Die Weite der Prärie – Blue earth

Ja, die Maisfelder sind riesig – um auf eine Frage meines Sohnes zu antworten. Aber nicht so riesig, wie ich mir in den Filmen vorgestellt habe. Hier sind früher die Büffelherden entlang gezogen, hier sind die Indianer mit den Siedlern zusammengestoßen, die ihnen das Land streitig machten. Aber der endlose Blick ist nicht so endlos, wie ich mir vorgestellt hatte. Die Straßen gehen kilometerweit geradeaus, aber dennoch ist der Blick unterbrochen. Unterbrochen von Hecken am Rande von Feldern, Baumreihen, Wechsel der Bepflanzung oder Aussaht, die das urbar gemachte Land strukturieren. Es gibt viel Maisanbau hier, der immer wie mit dem Lineal gezogen akkurat entlang der stets frisch gemähten Straßenrandstreifen steht.

Mitten auf der langen Geradeausstrecke plötzlich eine Stoppstraße. Querrillen und XiNG-Markierungen (X=cross + ing -> crossing für Kreuzung) kündigen dies auffällig an. Das ist auch nötig, sonst würde man wohl im Tran einfach drüberbrettern. (Was vermutlich auch nicht schlimm wäre, denn hier sieht man schon lange vorher, ob von Quer einer kommt.)

Wir landen auf einem freien Campingplatz, der von 4 weiteren Caravanbesitzern genutzt wird. Hier herrscht himmlische Ruhe. Mit frei, meine ich frei! Wir müssen nix bezahlen, denn die ersten 24 Std. sind frei! Auch sogar freies Duschen, was auf dem gestrigen bezahlten Platz in Ermangelung von genügend Quartern (25-cent-Münzen) ausfallen musste. Die Mücken überfallen uns natürlich auch hier, weshalb ich wieder in voller Montur zu Abend esse (wir hatten heute wieder 32 °, ist also nicht wirklich angenehm). Aber das kenne ich mittlerweile und stört mich weniger, als das permanente Geklatsche danach. Nebenan steht ein riesiger grüner Gigant – für was auch immer. Soll vielleicht die grüne Erde darstellen, aber wieso wir dann in Blue Earth hier sind, erschließt sich mir noch nicht. Aber wenn man die Prospekte aufmerksam liest, erfährt man, dass sich der Jolle Green, einer Werbefigur und Symbol der größten regionalen Agrarfirma Giant, so großer Beliebtheit erfreute, dass der Ort Blue Earth sich dessen annahm und die größte dieser Figuren hier hinstellte. Aha! Wieder was gelernt!

Die-Fälle-von-kanadischer-Seite_MG_0121.JPGDer Sockel ist übrigens höher, als ein Erwachsener Mensch, insgesamt ist die Figur 16 m hoch

Der Ort Blue Earth ist nach dem Fluss Blue Earth River benannt, den die Indianer so benannten, weil er blau grüne Erde mit sich führte.

By the way: Dies im Gedenken an meine Englischlehrerinnen in der Schulzeit, die uns unermüdlich versucht haben, das Wort through=durch beizubringen. Was hätten sie sich und uns Mühen und Ärger ersparen können, wenn sie diese Schreibweise sogar auf offiziellen Schildern durch die Städte gesehen hätten.

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Drive thru … – ja, hier fährt man DURCH die Stadt, nicht IN, auch zum McDoof und allen anderen Schnellimbissen. Einen Drive-IN kennen die hier nicht!

Nachtrag: Hier das Bild von dem dicken Hinterradreifen mit doppelt umgelenkter Kette wegen verlängerter Schwinge, wohlgemerkt, der Allerwerteste des Obendraufsitzers war genauso dick!!! (:-)

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Außerdem bitte ich alle Follower um Entschuldigung für die vielen Benachrichtigungen, wenn ich etwas einstelle. Ich schreibe den Text offline, aber die Bilder muss ich online einstellen, damit sie so schön zu vergrößern sind. Das Internet ist nicht immer das schnellste und es bricht schon mal eine Verbindung ab. Die Bilder sind dann alle weg und ich muss dies mehrfach machen. So speichere ich dies zwischendurch, was jedesmal zu einer Benachrichtigung führt. Sorry! Ich weiß, das nervt, aber ich übe noch. Das wird bestimmt alles besser, je häufiger ich das gemacht habe.

