Armes Bolivien

Mi, 17.2.16

Wir kommen kaum aus La Paz raus. Anscheinend hat das gestrige Gewitter eine der Hauptstraßen unterspült, denn sie ist großräumig abgesperrt. Wieder Stau und Verkehrschaos. Wir müssen höllisch aufpassen und uns unseren Platz redlich erkämpfen. Endlich im Süden suchen wir erstmal in Karte und Naivs nach dem Weg. Ein älterer Herr will uns helfen und weist uns den Weg: Über El Alto wieder zurück. La Paz – eingekesselt zwischen Steilfelsen – könnte man nur dort über die Berge verlassen. Aber wir weigern uns, uns noch einmal durch diesen Horrorverkehr zu quälen. Da heil rauszukommen ist super anstrengend und ätzend. Wir als Motorradfahrer zählen weniger als nichts. Es muss noch einen anderen Weg geben. Gibt es auch! 😉 3 Std. später sind wir endlich auf der 1. Wurde aber auch Zeit! Das war aber nur der Anfang eines fürchterlichen Morgens.

So langsam reicht mir die schlechte Behandlung der Leute: Ich hab die Schnau.. gestrichen voll. Ich bin weder ein Esel noch hab ich Gold an mir kleben, schon gar nicht in Kombination von beidem. Dennoch werde ich immer wieder also solcher behandelt. Goldesel! Mich wundert dies nicht, wenn die Regierung ihre Leute so schlecht behandelt, dass sie wiederum gleiches mit gleichem vergelten. Aber ICH hab ihnen doch nichts getan. Dennoch lassen sie mich überall mehr oder doppelt zahlen, behandeln mich aber schlechter als die Einheimischen. Das ist total ungerecht und aus genau diesem Grund ist mir heute der Kragen geplatzt. Hier einige Beispiele:

Wir fahren eine Tanke an. Die ersten beiden haben zu oder keinen Sprit. Die 3. lässt uns, nachdem wir gescheit geparkt haben, noch mal auf die andere Seite der Säule umparken. Eilfertig will er den Tank öffnen, aber der ist ja abgeschlossen und wir brauchen noch einen Moment. Alles ist parat, da schnappt sich der Tankwart den Stutzen und steckt ihn in das gerade angekommene Auto auf der anderen Seite, welches dort steht, wo wir zuvor gestanden haben. Ich beschwere mich, wieso er von uns denn den Platzwechsel verlangt, wenn dieser Fahrer das nicht nötig hat und wieso er uns nicht bedient, immerhin waren wir zuerst da und würden sogar den doppelten Preis (für Ausländer) zahlen. (Bolivien subventioniert für die Einwohner den Sprit) Der Tankwart zuckt nur die Schultern und der Typ lächelt mich von oben herab an: „Tranquilo!“ Nur die Ruhe! Das würde ich an seiner Stelle auch behaupten, wenn ICH vorgedrängelt hätte. So aber ist dies eine Unverschämtheit, denn immerhin müsste er „tranquilA!“ (weibliche Form!) benutzen, immerhin kennt er wohl seine eigene Sprache besser als ich, und zudem hätte da ein „Disculpeme!“ oder „Perdon, Siñora!“ hingehört. Eine Entschuldigung eben, und nicht solche Frechheiten. Am liebsten wäre ich wieder gefahren, ohne zu tanken. Ich hatte ja noch für 300 km Sprit. Aber wer weiß, wann die nächste kommt. Kein Wunder, dass Bolivien so arm ist und als Entwicklungsland gilt. Deren Benehmen zeigt noch erhöhten Entwicklungsbedarf! Vor allem den Leuten gegenüber, die Geld ins Land bringen, sonst kommen die nicht wieder! Na, jedenfalls rechnet der Tankwart lange hin und her (mit Taschenrechner natürlich!) und will für seine Unverschämtheiten nun 16 Bolivianos mehr, als das doppelte. Aber ich verweise auf 2 x 61 = 122  und mehr drücke ich ihm auch nicht in die Hand. Er sagt nichts weiter und wir fahren!

