Armes Bolivien, die 2.

Fr. 19.2.16

Wir sind eine herrliche Straße zwischen Potosi und Sucre, der Hauptstadt Boliviens, gefahren. Es kurvt so schön (in Anlehnung an einen Ausdruck eines meiner Söhne, als er noch kleiner war).  Wunderbare Ausblicke in Täler, runter auf 2300 Höhenmeter, dann wieder rauf auf 2800 m. Nahezu keinerlei Verkehr – die 5 LKW sind schnell überholt – eine gute Straße und Sonne! Herz was willst du mehr! Schnell sind wir in Sucre, es sind ja nur 150 km, also 2 Std. Fahrt.

Immer wieder laufen wir plötzlich und unerwartet hinter einer Kurve auf eine „Peaje“ auf, einer Bezahlstation, ohne vorherige Ankündigung. Aber man muss ja ohnehin immer mit allem rechnen, mit fehlenden Kanaldeckeln genauso, wie mit plötzlich auftauchenden Tieren oder Schäden oder Dreck auf der Straße oder eben mit plötzlicher Bezahlstation. Für Motorräder muss man zwar nicht zahlen, aber es gibt nicht so schöne Extraspuren wie in Peru, die oft sogar durch ein vorheriges Schild darauf hingewiesen haben. Hier wird man von den Wärtern durchgewunken – meistens! Nur einmal wollte der dazugehörige Polizist, dass wir zahlen. Aber unser Widerspruch hat schnell zu einer Meinungsänderung geführt und er ließ uns ohne Zahlung weiterfahren. So ganz genau wissen wir das eigentlich auch nicht. Vielleicht müssen eigentlich alle zahlen. Weil sich aber die einheimischen Moppedfahrer kein Auto leisten können und deshalb alles mit dem Mopped transportieren und machen, ist es vielleicht nur Usus, dass die „Armen“ durchgewunken werden. Und wir fallen evtl nur unter dieselbe Kategorie? Keine Ahnung, aber bisher hat man uns immer – bis auf diese eine Ausnahme – ohne Bezahlung fahren lassen.

In Sucre haben wir auch schnell ein Hostal gefunden, welches ohne Passkopie uns aufnimmt. Eigentlich wollen alle eine Kopie machen, aber von Datenschutz haben die noch nie was gehört. Dass man mit solch einer Kopie im Internet einkaufen kann und ich dann Mühe habe, zu beweisen, dass ich das nicht war, davon haben die Herrschaften (angeblich) noch nie was gehört. Ich zeige gerne den Pass, damit auch alles seine Richtigkeit hat und ich habe auch nichts zu verbergen. Aber der bolivianische Staat besitzt bereits meine Passkopie. Mehr bekommt er nicht. Bisher haben sich auch immer die Hotels darauf eingelassen. Nur diesmal nicht. Ich solle auf der Gemeinde nachfragen. Phhh! Kann er selber. Für 45 Euro kann ich das wohl erwarten. Aber er will nicht. Na, dann eben nicht, suchen wir uns was anderes.

Finden wir auch. Für etwa die Hälfte – ohne Passkopie! Bähhhh!

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Diese Nacht wird vor der Rezeption und in der Disco geparkt.

Wir machen die Stadt unsicher – denken wir aber auch nur! Die Stadt macht eher UNS unsicher! Wir kriegen nämlich kein alkoholisches Getränk. Nirgendwo. In keiner Bar, in keinem Restaurant, in keinem Supermarkt. Nicht dass wir uns betrinken wollten, aber ein Radler hätte ich schon ganz gerne. Oder einen Cocktail. Pisco sour z. B., das Nationalgetränk Perus und Chiles. In einem Café haben wir deutsches Weißbier entdeckt. Yeah! Das wär jetzt was! Aber Pustekuchen. Lange Nase, sonst nix! Seit heute Null Uhr gibt es keinen Alkohol zu kaufen bis Sonntag Null Uhr, weil am Sonntag Wahl des Präsidenten ist. Er ist schon 2 Amtsperioden an der Macht und will eine weitere durchsetzen, obwohl die Verfassung das eigentlich verbietet. Dieser Zwist spaltet das Land und es hat genau deswegen vorgestern in El Alto 6 Tote wegen Rauchvergiftung gegeben, weil Radikale das Bürgermeisteramt dort angezündet haben. Und der ältere Herr wollte uns genau über El Alto aus La Paz rausschicken… Gott sei Dank hatten wir dazu keine Lust.