Wie in der Eifel oder Blümchenpflücken, die erste und zweite

Edit: Wir haben noch Glück mit dem Sturm gehabt, südlich und nördlich gab es richtig dickes Unwetter mit Tornado und so – und wir waren also genau dazwischen, haben die Randbereiche mitbekommen, aber nicht das Schlimmste. Wir hatten den einzigen Ort gewählt, der glimpflich davon gekommen ist. Außerdem hat uns der Mcdoof-Manager betuppt. alle Coupons sind ungültig. Also richtig betitelt!

Falls ihr jetzt irritiert seid: Ja, es sieht hier aus wie in der Eifel, weil M. doppelt so viele km durch die Nebenstrecken fährt, denn da sind endlich mal wieder Kurven zu finden. Endlich mal wieder, anstatt permanent gerade aus. Da kann man auch Dosenbahn fahren, die nennen sich hier freeways, und kosten deshalb meist Geld!

Und Nein, wir sind NICHT gestürzt, auch wenn ich wieder genau weiß, warum ich seid 5 Jahren mehrfach jährlich Trainings (verschiedenster Art on- wie offroad) absolviere und dies nur jedem anrate: Seid ich offroad fahre, fahre ich anders auf der Straße. Aber wieso dann Blümchenpflücken? Gab es etwa Flugstunden??? Gemach, gemach! Eins nach dem anderen.

Wir kommen wieder mal nicht richtig in die Pötte, obwohl wir immer die ersten sind, die auf dem Campingplatz aufstehen. Aber es ist schön zu trödeln, mein Buch gerade so spannend, der Kaffee bei mcdoof so lecker und das wifi-skypen mit den lieben Kleinen zu Hause so seelenbalsamierend. 🙂 Endlich on the road haben wir heute bei herrlichem Sonnenschein keine Lust auf Strecke machen, suchen lieber die Kurven, auch wenn es doppelt so weit ist. Irgendwann überlegen wir uns, mal ein Päuschen einzulegen. Da finden wir nach exakt 100,0 km einen wunderschönen alten Chevrolet Impala am Straßenrand, herrlich restauriert, in rot innen und außen weiß. M. kann nicht widerstehen. Er MUSS ein Foto haben, dreht und springt auch gleich vom Mopped.

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Ich dagegen sehe nur das Schild dort am Haus. Dort könnte man doch auch einen kleinen Drink bekommen. Gesagt getan und so tauchen wir gleich in eine andere Zeit ein. WAS FÜR EIN LOKAL. Ich bitte M. noch ein paar Fotos für das Innenleben aufzusparen. Genial, Bilder aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts bis über die Schwarzweißfilme hin zu „heutigen“ Musikgrößen wie Jonny Cash etc.hängen bis unter die Decke.

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_MG_0080 Especially für die Jugend _MG_0084 Nach M.s Mopped wurde sogar schon eine Straße benannt (;-)

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Wir entschließen uns zu einem kleinen Happen: Einem Weißnichwie-RIP-Sandwich. Es war tatsächlich ausschließlich Brötchen mit hauchdünnen Fleischscheibchen, aber was für welche!!! Es schmeckte nach Rauch und zerging auf der Zunge. Ich fragte nach der Machart, und wirklich, es wird zuerst Steakfleisch im Smoker stdlang. geräuchert, in feine Scheiben geschnitten und dann gebraten. Ein Gaumenschmauß! Wie gut, dass wir der Empfehlung der Dame gefolgt sind.

