das wifi-skypen mit den lieben Kleinen zu Hause so seelenbalsamierend. 🙂 Endlich on the road haben wir heute bei herrlichem Sonnenschein keine Lust auf Strecke machen, suchen lieber die Kurven, auch wenn es doppelt so weit ist. Irgendwann überlegen wir uns, mal ein Päuschen einzulegen. Da finden wir nach exakt 100,0 km einen wunderschönen alten Chevrolet Impala am Straßenrand, herrlich restauriert, in rot innen und außen weiß. M. kann nicht widerstehen. Er MUSS ein Foto haben, dreht und springt auch gleich vom Mopped.

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Ich dagegen sehe nur das Schild dort am Haus. Dort könnte man doch auch einen kleinen Drink bekommen. Gesagt getan und so tauchen wir gleich in eine andere Zeit ein. WAS FÜR EIN LOKAL. Ich bitte M. noch ein paar Fotos für das Innenleben aufzusparen. Genial, Bilder aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts bis über die Schwarzweißfilme hin zu „heutigen“ Musikgrößen wie Jonny Cash etc.hängen bis unter die Decke.

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_MG_0080 Especially für die Jugend _MG_0084 Nach M.s Mopped wurde sogar schon eine Straße benannt (;-)

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Wir entschließen uns zu einem kleinen Happen: Einem Weißnichwie-RIP-Sandwich. Es war tatsächlich ausschließlich Brötchen mit hauchdünnen Fleischscheibchen, aber was für welche!!! Es schmeckte nach Rauch und zerging auf der Zunge. Ich fragte nach der Machart, und wirklich, es wird zuerst Steakfleisch im Smoker stdlang. geräuchert, in feine Scheiben geschnitten und dann gebraten. Ein Gaumenschmauß! Wie gut, dass wir der Empfehlung der Dame gefolgt sind.

Nun ist es schon 4 und richtig vorangekommen sind wir noch nicht. Na egal. Noch in Gedanken von dem örtlich berühmt-berüchtigten Lokal fahren wir auf eine Kurve zu. Ich sage nur ein Wort und jeder Biker weiß, was das heißt: Splitt! M. fährt Ideallinie und versetzt hinten, fährt aber unbeirrt weiter. Ich dagegen will lieber außen um den dicken Kram rum, in der Hoffnung, dass der Splitt selten überall gleichmäßig verteilt ist. War er auch nicht, aber der feine Splitt in der Mitte der Straße lässt auch mein Hinterrad wegrutschen. Normalerweise würde jetzt folgendes passieren: Hässliche Geräusche von aufjaulendem Mopped und hässliche Ausdrücke die meist mit Sch… anfangen (piep – wir haben ja mitlesende Kinder!) – weitere Hottorszenarien ersparen wir uns! Wie gesagt: Normalerweise und vor 5 Jahren wäre ich hier auch SICHER gestürzt. So aber nicht heute. Wie schon öfters in Europa geübt heißt das: 1. Motorrad aufrichten/einfangen, 2. schlingernde Fuhre stabilisieren 3. bremsen mit weit nach vorne gerichtetem Blick 4. chickenway suchen 5. den auch FAHREN und sicher anhalten. Das liest sich alles minutenlang, reale Dauer aber nur 2 Sekunden. Okee theoretisch geht das immer alles einfach, aber zugegeben, auch hier gab es Komplikationen: Durch die Änderung meiner „Ideal“linie war ich ohnehin schon auf dem Mittelstreifen. Durch das Wegrutschen ging mir die Straße nach links aus, was bedeutete, dass ich auf den Randstreifen ausweichen musste. Auch wenn ich keine Angst (mehr) vor offroad/Randstreifen habe, so fiel der doch innerhalb von nur 70 cm Breite ca 2 m tief steil ab. Hüfthohes Gras ließen die tatsächliche Tiefe und den evtl vorhandenen Wasserstand im Unklaren. Ich wollte das ehrlicherweise aber auch nicht ergründen, wusste ich doch, dass ich – einmal da drin – nie wieder rauskommen würde. So versuchte ich also bremsenderweise mit Straßenreifen auf dem Randstreifen anzuhalten. Ging natürlich nicht – Splitt und feuchtes Gras mit Straßenreifen – keine Chance. So rutschte ich über die Kante Richtung unten. So langsam wie ich mittlerweile war, hab ich sie einfach rechts in den Hang abgewürgt und dort „geparkt“, abgestiegen und auf M gewartet, wusste ich doch, dass alle meine Versuche, die Fuhre selbst zu retten, in noch größerer Bredouille enden würden. Ready pflückte also einige wenige Blümchen – ich konnte ihn nicht davon abhalten. Aber auf Wunsch einer einzelnen Dame gab es nur die obere Hanglage zur Auswahl. Die tieferen Regionen waren nicht freigegeben. Meine Aufregung tendierte gegen null. Es war weder mir noch Ready was passiert und die Szenarien hatte ich zuvor oft genug geübt und waren bekannt, so dass ich sie zum Glück nur abrufen musste.

