Nicaragua: Leon, Managua, Granada und die Polizei

Fr. 18.12.15

Jetzt ist es soweit: Man warnt uns seit Mexiko davor, aber heute – ausgerechnet in dem als sicher geltenden Nicaragua – werden wir gekrallt, und zwar von der Polizei. Wir fahren eine zweispurige Straße im dichten Verkehr um Managua herum und am Rand steht die Polizei und pfeift und winkt und sie pfeift uns hinterher. Du, die meinen uns!!! M. ist 100 m weiter, eh er anhält. Der Polizist stapft hinter mir her – aus dem Schatten in die Sonne. Ich grüße freundlich und frage was denn los sei – keiner Schuld bewusst. Er sagt, wir seien zu schnell gewesen und bittet um den Führerschein und die Versicherung. Ich drücke ihm alles in die Hand, was ich an Papieren von der Grenze noch habe, wohl wissend, dass ich keine Versicherung abgeschlossen habe. Er will die „Seguro“ sehen und gibt alles, bis auf den Führerschein zurück. „Kenn ich nicht. Weiß nicht, was das heißt.“ Er will eine Faktura schreiben, denn ich wäre zu schnell und hat auch schon einen gelben Block, in den er aber nichts einträgt. Moment, ich bin hinter 3 Autos her gefahren, alle lässt er durch, nur mich nicht? Ich werfe ihm vor, dass er bewusst extranjeras – Ausländer herausgefischt hätte. Er bleibt hartnäckig, ich sei auf der rechten Spur zu schnell gewesen, das sei die langsame Spur. Ich solle meinen Companero dort vorne rufen. Könne ich nicht und das sei mein Mann, nicht mein Kompagnon. Wie gut, dass unsere Kommunikation so wenig sichtbar von außen auf der linken Seite ist. Die ist natürlich offen und M. hört alles mit. Zwischen durch quatscht er rein, so dass ich die Polizei nicht verstehe. Ich labet in freundlichem Ton unverständliches Zeug in deutsch und nebenbei ein „Halt die Klappe“ für sein „Das ist doch ein korruptes Bullenschwein“ ins Mikro! Wie gut, dass ich nicht in englisch mit meinem Mann kommuniziere! Das wäre deutlich unangenehmer. Ich entschuldige mich dafür, dass ich nicht wusste, dass man hier nicht die Spur frei wählen darf (obwohl das gelogen war. Man darf die Spur frei wählen und auch rechts überholen, auch wenn wir zugegebener Maßen nicht 45 Km/h sondern knapp 60 gefahren sind). Ich erkläre, dass ich bisher immer die Spur frei hätte wählen dürfen, dies ja jetzt wüsste und rechts langsamer fahren würde. Er beharrt auf seiner Faktura. Ich widerspreche, no es posible. Ich wäre genauso schnell gefahren wie die anderen 3 Autos vor mir. Er holt den angeblichen „Chef“. Der kommt auf einem Minimopped mit Sozius angerauscht und legt noch eine Schüppe obendrauf. Ich wäre zu schnell gewesen und ich hätte zu zahlen: 100 Dollar! Ich lache und wiederhole meine Sprüchleins von wegen Ausländer und 3 Autos. Er erzählt irgendwas, was ich nicht verstehe. Er kreuzt die Hände und signalisiert, dass er mich verhaften will. No es posible, widerspreche ich erneut. Sicher sei das möglich und er wird richtig ungehalten. Er wolle mich verhaften, wenn ich nicht zahle. Ich wiederhole erneut mein Sprüchlein der Entschuldigung, dass ich das nicht gewusst hätte, und nun rechts langsamer fahren würde. Der hinter ihm sitzende sagt irgendwas zu ihm und er gibt mir mit einer ernsten Ermahnung meinen Führerschein zurück und lässt uns fahren. Er hat wohl eingesehen, dass er von mir kein Geld bekommt. Ich hätte noch eins in Petto gehabt, sozusagen als Plan B: Meine Dollars sind im Portemonnaie gut versteckt untergebracht. Ich hätte ihm meine Kujampels von hier gezeigt, die er hätte haben können. Es waren nur 150 oder so – umgerechnet 5-6 Dollars. Wenn das nichts geholfen hätte, wäre ich mit zur Wache gefahren und hätte wohl den richtigen Chef kennengelernt. Die korrupten Beamten werden nämlich selber ins Gefängnis gesteckt, wenn sie dabei erwischt werden und einer der oberen Chefs das erfährt.

Ich weiß nicht wieso. Sonst hab ich immer Herzklabaster, wenn die Polizei mich anhält. Aber diesmal nicht. Ganz cool, ganz ruhig und gelassen war ich. Und heilfroh, dass M. soweit weg stand. Beim nächsten Mal übersehe ich geflissentlich das Winken und überhöre auch das Pfeifen. Dann sollen sie mal auf ihrem Miniding mir hinterher oder mich kilometer weit weg per Straßensperre anhalten. Dann weiß ich sicher nicht wovon sie sprechen, denn zu schnell bin ich dann ganz sicher nicht gefahren. Das habe ich mir vorgenommen, dass ich ab sofort immer weiß, wie schnell ich fahren darf – auch wenn ich mich dann vielleicht nicht ganz so genau dran halte. Aber vor der Polizei hab ich das SICHER getan.