Nun ist es schon 4 und richtig vorangekommen sind wir noch nicht. Na egal. Noch in Gedanken von dem örtlich berühmt-berüchtigten Lokal fahren wir auf eine Kurve zu. Ich sage nur ein Wort und jeder Biker weiß, was das heißt: Splitt! M. fährt Ideallinie und versetzt hinten, fährt aber unbeirrt weiter. Ich dagegen will lieber außen um den dicken Kram rum, in der Hoffnung, dass der Splitt selten überall gleichmäßig verteilt ist. War er auch nicht, aber der feine Splitt in der Mitte der Straße lässt auch mein Hinterrad wegrutschen. Normalerweise würde jetzt folgendes passieren: Hässliche Geräusche von aufjaulendem Mopped und hässliche Ausdrücke die meist mit Sch… anfangen (piep – wir haben ja mitlesende Kinder!) – weitere Hottorszenarien ersparen wir uns! Wie gesagt: Normalerweise und vor 5 Jahren wäre ich hier auch SICHER gestürzt. So aber nicht heute. Wie schon öfters in Europa geübt heißt das: 1. Motorrad aufrichten/einfangen, 2. schlingernde Fuhre stabilisieren 3. bremsen mit weit nach vorne gerichtetem Blick 4. chickenway suchen 5. den auch FAHREN und sicher anhalten. Das liest sich alles minutenlang, reale Dauer aber nur 2 Sekunden. Okee theoretisch geht das immer alles einfach, aber zugegeben, auch hier gab es Komplikationen: Durch die Änderung meiner „Ideal“linie war ich ohnehin schon auf dem Mittelstreifen. Durch das Wegrutschen ging mir die Straße nach links aus, was bedeutete, dass ich auf den Randstreifen ausweichen musste. Auch wenn ich keine Angst (mehr) vor offroad/Randstreifen habe, so fiel der doch innerhalb von nur 70 cm Breite ca 2 m tief steil ab. Hüfthohes Gras ließen die tatsächliche Tiefe und den evtl vorhandenen Wasserstand im Unklaren. Ich wollte das ehrlicherweise aber auch nicht ergründen, wusste ich doch, dass ich – einmal da drin – nie wieder rauskommen würde. So versuchte ich also bremsenderweise mit Straßenreifen auf dem Randstreifen anzuhalten. Ging natürlich nicht – Splitt und feuchtes Gras mit Straßenreifen – keine Chance. So rutschte ich über die Kante Richtung unten. So langsam wie ich mittlerweile war, hab ich sie einfach rechts in den Hang abgewürgt und dort „geparkt“, abgestiegen und auf M gewartet, wusste ich doch, dass alle meine Versuche, die Fuhre selbst zu retten, in noch größerer Bredouille enden würden. Ready pflückte also einige wenige Blümchen – ich konnte ihn nicht davon abhalten. Aber auf Wunsch einer einzelnen Dame gab es nur die obere Hanglage zur Auswahl. Die tieferen Regionen waren nicht freigegeben. Meine Aufregung tendierte gegen null. Es war weder mir noch Ready was passiert und die Szenarien hatte ich zuvor oft genug geübt und waren bekannt, so dass ich sie zum Glück nur abrufen musste.

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Wir fahren also weiter und suchen uns nach weiteren 100 km einen Macdoof in Prairie du chien (übersetzt aus dem Frz: Hundeprärie) für die Kaffeepause. Während wir dort so sitzen und über den Campingplatz etc sinnieren, fragt der Nachbar am Fenster: Sorry Mam, ist dies ihr Motorrad. Sch… ja!!! Sie lag auf der Seite! Ich hatte doch gerade noch geschaut und alles war ok, wie ist das denn passiert??? Tja, der Parkplatzasphalt war bei der Hitze von 30 ° zu weich und zu dünn, um mein Mopped auszuhalten und ist nach 1 Std Widerstand über den Seitenständer im Boden versunken. Da M. noch eine Verbreiterung drunter hat, blieb seine stehen. Unglaublich, jetzt muss man schon eine extraplatte auf Asphalt unterlegen, damit sie nicht kippt. Der Manager wollte uns als Wiedergutmachung freien Verzehr für den heutigen Tag zubilligen – für 30 Dollar!!! Ganz ehrlich, das habe ich selbst mit allen meinen Kindern noch nie bei denen ausgegeben. Wie hätte ich das zu zweit schaffen sollen und dann noch auf so einen herrlichen Rib-burger handmade obendrauf??? Nach langer Diskussion war Mcdoof bereit, Coupons im Wert der abgebrochenen Zusatzfußraste zu „spendieren“. Leider ist auch das Gegenstück für das Schloss des linken Koffers zerbrochen, was ich aber erst auf dem Campingplatz gesehen habe.  Man stelle sich das vor! Zweimal lag sie, einmal rechts und einmal links an nur einem Nachmittag.

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Fazit: Mögen alle unsere Erdkontakte auf der Reise so glimpflich ausgehen wie diese beiden!!!

Zum Trost haben wir uns noch nett mit James, dem Tschechoslowaken und Terry, dem Flussschiffer unterhalten, die uns wegen drohende Gewitterstürme den Weg nach Norden empfohlen haben. So sind wir noch knapp 100 km weiter fast immer den Mississippi entlang gefahren. Eine herrliche Strecke, nur schade, dass es schon dunkel wurde. Wahnsinn! Jetzt fahren wir an einem der berühmtesten Flüsse mit den eigenen Maschinen entlang!