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Wir fahren also weiter und suchen uns nach weiteren 100 km einen Macdoof in Prairie du chien (übersetzt aus dem Frz: Hundeprärie) für die Kaffeepause. Während wir dort so sitzen und über den Campingplatz etc sinnieren, fragt der Nachbar am Fenster: Sorry Mam, ist dies ihr Motorrad. Sch… ja!!! Sie lag auf der Seite! Ich hatte doch gerade noch geschaut und alles war ok, wie ist das denn passiert??? Tja, der Parkplatzasphalt war bei der Hitze von 30 ° zu weich und zu dünn, um mein Mopped auszuhalten und ist nach 1 Std Widerstand über den Seitenständer im Boden versunken. Da M. noch eine Verbreiterung drunter hat, blieb seine stehen. Unglaublich, jetzt muss man schon eine extraplatte auf Asphalt unterlegen, damit sie nicht kippt. Der Manager wollte uns als Wiedergutmachung freien Verzehr für den heutigen Tag zubilligen – für 30 Dollar!!! Ganz ehrlich, das habe ich selbst mit allen meinen Kindern noch nie bei denen ausgegeben. Wie hätte ich das zu zweit schaffen sollen und dann noch auf so einen herrlichen Rib-burger handmade obendrauf??? Nach langer Diskussion war Mcdoof bereit, Coupons im Wert der abgebrochenen Zusatzfußraste zu „spendieren“. Leider ist auch das Gegenstück für das Schloss des linken Koffers zerbrochen, was ich aber erst auf dem Campingplatz gesehen habe.  Man stelle sich das vor! Zweimal lag sie, einmal rechts und einmal links an nur einem Nachmittag.

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Fazit: Mögen alle unsere Erdkontakte auf der Reise so glimpflich ausgehen wie diese beiden!!!

Zum Trost haben wir uns noch nett mit James, dem Tschechoslowaken und Terry, dem Flussschiffer unterhalten, die uns wegen drohende Gewitterstürme den Weg nach Norden empfohlen haben. So sind wir noch knapp 100 km weiter fast immer den Mississippi entlang gefahren. Eine herrliche Strecke, nur schade, dass es schon dunkel wurde. Wahnsinn! Jetzt fahren wir an einem der berühmtesten Flüsse mit den eigenen Maschinen entlang!

By the way: von James weiß ich, dass Dvorak genau hier in dieser Region gelebt und seine 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ geschrieben hat. So habe ich seine Musik im Kopf, als wir den Mississippi entlang fahren. Jawoll, genau das muss er gesehen haben, wie sich der Fluss auf fast 2 km öffnet, wie er dann sanft plätschert, säuselt. So wie die Musik eben. Aha, das hat er also gemeint. Ich hätte gedacht, er spricht von der Weite der Kornfelder. Vielleicht sollte ich das mal irgendwann genauer recherchieren, wenn ich mal Zeit habe ;-).

