Stress lass nach – 4. Juli

Bekannt wie ein bunter Hund – wir fallen überall auf. An jeder Ampel sprechen uns Autofahrer an, an der Tanke, Fußgänger, Bauarbeiter (wir dachten schon, sie wollen uns von dem „Parkplatz“ vertreiben), ja selbst die Sightseeingtouristen hören dem Geplapper des Führers nicht mehr zu. Wir erleben New York im Schnelldurchlauf. Eigentlich könnte dass Leben so schön sein, aber das hatten wir übersehen: Nationalfeiertag mit Wochenende. Da ist wirklich jeder in Urlaub. Wir suchen wie blöde nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Nichts! Wir denken schon an Kirchenwiesen – die können einen ja schlecht das nächtliche Asyl verwehren – an den Vorgarten von irgendwem, den man klingelnder Weise auf Erlaubnis bittet oder an eine Farm. Alles in Anbetracht des Feiertages nicht wirklich erstrebenswert. Man möchte den „Gastgebern“ ja nicht auf den Keks gehen. Da, am Straßenrand, ein Schild. In 4 Meilen ein Campingplatz. Hoffentlich haben die noch Platz für uns. Kaum angehalten stehen wir – wie übrigens immer – mitten in einer Traube von staunenden Menschen und werden sofort angesprochen. Selber Harleyfahrer und … „Was??? Aus Deutschland? Meine Frau hat dort vor Ewigkeiten gewohnt.“ Schwups – hatten wir die erste Einladung zum abendlichen Rotwein, woraus noch nachfolgend eine zum Brunch erfolgte. So schnell hatte ich gekocht 😉

 

Start mit Hindernissen

Das fängt ja gut an: Die Mädels sind glücklich auf den Weg gebracht, und wir kommen nicht richtig hinterher: Eine Panne nach der anderen. Unser Privattaxi können wir nicht bestellen, weil wegen liegengelassenem Handy (Garage) die Telefonnummer fehlt. Der Plan B (Zug) mit 3 mal Umsteigen verzögert sich endlos, weil 2 Züge buchstäblich vor der Nase wegfahren, was zu weiteren Terminproblemen  führt. Also schnell ein Taxi für den Rest des Weges genommen (natürlich für reichlich money). 

Heute „nur“ noch schnell die Wohnung fertig machen und zum Vorabendcheckin zum Flughafen. Auch dafür brauchten wir 2 Anläufe, weil die Áutopapiere nicht vollständig waren. Wir sind wohl schon im Ferienmodus. Gut, dass meine Planungen immer soviel Puffer beinhalten. Wir schaffen es – mit Stress – so gerade eben.

Aber lieber JETZT geht einiges schief und dafür auf der Reise nicht.

Als Belohnung für all den Stress bisher durften wir an den langen Warteschlangen vorbei bis ganz nach vorne gehen. Die Leute haben vielleicht geschaut, ich glaube, sie hätten uns am liebsten gewürgt! An allen 6 Schaltern riesiger Andrang, nur an dem für die USA nicht. Auch war alles mit Flug, Reservierung und Papieren, Pässen, Koffer in Ordnung, so dass wir nach 5 min. schon wieder gehen konnten. Stress lass nach, es klappt doch!

Für alle, die wissen wollen, ob man ein Rückflugticket braucht oder nicht:

Ja, man braucht eins, wenn man mit und über ESTA einreist. Und

Nein, man braucht keins, wenn der Veranstalter bestätigt, dass man auf anderem Wege ausreist (z.B per Schiff o.ä.) . Und 

Nein, man braucht keins, wenn man ein echtes Visum hat und das nicht mit der Esta-bescheinigung verwechselt. 

(Leider wissen dies nicht alle am Schalter, so dass es wieder Diskussionen und Herzklabasta gab. Aber zum Glück wusste der „TM“ und auch der vom Abendcheck-in bescheid. Glück gehabt. Jetzt nur noch morgen früh den Flug erreichen (Dem Flughafen fehlen über 100 Sicherheitsleute, so dass schon viele Fluggäste ihren Flug verpasst haben wegen langer Wartezeiten an der Sicherheitsschleuse)! Also Aufstehen um 6.15 Uhr – und das im Urlaub !!!

Reifenwahl

Wir haben unseren Mädels noch kurz vor Abreise neue Schuhe aufgezogen, weil wir nicht mit halb abgefahrenen Reifen losfahren wollten. Unsere ganzen Überlegungen diesbezüglich erwiesen sich als überflüssig, weil es die gewünschten Reifen noch nicht in „tubeless“ für unsere neuen Felgen gibt. So bleibt uns nur der Heidenau Scout K 60 als der Geländetauglichste unter den Straßenreifen übrig. Ich hätte lieber den Mitas E7 wegen seiner besseren offroad-Eigenschaften genommen, auch wenn seine Laufleistung nicht an die des Scouts heranreicht. Aber es gibt ihn noch nicht. Schade!