By the way: von James weiß ich, dass Dvorak genau hier in dieser Region gelebt und seine 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ geschrieben hat. So habe ich seine Musik im Kopf, als wir den Mississippi entlang fahren. Jawoll, genau das muss er gesehen haben, wie sich der Fluss auf fast 2 km öffnet, wie er dann sanft plätschert, säuselt. So wie die Musik eben. Aha, das hat er also gemeint. Ich hätte gedacht, er spricht von der Weite der Kornfelder. Vielleicht sollte ich das mal irgendwann genauer recherchieren, wenn ich mal Zeit habe ;-).

Wir müssen endlich lernen unsere Zeit besser einzuteilen! Jedesmal gibt es nur ein schnelles bis gar kein Abendbrot und den Aufbau des Zeltes im Wettlauf mit den Mücken in der Dunkelheit… (Ich lasse dabei lieber meine komplette Montur an, auch wenn es heiß wie in der Sauna ist). Heute ist deshalb der Speisesaal auf 2 qm begrenzt, weil wir IM Zelt essen.

Ein ereignisreicher Tag geht mit Getute der nahen Eisenbahnlinie und dem Bollern der nahen Schiffsmotoren zu Ende.

Mögen alle Daheimgebliebenen gesund und munter sein. VGB.

PS: Liebe Eltern, wir haben schon 3 mal versucht, euch anzuskypen. Ihr seid immer offline. Meldet euch mal on. Ggf. ruft D. an…

Add: Heute Nacht um 2 holte uns der Gewittersturm ein. Der beste aller Reisegefährten bemerkte es rechtzeitig und hatte beim Gewitterleuchten schon das Zelt abgespannt und gesichert. Aber unter Gewitterleuchten müsst ihr euch permanentes Blitzen vorstellen. Dann kam der Wind, dann die Donner von rechts. Aber zum Glück bog der Sturm vor uns ab. Glück gehabt, ich atme auf und versuche wieder einzuschlafen. Zu früh gefreut, 30 min später: Der Sturm kehrt zurück – er hat wohl noch was vergessen… so ein Mist. Könnt ihr euch vorstellen, wie laut es im Zelt ist, wenn der Wind heftig dran rüttelt und es aus Eimern schüttet? Dann die permanenten Blitze und das herannahende Donnern. Puh, ich habe nicht nur ein Gebet zum Himmel geschickt, das könnt ihr mir glauben. Ich mache kaum ein Auge zu, während mein Göttergatte neben mir leicht schnarcht. So eine Gemeinheit! Die dichtesten Donner sind immer noch 300 m entfernt, und am nächsten Morgen fragen uns reihum die Nachbarn, ob wir nass geworden sind. Nein, sind wir nicht, wir haben gute Ausrüstung. Aber DAS hätten sie mich doch mal früher fragen können und mir Asyl anbieten können. Na, das habe ich jetzt gefunden. Wir sitzen im Café und genehmigen uns erstmal einen gescheiten Kaffee, während draußen die Mädels schon wieder braten.

Quer durch die Bundesstaaten bis nach Madison

Wir sind am Michigansee angekommen. Welch ein Ausblick. Hier sieht man, wo das Geld sitzt. Wow! Wir kommen an den See gar nicht richtig dran, alles Privatgelände mit Palästen obendrauf. Wir fahren zum Hafen, da kann man doch immer ans Wasser – weit gefehlt. Geht auch nicht. Alles Privatanleger mit Privatjachten so hoch wie ein Haus. Das Mopped vollaufgerödelt irgendwo stehen zu lassen und zu Fuß dorthin zu laufen, kommt für uns nicht in Frage. Nachher können wir mit dem Besorgen der Ausrüstung von vorne anfangen… Neneee! Also fahren wir einfach auf die andere Seite des Hafens, wo ein kleiner Park mit Wiese und Bänken zu sehen ist. Aber auch hier ist alles Privatgelände, mit einer Schranke gesichert, dahinter 2-stöckige Sommerhäuschen mit direkter Verbindung zum Anleger und eigenem Parkplatz natürlich! Wir ignorieren das Parkverbot am Straßenrand (wir sind ja schließlich nicht in Deutschland), weil wir nur 30 min. Pause machen. Hier beschwert sich niemand, im Gegenteil, es ist ja Platz genug für alle. Das liebe ich ja.

