Merida – BMW

Do 3.12.15

Edit vom 29.12.15: Ist euer Mopped kaputt? Fahrt bloß nicht nach BMW-Merida (Mexiko) !!! (S.a. Beitrag „Federung 3. vom 28.12.15)

Mit Hängen und Würgen erreichen wir BMW Merida. Wir suchen über eine Stunde lang bei über 30 Grad die neue Adresse, die NCHT im Internet oder bei Google zu finden ist. Zum Glück gibt es noch Leute, die mit Handys und Kartenausschnitten uns zeigen können, wo die sich verstecken. Was ist daran so schwierig, eine Adresse zu ändern? Das kann ja selbst ich!

M. pflegt seine Erkältung ausgiebigst und ich ihm zur Gesellschaft die Flitzpiepe. Mein fußlahmes Mädel hat es noch bis zur Werkstatt geschafft, in der ein Jungspunt im Ein-Mann-Betrieb sein bestes gibt. Ich erkläre ihm (auf spanisch!!!) mein Problem, zeige ihm das Bild von Touratech und spreche deren Vermutung aus. Er verspricht, bis heute um 5 oder 6 mehr zu wissen, aber ich traue dem Braten nicht und schaue ihm freundlich auf die Finger. Er baut die Gabel aus, vermutet das verbrauchte Öl als Ursache. Ich glaube das nicht, er baut Innenteile weiter aus und bestätigt: die Farbe des Öls ist nicht korrekt, sonst ist alles heil. Ich beharre, dass dies nicht der Fehler sein kann, nicht von heute auf morgen solch ein Federwegsverlust von 4 cm. Das Öl sei ja schon alt. Nein, erst 1 Jahr und 2 Monate exakt!. Aber es hätte ja schon 40TKM auf dem Buckel. Jep, aber M’s auch. Dieselben Straßen, dieselben Anforderungen. Er hat kein Problem, ich aber schon! Und so gravierend! Er baut also noch den unteren Teil aus und siehe da: Wie von Touratech vermutet – die BMW-Halterung gebrochen. PLASTIK!!!!

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Read Eagle fliegt zur Zeit nicht.

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So sieht das Innenleben einer BMW Vorderradgabel aus.

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Dieser blöde Teller ist gebrochen.

Nun müssen wir mit BMW beratschlagen, was wir machen können, denn die Teile sind natürlich nicht hier. Wie gut, dass wir den Kontakt in Lerma personalisiert haben letzte Woche. Das hilft ungemein!

Wir hätten lieber dort unser Mädel stehen, aber das wären noch mal 600 km mehr und 2 weitere Tage Verlust. Das Wochenende droht wieder mal…

Wir haben das Hotel zwei Häuser weiter genommen, etwas teurer zwar, aber nahe zur Werkstatt.

Im historischen Zentrum von Mérida

Wenn’s was neues gibt, melden wir uns.

Bis dahin

VGB

Yucatan-Halbinsel: Campeche

Mi. 2.12.15

Wir halten früh morgens Kriegsrat, was wir machen sollen oder können. Wir telefonieren via Skype mit Touratech, BMW-Lerma, Alex von Alyxmoto und appen mit diversen anderen helfenden Ratgebern, die wir auf der Reise kennen gelernt haben. Hier in Villahermosa gibt es keinen BMW- sondern nur einen KTM Händler. Der ist wohl auch kompetent, aber unsere Mädels laufen noch auf Garantie. Selber zahlen oder 1700 km zurück nach Lerma/Mexiko Stadt, wobei wir allein dafür 1 Woche Zeit verlören, aber die besten Chancen auf Ersatzteile hätten? Aber es widerstrebt uns beiden ungemein, in die entgegengesetzte Richtung zu fahren, vor allem zurück, und dann noch dahin, wo es nicht wirklich schön ist! Endlich entscheiden wir uns, 560 km nach Merida zu fahren, weil es dort wenigstens viel Kultur zu sehen gibt (seit 1999 ist Campeches Altstadt Weltkulturerbe) – auch wenn ich Yucatan eigentlich auslassen wollte, um Zeit zu sparen. Anscheinend gibt es keine Zufälle, es sollte so sein. Ich brauchte wohl noch einen weiteren Grund, um Yucatan zu besuchen: Bitte sehr, da ist er!

Also los, auf die „Cuota“ und so viele km wie möglich abreißen! Aber M. geht es zunehmend schlechter. Er hat sich wohl eine Erkältung eingefangen und braucht dauernd Pausen. Er eiert dermaßen, dass ich gar keine Kommunikation brauche, um das mitzubekommen. Er fährt vorne, um mir mehr Vorwarnzeit für die Topes zu geben (und damit meine Gabel zu „schonen“ – soweit das überhaupt noch geht) aber eigentlich müsste ich vorne fahren, um ihn zu entlasten. Grrrr!