Kurze Zeit später wieder die Polizei am Straßenrand. Diesmal lasern sie den Verkehr. Dies ist dann wohl eine echte Geschwindigkeitskontrolle. Anscheinend wird das hier ernster gesehen, als bisher in den Ländern. Die Autos fahren auch deutlich langsamer und gesitteter. Ok, wir passen uns an. Wir überholen nicht an durchgezogenen Linien und halten uns an die Temposchilder – meistens!

Wir fahren heute von Leon aus zu den nebeneinander liegenden Vulkankratern Masaya und Nindiri. Leon ist im 16. Jh. vom Vulkan Momotombo zerstört worden und 30 km daneben wieder aufgebaut worden. Sehr zur Freude der heutigen Archäologen, die nun eine unveränderte Stadt aus der damaligen Zeit ergründen und ausgraben können.

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Der Momotombo ist zur Zeit auch aktiv.

Der Besitzer des Hotels erzählt uns von Wasserproblemen. Die Grundwasserbrunnen seien fast alle ausgetrocknet und der Managuasee sei zu schmutzig um als Trinkwasserreservoir zu dienen. Der Nicaraguasee ginge z. Zt noch, aber  wie lange noch? Dieses Problem kennen wir aus Deutschland, wo vor einigen Jahrzehnten ein Umdenken z. B. beim Rhein geschah und der heute wieder viel sauberer ist, so dass seltene Fischarten dort wieder leben können. Auch hier beginnt man mit Umweltschutz, aber der Prozess geht nur langsam voran.

Der Krater liegt im Nationalpark unmittelbar an der Hauptstraße und ist für 4 Dollar pro Nase mit dem Fahrzeug bis an den Kraterrand zu befahren. Dort schaut man in den dampfenden Schlund. Fast hätten wir nicht hochgedurft, weil der Krater momentan so viele Gase ausstößt. Vielleicht steht ein erneuter Ausbruch bevor? Der zweite Krater Masaya ist schon länger still und der Schlund von innen grün bewachsen.

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Am Vulkan Massaya

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Blick in den Höllenschlund

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Am Vulkan Massaya

Wir gehen zu den Moppeds zurück, als wir von einem Einheimischen um ein Photo gebeten werden. Klar doch. Er ist Touristenführer und erzählt uns, dass der „Fuego“ bei Antigua vor einigen Tagen erneut ausgebrochen ist. so richtig mit fließender Lava und so. Wir haben doch noch in der Sonne gestanden und das Bild mit dem Wölkchen über dem Krater gemacht. Das war frisch entstanden. Anscheinend ein Vorbote für den baldigen Ausbruch. Auch der Vulkan nahe bei Leon „Momotombo“ ist vor ca einer Woche ausgebrochen, so dass das auswärtige Amt nun eine Reisewarnung für diese Region ausgesprochen hat. Der Touriführer fragt uns, was wir für das Gefährlichste auf solch einer Reise halten und wir geben „Böse Menschen, die uns ans Leder wollen“ als Antwort. Er hakt nach, ob wir denn irgendwelchen Trouble gehabt hätten? Ja, gerade eben vor einer Std. Wir erzählen ihm davon und er entschuldigt sich für das schlechte Verhalten dieser drei Polizisten. Er war sichtlich geknickt darüber, auch wenn ich ihn tröste, er sei nur für seinen eigenen Weg verantwortlich und nicht für den Mist der anderen. Er wünscht sich und uns, dass wir von Nicaragua wunderschöne Orte sehen und uns daran erfreuen können. Tun wir! Der Krater war schon toll!

Weiter gehts nach Granada. Fast verlieren wir uns im Gewühl der Innenstadt. M. kann rechts und links nicht mehr auseinander halten und keine Karte mehr lesen, so sehr knallt die Sonne ihm ins Gehirn. Ich hab noch ein wenig Konzentration übrig und so finden wir doch noch das gesuchte Hotel. Als erstes in den Pool, als zweites was essen und Latschen für mich kaufen (als Ersatz für die verlorenen). Das stellt sich als schwieriger heraus, weil ich Schuhgröße 42 habe, hier aber nur bis maximal 40 Schuhe verkauft werden. Die Frauen sind ja auch alle einen Kopf kleiner als ich….

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Impressionen aus Granada

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Impressionen aus Granada

Es gibt tatsächlich einen kleinen, aber heftigen Regenschauer, als wir draußen vorm Lokal sitzen und einen „Burro“ essen. (Großform von Burrito, den sicher viele kennen!). Anschließend wackeln wir noch zum Strand vom Nicaragua-See. Es windet stark und wir sehen den Ansatz einer schönen Promenade, wenn die denn fertig gebaut wäre und nicht schon vorher wieder zerfallen würde. Auf dem Rückweg gibts wieder mal eine Freitags-Abendvorstellung der hiesigen Männertanzgruppe, der Kinder- bzw Jugendtanzschule. Mit viel Schwung und Elan, Temperament und Musikalität gehts auf der Bühne rund. Ich bewundere ja, wie ALLE Kinder, auf der Bühne und im Publikum, im Takt mitwippen und anscheinend den Rhythmus im Blut haben. Klar, mir als Musikerin gefällt sowas! Dennoch habe ich mir von Granada mehr erhofft. Mir fehlt das Flair von Oaxaca. Auch ist hier die Armut der Leute deutlich in den Straßen zu spüren. Nicaragua zählt mit El Salvador und Honduras zu den ärmsten Ländern der Erde.

Bis bald gute N8 B.

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