Hier sind wir nicht weit von Chicago entfernt – denke ich. Aber ehe wir da sind, ist es doch wieder Mittag. Wir wollen zunächst zum BMW Händler. Dort lernen wir Gordi kennen, der eine nagelneue BMW mit 160 PS fuhr. Was der denn bei BMW wollte? Einen neuen Reifen. Er hatte sich nach 400 Meilen einen Nagel in den Reifen gefahren und musste den austauschen. 😦 Wir wollten dort nach einem Reifenreparaturset und/oder Kompressor erfragen. Gorki vertreibt diese und wartet auf uns, bis wir endlich fertig sind, um mit uns nach Hause zu fahren. Dort schenkt er uns einen. Wahnsinn!!!! Wir haben den auch am gleichen Abend ausprobiert. Der Hammer, wie schnell der aufpumpt, mit Druckanzeige! 🙂 Danke, lieber Gordi, und das, nachdem er gerade erst mit seiner Frau aus dem Urlaub zurückgekehrt war, ohne Kühlschrankinhalt und ohne Kaffee. Die (erwachsenen) Kinder hatten das Haus gehütet und – wie kann es anders sein – genau getimet und abgepasst, so dass der voll hinterlassene Kühlschrank genau bis zur Rückkehr der Eltern gereicht hat. Komisch, ne?! Die Kinder sind doch überall gleich!

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An den Niagarafällen traf ich eine deutsche Familie. Der Vater redete sehr liebevoll geduldig seinem Sohn zu, was er jetzt alles machen könne, wenn er seiner Schwester und Mutter hinterher mitkäme, aber es war alles nichts, einfach keine Lust zu nix. Wie heißt das Zauberwort auf der ganzen Welt in solch einem Fall? Richtig, dort gibt es auch „EIS“. Schwups, aufgesprungen, hinterher….

Wir fahren nicht nach Downtown (=Stadtzentrum) rein, weil es dort heftiges Gewitter geben soll. Schade, außer Highways und Skyline von Chicago nichts gesehen, aber dort gibt es auch keine Campingplätze und so verziehen wir uns lieber nach Westen. Das ist deutlich trockener und so fahren wir nach Madison ( welches Madison? Im Navi gibt es mindestens 10… und da wir gerade in Indiana sind, gebe ich Madison in Indiana ein. Es sagt, 350 Meilen, aber laut M. sind es nur 100. Hm, Hä? Na gut, spinnt meins wohl. Nein tut es nicht. Man muss nur das richtige eingeben, nämlich das hinter Illinois in Wisconsin. also 4 Bundesstaaten in einem Tag. Auch nicht schlecht!

Heute sprach uns ein 60-jähriger Radfahrer an. Irre, der Typ hat sich den Rekord im Handstand aufm Skateboard mit 42 Jahren zurückgeholt (2000 feet = ca 700 m), ist dabei ca 25 m/h schnell = ca 40 km/h und wird dies in einigen Monaten mit 60 J. noch mal nachmachen. Per Video in Youtoube zu sehen unter samtartamella. Was man alles für Leute auf so einer Tour trifft! Wow!

Außerdem steht neben uns an der Tanke ein Motorradfahrer, dessen Hinterradpelle ist genauso dick wie der Allerwerteste des Besitzers. Beeindruckend. Dafür musste er die Achse derart verlängern, dass die Kette nicht reichte und umgelenkt werden musste. Und solch ein bike kann um die Kurve fahren? Naja, mit viel Arbeit schon, wie der Besitzer zugibt. Mal sehen ob ich das Bild heute Abend posten kann.

Bilder später…

VG an die Heimat B.

endlich Bilder

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– Das Fort Delaware – unglaublich – das war echt hier, wo die Kämpfe mit den Indianern waren, nicht in Filmen … _MG_9725

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Wir beide IM !!! Eastriver in New York

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B an den Niagarafällen (Horseshoefalls) auf amerikanischer Seite stehend._MG_0009

Niagarafälle von kanadischer Seite betrachtet ‚(warum dieses Bild so klein ist weiß ich auch nicht, wir kämpfen mit der Software. M. hat schon entnervt aufgegeben und meine Kenntnisse diesbezüglich halten sich in sehr engen Grenzen, sorry!)

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Der Schwarzbär auf unserem ersten Campingplatz bei Stony Creek, den ich leider wegen morgendlicher Schönheitsreparaturen verpasst habe.

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Redeagle hat nun einen Sozius mit on tour: Ready (to take off) Roadrunner wartet noch verzweifelt auf Roady…

Begegnungen

Was motiviert einen zu einer so weiten Reise? Die Menschen. Ich wollte neben der Landschaft auch die Menschen kennenlernen. Was sie denken, wie sie leben, was sie machen, arbeiten oder eben auch nicht… Von Carol und den anderen, mit denen wir herrlich den Nationalfeiertag gefeiert und ein riesiges tolles Feuerwerk genossen haben, habe ich schon erzählt.