Letzte Vorbereitungen – oh Schreck

In gut einer Woche geht’s los. Kaum zu glauben. In den letzten Wochen habe ich oft darunter gelitten, dass ich meine Kinder zurück lassen muss – sowohl die eigenen, als auch die (beruflich) „zur Verfügung gestellten“. Dass es mir so schwer fallen würde zu gehen, hatte ich nicht bedacht. Wir sind so fertig, so groggy: Beruf, Vorbereitungen, Impfmarathon, Spanisch, all die Termine… Wir können beide nicht mehr. Ich habe bereits meine angeblich „notwendigen“ Aktivitäten eingestellt. Wenn ich noch was brauche, dann besorge ich das drüben. Nur meine bessere Hälfte gibt nicht auf, meint noch wichtiges zu erledigen und anzubauen. Ich dagegen will nur noch los, nix mehr überlegen, nix mehr entscheiden, nur noch die letzten Arbeitstage hinter mich bringen und gut is!

Da passiert es! Ich wollte nur Schuhe anziehen und bleibe in der Wohnung am Stuhl hängen – mit den Zehen eingefädelt. Autsch! Sehr stark autsch! Ich will die Kinder nicht im Stich lassen, humple dahin, hüpfe auf dem Fuß so gut es geht drauf rum, einer tritt im Gewühl noch drauf – ich jaule auf… Nach all meinen Terminen entscheide ich mich, doch im Krankenhaus nachschauen zu lassen, weil die Schmerzen nicht nachlassen, in der Hoffnung, dass der Zeh „nur“ geprellt ist. Mitten in der Nacht die Diagnose: Bei meinem Glück natürlich mehrfach gebrochen. Auch noch links! Und das 10 Tage vor Abflug! Der junge Arzt will eine Gipsschiene machen, aber die Mitarbeiterin sieht meine flehenden Augen und überredet ihn zu einem Zug-Tape. Damit komme ich in den Stiefel. Tut natürlich weh. Schalten geht mit Mühe, aber das Aufrichten der vollbepackten hohen Maschine sicher nicht! Na, egal, dann muss mein Schatz mir eben beim Aufrichten helfen. Wie peinlich ist das denn ?!  Die Dame ist wohl zu altersschwach und braucht Hilfe beim Aufsteigen! Aber damit kann ich leben. Hauptsache, ich kann fahren!!!!!!!

Fazit: Lieber vorher allen Mist erledigen und auf der Reise Ruhe damit haben. In diesem Sinne habe ich dann ja beste Voraussetzungen für eine schöne Reise geschaffen!

Die Route ist geplant

Die grobe Route ist geplant. Los geht es am 01.07.15.

Startpunkt ist New York und als Endpunkt haben wir uns nach bisheriger Planung die Stadt des Tangos, Buenos Aires ausgesucht.

Zwischen diesen beiden Punkten liegen

– 16 Länder

– 7 Hauptklimazonen

– 154 Breitengrade ab New York

– Pruedhoe Bay (nördlichster Punkt)

– Ushuaia (südlichster Punkt)

– nördlicher Polarkreis

– Wendekreis des Krebses

– Äquator

– Wendekreis des Steinbocks

– ca. 55.000 km

Aber wie wir uns kennen, kommen spontane Routenänderungen und Umwege hinzu.

PanAm geplante Route

Die perfekte Reisebegleitung, oder eine tierische Geschichte…

Bei unseren Touren sind wir seit einiger Zeit nicht mehr alleine unterwegs. Die Soziaplätze auf unseren Motorrädern sind belegt: Emma und Gustav heißen unsere Reisebegleiter. 2010 in unserem Schwedenurlaub haben wir die beiden kennen gelernt. Sofort sprang der Funke über. Diese faszinierenden Augen, wenn auch hinter dicken Brillengläsern verborgen, das abenteuerliche Outfit der beiden, auch wenn es etwas altbacken wirkt. Wir wussten sofort, diese beiden sind unsere perfekten Reisebegleiter.
Gustav, mutig nach vorne blickend, die Nase immer im Fahrtwind. Emma, die etwas schüchterne Dame, schaut lieber in der Gegend rum.
Im Gewühl des Souverniershops von Haverud hätten wir die beiden fast übersehen. Auch im dünn besiedelten Schweden kann es in den Sommerferien voll werden. Verwundert waren wir schon, in Schweden, einem Mitgliedstaat der EU, solch einen Zustand der Massentierhaltung vorzufinden: In einem kleinen Gehege (Weidenkorb) standen/lagen die beiden eng zusammen gepfercht mit ihren Artgenossen. Moses hatte bei seiner Reise auf dem Nil wenigstens einen Einzelkorb gebucht. Wir mussten die beiden retten!!!
Diese mutige Entscheidung, den beiden Elchen mit asiatischen Wurzeln die Freiheit zurück zu geben, haben wir nie bereut. Welch schweres Los hätte sie sonst erwartet? In einem Regal zu verstauben, von Kinderhänden zerrissen, von Babyzähnen zermalmt zu werden?
Seit drei Jahren lassen wir die beiden im Regen stehen, verpassen ihnen Staub- und Schlammpackungen. Einziger Lohn sind Insekten (die müssen sich die beiden während der Fahrt auch noch selber fangen) und eine dunkle, unbeleuchtete Garage während unserer viel zu langen Reisepausen.
Trotz alledem sind die beiden immer gut gelaunt, zu allen Verrücktheiten bereit. Unsere Stimmungsschwankungen stumm ertragend geben sie niemals Wiederworte und sind immer mit der Reiseplanung des Tourguides einverstanden (im Gegensatz zu manch anderer Reisebegleitung).