Wir fahren wunder- wunderschön und stundenlang direkt am Golf von Campeche entlang, am weißen Muschelsandstrand mit palmengedeckten Hütten mit stetem Blick aufs türkisfarbene ruhige Meer. Manche verwaisten Häuser und Restaurationen zeugen von Verwüstungen, die möglicherweise von Tsunamis oder Stürmen herrühren. Bei Zinsen von 30- 40 % pro Jahr wird so etwas nicht wieder aufgebaut, sondern aufgegeben, wenns zerstört ist – auch wenn die Lage unglaublich schön ist.

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Ganz schön frech der Kleine

Es kommen uns seit gestern immer wieder Radler entgegen oder wir überholen welche, die eine Heiligenfigur auf dem Rücken mitschleppen, Fahnen am Fahrrad haben oder einheitliche T-shirts tragen. Es kommt uns so vor, als ob diese Straße so etwas wie der Camino de Santiago de Compostella ist – ein Pilgerweg. Vielleicht kriegen wir die Hintergründe noch raus…

Als die Sonne wieder untergeht, suchen wir ein Hotel mitten in Campeche. Feudal hat es einen kleinen Schaupool und soll 1400 Pesos kosten. Das zweite „nur“ 1300 und zwei weitere 1100. Ich hab keine Lust mehr, will aber auch nicht außerhalb übernachten, weil uns der Tipp von Mike in Oaxaca so gut gefallen hat. Das Hotel ist etwas teurer mitten in der Stadt, aber man kann abends noch mal raust, ohne Sorge um die Moppeds. Das macht man nicht, wenn man irgendwo außerhalb ist. Da verpasst man viel, nur um ein paar „Kujampels“ zu sparen. Einen letzten Versuch starten wir noch und der ist es: Sauber, mit geschlossenem uneinsichtigem Hof, und nur 450 Pesos, denn der Besitzer lässt uns 100 Pesos nach, obwohl ich nicht mal danach gefragt habe. Ich wollte nur den Hof sehen, ob die Moppeds da rein passen und der Weg dahin stufig ist. Aber alles ok.

Schnell geduscht machen wir uns auf zur Stadt. Ich will unbedingt zu dem schönen Platz, wo das erste Hotel war. Kaum losgelaufen, stehen wir auch schon genau dort. Unser Hotel liegt 50 m neben dem ersten. Bei dem Kurven durch die kleinen Ecken haben wir völlig die Orientierung verloren und sind überrascht, wie mittendrin und preiswert wir untergekommen sind.

Campeche bei Nacht

Hat zwar 3 Räder, aber die Federung ist noch in Ordnung.

Die Kathedrale von Campeche (Gründungsjahr 1540) ist um 7 Uhr abends noch auf und wir möchten das schwarze Marmor auf dem Fußboden bestaunen. Aber wir wollen Leute in den vollbesetzten Bänken nicht stören. So schauen wir von draußen nur herein. Erstaunlich, es ist mitten in der Woche und die Kirche ist rappel voll bis zur Tür hinaus. Das würde sich so manch ein Pastor in D-land auch wünschen – wenigstens einmal am Sonntag…

Frühmorgens in Campeche

El Malecón, die Uferpromenade von Campeche

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Frischer Fisch in Campeche

VGB

Abenteuer Richtung Palenque

Di 1.12.15
Heute sind wir früh gestartet um dem Baum von Tule, in der Nähe von Oaxaca einen Besuch abzustatten. Dort steht mit einem Alter von ca. 2000 Jahren der dickste Baum der Welt. Dieser ist zwar nicht so hoch wie die Sequoias in den USA, aber trotzdem beeindruckend.
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Der Baum von Tule ist eine Mexikanische Sumpfzypresse und der dickste Baum der Welt.

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Der Baum von Tule und sein kleiner Nachbar

Wir sind mittlerweile kurz vor Palenque. M. wünschte sich tden kleinen Umweg über die 179. Ich hätte lieber den kürzeren Weg über die parallel dazu verlaufende 175 genommen. Aber M. wollte lieber mehr Kurven. Tja, hätte die Reiseleitung mal besser auf die Wünsche der Anwesenden gehört. Die gelbe Landstraße, zunächst wunderschön durch herrliche Berge und Wälder, guter, glatter Teer, tolle Kurven und wenig Verkehr, splittete sich in verschiedene Arme auf – alle mit derselben Nummer 179 – und ehe wir die Sackgasse merkten, mussten wir dann eine Std. wieder zurück.
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Erklärungsversuch, was ist ein GPS?