Aber könnt ihr euch folgende Situation in Deutschland vorstellten? Wir halten am Straßenrand an einer kleinen Brücke über einen Bach an, um dort eine kleine Rast zu machen. Der Motor noch nicht aus, hält schon ein Amerikaner mit Riesenhund auf dem Beifahrersitz und fragt: Are you lost? Nein, wir haben uns nicht verirrt, wollen nur eine kleine Pause einlegen. Oh, da gleich vorne gibt’s Haus und im Garten eine kleine Sitzgruppe mit Schirm. Dort könnt ihr gerne hin. You are invited. Es war sonst kleiner da. Kein Nachbar hat sich beschwert, dass wir widerrechtlich in der Einfahrt parken. Aufgelesen am Straßenrand und willkommengeheissen. irre!

Oder heute Nachmittag auf den letzten km bis zum Campingplatz, als wir gerade unser Picknick eingepackt haben: ein Auto hält an und lädt uns nebenan in ein Privatlokal auf einen Drink ein. Wir haben eine halbe Std. Lang philosophiert über Politik, amerikanische, europäische, griechische und sonstige Lebensgewohnheiten … Dan lebt.in 5. Generation in Amerika und musste im Krieg gegen die eigene Familie kämpfen. Ist das nicht übel??? Beeinidruckend was für Menschen ich hier kennenlernen darf.

VGB.

Apropos: Wir sind übrigens ins Moskow, nach Hamburg, Dresden, Manchester, Rom und was weiß ich noch für Städte sind wir doch ganz schön rum gekommen in dieser einen Woche oder? 😉 (Wir sind hier wirklich durchgefahren, auch wenns sie nicht dort liegen, wo man sie eigentlich vermutet… ;-)…)

Eine Scherzfrage

Scherzfrage:

Warum laufen hier die Rehe immer um halb 5 über die Straße oder stehen auf den Wiesen am Waldrand? (Ist tatsächlich so!!!)

Keine Ahnung? Na, ist doch ganz einfach: Das sind europäische Rehe. Die leiden – wie ich – am Jetlag. Um halb 5 ist es nämlich in Deutschland 22.30 Uhr, also Dämmerung für die Rehe und Schlafenszeit für mich. Genau deshalb werde ich immer schlagartig um halb 5 müde, Kann man die Uhr nach stellen!

Niagara Falls

Ich fahre seit einer Woche hier in Amerika rum und denke die ganze Zeit, hier stimmt was nicht. Mein Körper ist da, aber der Rest noch nicht. Irgendwie alles unwirklich. Ich habe doch 30 Jahre davon geträumt, da müsste doch mehr Freude als normales Urlaufsfeeling sein. Jep! Tut es auch. Und zwar genau jetzt, wo ich vor den Niagarafällen stehe. Ich fange an zu heulen, fange an zu begreifen, dass mich die Gischt nass macht, es riechen kann, das donnernde Wasser hören und sehen kann. Was war ich neidisch auf meinen angeheirateten Neffen, der vor 2 Jahren dort war und nun stehe ich selber da. Um mich herum noch wenig Leute, die das zum Glück nicht mitkriegen, weil sie selbst derart beeindruckt sind. Abgesehen von den Fällen selbst, so bin ich mindestens genauso beeindruckt von den Wassermassen, Stromschnellen und dem breiten Fluss selbst. Wahnsinn! So viel Wasser, das in einer Höllengeschwindigkeit durchrauscht! Man kann mit Schiffen, die vollgepfercht mit roten oder blauen Leuten sind (weil sie rote = kanadische oder blaue = amerikanische Plastikumhänge tragen) direkt vor die Fälle fahren und sie dort ca 2 min. lang bestaunen, bevor das nächste Schiffe bereits ankommt. Oder auch mit dem Helikopter die Fälle umrunden. Für beides fehlt mir der Nerv. Ich bin ohnehin schon beeindruckt genug (ja, ihr habt recht: vor der Schiffschaukel kneife ich und der Heli ist mir zu teuer. 😉 …)