Wir müssen endlich lernen unsere Zeit besser einzuteilen! Jedesmal gibt es nur ein schnelles bis gar kein Abendbrot und den Aufbau des Zeltes im Wettlauf mit den Mücken in der Dunkelheit… (Ich lasse dabei lieber meine komplette Montur an, auch wenn es heiß wie in der Sauna ist). Heute ist deshalb der Speisesaal auf 2 qm begrenzt, weil wir IM Zelt essen.

Ein ereignisreicher Tag geht mit Getute der nahen Eisenbahnlinie und dem Bollern der nahen Schiffsmotoren zu Ende.

Mögen alle Daheimgebliebenen gesund und munter sein. VGB.

PS: Liebe Eltern, wir haben schon 3 mal versucht, euch anzuskypen. Ihr seid immer offline. Meldet euch mal on. Ggf. ruft D. an…

Add: Heute Nacht um 2 holte uns der Gewittersturm ein. Der beste aller Reisegefährten bemerkte es rechtzeitig und hatte beim Gewitterleuchten schon das Zelt abgespannt und gesichert. Aber unter Gewitterleuchten müsst ihr euch permanentes Blitzen vorstellen. Dann kam der Wind, dann die Donner von rechts. Aber zum Glück bog der Sturm vor uns ab. Glück gehabt, ich atme auf und versuche wieder einzuschlafen. Zu früh gefreut, 30 min später: Der Sturm kehrt zurück – er hat wohl noch was vergessen… so ein Mist. Könnt ihr euch vorstellen, wie laut es im Zelt ist, wenn der Wind heftig dran rüttelt und es aus Eimern schüttet? Dann die permanenten Blitze und das herannahende Donnern. Puh, ich habe nicht nur ein Gebet zum Himmel geschickt, das könnt ihr mir glauben. Ich mache kaum ein Auge zu, während mein Göttergatte neben mir leicht schnarcht. So eine Gemeinheit! Die dichtesten Donner sind immer noch 300 m entfernt, und am nächsten Morgen fragen uns reihum die Nachbarn, ob wir nass geworden sind. Nein, sind wir nicht, wir haben gute Ausrüstung. Aber DAS hätten sie mich doch mal früher fragen können und mir Asyl anbieten können. Na, das habe ich jetzt gefunden. Wir sitzen im Café und genehmigen uns erstmal einen gescheiten Kaffee, während draußen die Mädels schon wieder braten.

Quer durch die Bundesstaaten bis nach Madison

Wir sind am Michigansee angekommen. Welch ein Ausblick. Hier sieht man, wo das Geld sitzt. Wow! Wir kommen an den See gar nicht richtig dran, alles Privatgelände mit Palästen obendrauf. Wir fahren zum Hafen, da kann man doch immer ans Wasser – weit gefehlt. Geht auch nicht. Alles Privatanleger mit Privatjachten so hoch wie ein Haus. Das Mopped vollaufgerödelt irgendwo stehen zu lassen und zu Fuß dorthin zu laufen, kommt für uns nicht in Frage. Nachher können wir mit dem Besorgen der Ausrüstung von vorne anfangen… Neneee! Also fahren wir einfach auf die andere Seite des Hafens, wo ein kleiner Park mit Wiese und Bänken zu sehen ist. Aber auch hier ist alles Privatgelände, mit einer Schranke gesichert, dahinter 2-stöckige Sommerhäuschen mit direkter Verbindung zum Anleger und eigenem Parkplatz natürlich! Wir ignorieren das Parkverbot am Straßenrand (wir sind ja schließlich nicht in Deutschland), weil wir nur 30 min. Pause machen. Hier beschwert sich niemand, im Gegenteil, es ist ja Platz genug für alle. Das liebe ich ja.

