Erste Gehversuche in Mexiko

Fr. der 13. (11.15):

Zum Glück hat sich dieses Datum nicht negativ ausgewirkt. Uns geht es (nach wie vor) gut.

Wir wollten den Golf entlang fahren und queren Richtung San Felipe.

San Felipe - Strandbilder

San Felipe – Strandbilder

Straßenverkauf - endlich was zu essen für mich (eingepackt und nicht scharf!!!)

Straßenverkauf – endlich was zu essen für mich (eingepackt und nicht scharf!!!)

Aber wir kommen wegen organisatorischen Dingen nicht bis dorthin. Geldabheben am Automaten muss ich erst lernen. Mein Spanisch ist noch nicht aus den Tiefen empor gekrochen. So brauche ich eine Std., bin 5 mal in die Bank rein und wieder zurück zum Automaten, bis ich alle „si“’s und „no“’s an den richtigen Stellen eingegeben habe und mit Hilfe der geduldigen Angestellten doch tatsächlich Peseten erhalten habe. Einkaufen in Ensenada – auch eineinhalb Stunden.

So ein Hundeleben in Mexiko

So ein Hundeleben in Mexiko

Impressionen aus Ensenada

Impressionen aus Ensenada

So suchen wir uns einen Platz für die Nacht, aber es gibt keine Orte, keinen Campingplatz und es wird bald dunkel. Neben der Straße, im etwas hügeligen Gelände versuchen wir uns unsichtbar zu machen. Die Moppeds stehen dicht hinter einer durchsichtigen Sträucherreihe mit der umgedrehten Regenplane abgedeckt, die von dieser Seite aus schwarz ist. Unser Zelt dicht daneben. M. kontrolliert es von der Straße aus. Wir sind tatsächlich nur schwer auszumachen – wenn man es weiß. Da es ja keiner weiß, bekommen wir auch keinen „Besuch“ und wachen nach einer kalten Nacht sehr früh morgens – gleich nach Sonnenaufgang – auf.

unsichtbar wild campen in der Mitte von Nirgendwo

unsichtbar wild campen in der Mitte von Nirgendwo

Weiter gehts die Golfküste entlang. San Felipe hat Nebensaison und rüstet sich für die Rentner aus Kanada und USA, die hier im Warmen dem kalten Winter in der Heimat entfliehen. Man gibt ein Begrüßungsfest – und wir sind herzlich eingeladen. (Mist, sehen wir schon soooo alt aus?) Eine nette weitläufige Strandpromenade mit vielen kleinen Geschäften und fliegenden Händlern lädt zum Verweilen ein. Wir essen unter den interessierten Blicken der wenigen Leute auf der Straße unsere halbe unreife Honigmelone auf und fahren weiter.

Die Straße ist gut und wir kommen trotz der 4 Militärkontrollen gut voran. Das Militär ist an uns nicht interessiert, 3 winken uns nur durch, die vierte fragt wohl nur pro forma woher, wohin, denn die leuchtenden Augen zeugen von dem Interesse für unsere Motorräder. Die aus der Nähe zu betrachten war wohl eine willkommene Abwechslung. Aber schnell ist auch das erledigt und wir dürfen weiter.

Plötzlich Baustelle – Umleitung, die Straße kriegt wohl eine neue Brücke. Aha! Gut! Dann fahren wir eben drum herum durch Geröll und Sand. Aber es gibt eine Umleitung von der Umleitung. Steil bergauf, schmal wie ein Auto, mit dicken losen Steinen. Ok, 200 m hören sich doch gut an. Aber es gibt eine zweite Umleitung der Umleitung. Wir kommen einfach nicht auf die Straße zurück. Uns kommen Moppeds entgegen. Die hätte ich gerne gefragt, wie lange die Baustelle denn noch ist, aber die Stelle ist so tiefsandig, also schlecht zum Anhalten. Langsam schwant M., dass dies nicht die Umleitung, sondern die alte Straße ist. Neben uns soll laut Navi eine andere Straße entlang gehen, aber 1. sehen wir die nur auf dem Navi und 2. gibt es keine Abzweigung dorthin. Wir ergeben uns in unser Schicksal, sind heilfroh über unsere offroad-Kenntnisse, und bemerken stillschweigend, wie die Straße immer schlechter und schlechter wird. Von sandig, steinig, bis Geröll und Steinstufen, alles vorhanden. Nur Matsch nicht. Dafür ist der Wassermangel zu groß hier. Kurven mit steil aufwärtsgehenden Bodenwellen gespickt mit losen Steinen so groß wie Pflastersteine, lassen zumeist nur den 2. Gang zu – trotz aller Konzentration und trotz allem Können.. Entgegenkommende dirtbikes haben ja auch kein Gepäck und wiegen nur die Hälfte, so dass sie über die Waschbrettpiste nur so fliegen.