An der nächsten Tanke selbes in grün: Der Tankwart will unsere Pässe. Die kriegt er aber nicht. Er faselt unverständliches Zeug und auf mein „No entiendo“ reagiert er mit Schweigen oder er wiederholt dasselbe Kauderwelsch. Andere wartende Autofahrer weisen uns gnädigerweise auf den Pass hin. Aber wieso wir den Pass zeigen sollen, während alle anderen das nicht brauchen, kann uns niemand erklären. Was geht den Staat Bolivien an, wo ich wieviel tanke? Soll doch der Staat Bolivien erstmal seinen eigenen Misthaufen aufräumen und die Korruption durch Kontrolle eliminieren, anstatt mich! Datenschutz nennt man das! Der Doof steckt mein doppeltes Geld ohnehin in die eigene Tasche und behauptet, er hätte den Sprit an Bolivianer verkauft. Nun gut, wir fahren 10 m weiter zur nächsten Tanke. Dort bekommen wir zwar Sprit, aber der Tankwart will uns betuppen. Er rechnet nicht damit, dass wir 7 x 24 im Kopf rechnen können, während er den Taschenrechner benutzen muss. Er gibt zuwenig Wechselgeld und behauptet mehrfach, das wäre richtig. Ich beharre darauf und rechne ihm mehrfach meine Überlegungen vor, erst dann tut er so, als ob er sich vertan hätte und rückt das fehlende Geld raus. Sogar der Hostalrezeptionist in La Paz nahm für 2×120 den Taschenrechner, um auszurechnen, wieviel Rückgeld ich bei 250 Bolivianos bekomme. Erschreckend! Das konnten meine Kinder in der 2. Klasse.

Mir reichts, ich drücke auf die Tube und M. kommt kaum hinterher. Nur raus aus diesem Sch….-land! Ungerechte Behandlung konnte ich noch nie gut vertragen, aber anscheinend hat die Reise dies verschlimmert, während ich an anderer Stelle geduldiger und gelassener geworden bin.

Die Landschaft des Altiplanos ist einfach umwerfend schön. Diese weite Ebene, immer in Höhen von um die 4000 m. (ca. 3700 – 4300 m).

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Endlose Weite auf dem Altiplano in fast 4000m Höhe

Da hier wenig Leute wohnen, gibt es auch keine Müllberge oder unzählige, riesige Schutthaufen, wie in den Randbereichen der Städte. Schnurgerade teilt die Straße die Ebene in 2 Teile. In der Ferne ragen die Berge empor und über mir die weißen Wolkentürme, wo einige dunkel drohen, andere schon ihre Fracht ablassen. Aber wir kommen trocken an den Schauern vorbei. 180 km vor Potosi rücken die Berge eng zusammen und wir fahren herrlich kurvend auf halber Höhe mit traumhaften Blicken in die tiefen Täler ohne Verkehr. Das macht Spaß!

Wir haben nur einen Mittagsstopp irgendwo in der Pampa bei einigen Lehmhäuschen in der Sonne gemacht. Dort beäugten uns 2 kleine Kinder immer und immer wieder. Aber sie trauten sich nicht zu uns rüber, obwohl man ihnen schon von Weitem das Interesse ansah. Ich legte ihnen ein paar Magdalenas hin und das taute das Eis. Sie wurden mutiger und holten die Freunde von nebenan. So gestärkt kamen sie tatsächlich herüber. Sie interessierten sich wirklich für UNS, nicht für die Moppeds, sondern für die „Extranjeros“ (die Ausländer). Sie hatten ein 2 Wochen altes Lama dabei, welches aber vor uns Angst hatte. Schade. Ich hätte es gern gestreichelt. Plötzlich stand es wieder mitten zwischen den Kindern, mit denen es anscheinend sehr vertraut war. Die Kleinen merkten sofort, wie das mit dem „photogen“ funktionierte. Sie drapierten sich modellhaft drum herum. Dieses Erlebnis entschädigt für die Tankstellenerlebnisse des Tages und versöhnt ein wenig.

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Eine Runde Magdalenas für alle, das kleine Lama hat leider Pech gehabt.

Als wir in Potosi ankommen, werden wir wieder wie Menschen behandelt. Der Hotelportier (100 € pro Nacht) gibt uns Ratschläge, wo wir preiswerter an eine Übernachtung kommen. Im Hostal lässt sich die Rezeptionistin auf einen deutlichen Preisnachlass ein, weil wir 2 Nächte bleiben und die Bettwäsche nicht gewechselt werden muss. Im Restaurant werden wir an die Bar gebeten, weil alle Tische besetzt sind und werden auch dort gleich bedient sowie die Bestellung aufgenommen. Als ein Tisch frei wird, werden wir als erste dorthin gebeten, obwohl inzwischen weitere Gäste eingetroffen sind. Es geht der Reihe nach. Vielleicht, weil hier viele Touris hinkommen, um sich die Silbermine anzuschauen? Mag sein. Aber diese Beispiele zeigen, es geht auch anders. Hier fühle ich mich wohl.

Morgen bleiben die Moppeds in der Garage. Sie haben Pause, denn sie sind heute wieder über 500 km gelaufen. Die Silberminen schauen wir uns in einer 4 – Std. – Tour an – ohne Mädels!

Bis morgen VGB

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