In der Abzweigung legte ich mich dann hin, weil ich wegen der Suche nach einem Schild den dicken Schotterstreifen in der Mitte übersah. Es fühlte sich an, als ob das Hinterrad einen Kreisel dreht. Auf der Straße sah man den 1m lang gezogenen Streifen. Auch das noch! Mir ist nichts passiert. Der Handballen brannte zwar, ich habe aber keinerlei Abschürfungen. Auch der Handschuh hat kein Loch (gutes Leder, trotz dünnem Sommerhandschuh). Nur die Sturzbügeltasche hat ein Loch und der rechte Koffer nun keine Kunststoffecke mehr. Ich hatte übersehen, dass der rechte Spiegel lose war. Um den festzuziehen suchten wir einen sicheren Standplatz, weshalb ich ausnahmsweise vorne fuhr. Den gabt aber nicht. Der Teer wurde dann immer schlechter, bis der nach einer Brücke ganz aufhörte. Es hätte mich stutzig machen sollen, dass darauf ein Auto voll eingestaubt stand. Na gut, die Schotterstrecke mit groben Steinen werde ich schon schaffen, also auf die Füße und los.
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Wo ist nur die Straße geblieben.

Der Weg wurde immer enger und schwieriger und schwieriger.
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Auch das GPS ist keine Hilfe mehr…

Zuletzt fuhren wir meist im 1., selten im 2. Gang und kämpften uns entweder durch Matschsektionen oder steile Stufen rauf oder runter oder gar beides, gepaart mit tiefen Auswaschungen. Höchstschwierigkeitsgrad. Zweimal gelang es mit nur mit größter Kraftanstrengung, die Fuhre aufrecht zu halten. Fast hätte sie im Matsch gelegen. Na, das wäre eine schöne Sauerei gewesen, die dort wieder aufzuheben. Nach 3 Std. bei über 30 Grad (vermutlich waren wir im gemäßigten Regenwald, so feucht wie das war, und hatten wohl noch Glück, dass es zudem nicht geregnet hat…) waren wir immer noch nicht raus aus dem Wald.
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Jetzt stecken wir richtig in der Sch…., ääh Matsche. Und das mit den falschen Reifen😡.

Schweißgebadet schafften wir zuletzt gerade mal 4 – 6 km in einer Std. Schon halb 6 und der nächste Ort noch 50 km entfernt und die Sonne ging in einer halben Std. unter. Also Zelt neben die Straße, die Reste zusammengeklaubt und ab in die Falle. Wir waren so fertig, so alle, dass zum Kochen Lust und Hunger fehlten.
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Unser Nachtlager in the middle of nowere

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Frühmorgens im Regenwald und die Straße wird nicht besser

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Zahlreiche Wasserfälle kreuzen unseren Weg

Heute Morgen kämpften wir also mit frischen Kräften weiter. Es war teilweise so schwierig und die Bodenwellen so knackig, dass sogar unsere Federungen vorne durchschlugen, obwohl wir nur langsam im 1. Gang fuhren. Meine Federung hat seitdem ein Problem, weil der Federweg nun ca. 3-4 cm geringer ist. Mal hören, was touratech dazu sagt. Irgendwann wurde der Weg wieder besser und wir erreichten den nächsten „größeren“ Ort. Dort kauften wir etwas Saft in der Flasche und 4 Bananen. Natürlich lief wieder einmal das Dorf interessiert zusammen.  Das Mädchen schaute mit leuchtenden Augen zu mir, traute sich aber kaum, mich richtig anzusehen, so sehr genierte es sich. Es nahm allen Mut zusammen und fragte, was in den Koffern ist, aber drauf sitzen war dann doch zuviel der Courage. Die Mutter hatte mehr und fragte unermüdlich. Sie erzählte uns, dass vor Jahren bereits mal ein Italiener hier vorbei gekommen wäre, der auch nach Argentinien wollte.
Irgendwann fing auch der Teer wieder an. Ich hatte schon nicht mehr daran geglaubt.
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Mexikanische Müllverbrennungsanlage

Dann haben wir uns aber auf die Bahn gesetzt um etwas Strecke zu machen und nun sitzen wir in Villahermosa in einem Stundenhotel am Straßenrand, dafür sauber mit allem Luxus und Garage. Nur das Internet funzt nicht. Leider!
Bis demnächst wieder
VGB