Strecke machen – Fort Nelson/Liard River/Teslin

Do, 6.8.15 Wir machen Strecke, fahren fast 500 km bis Fort Nelson. Es regnet, immer wieder, teilweise sehr heftig, aber nur recht kurz, so dass wir doch recht entspannt, wenn auch total eingesaut, ankommen. Mädels, wie seht ihr denn aus? Könnt ihr euch nicht wie anständige Moppeds benehmen?

Fr. 7.8.15 Wir fahren heute extra nicht so weit, weil wir in Liard River Hot springs übernachten möchten. (320 km) Der Name ist Programm, Hot springs = heiße Quellen. Heißt aber auch, der Campground ist natürlich voll, obwohl wir schon um viertel nach 5 da sind. Mist. Aber wie die trailmagic zuschlägt: Das „management“ hat sich vertran, die Nr. 38 ist reserviert, aber nicht bezahlt, weshalb wohl ein falscher Platz reserviert wurde. Er wäre wohl frei. grins! Der Platz WURDE reserviert und zwar für UNS! Während wir einchecken, fährt ein weiteres Auto vor – tut uns leid – voll (jetzt wirklich!)

Das Eichhörnchen nebenan mag die Reste der ausgeleerten Brottüte (s. Bild) und wir die heißen Quellen, auf die wir uns dann gleich stürzen. Hoffentlich stürzen sich im Gegenzug nicht die reichlich vorhandenen Bären auf uns. Die Mitarbeiterin hat uns zu der üblichen Litanei (der Handhabung wegen Bärengefahr, u. a.: sie haben hier sehr viele Bären und Schilder am Pool zeugen von „Problembären“, na, das ist ja das richtige für mich!)) sogar noch einen Extrahinweis geben: Bitte nicht versuchen zu streicheln. Na, wer kommt denn auf so eine bescheuerte Idee??????? (Anscheinend gibt’s genügend!)

Hügel über Hügel, Bäume über Bäume, ab und zu mal ein kleines Stück den River oder einen See entlang. Kaum Verkehr, aber immer wieder Baustellen, die km-lang per vorne wegfahrenden Pilotwagen durchgestanden werden müssen. Dies meine ich wörtlich. Allein hierfür hat es sich schon gelohnt, die ganzen Trainings und Ausbildung im offroadcamps zu machen. Meine Güte. Die LKW’s fahren dir rechts und links um die Ohren, teilweise staubt es so sehr, dass du nichts mehr siehst (weswegen die „Ampelfrauen“ einen immer ganz nach vorne winken 🙂 und wir als erstes fahren dürfen… – und so by the way all die anderen überholen). Von tiefem Schotter, bis über Sand, grobes Gestein, tiefe, harte Spurrillen, Matsch, Käsepiste (Loch an Loch)… alles vorhanden. Bitte stets sehr aufmerksam bleiben, denn die führen dich kreuz und quer, und alle paar Meter ändert sich die Bodenbeschaffenheit!

Laut unserem Reiseführer (die Infobroschüre aus den lokalen Visitor Center) soll es in Tetsa River die besten Cinnamon Buns des gesamten Alaska Highways geben. Da muss M. natürlich einen Zwischenstopp einlegen. Auf die Frage, was Cinnamon Buns denn nun sind, ernten wir nur einen ungläubigen Blick der Bedienung und irritierte sowie erfolglose Erklärungsversuche. Erst der Einwand, es sei so etwas wie eine Danish Roll (sowas ähnliches wie eine Rosinenschnecke ohne Rosinen) oder einen Donut (das müssten wir als Europäer doch kennen) bringt etwas Licht ins Dunkel und verführt M. zu einer Bestellung. Draußen in der Sonne wird die kalorienreduzierte  😉 Köstlichkeit direkt verspeist. Man nehme also die (sehr heiße) Rosinenschnecke, mache sie dreimal so dick, keine Rosinen, dafür 5 mal soviel Zimt mit karamellisiertem Zucker, keinen Zitronenüberguss, aber das ganze mit reichlich schwimmender heißer Butter übergossen. Klebrig bis zum Abwinken und genauso lecker, O-ton M: „Kannst Du mir bitte die Motorradhose wieder etwas weiter stellen?“. Nein, aber das Abendessen spartanisch gestalten 😉