Jedenfalls gibt es jetzt 3 Tage lang keinen Alkohol. Als ob die Einheimischen, die den trinken wollten, sich nicht gestern damit eingedeckt hätten. Wo ein Wille, da ein Weg. Die einzigen Gelackmeierten sind die Touris, die das nicht wussten oder zu spät erfahren haben, wenn der Sack schon zu ist.

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Durch die anstehende Präsidentenwahl darf für 3 1/2 Tage kein Alkohol verkauft oder ausgeschenkt werden, noch nicht einmal Bier 😢. Die spinnen, die Bolivianer.

Aber dies ist nicht das einzige Problem. Es gibt auch keine Disco oder andere Freizeitvergüngungen seit heute bis Sonntag und wo wir gerade dabei sind: Am Sonntag auch eine Ausgangssperre. Zumindest kommt diese Maßnahme dem Ausgangsverbot gleich: Kein motorisierter Verkehr, weil am Sonntag Wahl ist. D.h. wir dürfen am Sonntag nicht von Sucre bis Uyuni fahren. Wir fragen nach einer Ausnahmegenehmigung, aber die hätten wir bis Mittwoch schriftlich beantragen müssen. Wie denn, wenn wir das erst vor einer halben Std. erfahren haben? Aber die Leute zucken nur mit den Schultern. Wieder einmal fühle ich mich als Goldesel behandelt. Nun kann ich verstehen, warum die Leute wütend sind. Die Regierung behandelt ihre eigenen Leute ja wie unmündige Kinder, droht mit Angst und Schrecken und steckt lieber die eigene Tasche voll, anstatt sich an die eigenen Gesetze der Verfassung zu halten. Statt dessen herrscht Willkür und Eigenmächtigkeit! Wir können leider nichts daran ändern. Wir MÜSSEN also morgen schon wieder aus Sucre raus nach Uyuni.

Evtl. gibt es in dem Kaff dort keinen Automaten, der Geld ausspuckt, also versuchen wir es lieber hier. Aber wiedermal Fehlanzeige. Der Automat rückt nix raus. Wir wollen die Frau am Schalter fragen. Aber die will nicht mit uns reden, weil sie angeblich schon geschlossen haben. Der Wachmann lässt uns nicht rein und spricht sogar nur durch einen schmalen Spalt mit uns. Wir sollen morgen wiederkommen. Morgen geht nicht, weil wir abreisen müssen… Die Frau hätte wenigstens eine Minute unser Problem anhören und beraten können. Sie ist doch ohnehin da und quatscht mit den anderen. Ein anderer Automat der Bank? Gäbe es angeblich nicht. Komisch, dass wir den auf unserem Stadtplan sehen und dort auch Geld bekommen… Servicewüste Bolivien – das arme Land hat es nicht nötig, sich um seine Touris zu kümmern.  Die stößt man lieber ein ums andere Mal vor den Kopf. Die sind ja blöd genug, für alles dumm und dämlich zu zahlen.

Nein liebe Leute – sind sie nicht! Sie rufen in die Welt hinaus, wie schlecht ihr die Leute behandelt und dabei könntet ihr mit eurer herrlichen Landschaft so gut Geld verdienen. So wie Costa Rica z. B. Welch vertane Chance! Dabei gibt es genügend, die genau dieses Manko sehen, die gebildeten Leute z. B.  Aber es gibt leider auch genügend, die den Kopf in den Sand stecken, nichts wahr haben wollen oder einfach den Allerwertesten nicht hoch kriegen. Mein Rat: Nicht aufgeben, denn steter Tropfen höhlt den Stein!

Herzliche Grüße an Daheim. Ich weiß, dort gibt es gerade auch genügend Probleme. Möge die Politik weise Entscheidungen treffen. In diesem Sinne

Eure B.

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Impressionen aus Sucre, der bolivianischen Hauptstadt.

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