Wir sind ohne Gepäck mit nur einem Mopped/ und ich HINTEN DRAUF!!! (HUAH!!!) in aller Frühe los, vor den Massen, vor den MIST-Schiffen (nicht falsch übersetzt, MIST ist der engl. Ausdruck für Dunst/Gischt). Ich stehe zuerst auf amerikanischer Seite und empfinde die Fälle als deutlich kleiner als ich sie mir vorgestellt habe. Dass sie nicht so hoch sind, wusste ich vorher, aber dennoch hätte ich sie gigantischer mir vorgestellt. die kanadische Sicht auf die Fälle soll schöner sein. Ist sie auch, wie wir nach langem Braten in praller Sonne erfahren dürfen, weil die Grenzbeamtin uns nach 5 min. Glauben schenkt, dass wir auf Tour nach Alaska sind, obwohl wir keinerlei Gepäck bei haben, welches wir doch noch auf dem Campingplatz haben und gleich noch zusammen mit dem 2. Mopped holen wollen…. Jaja, ihr habt recht. Soviel Aufwand für einen einzigen Blick auf die Fälle. Aber wir sind in Europa echt verwöhnt mit den Grenzübertritten. Da fährt man mal eben ein kleines Toürchen über Belgien, Holland und Luxemburg zurück nach Hause….

 

Es wird schnell voll. Den Trubel um mich herum kann ich nur schlecht vertragen, so sind wir froh über die ruhige Stunde, die wir gehabt haben und vergessen die 10 dollar Parkgebühren (dafür waren die Fälle ja eintrittsfrei) und fahren zurück zum Zelt um abzubauen. (Die Moskitos sind so aggressiv, dass ich nur in voller Montur bei 30 °C abbaue. Ätzend! Selbst duschen hilft nicht. Die Viecher wissen nach max. 60 sec. dass ich wieder da bin!

Nachtrag:

Herzlichen Dank an Carol, Cathy, Dominik und Ken. Ich wollte hierher, um die Menschen hier kennen zu lernen, ihre Ideen und Sichtweisen … Nun weiß ich, dass trotz Obamas Bemühungen die Krankenversicherung pro Monat etwa doppelt so teuer ist wie bei uns. Das hätte ich nicht gedacht. 1100 Dollar pro Monat wollen auch erst mal erarbeitet sein. Dank Carols unendlicher Gastfreundschaft mussten wir das Ausprobieren unseres nagelneuen Campingkochers auf später verschieben. Sie verwöhnte uns mit allerlei Grillherrlichkeiten. Ihr RV (recreational vehicle) ist irre beeindruckend gewesen. Think big! Der Campinganhänger meiner Eltern passt dort 3 mal rein – mit allem pi pa po. Sogar mit Garage für die 2 Harleys. Und welchen Führerschein braucht man? Nur den normalen Autoführerschein. Irre, oder? Bei uns bräuchte man mindestens den LKW-führerschein, wenn nicht sogar für Sondertransporte! Manche von diesen Dingern fahren nicht selbst, sondern werden von Autos gezogen. Die haben dann 350 PS – wie kriegen die bloß diese Kraft auf die Straße, ohne dass die Reifen durchdrehen. Wie ihr seht, ich habe davon überhaupt keine Ahnung und kann nur staunen.

Eine kleine Landschaftsbeschreibung gefällig?

In den USA gibt es sie tatsächlich zu hauf: winzige Holzhäusschen auf irregroßem Grundstück, mit stets frisch gemähtem Rasen! Selbst der Straßenrand ist stets frisch gemäht, auch wenn man denkt, der ist doch gerade erst gemäht worden, wird er bereits wieder gemäht. Blumen habe ich nahezu keine gesehen, am Straßenrand dagegen viele orangefarbene Taglilien. In Kanada dagegen fallen einem sofort die liebevollen Blumentöpfe z. B. am Briefkasten, der am Straßenrand steht, auf. Die Straßen sind tatsächlich quadratisch angeordnet. 

Auch wenn ich das alles schon mal gehört hatte, so ist es etwas ganz anderes, das selbst zu erleben. Ich kann jedem nur empfehlen sich selbst auf den Weg zu machen. Es ist wundervoll!

Bitte nicht ungeduldig werden, Bilder kommen. Markus arbeitet dran, dass wir die Bilder hochladen können.

Herzliche Grüße an die Heimat

eure B. 