Ab Tetsa River ändert sich die Landschaft schlagartig. Der Alaska Highway schlängelt sich kurvenreich durch ein Tal und wird für nordamerikanische Verhältnisse zu einem schmalen Asphaltband. Das Einzige, was den Fahrspaß trüb, sind die immer wieder auftauchenden, frisch gesplitteten Flicken auf der Straße. Das geht so weiter, vorbei am Summit Lake, bis zum türkisfarbenen Muncho Lake. Ab dort reichte das Geld nicht mehr für ein kurviges und enges Asphaltband, so dass sich wieder der altbekannte Straßenstandard einstellt.

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@ Schilder: Am Straßenrand stehen andauernd Warnschilder, worauf man alles achten soll, selbstredend auf Büffeln, Wölfe, Bären und neuerdings auch Elche. Waren die in Amerika noch alle mit Untertiteln versehen (für diejenigen, die schlau genug sind und lesen können, aber anscheinend zu doof, die Piktogramme zu interpretieren), so muss man hier schon genau hinsehen. Hier wird auf einer Geraden alle 50 m vor trabenden Pferden, springenden Rehen und zuletzt auch noch vor spazierenden Hirschen gewarnt. Aber mit dem Karibu, welches plötzlich auf der Straße steht, wer hätte denn DAMIT rechnen sollen. Wenigstens ein Schild hätte hier davor doch warnen müssen, oder?! 😉

Die Sonne ist untergegangen und es wird langsam dunkel. Genau auf diesen Zeitpunkt haben wir gewartet. In der Hoffnung, dass sich nun die ganzen Tagestouristen verdrückt haben, machen wir uns auf den Weg zu den heißen Quellen. Diese erreichen wir nach 700 m Boardwalk, leider gemeinsam mit etlichen anderen Leuten (grrr). Die Hot Springs bestehen aus zwei heißen Becken. Im ersten ist niemand, im zweiten Betrieb. Am Rande bekomme ich mit, wie von „cool“ und „hot“ die Rede ist. Dann gehe ich mal lieber dahin, wo alle sind – entgegen meiner sonstigen Angewohnheit. Der ist, wie in der Badewanne, so gerade eben noch auszuhalten heiß. Jetzt weiß ich auch, warum die alle hier sind, und nicht im anderen. Der ist brütend heiß, weil dort die heißen Quellen sprudeln. Wir machen es uns also bequem und beobachten eine Fledermaus, die immer wieder auf der Suche nach Insekten dicht über die Wasseroberfläche fliegt. Nach ausgiebigem Chillen in dem warmen und leicht „duftenden“ Wasser machen wir uns wunderbar aufgewärmt auf den Weg zurück zum Zelt.

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Sa. 8.8.15

Es drohen wieder dicke dunkle Wolken, die mich zur Vollmontur animieren, M. dagegen riskiert nur halbe Regensachen. Es gibt nicht viel. Er hat gewonnen. Auf halbem Weg hängen wir unser Schild in Watson Lake auf. Es geht unter bei all den hunderten Schildern. Macht nix! Auf der Rückfahrt kucken wir nach, ob’s noch hängt.

Heute haben wir an 4 Tankstellen versucht, Sprit zu kriegen, jedesmal nur der mit so geringer Oktanzahl. Da wir noch 150 km Rest hatten, trauten wir uns weiterzufahren, haben aber, 50 km später bereits eine gefunden und getankt. Nach 150 km wieder. Lieber einmal mehr, als hinterher nix kriegen. Hier ist wirklich keiner – 100 km lang niemand. So haben wir heute 3 mal getankt und fast 500 km auf einsamem Alcan abgespult. Morgen gehts weiter nach Skagway, das liegt schon in Alaska, auch wenn diese Stichstraße nur von Kanada aus erreichbar ist

@ Bilder – hier ist selten Internet, wenn’s dann welches gibt, ist es megalangsam, reicht so gerade fürs Hochladen des Textes. Sobald wir in Ancorage sind, gibt es sicher wieder mehr Möglichkeiten. Bitte nicht ungeduldig werden, wir „liefern“ nach 😉

VG B,M

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