Gustav im Kurevenriasch

Gustav im Kurvenrausch (Gustav)

Im Regen stehen gelassen ... (Emma)

Im Regen stehen gelassen … (Emma)

Wie gesagt: die beste Reisebegleitung, die man/frau sich wünschen kann.

Spielplätze für Große…

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub: Es geht wieder zum „Spielen“. YEAH!!!

Wir haben immer noch kein eigenes „Spielzeug“, weil wir nicht wissen, welches. Aber der Trend geht eindeutig zum Zweitmotorrad 😉

Wir haben soviel Spaß im Gelände, dass wir jede Gelegenheit ausnutzen. So geschehen am zweiten Septemberwochenende auf der „Wuppenduro“. Ein herrliches Event. Wir sind mit unseren Dickschiffen im Steinbruch (mit herzlichem Dank an die Besitzer!!! Und natürlich an die Organisation und alle Helfer!) durch dicksten Matsch gefahren und haben unsere Mädels so richtig eingesaut, in der Wasserdurchfahrt (s. Bild) wieder gesäubert, um sie beim Hinauf/Hinausfahren wieder vollständig einzumatschen. Welch ein Spaß!!! Immer wieder gerne!

Natürlich haben mir/uns zu Beginn die Nerven wieder einen hübschen Streich gespielt. Immerhin wollten wir ja mit und AUF unseren Mädels am nächsten Tag auch wieder nach Hause fahren und die Gefahr, sich und sein Mädel ungewollt und unsanft abzulegen ist leider nicht von der Hand zu weisen. Das weiß auch die dumme „Kartoffel“ obendrauf, obwohl wir ihr doch schon soooooooo-oft das Gegenteil bewiesen haben. Eigentlich haben wir solche Strecken schon so manches mal erfolgreich bewältigt. Eigentlich wissen wir, dass es am besten und einfachsten stehend und rollend mit MOTORbremse abwärts geht. Eigentlich! Immer wieder sage ich mir, „auf die Füße“ und „lass doch dein Mädel machen“. Aber immer wieder funktioniert das Lan von Gehirn zu Füßen und Händen nur fehlerhaft. Immer wieder kommt dort nur „FÜßE RUNTER“, „KUPPLUNG“ und „VORDERRADBREMSE“ an. Das erschwert natürlich das Bremsen mit der Hinterradbremse ungemein, fördert durch das blockierende Vorderrad die Schäglage und vergrößert damit die Bodennähe schlagartig.

Aber ich gebe mich mit solchen Erfahrungen nicht zufrieden, weiß ich doch, dass dies Üben in die falsche Richtung ist. Also übe ich noch einmal die richtige Richtung unter heftigem Gejohle meinerseits und erhobenem Daumen der Streckenposten. (Auch ihnen ein herzliches Dankeschön)

Sind erst einmal die Nerven überwunden, läuft der Rest von selbst und der Spaßfaktor steigt ins Unermessliche.

Wie schön, dass wir schon in zwei Wochen mit Leihmöppis in den Pyrenäen „spielen“ dürfen.

Es geht wieder los

Die nächste kleinere Tour steht an: Es geht über die Osterfeiertage in den Odenwald. Das Wetter soll nach bereits frühlingshaften Temperaturen bis 18 °C wieder winterlich kalt sein (einstellig). Aber das schockt uns seit der neuesten Errungenschaft der Motorradmesse nicht mehr: Wir haben uns Heizjacken zugelegt. Sie sind auch schon „montiert“, will heißen: Die Steckdose blockiert wegen zu hohen Stromverbrauchs, wir mussten die Jacken direkt an die Batterie anschließen.
Es geht zum Ostertreffen aus dem F-forum. Als ehemalige F-650-Fahrer „dürfen“ wir auch mit unseren 800-ern teilnehmen und sehen viele bekannte Gesichter wieder. Das wird bestimmt wieder lustig :).