Endlich, nach 40 km wieder Asphalt. Wir atmen auf. Alles gut gegangen. Aber das hat viel Zeit gekostet. Wir können noch eine Std. lang fahren, dann müssen wir nach einem Platz für die Nacht suchen. Es soll ein Campingplatz in San Rosalito – 15 km entfernt am Pazifik – geben. Wir fahren hin, die letzten Meter über hubbelige Piste – bis an den Strand. Dort stehen einige Häuser, wenig Verkehr und 2 Fußgänger. die wir nach dem Campingplatz fragen. Sie wissen von nix, raten uns aber zu einem Platz am Strand, wo schon andere „Amerikanos“ campen oder gleich hier, vor seinem  Haus. Danke, nehmen wir gerne an. Kurze Zeit später kommt der Campingplatzbesitzer vorbei. Anscheinend haben die Besitzer ihn aufgetan. Aber wir haben das Zelt schon stehen und wollen nicht noch einmal umziehen.

Im Dunkeln ist schnell gekocht. Es gibt Kartoffeln mit Gemüse in Tomatensoße. Währenddessen kommen die Sterne heraus und der Mond – gerade mal eine schmale Sichel – geht langsam unter. Kein Wunder, dass wir ihn gestern nicht gesehen haben. Da war wohl Neumond. Wie schön, wenn die Sichel kurz über dem Horizont orange leuchtet und den Rest des Mondes sichtbar werden lässt. Aber noch etwas anderes wird sichtbar: Blitze über dem Meer. Huch??? Hier sternenklare Nacht und dort hinter dem Schiff Blitze? Na, hoffentlich bleiben die auch dort über dem Meer. Die brauchen gar nicht näher kommen!!!

Der Hausbesitzer kommt noch einmal heraus, um mit uns zu plaudern. Er hat gemerkt, wie schlecht unser Spanisch ist und gibt sich redlich Mühe, langsam in Einwortsätzen und mit Händen, Füßen, Zeichnungen und gar Gerätschaften mit uns zu sprechen. Es klappt erstaunlich gut. Mehr und mehr Wörter grabe ich aus den Tiefen – sehr zur Freude unser aller. Unsere erste richtige Unterhaltung. Wir erfahren, dass er nach 20 – 30 cm langen Muscheln, im Meeresboden vergraben, taucht. Welch harter Job, 8 Monate im Jahr, weit entfernt von seiner Familie, die in der Stadt Construction wohnt. Er erklärt uns auch, was die Lichter dort auf dem Meer bedeuten: Das sind Langustenkörbe, die mit Licht gekennzeichnet werden und so die Schiffe warnt. Das hätte ich nicht gewusst.

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Luiz, der Muschelfischer

Luiz, der Muschelfischer

Früh verkrümeln wir uns wieder in unser Zelt. Wir starten lieber früh, damit wir das Tageslicht ausnutzen können und möglichst weit kommen. Um 16.45 geht die Sonne unter und dann ist’s auch eine halbe Std. später dunkel.

In diesem Sinne gute N8

B.

PS: Ein spezieller Gruß an Frau Krüger, unsere Spanischspezialistin. Danke für die vielen Eselsbrücken. tief vergraben kommen die Wörter mehr und mehr in den Sinn. Es wird flüssiger die Sätze vollständiger!

PPS: Früh morgens – vor Sonnenaufgang bin ich ausgeschlafen und ich setze mich ans Meer, beobachte die Blitze übers Meer, die schon wieder (oder immer noch?) minütlich auftauchen, die Pelikane in freier Wildbahn (und nicht im Zoo!), die dicht über der Wasseroberfläche fliegen und plötzlich die Flügel einklappen und – buff – kopfüber ins Wasser stürzen und wie sich das Meer orange färbt, weil die Sonne langsam herauf klettert. Wie herrlich ruhig es hier ist.

Sonnenaufgang in San Rosalito am Pazifik

Sonnenaufgang in San Rosalito am Pazifik

Ein Pelikan in freier Wildbahn - am Strand von San Rosalito

Ein Pelikan in freier Wildbahn – am Strand von San Rosalito

Landschaft und Straßenbelag wechseln ständig

Landschaft und Straßenbelag wechseln ständig

Ehe wir eingepackt haben, hat es sich bewölkt, es blitzt nun fast überall, lass uns sehen, dass wir in besser Wetter kommen. Regen über der Baha – unglaublich!!!

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