 

Stress lass nach – 4. Juli

Bekannt wie ein bunter Hund – wir fallen überall auf. An jeder Ampel sprechen uns Autofahrer an, an der Tanke, Fußgänger, Bauarbeiter (wir dachten schon, sie wollen uns von dem „Parkplatz“ vertreiben), ja selbst die Sightseeingtouristen hören dem Geplapper des Führers nicht mehr zu. Wir erleben New York im Schnelldurchlauf. Eigentlich könnte dass Leben so schön sein, aber das hatten wir übersehen: Nationalfeiertag mit Wochenende. Da ist wirklich jeder in Urlaub. Wir suchen wie blöde nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Nichts! Wir denken schon an Kirchenwiesen – die können einen ja schlecht das nächtliche Asyl verwehren – an den Vorgarten von irgendwem, den man klingelnder Weise auf Erlaubnis bittet oder an eine Farm. Alles in Anbetracht des Feiertages nicht wirklich erstrebenswert. Man möchte den „Gastgebern“ ja nicht auf den Keks gehen. Da, am Straßenrand, ein Schild. In 4 Meilen ein Campingplatz. Hoffentlich haben die noch Platz für uns. Kaum angehalten stehen wir – wie übrigens immer – mitten in einer Traube von staunenden Menschen und werden sofort angesprochen. Selber Harleyfahrer und … „Was??? Aus Deutschland? Meine Frau hat dort vor Ewigkeiten gewohnt.“ Schwups – hatten wir die erste Einladung zum abendlichen Rotwein, woraus noch nachfolgend eine zum Brunch erfolgte. So schnell hatte ich gekocht 😉

 

Es geht los! NY

Herrlich, nach all dem Stress und Chaos der letzten Tage läuft mal was rund: Ohne Stau durch den Berufsverkehr zum Flughafen Düsseldorf, ohne Schwierigkeiten durch die Kontrollen, pünktlicher Abflug und Ankunft um 11.45 Uhr Ortszeit und nach viel Lauferei von einem Ende des Flughafens zum anderen und wieder zurück (in Shuttlebussen für umsonst!!! ) haben wir jetzt die Freigabe für unsere Moppeds. Der Zollbeamte hatte entweder keine Ahnung, was er mit den ganzen Papieren machen sollte, oder er war nur genervt und sehnte sich nach Feierabend. Jedenfalls interessierte ihn nicht wirklich unser Stapel Papiere. Wir können die Mädels abholen! Yeah! zurück an der Cargohalle: Der Zollbeamte hat die Kohle nich einkassiert. Die Dame verdreht die Augen! In Anbetracht der 30 °C und der 2 Busse hin und 2 Busse wieder zurück, erklärt sie uns, dass sie Verständnis für uns hat und nimmt das Geld bar an! Ehe wir die abenteuerlich verzurrten Mädels von der Palette schneiden (!!!) – ihr habt richtig gelesen, und das aus dem Regelland Deutschland – ist es 18.00 Uhr Ortszeit, ehe wir aus NY raus sind und ein Plätzchen für unsere müden Häupter gefunden und das Zelt aufgebaut haben ist es doch schon 23.00 Uhr – nach Heimatzeit also 5.00 Uhr morgens. Wir sind 24 Std. auf den Beinen und das merke ich auch! 

Am nächsten Morgen heißen uns die Vögel herzlich willkommen. Es ist schon 11.00 zu Hause, kein Wunder, wenn wir wach sind. Hier sind es erst 5 Uhr und der Campingplatz noch himmlisch friedlich. Alle Duschen für uns – ich erwische die, die nur kaltes Wasser rausrückt. Egal! Dafür erzählt M. hinterher, dass ich das „Haustier“ des Platzes verpasst hätte: Ein Schwarzbär, der zwischen den Campern von einem Stuhl zum nächsten tapert und alles untersucht. Mist! Das wäre was, die erste Nacht und schon einen Bären! Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Dafür hab ich dann Streifenhörnchen gesehen, die keine 2 Meter entfernt im Gelände herumalberten. So klein wie Mäuse mit langem Schwanz. Und ich dachte, die sind so groß wie Eichhörnchen… Anscheinend wie bei den Hunden eine Rassenfrage!

Mein erster Eindruck: NY kommt mir vor wie Köln – das altbekannte Verkehrschaos, Trubel, stickige Luft und dieselben Hochhäuser. Auf den zweiten Blick am nächsten Tag muss ich mich revidieren, die Häuser sind doch mächtig hoch!!! Außerdem ist die Stadt mächtig groß. Es dauert ewig, aus NY raus zu fahren. Auch wenn kaum einer lächelt, sind alle Leute sehr hilfsbereit, wiederholen geduldig, wenn ich nichts verstanden habe. Hier arbeiten viele Leute, die in D-land längst eingespart worden wären: Einweiser für die richtige Schlange, Aufpasser an Türen, Aldikassierer legen einem die Ware persönlich in den Korb und geben mir keine Chance, selbst Hand anzulegen…

Herzliche Grüße an alle Daheimgebliebenen! B.