Hier sind wir nicht weit von Chicago entfernt – denke ich. Aber ehe wir da sind, ist es doch wieder Mittag. Wir wollen zunächst zum BMW Händler. Dort lernen wir Gordi kennen, der eine nagelneue BMW mit 160 PS fuhr. Was der denn bei BMW wollte? Einen neuen Reifen. Er hatte sich nach 400 Meilen einen Nagel in den Reifen gefahren und musste den austauschen. 😦 Wir wollten dort nach einem Reifenreparaturset und/oder Kompressor erfragen. Gorki vertreibt diese und wartet auf uns, bis wir endlich fertig sind, um mit uns nach Hause zu fahren. Dort schenkt er uns einen. Wahnsinn!!!! Wir haben den auch am gleichen Abend ausprobiert. Der Hammer, wie schnell der aufpumpt, mit Druckanzeige! 🙂 Danke, lieber Gordi, und das, nachdem er gerade erst mit seiner Frau aus dem Urlaub zurückgekehrt war, ohne Kühlschrankinhalt und ohne Kaffee. Die (erwachsenen) Kinder hatten das Haus gehütet und – wie kann es anders sein – genau getimet und abgepasst, so dass der voll hinterlassene Kühlschrank genau bis zur Rückkehr der Eltern gereicht hat. Komisch, ne?! Die Kinder sind doch überall gleich!

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An den Niagarafällen traf ich eine deutsche Familie. Der Vater redete sehr liebevoll geduldig seinem Sohn zu, was er jetzt alles machen könne, wenn er seiner Schwester und Mutter hinterher mitkäme, aber es war alles nichts, einfach keine Lust zu nix. Wie heißt das Zauberwort auf der ganzen Welt in solch einem Fall? Richtig, dort gibt es auch „EIS“. Schwups, aufgesprungen, hinterher….

Wir fahren nicht nach Downtown (=Stadtzentrum) rein, weil es dort heftiges Gewitter geben soll. Schade, außer Highways und Skyline von Chicago nichts gesehen, aber dort gibt es auch keine Campingplätze und so verziehen wir uns lieber nach Westen. Das ist deutlich trockener und so fahren wir nach Madison ( welches Madison? Im Navi gibt es mindestens 10… und da wir gerade in Indiana sind, gebe ich Madison in Indiana ein. Es sagt, 350 Meilen, aber laut M. sind es nur 100. Hm, Hä? Na gut, spinnt meins wohl. Nein tut es nicht. Man muss nur das richtige eingeben, nämlich das hinter Illinois in Wisconsin. also 4 Bundesstaaten in einem Tag. Auch nicht schlecht!

Heute sprach uns ein 60-jähriger Radfahrer an. Irre, der Typ hat sich den Rekord im Handstand aufm Skateboard mit 42 Jahren zurückgeholt (2000 feet = ca 700 m), ist dabei ca 25 m/h schnell = ca 40 km/h und wird dies in einigen Monaten mit 60 J. noch mal nachmachen. Per Video in Youtoube zu sehen unter samtartamella. Was man alles für Leute auf so einer Tour trifft! Wow!

Außerdem steht neben uns an der Tanke ein Motorradfahrer, dessen Hinterradpelle ist genauso dick wie der Allerwerteste des Besitzers. Beeindruckend. Dafür musste er die Achse derart verlängern, dass die Kette nicht reichte und umgelenkt werden musste. Und solch ein bike kann um die Kurve fahren? Naja, mit viel Arbeit schon, wie der Besitzer zugibt. Mal sehen ob ich das Bild heute Abend posten kann.

Bilder später…

VG an die Heimat B.

endlich Bilder

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– Das Fort Delaware – unglaublich – das war echt hier, wo die Kämpfe mit den Indianern waren, nicht in Filmen … _MG_9725

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Wir beide IM !!! Eastriver in New York

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B an den Niagarafällen (Horseshoefalls) auf amerikanischer Seite stehend._MG_0009

Niagarafälle von kanadischer Seite betrachtet ‚(warum dieses Bild so klein ist weiß ich auch nicht, wir kämpfen mit der Software. M. hat schon entnervt aufgegeben und meine Kenntnisse diesbezüglich halten sich in sehr engen Grenzen, sorry!)

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Der Schwarzbär auf unserem ersten Campingplatz bei Stony Creek, den ich leider wegen morgendlicher Schönheitsreparaturen verpasst habe.

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Redeagle hat nun einen Sozius mit on tour: Ready (to take off) Roadrunner wartet noch verzweifelt auf Roady…