Niagara Falls

Ich fahre seit einer Woche hier in Amerika rum und denke die ganze Zeit, hier stimmt was nicht. Mein Körper ist da, aber der Rest noch nicht. Irgendwie alles unwirklich. Ich habe doch 30 Jahre davon geträumt, da müsste doch mehr Freude als normales Urlaufsfeeling sein. Jep! Tut es auch. Und zwar genau jetzt, wo ich vor den Niagarafällen stehe. Ich fange an zu heulen, fange an zu begreifen, dass mich die Gischt nass macht, es riechen kann, das donnernde Wasser hören und sehen kann. Was war ich neidisch auf meinen angeheirateten Neffen, der vor 2 Jahren dort war und nun stehe ich selber da. Um mich herum noch wenig Leute, die das zum Glück nicht mitkriegen, weil sie selbst derart beeindruckt sind. Abgesehen von den Fällen selbst, so bin ich mindestens genauso beeindruckt von den Wassermassen, Stromschnellen und dem breiten Fluss selbst. Wahnsinn! So viel Wasser, das in einer Höllengeschwindigkeit durchrauscht! Man kann mit Schiffen, die vollgepfercht mit roten oder blauen Leuten sind (weil sie rote = kanadische oder blaue = amerikanische Plastikumhänge tragen) direkt vor die Fälle fahren und sie dort ca 2 min. lang bestaunen, bevor das nächste Schiffe bereits ankommt. Oder auch mit dem Helikopter die Fälle umrunden. Für beides fehlt mir der Nerv. Ich bin ohnehin schon beeindruckt genug (ja, ihr habt recht: vor der Schiffschaukel kneife ich und der Heli ist mir zu teuer. 😉 …)

Wir sind ohne Gepäck mit nur einem Mopped/ und ich HINTEN DRAUF!!! (HUAH!!!) in aller Frühe los, vor den Massen, vor den MIST-Schiffen (nicht falsch übersetzt, MIST ist der engl. Ausdruck für Dunst/Gischt). Ich stehe zuerst auf amerikanischer Seite und empfinde die Fälle als deutlich kleiner als ich sie mir vorgestellt habe. Dass sie nicht so hoch sind, wusste ich vorher, aber dennoch hätte ich sie gigantischer mir vorgestellt. die kanadische Sicht auf die Fälle soll schöner sein. Ist sie auch, wie wir nach langem Braten in praller Sonne erfahren dürfen, weil die Grenzbeamtin uns nach 5 min. Glauben schenkt, dass wir auf Tour nach Alaska sind, obwohl wir keinerlei Gepäck bei haben, welches wir doch noch auf dem Campingplatz haben und gleich noch zusammen mit dem 2. Mopped holen wollen…. Jaja, ihr habt recht. Soviel Aufwand für einen einzigen Blick auf die Fälle. Aber wir sind in Europa echt verwöhnt mit den Grenzübertritten. Da fährt man mal eben ein kleines Toürchen über Belgien, Holland und Luxemburg zurück nach Hause….

 

Es wird schnell voll. Den Trubel um mich herum kann ich nur schlecht vertragen, so sind wir froh über die ruhige Stunde, die wir gehabt haben und vergessen die 10 dollar Parkgebühren (dafür waren die Fälle ja eintrittsfrei) und fahren zurück zum Zelt um abzubauen. (Die Moskitos sind so aggressiv, dass ich nur in voller Montur bei 30 °C abbaue. Ätzend! Selbst duschen hilft nicht. Die Viecher wissen nach max. 60 sec. dass ich wieder da bin!

Nachtrag:

Herzlichen Dank an Carol, Cathy, Dominik und Ken. Ich wollte hierher, um die Menschen hier kennen zu lernen, ihre Ideen und Sichtweisen … Nun weiß ich, dass trotz Obamas Bemühungen die Krankenversicherung pro Monat etwa doppelt so teuer ist wie bei uns. Das hätte ich nicht gedacht. 1100 Dollar pro Monat wollen auch erst mal erarbeitet sein. Dank Carols unendlicher Gastfreundschaft mussten wir das Ausprobieren unseres nagelneuen Campingkochers auf später verschieben. Sie verwöhnte uns mit allerlei Grillherrlichkeiten. Ihr RV (recreational vehicle) ist irre beeindruckend gewesen. Think big! Der Campinganhänger meiner Eltern passt dort 3 mal rein – mit allem pi pa po. Sogar mit Garage für die 2 Harleys. Und welchen Führerschein braucht man? Nur den normalen Autoführerschein. Irre, oder? Bei uns bräuchte man mindestens den LKW-führerschein, wenn nicht sogar für Sondertransporte! Manche von diesen Dingern fahren nicht selbst, sondern werden von Autos gezogen. Die haben dann 350 PS – wie kriegen die bloß diese Kraft auf die Straße, ohne dass die Reifen durchdrehen. Wie ihr seht, ich habe davon überhaupt keine Ahnung und kann nur staunen.

Eine kleine Landschaftsbeschreibung gefällig?

In den USA gibt es sie tatsächlich zu hauf: winzige Holzhäusschen auf irregroßem Grundstück, mit stets frisch gemähtem Rasen! Selbst der Straßenrand ist stets frisch gemäht, auch wenn man denkt, der ist doch gerade erst gemäht worden, wird er bereits wieder gemäht. Blumen habe ich nahezu keine gesehen, am Straßenrand dagegen viele orangefarbene Taglilien. In Kanada dagegen fallen einem sofort die liebevollen Blumentöpfe z. B. am Briefkasten, der am Straßenrand steht, auf. Die Straßen sind tatsächlich quadratisch angeordnet. 

Auch wenn ich das alles schon mal gehört hatte, so ist es etwas ganz anderes, das selbst zu erleben. Ich kann jedem nur empfehlen sich selbst auf den Weg zu machen. Es ist wundervoll!

Bitte nicht ungeduldig werden, Bilder kommen. Markus arbeitet dran, dass wir die Bilder hochladen können.

Herzliche Grüße an die Heimat

eure B. 

 

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