Einmal Schlaraffenland und zurück

So, 23.8.15

Unsere Unterkunft hier in Deadhorse ist das Prudhoe Bay Hotel, welches ich jedem Reisenden, den es hierhin verschlägt, nur wärmstens empfehlen kann. Vom Charme her kann es das Hotel mit jeder Containersiedlung an einer Kraftwerksbaustelle oder sonstigen Großprojekten aufnehmen. Die Lage in der Mitte von nichts, besonders wenn Nebel herrscht, so wie bei unserem Aufenthalt, ist es auch nicht. Obwohl, so ein Nebel kann das vorherrschende wunderbar kaschieren. Was macht also dieses Containerhotel mit winzigen Zimmern zu so etwas besonderem? Die Kantine natürlich.  Hier ist wirklich das Schlaraffenland. 24 Stunden am Tag offen und im Zimmerpreis eingeschlossen. Jederzeit kann man auf Leckereien wie Kuchen, Teilchen, Cookies, Eiskrem, Chips, Sandwiches, Burritos, Jogurt, Früchte, Müsli und Co zugreifen. Und diese Schlemmerei wird 3x täglich von Mahlzeiten unterbrochen. Auch hier wird alles mögliche Leckere und Figurbildende angeboten.  Und das schöne ist, das ganze kann man(n) auch außer Haus mitnehmen. Heute habe ich das Erste Mal bereut, dass wir mit den Motorrädern unterwegs sind. Muss doch das Lunchpaket viel zu dürftig ausfallen. So passe ich doch nie mehr vernünftig in meine Motorradhose. Zieht doch Schwerkraft meine Motorradhose in engster Stellung immer stärker nach unten. Wie hießen Hosenträger noch einmal auf Englisch?

Ach so, heute haben wir nicht nur den ganzen Tag lang gegessen. Es stand noch ein morgendlicher Ausflug durch Prudhoe Bay (ist für Privatleute gesperrt) mit Visite an der Beaufortsee, einem Teil des nördlichen Polarmeeres, auf dem Programm. Dabei ging es an den Fördertürmen, Wohnanlagen (hier arbeiten über 1000 Menschen auf den Ölfeldern), an Flugfeldern und am Prudhoe Bay National Forrest vorbei. In diesem Wald sind die Bäume immergrün und werden an Weihnachten festlich beleuchtet. Bei der vorherrschenden Temperatur von 2 Grad Celsius (und das im August) würde bei uns schon die Adventszeit eingeleutet werden.

Angekommen am arktischen Ozean zieht es fast alle dick vermummt an – uns natürlich mit wasserdichten Stiefeln IN – das Wasser. Bis auf zwei Jungs, die sich nur mit Badehose bekleidet unter Anfeuerungsrufen der tobenden Massen todesmutig in das schweinekalte Wasser stürzen. Brrrr!

Zurück am Hotel widmen wir uns wieder dem ersten Teil dieses Berichtes: Der Nahrungsaufnahme und dem Ausgleich des Coffeinspiegels.

Mit überstrapazierten Mägen, das Wort „voll gefressen“ möchte ich hier nicht verwenden, machen wir uns auf den Rückweg nach Fairbanks. Die Temperatur hat sich in der Zwischenzeit auf 4 Grad Celsius verdoppelt. Hatten wir schon auf der Hinfahrt Freude an den Baustellen, durften wir unsere Kenntnisse an Spurrillen  und tiefem Schiotter weiter vertiefen. Zudem hatte es kurz zuvor zu unserem Unbill an 2 Bergen 100 km lang ausgiebig geregnet, wodurch die Strasse mit ausgiebiger Crema, Schlamm , Steinen und dicken Schlaglöchern garniert wurde. Es ist schon faszinierend, wie sich die Beschaffenheit der Straße zwischen trocken und nass wandeln kann. Gott sei Dank blieb uns erspart, dies bei Regen zu bewältigen. Das hätte noch gefehlt. War auch so schon schwierig genug. So schliddern und fahren wir bei niedrigen und immer tiefer fallenden Temperaturen dem wolkenverhangenem Atigunpass (1400m) entgegen. 1 Grad zeigt das Thermometer an den Motorrädern an, also schnell weiter auf in den warmen Süden. Auf der anderen Passeite erfreuen nicht nur die wiederkehrenden Bäume, sondern auch schon fast tropisch anmutende Temperaturen von 12 Grad Celsius. Durch wunderbare Herbstwälder, vorbei an schneebedeckten Bergen fahren wir unseren heutigen Ziel, dem Marion Creek Campground bei Meilenpfosten 180 entgegen.

