Die Silbermine von Potosi

Do 18.2.16

Früh um 9.00 werden wir zur Besichtigung in einem alten Büs-chen abgeholt. Es regnet und gewittert schon die ganze Nacht lang und heute stürzen sich die Wassermassen am Hotel vorbei die Straße runter. Der Bus bringt uns zuerst in ein kleines Hinterzimmer irgendwo um 4 Ecken in der Stadt. Die Wäsche hängt noch draußen auf der Leine – seltsame Trockenmethoden haben die hier! In diesem Zimmer bekommen wir erstmal Überklamotten, Hosen, Jacke und Stiefel mit Helm und Lampe.

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Einkleiden und Einkauf auf dem Minenmarkt.

Dann zum „Einkaufsladen“ für die Minenarbeiter. Die müssen sich nämlich ihren Kram und Arbeitsgerät mitbringen. So halte ich zum ersten Mal in meinem Leben Dynamit in den Händen. Die Wirkung kann noch mit Nitritkörnern verstärkt werden. alles direkt neben Saft, Limo und Cocablättern. Wir werden aufgefordert, die Blätter ebenso in die Backen zu stopfen. M. probiert einige Blätter, aber ich mache nicht mit. Auch kaufe ich nur einen Beutel „Geschenke“ für die Minenarbeiter, nicht pro Nase je einen.

Dann gehts auf zur Mine. Matschig, niedrig, eng.

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An die Arbeit !

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1,5 Tonnen Gestein werden mit so einer Lore nach draußen gebracht. Und das 10 mal am Tag.

Ich schaue nach unten, wohin ich trete und stoße mir naturgemäß andauernd den Kopf, während die Führerin aufrechten Fußes überall drunter her passt.

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Bevor es in die Mine geht, muss erst der Tio (Teufel) mit einer Opfergabe milde gestimmt werden.

M. ist bis zum (bitteren) Ende mit dabei, aber ich steige bei der Hälfte aus. Ich soll durch einen Schacht über eine Leiter senkrecht nach unten ins dunkle Ungewisse.

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Zweifelhafte Strebabstützungen und andere Gefahren warten in der Mine.

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Zuerst wird das Silber aus dem Fels gebrochen. Dann wird es mit Säcken nach oben transportiert und über Rampen in die Loren geschüttet. Seit 500 Jahren hat sich an der Arbeitsweise (fast) nichts geändert.

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Über 3 Holzleitern geht es weiter in die Tiefe.

Nichts für mich. Mir reichts, bis hierher und nicht weiter. So stapfe ich mit der Führerin wieder zurück und warte draußen, während M. über simple Holzblanken, die über Untiefen einfach drübergelegt werden, balanciert und 3 Leitern in die Tiefe steigt, um den Arbeitern bei der schweren Handarbeit zuzuschauen.

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Das Minengelände, Arbeits- und Spielplatz zugleich.

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Der berühmte „Schweizer Käse“ – der löchrige Berg Cerro rico!

Viel haben wir über die Jahrhundertealten Methoden der Silbergewinnung gehört und gelesen. Sie treffen 100 %-ig zu. 2 Mann karren eine Lore mit 1500 kg Gewicht 10 Mal am Tag raus. Das Gestein wird von Hand geschlagen, denn die menschliche Arbeit kostet nichts extra, für Pressluft, Maschinen oder gar Mundschutz und Sicherheit muss der Minenarbeiter extra zahlen. So wird das  „Wissen“ ums das Gestein, ein Gemisch aus Zink und Silber, von einem Minenarbeiter an den Nächsten weiter gegeben, der nach einigen Jahren dann selber zum „Experten“ wird, einen eigenen Bereich erhält und nach denselben Methoden schürft. Moderne Methoden sind zu teuer und so wird der Berg weiter althergebracht durchlöchert, bis er eines Tages zusammenbricht, was dann als Riesenunglück wohl sicher gelten wird, und nicht als hausgemacht. Mit 14 arbeitet man als Helfer (für 100 Bolivianos pro Tag) und die Lebenserwartung ist mit 35 oder 40 Jahren erreicht. Natürlich wurde nur das Schürfen gezeigt, und nicht, wie mit viel Chemie und Ungesund das Zink vom Silber getrennt wird. Dann würde sich vermutlich die kurze Lebenserwartung von selbst erklären.

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Eine Silberader.

Mittags sind wir zurück, das Wetter hat sich total gedreht: Die Sonne brennt schon wieder. Bei dieser Höhe ist die UV-Belastung besonders hoch, was ich an meinen aufgesprungenen Lippen merke. Wir trödeln durch die Stadt und schauen den Leuten zu und schalten einfach mal ab!  Entspann dich!

Möge euch das auch gelegentlich gelingen

VGB

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Die freizügige bolivianische Version der Freiheitsstatue.

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Eine der 18! Kirchen in Potosi.

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Sind die Beine etwa zu kurz???

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