M

Der Prudhoe Bay National Forrest

Der Prudhoe Bay National Forrest

Nur die Harten kommen durch!!!

Nur die Harten kommen durch!!!

Wir waren "fast" so hart.

Wir waren „fast“ so hart.

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Prudhoe Bay, ein letzter Blick zurück

Prudhoe Bay, ein letzter Blick zurück

Ist das kalt hier oben. Wird Zeit das wir in den warmen Süden kommen.

Ist das kalt hier oben. Wird Zeit das wir in den warmen Süden kommen.

Zum Glück ist der Grizzly noch weit genug weg

Zum Glück ist der Grizzly noch weit genug weg

Eins der besagten ROTEn TORE.

Eins der besagten ROTEN TORE.

Das schönste an Coldfoot. Die Tankstelle !!!!

Das schönste an Coldfoot. Die Tankstelle !!!!

Herbstfarben, südlich des Polarkreises

Herbstfarben, südlich des Polarkreises

GS - gehört schmutzig -  aber so dreckig dann doch nicht ;-)

GS – gehört schmutzig –
aber so dreckig dann doch nicht 😉

Die Drecknasen hängen schon vom Auspuff runter

Die Drecknasen hängen schon vom Auspuff runter

B’s Edit: Ich hatte immer nur das Ziel vor Augen, hier anzukommen. Aber den Weg zurück hatte ich nicht bedacht. Nun sitze ich hier im Schlaraffenland, schlage mir nochmal den Bauch voll und habe keine Lust, zurück zu fahren, weiß ich doch nun, was mich erwartet und genau darauf habe ich keine Lust. Mist!

2 Gedanken zu „Einmal Schlaraffenland und zurück

  1. Danke Jörg, wir freuen uns total über deine Nachricht. Bitte grüße alle ganz herzlich. Gerne kommen wir nächstes Jahr auf das Treffen. Wenn ich mich recht erinnere, so habe ich sogar noch Ferien dann, so dass wir Ende August selbst auf ein weiter entferntes Treffen fahren könnten. (Hoffentlich habe ich das richtig im Kopf, oder ich muss noch mal googlen) Gerne erzählen wir dann mit Bildern von unserer Reise. Im Moment regnet es hier „cats and dogs“, also alles richtig gemacht. Wir wussten, dass dieses Wetter angedroht worden war und haben die letzte Chance genutzt, noch „eben“ schnell nach oben nach Deadhorse zu fahren. Es war auch so schon schwierig genug, 100 km durch weichen Schlamm, wo es kurz zuvor geregnet hat. Aber der liebe Gott hatte ein Einsehen mit mir/uns und hat es kurz vorher aufhören lassen zu regnen. so mussten wir „nur“ bei 2 Grad 100 km durch den Matsch schlittern, nicht auch noch bei Regen. Das wäre echt noch mal ne Hausnummer mehr gewesen. Was so anstrengend ist, das ist die Summe des ganzen: Die lange Strecke im Nichts, die ständige Konzentration, die vielen Stellen zum Bewältigen, das Dauerfrieren, 4 Tage hintereinander…. Jetzt genießen wir ein paar Tage Pause in Fairbanks. Gestern nachmittag in den heißen Quellen chillen, das tat mir, meiner Haut und meiner Erkältung gut. Was den Sprit anbelangt, so weiß ich meine ADV sehr zu schätzen. Und noch mal 3 Liter im Kanister, das beruhigt ungemein! Bis bald, alles Gute euch daheim, und allzeit Grippe unter den Rädern: „A save trip“

  2. Hallo Bärbel

    Verfolge alle Eure Berichte. Absolut cool, von jetzt an geht es immer Richtung Süden und der Sonne entgegen.
    Morgen geht es auch bei uns los. F- Treffen am Edersee. Ihr werdet bestimmt Gesprächsthema nur eins werden.
    Vorschlag: Nächstes Jahr beim F- Treffen macht Ihr ein Infoabend zur Eurer Abenteuerreise.
    Freue mich jetzt schon drauf.

    Liebe Grüße in den Norden von Alaska
    Jörg Gross

    PS: Allzeit immer Sprit im Tank

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